mit den äußersten Kometenbahnen = 1 Linie: so wird die größere Axe unserer linsenförmigen Sternschicht = 260 Fuß seyn; und von uns bis zum fernsten Nebelfleck = 43/4 geographische Meilen. Die Sehweite des bewaffneten Auges ist also 43/4 Meile, die des unbewaffneten in gleichem Verhältniß 3 Fuß. -
Man hat Infusionsthiere beobachtet, deren Durchmesser 1/1000 einer Linie beträgt. Diese verhalten sich zu einem Wallfisch von 60-70 Fuß Länge, wie der Durchmesser unseres Sonnensystems, zu der Entfernung desselben von den weitesten Nebelflecken.
Bei allen diesen BerechnungenHamel/Tiemann (Hg.) 1993, S. 56: "Erscheinungen". ist natürlich eine Ungewißheit vorhanden, welche nur dadurch verringert wird, daß man sie in ganz bestimmte Grän- zen einschließen läßt. So weiß man mit Bestimmtheit, daß der Sirius 10,000 mal weiter von uns entfernt ist als Uranus, weil seine Parallaxe noch nicht 1/3 Sekunden beträgt. - Bei der Entfernung des Mondes von 51,000 Mei- len ist man nur um 14-15 Meilen ungewiß, welches so viel heißt, als ob man bei der Höhe des Brockens 3200 Fuß, um 1-2 Fuß ungewiß wäre.
Wenn wir nunmehr zu den tellurischen Verhältnissen übergehen, so müssen wir zuerst zwei flüssige Hüllen um den Erdkörper bemerken, die des Meeres und der Luft, wodurch man schon auf die Kugelgestalt der Erde geführt werden könnteHamel/Tiemann (Hg.) 1993, S. 56: "können".. Schon Aristoteles stellt die Behauptung auf, daß die Erde rund sey, weil man bei den Mondfinsternissen den Erdschatten rund in die Mondscheibe eintreten sieht. Die Erde hat aber keine vollkom- ne Kugelgestalt, mit gleichem Durchmesser, sondern bildet vielmehr ein Sphä-
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mit den äußersten Kometenbahnen = 1 Linie: so wird die größere Axe unserer linsenförmigen Sternschicht = 260 Fuß seyn; und von uns bis zum fernsten Nebelfleck = 4¾ geographische Meilen. Die Sehweite des bewaffneten Auges ist also 4¾ Meile, die des unbewaffneten in gleichem Verhältniß 3 Fuß. –
Man hat Infusionsthiere beobachtet, deren Durchmesser 1/1000 einer Linie beträgt. Diese verhalten sich zu einem Wallfisch von 60–70 Fuß Länge, wie der Durchmesser unseres Sonnensystems, zu der Entfernung desselben von den weitesten Nebelflecken.
Bei allen diesen BerechnungenHamel/Tiemann (Hg.) 1993, S. 56: "Erscheinungen". ist natürlich eine Ungewißheit vorhanden, welche nur dadurch verringert wird, daß man sie in ganz bestimmte Grän- zen einschließen läßt. So weiß man mit Bestimmtheit, daß der Sirius 10,000 mal weiter von uns entfernt ist als Uranus, weil seine Parallaxe noch nicht ⅓ Sekunden beträgt. – Bei der Entfernung des Mondes von 51,000 Mei- len ist man nur um 14–15 Meilen ungewiß, welches so viel heißt, als ob man bei der Höhe des Brockens 3200 Fuß, um 1–2 Fuß ungewiß wäre.
Wenn wir nunmehr zu den tellurischen Verhältnissen übergehen, so müssen wir zuerst zwei flüssige Hüllen um den Erdkörper bemerken, die des Meeres und der Luft, wodurch man schon auf die Kugelgestalt der Erde geführt werden könnteHamel/Tiemann (Hg.) 1993, S. 56: "können".. Schon Aristoteles stellt die Behauptung auf, daß die Erde rund sey, weil man bei den Mondfinsternissen den Erdschatten rund in die Mondscheibe eintreten sieht. Die Erde hat aber keine vollkom- ne Kugelgestalt, mit gleichem Durchmesser, sondern bildet vielmehr ein Sphä-
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[8v/0020]
mit den äußersten Kometenbahnen = 1 Linie: so wird die größere Axe
unserer linsenförmigen Sternschicht = 260 Fuß seyn; und von uns bis zum
fernsten Nebelfleck = 4¾ geogr. Meilen. Die Sehweite des bewaffneten
Auges ist also 4¾ Meile, die des unbewaffneten in gleichem Verhältniß
3 Fuß. –
Man hat Infusionsthiere beobachtet, deren Durchmesser 1/1000 einer Linie
beträgt. Diese verhalten sich zu einem Wallfisch von 60–70 Fuß Länge, wie
der Durchmesser unseres Sonnensystems, zu der Entfernung desselben von
den weitesten Nebelflecken.
Bei allen diesen Berechnungen ist natürlich eine Ungewißheit vorhanden,
welche nur dadurch verringert wird, daß man sie in ganz bestimmte Grän-
zen einschließen läßt. So weiß man mit Bestimmtheit, daß der Sirius
10,000 mal weiter von uns entfernt ist als Uranus, weil seine Parallaxe
noch nicht ⅓ Sek. beträgt. – Bei der Entfernung des Mondes von 51,000 Mei-
len ist man nur um 14–15 Meilen ungewiß, welches so viel heißt, als
ob man bei der Höhe des Brockens 3200 Fuß, um 1–2 Fuß ungewiß wäre.
Wenn wir nunmehr zu den tellurischen Verhältnissen übergehen,
so müssen wir zuerst zwei flüssige Hüllen um den Erdkörper bemerken,
die des Meeres und der Luft, wodurch man schon auf die Kugelgestalt der
Erde geführt werden könnte. Schon Aristoteles stellt die Behauptung auf, daß
die Erde rund sey, weil man bei den Mondfinsternissen den Erdschatten
rund in die Mondscheibe eintreten sieht. Die Erde hat aber keine vollkom-
ne Kugelgestalt, mit gleichem Durchmesser, sondern bildet vielmehr ein Sphä-
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Dieses Werk wurde auf der Grundlage der Transkription in
Hamel, Jürgen u. Klaus Harro Tiemann (Hg.) (1993): Alexander von Humboldt:
Über das Universum. Die Kosmosvorträge 1827/28 in der Berliner Singakademie.
Frankfurt a. M.: Insel.
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[Kohlrausch, Henriette]: Physikalische Geographie. Vorgetragen von Alexander von Humboldt. [Berlin], [1828]. [= Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Sing-Akademie zu Berlin, 6.12.1827–27.3.1828.], S. 8v. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_msgermqu2124_1827/20>, abgerufen am 23.09.2024.
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