Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Der allerneuesten Europäischen Welt- und Staats-Geschichte II. Theil. Nr. V, 3. Woche, Erfurt (Thüringen), 13. Januar 1744.

Bild:
<< vorherige Seite

fleißigen wolten, eine Erkäntniß von Belager- und Vertheidigung
einer Vestung zu erlangen.

Die Böhmischen Stände haben beschlossen, der Printzeßin
Maria Anna ein Präsent von 6000. Ducaten, dem Printz Carl
aber von 4000. Duc. zu machen, welchem Exempel die übrigen
Erblande ohne Zweifel nachfolgen.

Der Hr. Obriste Mentzel hat sich in einem Schreiben an den
Hrn. Baron von Jaxtheim, Ungarischen Minister zu Hannover,
mocquirt, daß seine Feinde ihn ins Reich der Todten bey lebendi-
gem Leibe verwiesen. Es wäre noch gar nicht an dem; sondern er
wolte in künfftiger Campagne zeigen, wie viel seiner Feinde Haare
lassen, und ihm erstlich Quartier in denen Elyseischen Feldern ma-
chen solten.

Unter der Hand verlautet, daß dem Englischen Parlament ein
Commercien-Tractat zwischen Groß-Brittannien und Ungarn vor-
gelegt worden, welcher die Excludirung der Frantzösischen Waaren
betrifft; der Hafen Triest aber solte frey, und zu einem depositorio
derer inländischen Waaren erklärt werden. Hingegen würde die
Einfuhre in die Oesterreichischen Lande aller Englischen Waaren,
ausgenommen den Cattun, frey gestattet. Wir wollen die Wahr-
heit in der Wiederhohlung dieser Nachricht erwarten, bis dahin
sind wir aber sehr schwer-glaubig, daß es wohl angehen oder von
Bestand seyn dörffte.

Der Ungarische Resident, Hr. von Penckler, hat zu Constan-
tinopel wichtige Entdeckungen der Frantzösischen entamirten Un-
terhandlungen gemacht, die er alle mit Urkunden und Briefen an
die Königin von Ungarn überschickt, der Marquis Castellane, Fran-
tzösischer Ambassadeur an der Ottomannischen Pforte, hat so gar ei-
nen Griechischen Brief-Wechsel mit denen 2. vornehmsten Sultanin
zu unterhalten gewußt. Jedoch der beste Mann im Spiel hat ge-
fehlt. Und das Triebwerck hört nun auf, da der bestochene Groß-
Vezier seiner Würde entsetzet. Die gantze Depeche aus Constan-
tinopel wird ins Latein- nnd Frantzösische übersetzt, um sie ehistens
zu einer besondern Rechtfertigung zu brauchen.

Die Schwäbischen Stände haben wegen der Frantzosen Be-
schwerung auf dem Reichs-Tag geführt, in dem vornemlichen Jn-

fleißigen wolten, eine Erkäntniß von Belager- und Vertheidigung
einer Vestung zu erlangen.

Die Böhmischen Stände haben beschlossen, der Printzeßin
Maria Anna ein Präsent von 6000. Ducaten, dem Printz Carl
aber von 4000. Duc. zu machen, welchem Exempel die übrigen
Erblande ohne Zweifel nachfolgen.

Der Hr. Obriste Mentzel hat sich in einem Schreiben an den
Hrn. Baron von Jaxtheim, Ungarischen Minister zu Hannover,
mocquirt, daß seine Feinde ihn ins Reich der Todten bey lebendi-
gem Leibe verwiesen. Es wäre noch gar nicht an dem; sondern er
wolte in künfftiger Campagne zeigen, wie viel seiner Feinde Haare
lassen, und ihm erstlich Quartier in denen Elyseischen Feldern ma-
chen solten.

Unter der Hand verlautet, daß dem Englischen Parlament ein
Commercien-Tractat zwischen Groß-Brittannien und Ungarn vor-
gelegt worden, welcher die Excludirung der Frantzösischen Waaren
betrifft; der Hafen Triest aber solte frey, und zu einem depoſitorio
derer inländischen Waaren erklärt werden. Hingegen würde die
Einfuhre in die Oesterreichischen Lande aller Englischen Waaren,
ausgenommen den Cattun, frey gestattet. Wir wollen die Wahr-
heit in der Wiederhohlung dieser Nachricht erwarten, bis dahin
sind wir aber sehr schwer-glaubig, daß es wohl angehen oder von
Bestand seyn dörffte.

Der Ungarische Reſident, Hr. von Penckler, hat zu Constan-
tinopel wichtige Entdeckungen der Frantzösischen entamirten Un-
terhandlungen gemacht, die er alle mit Urkunden und Briefen an
die Königin von Ungarn überschickt, der Marquis Castellane, Fran-
tzösischer Ambassadeur an der Ottomannischen Pforte, hat so gar ei-
nen Griechischen Brief-Wechsel mit denen 2. vornehmsten Sultanin
zu unterhalten gewußt. Jedoch der beste Mann im Spiel hat ge-
fehlt. Und das Triebwerck hört nun auf, da der bestochene Groß-
Vezier seiner Würde entsetzet. Die gantze Depeche aus Constan-
tinopel wird ins Latein- nnd Frantzösische übersetzt, um sie ehistens
zu einer besondern Rechtfertigung zu brauchen.

Die Schwäbischen Stände haben wegen der Frantzosen Be-
schwerung auf dem Reichs-Tag geführt, in dem vornemlichen Jn-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div type="jPoliticalNews">
        <div type="jArticle">
          <p><pb facs="#f0004" n="36"/>
fleißigen wolten, eine Erkäntniß von Belager- und Vertheidigung<lb/>
einer Vestung zu erlangen.</p><lb/>
          <p>Die Böhmischen Stände haben beschlossen, der Printzeßin<lb/>
Maria Anna ein Präsent von 6000. Ducaten, dem Printz Carl<lb/>
aber von 4000. Duc. zu machen, welchem Exempel die übrigen<lb/>
Erblande ohne Zweifel nachfolgen.</p><lb/>
          <p>Der Hr. Obriste Mentzel hat sich in einem Schreiben an den<lb/>
Hrn. Baron von Jaxtheim, Ungarischen Minister zu Hannover,<lb/><hi rendition="#aq">mocqui</hi>rt, daß seine Feinde ihn ins Reich der Todten bey lebendi-<lb/>
gem Leibe verwiesen. Es wäre noch gar nicht an dem; sondern er<lb/>
wolte in künfftiger Campagne zeigen, wie viel seiner Feinde Haare<lb/>
lassen, und ihm erstlich Quartier in denen Elyseischen Feldern ma-<lb/>
chen solten.</p><lb/>
          <p>Unter der Hand verlautet, daß dem Englischen Parlament ein<lb/>
Commercien-Tractat zwischen Groß-Brittannien und Ungarn vor-<lb/>
gelegt worden, welcher die Excludirung der Frantzösischen Waaren<lb/>
betrifft; der Hafen Triest aber solte frey, und zu einem <hi rendition="#aq">depo&#x017F;itorio</hi><lb/>
derer inländischen Waaren erklärt werden. Hingegen würde die<lb/>
Einfuhre in die Oesterreichischen Lande aller Englischen Waaren,<lb/>
ausgenommen den Cattun, frey gestattet. Wir wollen die Wahr-<lb/>
heit in der Wiederhohlung dieser Nachricht erwarten, bis dahin<lb/>
sind wir aber sehr schwer-glaubig, daß es wohl angehen oder von<lb/>
Bestand seyn dörffte.</p><lb/>
          <p>Der Ungarische <hi rendition="#aq">Re&#x017F;ident</hi>, Hr. von Penckler, hat zu Constan-<lb/>
tinopel wichtige Entdeckungen der Frantzösischen <hi rendition="#aq">entami</hi>rten Un-<lb/>
terhandlungen gemacht, die er alle mit Urkunden und Briefen an<lb/>
die Königin von Ungarn überschickt, der Marquis Castellane, Fran-<lb/>
tzösischer Ambassadeur an der Ottomannischen Pforte, hat so gar ei-<lb/>
nen Griechischen Brief-Wechsel mit denen 2. vornehmsten Sultanin<lb/><hi rendition="#g">zu</hi> unterhalten gewußt. Jedoch der beste Mann im Spiel hat ge-<lb/>
fehlt. Und das Triebwerck hört nun auf, da der bestochene Groß-<lb/>
Vezier seiner Würde entsetzet. Die gantze <hi rendition="#aq">Depeche</hi> aus Constan-<lb/>
tinopel wird ins Latein- nnd Frantzösische übersetzt, um sie ehistens<lb/>
zu einer besondern Rechtfertigung zu brauchen.</p><lb/>
          <p>Die Schwäbischen Stände haben wegen der Frantzosen Be-<lb/>
schwerung auf dem Reichs-Tag geführt, in dem vornemlichen Jn-<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[36/0004] fleißigen wolten, eine Erkäntniß von Belager- und Vertheidigung einer Vestung zu erlangen. Die Böhmischen Stände haben beschlossen, der Printzeßin Maria Anna ein Präsent von 6000. Ducaten, dem Printz Carl aber von 4000. Duc. zu machen, welchem Exempel die übrigen Erblande ohne Zweifel nachfolgen. Der Hr. Obriste Mentzel hat sich in einem Schreiben an den Hrn. Baron von Jaxtheim, Ungarischen Minister zu Hannover, mocquirt, daß seine Feinde ihn ins Reich der Todten bey lebendi- gem Leibe verwiesen. Es wäre noch gar nicht an dem; sondern er wolte in künfftiger Campagne zeigen, wie viel seiner Feinde Haare lassen, und ihm erstlich Quartier in denen Elyseischen Feldern ma- chen solten. Unter der Hand verlautet, daß dem Englischen Parlament ein Commercien-Tractat zwischen Groß-Brittannien und Ungarn vor- gelegt worden, welcher die Excludirung der Frantzösischen Waaren betrifft; der Hafen Triest aber solte frey, und zu einem depoſitorio derer inländischen Waaren erklärt werden. Hingegen würde die Einfuhre in die Oesterreichischen Lande aller Englischen Waaren, ausgenommen den Cattun, frey gestattet. Wir wollen die Wahr- heit in der Wiederhohlung dieser Nachricht erwarten, bis dahin sind wir aber sehr schwer-glaubig, daß es wohl angehen oder von Bestand seyn dörffte. Der Ungarische Reſident, Hr. von Penckler, hat zu Constan- tinopel wichtige Entdeckungen der Frantzösischen entamirten Un- terhandlungen gemacht, die er alle mit Urkunden und Briefen an die Königin von Ungarn überschickt, der Marquis Castellane, Fran- tzösischer Ambassadeur an der Ottomannischen Pforte, hat so gar ei- nen Griechischen Brief-Wechsel mit denen 2. vornehmsten Sultanin zu unterhalten gewußt. Jedoch der beste Mann im Spiel hat ge- fehlt. Und das Triebwerck hört nun auf, da der bestochene Groß- Vezier seiner Würde entsetzet. Die gantze Depeche aus Constan- tinopel wird ins Latein- nnd Frantzösische übersetzt, um sie ehistens zu einer besondern Rechtfertigung zu brauchen. Die Schwäbischen Stände haben wegen der Frantzosen Be- schwerung auf dem Reichs-Tag geführt, in dem vornemlichen Jn-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Institut für Deutsche Sprache, Mannheim: Bereitstellung der Bilddigitalisate und TEI Transkription
Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V., Dortmund: Bereitstellung der den Bilddigitalisaten zugrunde liegenden Microfilmaufnahmen
Peter Fankhauser: Transformation von TUSTEP nach TEI P5. Transformation von TEI P5 in das DTA-Basisformat.
Susanne Haaf: Artikelstrukturierung nach DTA-Basisformat.

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

Die Transkription erfolgte nach den unter http://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat formulierten Richtlinien.

Verfahren der Texterfassung: manuell (doppelt erfasst).

  • Bogensignaturen: nicht übernommen.
  • Druckfehler: ignoriert.
  • fremdsprachliches Material: nur Fremdskripte gekennzeichnet.
  • Geminations-/Abkürzungsstriche: wie Vorlage.
  • Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): wie Vorlage.
  • i/j in Fraktur: wie Vorlage.
  • I/J in Fraktur: wie Vorlage.
  • Kolumnentitel: nicht übernommen.
  • Kustoden: nicht übernommen.
  • langes s (?): in Frakturschrift als s transkribiert, in Antiquaschrift beibehalten.
  • Normalisierungen: keine.
  • rundes r (&#xa75b;): als r/et transkribiert.
  • Seitenumbrüche markiert: ja.
  • Silbentrennung: wie Vorlage.
  • u/v bzw. U/V: wie Vorlage.
  • Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert.
  • Vollständigkeit: vollständig erfasst.
  • Zeichensetzung: DTABf-getreu.
  • Zeilenumbrüche markiert: ja.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/nn_weltgeschichte0205_1744
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/nn_weltgeschichte0205_1744/4
Zitationshilfe: Der allerneuesten Europäischen Welt- und Staats-Geschichte II. Theil. Nr. V, 3. Woche, Erfurt (Thüringen), 13. Januar 1744, S. 36. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_weltgeschichte0205_1744/4>, abgerufen am 13.08.2022.