Nyland, Petrus: Schauplatz Irdischer Geschöpffe. Bd. 1. Osnabrück, 1687.torn und General-Hauptmann über Holland/ Seeland/ Ütrecht und Burgundien gesetzet. Dieser weit außsehender Fürst beseuftzend den Anwachs der niederländischen Troubelen, und die Nachstellung des Hertzogs von Alba auf seine Person/ verliß sein Gubernament/ und begab sich bey seinen Bruder in Teutschland. Er namb den elenden Zustand der Niederländer/ und die Verführung seines Sohns Philippi von Büren sehr zu hertzen/ und wurde durch viele flüchtende Edele und andere Niederländer angemahnet/ den Harnisch wieder anzulegen/ wie er auch thät/ und zog mit einer ziemblichen Macht den Duc de Alba ohnweit Mastricht unter die Augen. Der Hertzog aber hatte keinen Sinn zum Treffen/ sondern suchte allein des Printzen Lager auß zuhungern. Der Printz aber/ wie er wegen der starcken Guarnisonen keinen Beyfall noch Zufuhr auß den Städten haben konte/ und den proviant Mangel vor Augen sahe/ zog mit seiner Krieges-Macht den Hertzog von Conde in Franckreich zu/ und kehrete also wider in Teutschland. Der Hertzog von Alba aber/ als der nun Raum und freye Hände hatte/ suchte den Staat gantz kraftloß zu machen/ und zu verwüsten; der Graf von Lumaj, nebst vielen geflüchteten Edelen und gemeinen Landsassen/ nach dem Engelland entsätzet / rüstete sich mit einer Flotte von 50. Schiffen/ gieng damit in die Maes / eroberte Briet/ und pflantzete orangische Fähnlein auf die Wälle. Als die von Flissingen diese Zeitunge höreten/ ergaben sie sich von selbsten an den Printz von Orangien/ und nach ihren Exempel viel andere Städte mehr. Darauf zog der nassauische Fürst mit neuer Macht wieder hin gen Niederland/ und nach dem er ihnen daselbst viel Heyls erwiesen/ ist er im Jahr 1582. am 18. Martii in Antwerpen durch einen Jan Jauregni mit einer Büchsen durchs Haupt geschossen / da die Kugel unter den lincken Ohr ein/ und im rechten Backen wieder außgangen / und dadurch sehr schwärlich verwundet/ doch ist er an der Wunden/ mit Werwunderung der Leib- und Wund-Ärtzte/ glücklich wieder genesen. Endlich aber ist er im Jahr 1584. am 10. Julii durch Baltzer Gerhards zu Delft durchschossen / und also dieser Weld entrücket. Mauritz/ welcher seinen Vatter in der Regierung folgete/ ließ vermerckliche Kenn-Zeichen seiner Klugheit und Tapferkeit sehen. Und nach dem der Graf von Lycester weggezogen/ wurde ihm durch einhellige Zustimmung torn und General-Hauptmann über Holland/ Seeland/ Ütrecht und Burgundien gesetzet. Dieser weit außsehender Fürst beseuftzend den Anwachs der niederländischen Troubelen, und die Nachstellung des Hertzogs von Alba auf seine Person/ verliß sein Gubernament/ und begab sich bey seinen Bruder in Teutschland. Er namb den elenden Zustand der Niederländer/ und die Verführung seines Sohns Philippi von Büren sehr zu hertzen/ und wurde durch viele flüchtende Edele und andere Niederländer angemahnet/ den Harnisch wieder anzulegen/ wie er auch thät/ und zog mit einer ziemblichen Macht den Duc de Alba ohnweit Mastricht unter die Augen. Der Hertzog aber hatte keinen Sinn zum Treffen/ sondern suchte allein des Printzen Lager auß zuhungern. Der Printz aber/ wie er wegen der starcken Guarnisonen keinen Beyfall noch Zufuhr auß den Städten haben konte/ und den proviant Mangel vor Augen sahe/ zog mit seiner Krieges-Macht den Hertzog von Condé in Franckreich zu/ und kehrete also wider in Teutschland. Der Hertzog von Alba aber/ als der nun Raum und freye Hände hatte/ suchte den Staat gantz kraftloß zu machen/ und zu verwüsten; der Graf von Lumaj, nebst vielen geflüchteten Edelen und gemeinen Landsassen/ nach dem Engelland entsätzet / rüstete sich mit einer Flotte von 50. Schiffen/ gieng damit in die Maes / eroberte Briet/ und pflantzete orangische Fähnlein auf die Wälle. Als die von Flissingen diese Zeitunge höreten/ ergaben sie sich von selbsten an den Printz von Orangien/ und nach ihren Exempel viel andere Städte mehr. Darauf zog der nassauische Fürst mit neuer Macht wieder hin gen Niederland/ und nach dem er ihnen daselbst viel Heyls erwiesen/ ist er im Jahr 1582. am 18. Martii in Antwerpen durch einen Jan Jauregni mit einer Büchsen durchs Haupt geschossen / da die Kugel unter den lincken Ohr ein/ und im rechten Backen wieder außgangen / und dadurch sehr schwärlich verwundet/ doch ist er an der Wunden/ mit Werwunderung der Leib- und Wund-Ärtzte/ glücklich wieder genesen. Endlich aber ist er im Jahr 1584. am 10. Julii durch Baltzer Gerhards zu Delft durchschossen / und also dieser Weld entrücket. Mauritz/ welcher seinen Vatter in der Regierung folgete/ ließ vermerckliche Kenn-Zeichen seiner Klugheit und Tapferkeit sehen. 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Der Printz aber/ wie er wegen der starcken Guarnisonen keinen Beyfall noch Zufuhr auß den Städten haben konte/ und den proviant Mangel vor Augen sahe/ zog mit seiner Krieges-Macht den Hertzog von Condé in Franckreich zu/ und kehrete also wider in Teutschland. Der Hertzog von Alba aber/ als der nun Raum und freye Hände hatte/ suchte den Staat gantz kraftloß zu machen/ und zu verwüsten; der Graf von Lumaj, nebst vielen geflüchteten Edelen und gemeinen Landsassen/ nach dem Engelland entsätzet / rüstete sich mit einer Flotte von 50. Schiffen/ gieng damit in die Maes / eroberte Briet/ und pflantzete orangische Fähnlein auf die Wälle. Als die von Flissingen diese Zeitunge höreten/ ergaben sie sich von selbsten an den Printz von Orangien/ und nach ihren Exempel viel andere Städte mehr. Darauf zog der nassauische Fürst mit neuer Macht wieder hin gen Niederland/ und nach dem er ihnen daselbst viel Heyls erwiesen/ ist er im Jahr 1582. am 18. Martii in Antwerpen durch einen Jan Jauregni mit einer Büchsen durchs Haupt geschossen / da die Kugel unter den lincken Ohr ein/ und im rechten Backen wieder außgangen / und dadurch sehr schwärlich verwundet/ doch ist er an der Wunden/ mit Werwunderung der Leib- und Wund-Ärtzte/ glücklich wieder genesen. Endlich aber ist er im Jahr 1584. am 10. Julii durch Baltzer Gerhards zu Delft durchschossen / und also dieser Weld entrücket.</p> <p>Mauritz/ welcher seinen Vatter in der Regierung folgete/ ließ vermerckliche Kenn-Zeichen seiner Klugheit und Tapferkeit sehen. Und nach dem der Graf von Lycester weggezogen/ wurde ihm durch einhellige Zustimmung </p> </div> </body> </text> </TEI> [103/0115]
torn und General-Hauptmann über Holland/ Seeland/ Ütrecht und Burgundien gesetzet.
Dieser weit außsehender Fürst beseuftzend den Anwachs der niederländischen Troubelen, und die Nachstellung des Hertzogs von Alba auf seine Person/ verliß sein Gubernament/ und begab sich bey seinen Bruder in Teutschland. Er namb den elenden Zustand der Niederländer/ und die Verführung seines Sohns Philippi von Büren sehr zu hertzen/ und wurde durch viele flüchtende Edele und andere Niederländer angemahnet/ den Harnisch wieder anzulegen/ wie er auch thät/ und zog mit einer ziemblichen Macht den Duc de Alba ohnweit Mastricht unter die Augen. Der Hertzog aber hatte keinen Sinn zum Treffen/ sondern suchte allein des Printzen Lager auß zuhungern. Der Printz aber/ wie er wegen der starcken Guarnisonen keinen Beyfall noch Zufuhr auß den Städten haben konte/ und den proviant Mangel vor Augen sahe/ zog mit seiner Krieges-Macht den Hertzog von Condé in Franckreich zu/ und kehrete also wider in Teutschland. Der Hertzog von Alba aber/ als der nun Raum und freye Hände hatte/ suchte den Staat gantz kraftloß zu machen/ und zu verwüsten; der Graf von Lumaj, nebst vielen geflüchteten Edelen und gemeinen Landsassen/ nach dem Engelland entsätzet / rüstete sich mit einer Flotte von 50. Schiffen/ gieng damit in die Maes / eroberte Briet/ und pflantzete orangische Fähnlein auf die Wälle. Als die von Flissingen diese Zeitunge höreten/ ergaben sie sich von selbsten an den Printz von Orangien/ und nach ihren Exempel viel andere Städte mehr. Darauf zog der nassauische Fürst mit neuer Macht wieder hin gen Niederland/ und nach dem er ihnen daselbst viel Heyls erwiesen/ ist er im Jahr 1582. am 18. Martii in Antwerpen durch einen Jan Jauregni mit einer Büchsen durchs Haupt geschossen / da die Kugel unter den lincken Ohr ein/ und im rechten Backen wieder außgangen / und dadurch sehr schwärlich verwundet/ doch ist er an der Wunden/ mit Werwunderung der Leib- und Wund-Ärtzte/ glücklich wieder genesen. Endlich aber ist er im Jahr 1584. am 10. Julii durch Baltzer Gerhards zu Delft durchschossen / und also dieser Weld entrücket.
Mauritz/ welcher seinen Vatter in der Regierung folgete/ ließ vermerckliche Kenn-Zeichen seiner Klugheit und Tapferkeit sehen. Und nach dem der Graf von Lycester weggezogen/ wurde ihm durch einhellige Zustimmung
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| Zitationshilfe: | Nyland, Petrus: Schauplatz Irdischer Geschöpffe. Bd. 1. Osnabrück, 1687, S. 103. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/nylandt_schauplatz01_1678/115>, abgerufen am 23.09.2024. |


