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Der allerneuesten Europäischen Welt- und Staats-Geschichte II. Theil. Nr. XXXVIII, 20. Woche, Erfurt (Thüringen), 11. Mai 1744.

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Bayern abermahls recuperiren solte, theils seine Grentzen vor ei-
nem Oesterreichischen Einfall zu decken.

Aber weil auch gegen Hannover der Krieg erklärt, so fragt
sichs, ob auch, wenn schon alles seine Richtigkeit hätte, die Neu-
tralit
äts-Armee noch bestehen könte? und wer diesen oder jenen
Stand zwingen wolte? die mittlern und kleinern Reichs - Stän-
de leiden solchenfalls freylich am meisten, und zu Franckfurth sind
unter verschiedenen Ministern Discourse pro und contra gefallen.
Am besten wäre es, wenn der Hahn auf seinem eignen Mist atta-
qui
rt würde.

Niederlande.

Jn denen letztern Tagen des Aprils passirte zu Brüssel ein Prae-
cedenz
- Streit zwischen der Hertzogin von Croy und der Prin-
tzeßin von Chimay; wobey so gar die Hände nicht müßig gewesen.
Wir wolten gerne den gantzen Rencontre beschreiben, man hat ihn
aber nicht näher überschrieben. Sonst ist dergleichen Rang- Duell
auch bey hohen Dames nicht neu, und könten in diesem Seculo wohl
ein Dutzend der allerbekandtesten illustrationis gratia angeführt
werden.

Ein vortrefflich Muster Frantzösischer Beredsamkeit hat der
Hr. Marquis de Fenelon den 26. April vor denen Hochmögenden
Herren General-Staaten abgelegt; es ist schade, daß wir es wegen
seiner Länge nicht auf einmahl unsern geneigten Lesern mittheilen
können; es lautet:

    Hochmögende Herren!

Auf Befehl des Königs, meines Herrn, bin ich wieder kommen, Ew.
Hochmögenden in seinem Nahmen zu benachrichtigen, was sich
Se. Maj. vor einen Schluß zu ergreiffen genöthiget gesehen. Er be-
hielte bis auf diesen letzten Augenblick diejenigen Maaß-Regeln, die ihnen
so viel Zeichen der Wohlgewogenheit zuwege gebracht, die er bestän-
dig vor ihre Republic gehegt. Ew. Hogmögenden können sich zurück
erinnern, daß ich vor 19. Jahren von dem König befehliget worden,
mich hieher zu begeben; eben zu der Zeit, da der Wiener Hof gesonnen
war, zum Untergang des Commercii ihrer Unterthanen, eine Handels -
Compagnie in Ostende anzulegen. Dieser Hof ließ sich bey solchem
Vorsatz weder Treu noch Glauben der Tractaten anfechten; er vergaß

Bayern abermahls recuperiren solte, theils seine Grentzen vor ei-
nem Oesterreichischen Einfall zu decken.

Aber weil auch gegen Hannover der Krieg erklärt, so fragt
sichs, ob auch, wenn schon alles seine Richtigkeit hätte, die Neu-
tralit
äts-Armee noch bestehen könte? und wer diesen oder jenen
Stand zwingen wolte? die mittlern und kleinern Reichs - Stän-
de leiden solchenfalls freylich am meisten, und zu Franckfurth sind
unter verschiedenen Ministern Diſcourſe pro und contra gefallen.
Am besten wäre es, wenn der Hahn auf seinem eignen Mist atta-
qui
rt würde.

Niederlande.

Jn denen letztern Tagen des Aprils paſſirte zu Brüssel ein Præ-
cedenz
- Streit zwischen der Hertzogin von Croy und der Prin-
tzeßin von Chimay; wobey so gar die Hände nicht müßig gewesen.
Wir wolten gerne den gantzen Rencontre beschreiben, man hat ihn
aber nicht näher überschrieben. Sonst ist dergleichen Rang- Duell
auch bey hohen Dames nicht neu, und könten in diesem Seculo wohl
ein Dutzend der allerbekandtesten illuſtrationis gratia angeführt
werden.

Ein vortrefflich Muster Frantzösischer Beredsamkeit hat der
Hr. Marquis de Fenelon den 26. April vor denen Hochmögenden
Herren General-Staaten abgelegt; es ist schade, daß wir es wegen
seiner Länge nicht auf einmahl unsern geneigten Lesern mittheilen
können; es lautet:

    Hochmögende Herren!

Auf Befehl des Königs, meines Herrn, bin ich wieder kommen, Ew.
Hochmögenden in seinem Nahmen zu benachrichtigen, was sich
Se. Maj. vor einen Schluß zu ergreiffen genöthiget gesehen. Er be-
hielte bis auf diesen letzten Augenblick diejenigen Maaß-Regeln, die ihnen
so viel Zeichen der Wohlgewogenheit zuwege gebracht, die er bestän-
dig vor ihre Republic gehegt. Ew. Hogmögenden können sich zurück
erinnern, daß ich vor 19. Jahren von dem König befehliget worden,
mich hieher zu begeben; eben zu der Zeit, da der Wiener Hof gesonnen
war, zum Untergang des Commercii ihrer Unterthanen, eine Handels -
Compagnie in Ostende anzulegen. Dieser Hof ließ sich bey solchem
Vorsatz weder Treu noch Glauben der Tractaten anfechten; er vergaß

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[300/0004] Bayern abermahls recuperiren solte, theils seine Grentzen vor ei- nem Oesterreichischen Einfall zu decken. Aber weil auch gegen Hannover der Krieg erklärt, so fragt sichs, ob auch, wenn schon alles seine Richtigkeit hätte, die Neu- tralitäts-Armee noch bestehen könte? und wer diesen oder jenen Stand zwingen wolte? die mittlern und kleinern Reichs - Stän- de leiden solchenfalls freylich am meisten, und zu Franckfurth sind unter verschiedenen Ministern Diſcourſe pro und contra gefallen. Am besten wäre es, wenn der Hahn auf seinem eignen Mist atta- quirt würde. Niederlande. Jn denen letztern Tagen des Aprils paſſirte zu Brüssel ein Præ- cedenz - Streit zwischen der Hertzogin von Croy und der Prin- tzeßin von Chimay; wobey so gar die Hände nicht müßig gewesen. Wir wolten gerne den gantzen Rencontre beschreiben, man hat ihn aber nicht näher überschrieben. Sonst ist dergleichen Rang- Duell auch bey hohen Dames nicht neu, und könten in diesem Seculo wohl ein Dutzend der allerbekandtesten illuſtrationis gratia angeführt werden. Ein vortrefflich Muster Frantzösischer Beredsamkeit hat der Hr. Marquis de Fenelon den 26. April vor denen Hochmögenden Herren General-Staaten abgelegt; es ist schade, daß wir es wegen seiner Länge nicht auf einmahl unsern geneigten Lesern mittheilen können; es lautet: Hochmögende Herren! Auf Befehl des Königs, meines Herrn, bin ich wieder kommen, Ew. Hochmögenden in seinem Nahmen zu benachrichtigen, was sich Se. Maj. vor einen Schluß zu ergreiffen genöthiget gesehen. Er be- hielte bis auf diesen letzten Augenblick diejenigen Maaß-Regeln, die ihnen so viel Zeichen der Wohlgewogenheit zuwege gebracht, die er bestän- dig vor ihre Republic gehegt. Ew. Hogmögenden können sich zurück erinnern, daß ich vor 19. Jahren von dem König befehliget worden, mich hieher zu begeben; eben zu der Zeit, da der Wiener Hof gesonnen war, zum Untergang des Commercii ihrer Unterthanen, eine Handels - Compagnie in Ostende anzulegen. Dieser Hof ließ sich bey solchem Vorsatz weder Treu noch Glauben der Tractaten anfechten; er vergaß

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Zitationshilfe: Der allerneuesten Europäischen Welt- und Staats-Geschichte II. Theil. Nr. XXXVIII, 20. Woche, Erfurt (Thüringen), 11. Mai 1744, S. 300. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nn_weltgeschichte0238_1744/4>, abgerufen am 05.03.2021.