keit und Verschiedenheit der Menschenracen statt findet, als auf der entgegen- gesetzten. Von Norden nach Süden findet man mehr oder weniger eine Uebereinstimmung in der Organisation, und selbst in der Sprache der Einge- bohrnen. Eigne Thier- und Pflanzenformen bezeichnen diese Erdhälfte, für die zum Beispiel die Cactusform charakteristisch ist. (Ich bemerke hierbei dasß in der süd- lichen Zone des alten Kontinents, so wie in Amerika unsere Rose gänzlich fehlt.) - Pachydermen finden sich nicht auf dieser Seite, wahrscheinlich weil dieselbe Revolution, welche von 56 Species nur 12 übrig ließ, hier diese Thier- form von Grund aus vernichtete. - Ich allein habe jedoch von meiner Reise 3 neue Species fossiler Elephanten aus Amerika mitgebracht, die merkwür- diger Weise sich nicht da fanden, wo das Klima dem ähnlich ist, in welchem noch jetzt Elephanten leben, sondern in einer Höhe von 6-7000', oder wenn weit entfernt von den Tropen, in einer Ebene, wie am Ohio, am Missisippi, am Mis- souri wo die Ueberreste jener riesenhaften Mastodonten angetroffen wer- den. - Das colossale fossile Armadill, welches man in dem Cabinet zu Madrid aufbewahrt, ist am Rio de la Plata gefunden worden.
Doch ermangelt Amerika auch jetzt nicht aller größeren Thierformen. Im äußersten Norden giebt es Auerochsen (Bisons), verschieden von den euro- päischen und unter ihnen Thiere von bedeutender Größe. Am OhioundMissouri weiden Heerden von 9-10,000 dieser Bisons, deren Höhe bis zum Rücken 10' beträgt, und deren Gewicht oft 2000Lb erreicht. - Ich mache hier auf die Thatsache aufmerksam, daß die volumineusesten unsHamel/Tiemann (Hg.) 1993, S. 122: "und". bekannten Thiere, so wie auch die untergegangenen, sämtlich als grasfressend sich charakterisiren. So hat
man
keit und Verschiedenheit der Menschenracen statt findet, als auf der entgegen- gesetzten. Von Norden nach Süden findet man mehr oder weniger eine Uebereinstimmung in der Organisation, und selbst in der Sprache der Einge- bohrnen. Eigne Thier- und Pflanzenformen bezeichnen diese Erdhälfte, für die zum Beispiel die Cactusform charakteristisch ist. (Ich bemerke hierbei dasß in der süd- lichen Zone des alten Kontinents, so wie in Amerika unsere Rose gänzlich fehlt.) – Pachydermen finden sich nicht auf dieser Seite, wahrscheinlich weil dieselbe Revolution, welche von 56 Species nur 12 übrig ließ, hier diese Thier- form von Grund aus vernichtete. – Ich allein habe jedoch von meiner Reise 3 neue Species fossiler Elephanten aus Amerika mitgebracht, die merkwür- diger Weise sich nicht da fanden, wo das Klima dem ähnlich ist, in welchem noch jetzt Elephanten leben, sondern in einer Höhe von 6–7000′, oder wenn weit entfernt von den Tropen, in einer Ebene, wie am Ohio, am Missisippi, am Mis- souri wo die Ueberreste jener riesenhaften Mastodonten angetroffen wer- den. – Das colossale fossile Armadill, welches man in dem Cabinet zu Madrid aufbewahrt, ist am Rio de la Plata gefunden worden.
Doch ermangelt Amerika auch jetzt nicht aller größeren Thierformen. Im äußersten Norden giebt es Auerochsen (Bisons), verschieden von den euro- päischen und unter ihnen Thiere von bedeutender Größe. Am OhioundMissouri weiden Heerden von 9–10,000 dieser Bisons, deren Höhe bis zum Rücken 10′ beträgt, und deren Gewicht oft 2000℔ erreicht. – Ich mache hier auf die Thatsache aufmerksam, daß die volumineusesten unsHamel/Tiemann (Hg.) 1993, S. 122: "und". bekannten Thiere, so wie auch die untergegangenen, sämtlich als grasfressend sich charakterisiren. So hat
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[40r/0083]
keit und Verschiedenheit der Menschenracen statt findet, als auf der entgegen-
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Uebereinstimmung in der Organisation, und selbst in der Sprache der Einge-
bohrnen. Eigne Thier und Pflanzenformen bezeichnen diese Erdhälfte, für die
z. B. die Cactusform charakteristisch ist. (Ich bemerke hierbei daß in der süd-
lichen Zone des alten Kontinents, so wie in Amerika unsere Rose gänzlich
fehlt.) – Pachydermen finden sich nicht auf dieser Seite, wahrscheinlich weil
dieselbe Revolution, welche von 56 Species nur 12 übrig ließ, hier diese Thier-
form von Grund aus vernichtete. – Ich allein habe jedoch von meiner Reise
3 neue Species fossiler Elephanten aus Amerika mitgebracht, die merkwür-
diger Weise sich nicht da fanden, wo das Klima dem ähnlich ist, in welchem noch
jetzt Elephanten leben, sondern in einer Höhe von 6–7000′, oder wenn weit
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souri wo die Ueberreste jener riesenhaften Mastodonten angetroffen wer-
den. – Das colossale fossile Armadill, welches man in dem Cabinet zu Madrid
aufbewahrt, ist am Rio de la Plata gefunden worden.
Doch ermangelt Amerika auch jetzt nicht aller größeren Thierformen. Im
äußersten Norden giebt es Auerochsen (Bisons), verschieden von den euro-
päischen und unter ihnen Thiere von bedeutender Größe. Am Ohio u. Missouri
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Hamel, Jürgen u. Klaus Harro Tiemann (Hg.) (1993): Alexander von Humboldt:
Über das Universum. Die Kosmosvorträge 1827/28 in der Berliner Singakademie.
Frankfurt a. M.: Insel.
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[Kohlrausch, Henriette]: Physikalische Geographie. Vorgetragen von Alexander von Humboldt. [Berlin], [1828]. [= Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Sing-Akademie zu Berlin, 6.12.1827–27.3.1828.], S. 40r. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_msgermqu2124_1827/83>, abgerufen am 23.09.2024.
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