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[Kohlrausch, Henriette]: Physikalische Geographie. Vorgetragen von Alexander von Humboldt. [Berlin], [1828]. [= Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Sing-Akademie zu Berlin, 6.12.1827–27.3.1828.]

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nehmen, und die Metalloide der Alkalien erscheinen flüssig, selbst bei einer
sehr mäßigen Temperatur. So kennen wir das Wasser flüchtig als Wasser-
gas, und als Eis in so starrem Zustande, daß es am Nordpol, und auf ho-
hen Bergen einen Theil der Gebirgsmassen des festen Erdkörpers auszu-
machen scheint. - Bei dem jedesmaligen Uebergange aus einem Zustan-
de in den andern, wird Wärme frei, die zuvor gebunden (latent) die Form
bestimmt hat, unter der ein Körper uns erscheint. Hierauf gründet sich die
Entdeckung des Profeßor Leslie zu Edinburgh, welche das Mittel an die Hand
giebt, mitten in der Tropenhitze Eis herbeizuschaffen, wenn auch keine hohen
Berge in der Nähe sind. Unter dem Recipienten der Luftpumpe macht er
das Wasser bei jeder Temperatur, durch seine Verdünnstung, in wenig
Minuten gefrieren, indem er den entstandenen Wasserdampf, durch zu-
gleich unter die Glocke gebrachte concentrirte Schwefelsäure absorbiren
läßt, und dadurch den leeren Raum immer wieder herstellt, so daß die
Verdünstung ununterbrochen schnell fortgehen kann. - Sehr viele dieser
Maschinen sind seitdem von England aus, nach Ost- und Westindien versen-
det worden, und es ist nur zu bedauern, daß die Erzeugung dieses Erfri-
schungsmittels im Großen doch immer etwas theuer zu stehen kommt.

Gay-Lussac hat gezeigt, daß die Wärmestrahlung des Bodens durch trockne
Luft gegen einen wolkenfreien Himmel, die eigentliche Ursach des sonderba-
ren Erkältungs-Processes ist, der den Dr. Oudney vor Kälte sterben ließ, mit-
ten in Afrika, an der Grenze von Bornu, unter dem 13ten Grade der
Breite, zu Ende Decembers, in einem Lande, das, nach Barometer-Messun-

gen

nehmen, und die Metalloide der Alkalien erscheinen flüssig, selbst bei einer
sehr mäßigen Temperatur. So kennen wir das Wasser flüchtig als Wasser-
gas, und als Eis in so starrem Zustande, daß es am Nordpol, und auf ho-
hen Bergen einen Theil der Gebirgsmassen des festen Erdkörpers auszu-
machen scheint. – Bei dem jedesmaligen Uebergange aus einem Zustan-
de in den andern, wird Wärme frei, die zuvor gebunden (latent) die Form
bestimmt hat, unter der ein Körper uns erscheint. Hierauf gründet sich die
Entdeckung des Profeßor Leslie zu Edinburgh, welche das Mittel an die Hand
giebt, mitten in der Tropenhitze Eis herbeizuschaffen, wenn auch keine hohen
Berge in der Nähe sind. Unter dem Recipienten der Luftpumpe macht er
das Wasser bei jeder Temperatur, durch seine Verdünnstung, in wenig
Minuten gefrieren, indem er den entstandenen Wasserdampf, durch zu-
gleich unter die Glocke gebrachte concentrirte Schwefelsäure absorbiren
läßt, und dadurch den leeren Raum immer wieder herstellt, so daß die
Verdünstung ununterbrochen schnell fortgehen kann. – Sehr viele dieser
Maschinen sind seitdem von England aus, nach Ost- und Westindien versen-
det worden, und es ist nur zu bedauern, daß die Erzeugung dieses Erfri-
schungsmittels im Großen doch immer etwas theuer zu stehen kommt.

Gay-Lussac hat gezeigt, daß die Wärmestrahlung des Bodens durch trockne
Luft gegen einen wolkenfreien Himmel, die eigentliche Ursach des sonderba-
ren Erkältungs-Processes ist, der den Dr. Oudney vor Kälte sterben ließ, mit-
ten in Afrika, an der Grenze von Bornu, unter dem 13ten Grade der
Breite, zu Ende Decembers, in einem Lande, das, nach Barometer-Messun-

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[23r/0049] nehmen, und die Metalloide der Alkalien erscheinen flüssig, selbst bei einer sehr mäßigen Temperatur. So kennen wir das Wasser flüchtig als Wasser- gas, und als Eis in so starrem Zustande, daß es am Nordpol, und auf ho- hen Bergen einen Theil der Gebirgsmassen des festen Erdkörpers auszu- machen scheint. – Bei dem jedesmaligen Uebergange aus einem Zustan- de in den andern, wird Wärme frei, die zuvor gebunden (latent) die Form bestimmt hat, unter der ein Körper uns erscheint. Hierauf gründet sich die Entdeckung des Profeßor Leslie zu Edinburgh, welche das Mittel an die Hand giebt, mitten in der Tropenhitze Eis herbeizuschaffen, wenn auch keine hohen Berge in der Nähe sind. Unter dem Recipienten der Luftpumpe macht er das Wasser bei jeder Temperatur, durch seine Verdünnstung, in wenig Minuten gefrieren, indem er den entstandenen Wasserdampf, durch zu- gleich unter die Glocke gebrachte concentrirte Schwefelsäure absorbiren läßt, und dadurch den leeren Raum immer wieder herstellt, so daß die Verdünstung ununterbrochen schnell fortgehen kann. – Sehr viele dieser Maschinen sind seitdem von England aus, nach Ost und Westindien versen- det worden, und es ist nur zu bedauern, daß die Erzeugung dieses Erfri- schungsmittels im Großen doch immer etwas theuer zu stehen kommt. Gay-Lussac hat gezeigt, daß die Wärmestrahlung des Bodens durch trockne Luft gegen einen wolkenfreien Himmel, die eigentliche Ursach des sonderba- ren Erkältungs Processes ist, der den Dr. Oudney vor Kälte sterben ließ, mit- ten in Afrika, an der Grenze von Bornu, unter dem 13ten Grade der Breite, zu Ende Decembers, in einem Lande, das, nach Barometer Messun- gen

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Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Christian Thomas: Herausgeber
Benjamin Fiechter, Christian Thomas: Bearbeiter
Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz: Bereitstellen der Digitalisierungsvorlage; Bilddigitalisierung

Weitere Informationen:

Dieses Werk wurde auf der Grundlage der Transkription in Hamel, Jürgen u. Klaus Harro Tiemann (Hg.) (1993): Alexander von Humboldt: Über das Universum. Die Kosmosvorträge 1827/28 in der Berliner Singakademie. Frankfurt a. M.: Insel. anhand der Vorlage geprüft und korrigiert, nach XML/TEI P5 konvertiert und gemäß dem DTA-Basisformat kodiert.

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Zitationshilfe: [Kohlrausch, Henriette]: Physikalische Geographie. Vorgetragen von Alexander von Humboldt. [Berlin], [1828]. [= Nachschrift der ‚Kosmos-Vorträge‛ Alexander von Humboldts in der Sing-Akademie zu Berlin, 6.12.1827–27.3.1828.], S. 23r. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_msgermqu2124_1827/49>, abgerufen am 17.05.2021.