Otto, Louise: Schloß und Fabrik, Bd. 1. Leipzig, 1846.mittheilte, wo in den Familien der Fabrikarbeiter einer augenblicklichen größten Noth abzuhelfen möglich war -- sie, indem sie dann Nichts unversäumt ließ, die beste Hilfe zu bringen. So war er mehrmals zu ihr gekommen, so hatten sie gemeinschaftlich gehandelt. Immer aber war er in ehrerbietiger Ferne von ihr geblieben, immer war sie ihm mit gleich unbefangener Freundlichkeit begegnet. Er hatte es immer so einzurichten gewußt, daß er in den Stunden zu Paulinen kam, wo er Herrn Felchner entweder fern, oder doch beschäftigt wußte, denn wie er ihn kennen gelernt, fürchtete er, daß er gewiß auch der Wohlthätigkeit seiner Tochter Schranken setzen würde, sobald er von derselben eine hinreichende Kenntniß erhielte -- und aus gleichem Grunde, wiewohl ihn Pauline aus kindlicher Schonung für ihren Vater nicht auszusprechen wagte, hatte sie Thalheim gebeten, nicht immer zu sagen, woher die Hilfe kam. So bestand zwischen Beiden ein stillschweigendes Einverständniß, und der Schleier des Geheimnisses war über ihren Bund gebreitet -- dies Alles trug dazu bei, denselben eine freilich nie ausgesprochene, aber größere Innigkeit zu geben, als er außerdem vielleicht für sie gehabt hätte. Jetzt trat Pauline aus dem Hause wieder in den Garten, einen schweren Korb am Arme, und sagte zu Franz: mittheilte, wo in den Familien der Fabrikarbeiter einer augenblicklichen größten Noth abzuhelfen möglich war — sie, indem sie dann Nichts unversäumt ließ, die beste Hilfe zu bringen. So war er mehrmals zu ihr gekommen, so hatten sie gemeinschaftlich gehandelt. Immer aber war er in ehrerbietiger Ferne von ihr geblieben, immer war sie ihm mit gleich unbefangener Freundlichkeit begegnet. Er hatte es immer so einzurichten gewußt, daß er in den Stunden zu Paulinen kam, wo er Herrn Felchner entweder fern, oder doch beschäftigt wußte, denn wie er ihn kennen gelernt, fürchtete er, daß er gewiß auch der Wohlthätigkeit seiner Tochter Schranken setzen würde, sobald er von derselben eine hinreichende Kenntniß erhielte — und aus gleichem Grunde, wiewohl ihn Pauline aus kindlicher Schonung für ihren Vater nicht auszusprechen wagte, hatte sie Thalheim gebeten, nicht immer zu sagen, woher die Hilfe kam. So bestand zwischen Beiden ein stillschweigendes Einverständniß, und der Schleier des Geheimnisses war über ihren Bund gebreitet — dies Alles trug dazu bei, denselben eine freilich nie ausgesprochene, aber größere Innigkeit zu geben, als er außerdem vielleicht für sie gehabt hätte. Jetzt trat Pauline aus dem Hause wieder in den Garten, einen schweren Korb am Arme, und sagte zu Franz: <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0217" n="207"/> mittheilte, wo in den Familien der Fabrikarbeiter einer augenblicklichen größten Noth abzuhelfen möglich war — sie, indem sie dann Nichts unversäumt ließ, die beste Hilfe zu bringen.</p> <p>So war er mehrmals zu ihr gekommen, so hatten sie gemeinschaftlich gehandelt. Immer aber war er in ehrerbietiger Ferne von ihr geblieben, immer war sie ihm mit gleich unbefangener Freundlichkeit begegnet.</p> <p>Er hatte es immer so einzurichten gewußt, daß er in <hi rendition="#g">den</hi> Stunden zu Paulinen kam, wo er Herrn Felchner entweder fern, oder doch beschäftigt wußte, denn wie er ihn kennen gelernt, fürchtete er, daß er gewiß auch der Wohlthätigkeit seiner Tochter Schranken setzen würde, sobald er von derselben eine hinreichende Kenntniß erhielte — und aus gleichem Grunde, wiewohl ihn Pauline aus kindlicher Schonung für ihren Vater nicht auszusprechen wagte, hatte sie Thalheim gebeten, nicht immer zu sagen, woher die Hilfe kam. So bestand zwischen Beiden ein stillschweigendes Einverständniß, und der Schleier des Geheimnisses war über ihren Bund gebreitet — dies Alles trug dazu bei, denselben eine freilich nie ausgesprochene, aber größere Innigkeit zu geben, als er außerdem vielleicht für sie gehabt hätte.</p> <p>Jetzt trat Pauline aus dem Hause wieder in den Garten, einen schweren Korb am Arme, und sagte zu Franz:</p> </div> </body> </text> </TEI> [207/0217]
mittheilte, wo in den Familien der Fabrikarbeiter einer augenblicklichen größten Noth abzuhelfen möglich war — sie, indem sie dann Nichts unversäumt ließ, die beste Hilfe zu bringen.
So war er mehrmals zu ihr gekommen, so hatten sie gemeinschaftlich gehandelt. Immer aber war er in ehrerbietiger Ferne von ihr geblieben, immer war sie ihm mit gleich unbefangener Freundlichkeit begegnet.
Er hatte es immer so einzurichten gewußt, daß er in den Stunden zu Paulinen kam, wo er Herrn Felchner entweder fern, oder doch beschäftigt wußte, denn wie er ihn kennen gelernt, fürchtete er, daß er gewiß auch der Wohlthätigkeit seiner Tochter Schranken setzen würde, sobald er von derselben eine hinreichende Kenntniß erhielte — und aus gleichem Grunde, wiewohl ihn Pauline aus kindlicher Schonung für ihren Vater nicht auszusprechen wagte, hatte sie Thalheim gebeten, nicht immer zu sagen, woher die Hilfe kam. So bestand zwischen Beiden ein stillschweigendes Einverständniß, und der Schleier des Geheimnisses war über ihren Bund gebreitet — dies Alles trug dazu bei, denselben eine freilich nie ausgesprochene, aber größere Innigkeit zu geben, als er außerdem vielleicht für sie gehabt hätte.
Jetzt trat Pauline aus dem Hause wieder in den Garten, einen schweren Korb am Arme, und sagte zu Franz:
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| Zitationshilfe: | Otto, Louise: Schloß und Fabrik, Bd. 1. Leipzig, 1846, S. 207. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/otto_schloss01_1846/217>, abgerufen am 25.09.2024. |


