Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Der allerneuesten Europäischen Welt- und Staats-Geschichte II. Theil. Nr. XXVII, 14. Woche, Erfurt (Thüringen), 30. März 1744.

Bild:
<< vorherige Seite
Neuigkeiten von Teutschland.

Die Durchl. Ertz-Hertzogin, Maria Anna, sind nebst Dero hohen
Gemahl, den 11. Mertz, unter dreymahliger Abfeuerung des
groben Geschützes von denen Wällen, und Paradirung der Militz,
zu Hildesheim angelangt, und in der Hochfürstl. Cantzley abgetre-
ten, wobey es einen Scharmützel zwischen denen 200. Stadt-Sol-
daten, und 60. Churfürstl. aus Peine, die paradirt haben, gesetzt.
Jhro Königl. Hoheit sind sehr empfindlich darüber worden, und ha-
ben nur die Churfürstl. Wache angenommen. Den 16. langten
beyde hohe Herrschafften in Wesel an, und nach 2. täglichen Aufent-
halt setzten Sie Dero Reise nach Brüssel fort, allwo sich Jhro Ho-
heit, der Printz Carl, nur einige Wochen aufhalten werden, von
wannen Sie noch vor dem May nach der Armee am Rhein gehen,
um daselbst das Commando zu führen.

Nun haben auch den 10. Mertz der Fürst-Bischoff zu Lüttich,
in dem Capitul den Eyd abgelegt, wornach das Te Deum laudamus,
unter Abfeuerung der Canonen und Läutung aller Glocken, gesungen
wurde. Von denen 18. vorgelegten Capitulations-Puncten sollen
Dieselben 8. nicht bewilliget haben, worunter der eine darinn bestehet,
wie nemlich das Dom-Capitul begehrte, hochgedachte Jhro Durchl.
solten den etwanigen zu hoffen habenden Cardinals-Huth abschlagen.
Wer weiß, ob es diesem Fürst-Bischoff auch jemahls im Sinn gekom-
men, ob Sie sich gleich hierinne nicht wollen vorschreiben lassen, denn
man darff sicher muthmassen, daß sie dereinst ihr Augenmerck auf ei-
ne Geistl. Chur-Würde richten werden, welche so viel wir wissen, mit
dem Cardinals-Huth nicht compatible ist.

Laut einer accuraten Liste, die man zu Wien publicirt hat, be-
stehet die Ungarische Armee am Rhein, künfftig an regulirten Troup-
pen in 47350. Mann Jnfanterie, und 16000. Mann Cavallerie, be-
nebst 7800. Husaren; an irregulairen Fuß-Volck aber, als Waras-
dinern, Sauströhmern, Panduren, Gränitzern, Raitzen, Croaten,
Bannatern, Theissern, Horwathen und Carlstädtern, in 15000.
Mann, und an dergleichen Reuterey 1100. Mann, zusammen 62350.
Jnfanterie, und 24900. Mann Cavallerie. Summa Summarum
87250. Mann. Das in Bayern bleibende Corpo ist 33400. Mann
starck, nemlich 25800. Jnfanterie, 6900. Cavallerie, worunter 1300.
Husaren. Jn Ungarn und Siebenbürgen bleiben an teutscher Mann-

Neuigkeiten von Teutschland.

Die Durchl. Ertz-Hertzogin, Maria Anna, sind nebst Dero hohen
Gemahl, den 11. Mertz, unter dreymahliger Abfeuerung des
groben Geschützes von denen Wällen, und Paradirung der Militz,
zu Hildesheim angelangt, und in der Hochfürstl. Cantzley abgetre-
ten, wobey es einen Scharmützel zwischen denen 200. Stadt-Sol-
daten, und 60. Churfürstl. aus Peine, die paradirt haben, gesetzt.
Jhro Königl. Hoheit sind sehr empfindlich darüber worden, und ha-
ben nur die Churfürstl. Wache angenommen. Den 16. langten
beyde hohe Herrschafften in Wesel an, und nach 2. täglichen Aufent-
halt setzten Sie Dero Reise nach Brüssel fort, allwo sich Jhro Ho-
heit, der Printz Carl, nur einige Wochen aufhalten werden, von
wannen Sie noch vor dem May nach der Armee am Rhein gehen,
um daselbst das Commando zu führen.

Nun haben auch den 10. Mertz der Fürst-Bischoff zu Lüttich,
in dem Capitul den Eyd abgelegt, wornach das Te Deum laudamus,
unter Abfeuerung der Canonen und Läutung aller Glocken, gesungen
wurde. Von denen 18. vorgelegten Capitulations-Puncten sollen
Dieselben 8. nicht bewilliget haben, worunter der eine darinn bestehet,
wie nemlich das Dom-Capitul begehrte, hochgedachte Jhro Durchl.
solten den etwanigen zu hoffen habenden Cardinals-Huth abschlagen.
Wer weiß, ob es diesem Fürst-Bischoff auch jemahls im Sinn gekom-
men, ob Sie sich gleich hierinne nicht wollen vorschreiben lassen, denn
man darff sicher muthmassen, daß sie dereinst ihr Augenmerck auf ei-
ne Geistl. Chur-Würde richten werden, welche so viel wir wissen, mit
dem Cardinals-Huth nicht compatible ist.

Laut einer accuraten Liste, die man zu Wien publicirt hat, be-
stehet die Ungarische Armee am Rhein, künfftig an regulirten Troup-
pen in 47350. Mann Jnfanterie, und 16000. Mann Cavallerie, be-
nebst 7800. Husaren; an irregulairen Fuß-Volck aber, als Waras-
dinern, Sauströhmern, Panduren, Gränitzern, Raitzen, Croaten,
Bannatern, Theissern, Horwathen und Carlstädtern, in 15000.
Mann, und an dergleichen Reuterey 1100. Mann, zusammen 62350.
Jnfanterie, und 24900. Mann Cavallerie. Summa Summarum
87250. Mann. Das in Bayern bleibende Corpo ist 33400. Mann
starck, nemlich 25800. Jnfanterie, 6900. Cavallerie, worunter 1300.
Husaren. Jn Ungarn und Siebenbürgen bleiben an teutscher Mann-

<TEI>
  <text>
    <body>
      <pb facs="#f0004" n="212"/>
      <div type="jPoliticalNews">
        <div type="jArticle">
          <head>Neuigkeiten von Teutschland.</head><lb/>
          <p><hi rendition="#in">D</hi>ie Durchl. Ertz-Hertzogin, Maria Anna, sind nebst Dero hohen<lb/>
Gemahl, den 11. Mertz, unter dreymahliger Abfeuerung des<lb/>
groben Geschützes von denen Wällen, und Paradirung der Militz,<lb/>
zu Hildesheim angelangt, und in der Hochfürstl. Cantzley abgetre-<lb/>
ten, wobey es einen Scharmützel zwischen denen 200. Stadt-Sol-<lb/>
daten, und 60. Churfürstl. aus Peine, die <hi rendition="#aq">paradi</hi>rt haben, gesetzt.<lb/>
Jhro Königl. Hoheit sind sehr empfindlich darüber worden, und ha-<lb/>
ben nur die Churfürstl. Wache angenommen. Den 16. langten<lb/>
beyde hohe Herrschafften in Wesel an, und nach 2. täglichen Aufent-<lb/>
halt setzten Sie Dero Reise nach Brüssel fort, allwo sich Jhro Ho-<lb/>
heit, der Printz Carl, nur einige Wochen aufhalten werden, von<lb/>
wannen Sie noch vor dem May nach der Armee am Rhein gehen,<lb/>
um daselbst das Commando zu führen.</p><lb/>
          <p>Nun haben auch den 10. Mertz der Fürst-Bischoff zu Lüttich,<lb/>
in dem Capitul den Eyd abgelegt, wornach das <hi rendition="#aq">Te Deum laudamus,</hi><lb/>
unter Abfeuerung der Canonen und Läutung aller Glocken, gesungen<lb/>
wurde. Von denen 18. vorgelegten Capitulations-Puncten sollen<lb/>
Dieselben 8. nicht bewilliget haben, worunter der eine darinn bestehet,<lb/>
wie nemlich das Dom-Capitul begehrte, hochgedachte Jhro Durchl.<lb/>
solten den etwanigen zu hoffen habenden Cardinals-Huth abschlagen.<lb/>
Wer weiß, ob es diesem Fürst-Bischoff auch jemahls im Sinn gekom-<lb/>
men, ob Sie sich gleich hierinne nicht wollen vorschreiben lassen, denn<lb/>
man darff sicher muthmassen, daß sie dereinst ihr Augenmerck auf ei-<lb/>
ne Geistl. Chur-Würde richten werden, welche so viel wir wissen, mit<lb/>
dem Cardinals-Huth nicht <hi rendition="#aq">compatible</hi> ist.</p><lb/>
          <p>Laut einer <hi rendition="#aq">accuraten</hi> Liste, die man zu Wien <hi rendition="#aq">publici</hi>rt hat, be-<lb/>
stehet die Ungarische Armee am Rhein, künfftig an regulirten Troup-<lb/>
pen in 47350. Mann Jnfanterie, und 16000. Mann Cavallerie, be-<lb/>
nebst 7800. Husaren; an <hi rendition="#aq">irregulai</hi>ren Fuß-Volck aber, als Waras-<lb/>
dinern, Sauströhmern, Panduren, Gränitzern, Raitzen, Croaten,<lb/>
Bannatern, Theissern, Horwathen und Carlstädtern, in 15000.<lb/>
Mann, und an dergleichen Reuterey 1100. Mann, zusammen 62350.<lb/>
Jnfanterie, und 24900. Mann Cavallerie. <hi rendition="#aq">Summa Summarum</hi><lb/>
87250. Mann. Das in Bayern bleibende Corpo ist 33400. Mann<lb/>
starck, nemlich 25800. Jnfanterie, 6900. Cavallerie, worunter 1300.<lb/>
Husaren. Jn Ungarn und Siebenbürgen bleiben an teutscher Mann-<lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[212/0004] Neuigkeiten von Teutschland. Die Durchl. Ertz-Hertzogin, Maria Anna, sind nebst Dero hohen Gemahl, den 11. Mertz, unter dreymahliger Abfeuerung des groben Geschützes von denen Wällen, und Paradirung der Militz, zu Hildesheim angelangt, und in der Hochfürstl. Cantzley abgetre- ten, wobey es einen Scharmützel zwischen denen 200. Stadt-Sol- daten, und 60. Churfürstl. aus Peine, die paradirt haben, gesetzt. Jhro Königl. Hoheit sind sehr empfindlich darüber worden, und ha- ben nur die Churfürstl. Wache angenommen. Den 16. langten beyde hohe Herrschafften in Wesel an, und nach 2. täglichen Aufent- halt setzten Sie Dero Reise nach Brüssel fort, allwo sich Jhro Ho- heit, der Printz Carl, nur einige Wochen aufhalten werden, von wannen Sie noch vor dem May nach der Armee am Rhein gehen, um daselbst das Commando zu führen. Nun haben auch den 10. Mertz der Fürst-Bischoff zu Lüttich, in dem Capitul den Eyd abgelegt, wornach das Te Deum laudamus, unter Abfeuerung der Canonen und Läutung aller Glocken, gesungen wurde. Von denen 18. vorgelegten Capitulations-Puncten sollen Dieselben 8. nicht bewilliget haben, worunter der eine darinn bestehet, wie nemlich das Dom-Capitul begehrte, hochgedachte Jhro Durchl. solten den etwanigen zu hoffen habenden Cardinals-Huth abschlagen. Wer weiß, ob es diesem Fürst-Bischoff auch jemahls im Sinn gekom- men, ob Sie sich gleich hierinne nicht wollen vorschreiben lassen, denn man darff sicher muthmassen, daß sie dereinst ihr Augenmerck auf ei- ne Geistl. Chur-Würde richten werden, welche so viel wir wissen, mit dem Cardinals-Huth nicht compatible ist. Laut einer accuraten Liste, die man zu Wien publicirt hat, be- stehet die Ungarische Armee am Rhein, künfftig an regulirten Troup- pen in 47350. Mann Jnfanterie, und 16000. Mann Cavallerie, be- nebst 7800. Husaren; an irregulairen Fuß-Volck aber, als Waras- dinern, Sauströhmern, Panduren, Gränitzern, Raitzen, Croaten, Bannatern, Theissern, Horwathen und Carlstädtern, in 15000. Mann, und an dergleichen Reuterey 1100. Mann, zusammen 62350. Jnfanterie, und 24900. Mann Cavallerie. Summa Summarum 87250. Mann. Das in Bayern bleibende Corpo ist 33400. Mann starck, nemlich 25800. Jnfanterie, 6900. Cavallerie, worunter 1300. Husaren. Jn Ungarn und Siebenbürgen bleiben an teutscher Mann-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Institut für Deutsche Sprache, Mannheim: Bereitstellung der Bilddigitalisate und TEI Transkription
Mikrofilmarchiv der deutschsprachigen Presse e.V., Dortmund: Bereitstellung der den Bilddigitalisaten zugrunde liegenden Microfilmaufnahmen
Peter Fankhauser: Transformation von TUSTEP nach TEI P5. Transformation von TEI P5 in das DTA-Basisformat.
Susanne Haaf: Artikelstrukturierung nach DTA-Basisformat.

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

Die Transkription erfolgte nach den unter http://www.deutschestextarchiv.de/doku/basisformat formulierten Richtlinien.

Verfahren der Texterfassung: manuell (doppelt erfasst).

  • Bogensignaturen: nicht übernommen.
  • Druckfehler: ignoriert.
  • fremdsprachliches Material: nur Fremdskripte gekennzeichnet.
  • Geminations-/Abkürzungsstriche: wie Vorlage.
  • Hervorhebungen (Antiqua, Sperrschrift, Kursive etc.): wie Vorlage.
  • i/j in Fraktur: wie Vorlage.
  • I/J in Fraktur: wie Vorlage.
  • Kolumnentitel: nicht übernommen.
  • Kustoden: nicht übernommen.
  • langes s (?): in Frakturschrift als s transkribiert, in Antiquaschrift beibehalten.
  • Normalisierungen: keine.
  • rundes r (&#xa75b;): als r/et transkribiert.
  • Seitenumbrüche markiert: ja.
  • Silbentrennung: wie Vorlage.
  • u/v bzw. U/V: wie Vorlage.
  • Vokale mit übergest. e: als ä/ö/ü transkribiert.
  • Vollständigkeit: vollständig erfasst.
  • Zeichensetzung: DTABf-getreu.
  • Zeilenumbrüche markiert: ja.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/nn_weltgeschichte0227_1744
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/nn_weltgeschichte0227_1744/4
Zitationshilfe: Der allerneuesten Europäischen Welt- und Staats-Geschichte II. Theil. Nr. XXVII, 14. Woche, Erfurt (Thüringen), 30. März 1744, S. 212. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_weltgeschichte0227_1744/4>, abgerufen am 06.03.2021.