Otto, Louise: Schloß und Fabrik, Bd. 1. Leipzig, 1846."Ja, wir gehen zusammen!" rief er fröhlich. "Ich widerspreche Ihnen nicht mehr." Sie zog ihre Hand aus der seinen, er nahm ihr den Korb ab, welchen sie trug, und folgte ihr. Die Dämmerung brach immer schneller herein. Bald stand Franz vor einem kleinen aus Holz und Lehm erbauten Hause still, Die Hausthüre stand offen. Er wies auf eine kleine, schmuzige Treppe von Holz, welche hinauf führte, er bat Paulinen, hinauf zu gehen, und folgte ihr mit dem Korbe, der Druck auf eine verrostete, feuchte Thürklinke öffnete die armselige Kammer, in welcher die Frau wohnte, welche man in der Fabrik nicht anders, als "die große Lise" nannte. Auf einem Haufen von verfaultem Moos und Stroh, das ein alter Fetzen von grobem Zeug von vielen Schlitzen und Löchern nur wenig überdeckte, lagen zwei wimmernde Kinder, ein Knabe von etwa zehn, und ein Mädchen von sieben Jahren, in einem andern Winkel hockten noch zwei kleine Mädchen, die etwa fünf und vier Jahre zählen mogten. Alle diese Kinder sahen bleich und abgezehrt aus, und ihre Augen glotzten stumpf und blöde vor sich aus; durch den matten Schein der düster brennenden, kleinen Oellampe wenig beleuchtet, ward ihr Ansehen noch unheimlicher, und sie glichen in den schmuzigen Lumpen, in welche sie gehüllt waren, mit den struppigen Haaren, die ungekämmt in die ausdruckslosen Gesichter hereinhingen, eher unheimlichen Kobolden, „Ja, wir gehen zusammen!“ rief er fröhlich. „Ich widerspreche Ihnen nicht mehr.“ Sie zog ihre Hand aus der seinen, er nahm ihr den Korb ab, welchen sie trug, und folgte ihr. Die Dämmerung brach immer schneller herein. Bald stand Franz vor einem kleinen aus Holz und Lehm erbauten Hause still, Die Hausthüre stand offen. Er wies auf eine kleine, schmuzige Treppe von Holz, welche hinauf führte, er bat Paulinen, hinauf zu gehen, und folgte ihr mit dem Korbe, der Druck auf eine verrostete, feuchte Thürklinke öffnete die armselige Kammer, in welcher die Frau wohnte, welche man in der Fabrik nicht anders, als „die große Lise“ nannte. Auf einem Haufen von verfaultem Moos und Stroh, das ein alter Fetzen von grobem Zeug von vielen Schlitzen und Löchern nur wenig überdeckte, lagen zwei wimmernde Kinder, ein Knabe von etwa zehn, und ein Mädchen von sieben Jahren, in einem andern Winkel hockten noch zwei kleine Mädchen, die etwa fünf und vier Jahre zählen mogten. Alle diese Kinder sahen bleich und abgezehrt aus, und ihre Augen glotzten stumpf und blöde vor sich aus; durch den matten Schein der düster brennenden, kleinen Oellampe wenig beleuchtet, ward ihr Ansehen noch unheimlicher, und sie glichen in den schmuzigen Lumpen, in welche sie gehüllt waren, mit den struppigen Haaren, die ungekämmt in die ausdruckslosen Gesichter hereinhingen, eher unheimlichen Kobolden, <TEI> <text> <body> <div n="1"> <pb facs="#f0220" n="210"/> <p> „Ja, wir gehen zusammen!“ rief er fröhlich. „Ich widerspreche Ihnen nicht mehr.“</p> <p>Sie zog ihre Hand aus der seinen, er nahm ihr den Korb ab, welchen sie trug, und folgte ihr. Die Dämmerung brach immer schneller herein. Bald stand Franz vor einem kleinen aus Holz und Lehm erbauten Hause still, Die Hausthüre stand offen. Er wies auf eine kleine, schmuzige Treppe von Holz, welche hinauf führte, er bat Paulinen, hinauf zu gehen, und folgte ihr mit dem Korbe, der Druck auf eine verrostete, feuchte Thürklinke öffnete die armselige Kammer, in welcher die Frau wohnte, welche man in der Fabrik nicht anders, als „die große Lise“ nannte.</p> <p>Auf einem Haufen von verfaultem Moos und Stroh, das ein alter Fetzen von grobem Zeug von vielen Schlitzen und Löchern nur wenig überdeckte, lagen zwei wimmernde Kinder, ein Knabe von etwa zehn, und ein Mädchen von sieben Jahren, in einem andern Winkel hockten noch zwei kleine Mädchen, die etwa fünf und vier Jahre zählen mogten. Alle diese Kinder sahen bleich und abgezehrt aus, und ihre Augen glotzten stumpf und blöde vor sich aus; durch den matten Schein der düster brennenden, kleinen Oellampe wenig beleuchtet, ward ihr Ansehen noch unheimlicher, und sie glichen in den schmuzigen Lumpen, in welche sie gehüllt waren, mit den struppigen Haaren, die ungekämmt in die ausdruckslosen Gesichter hereinhingen, eher unheimlichen Kobolden, </p> </div> </body> </text> </TEI> [210/0220]
„Ja, wir gehen zusammen!“ rief er fröhlich. „Ich widerspreche Ihnen nicht mehr.“
Sie zog ihre Hand aus der seinen, er nahm ihr den Korb ab, welchen sie trug, und folgte ihr. Die Dämmerung brach immer schneller herein. Bald stand Franz vor einem kleinen aus Holz und Lehm erbauten Hause still, Die Hausthüre stand offen. Er wies auf eine kleine, schmuzige Treppe von Holz, welche hinauf führte, er bat Paulinen, hinauf zu gehen, und folgte ihr mit dem Korbe, der Druck auf eine verrostete, feuchte Thürklinke öffnete die armselige Kammer, in welcher die Frau wohnte, welche man in der Fabrik nicht anders, als „die große Lise“ nannte.
Auf einem Haufen von verfaultem Moos und Stroh, das ein alter Fetzen von grobem Zeug von vielen Schlitzen und Löchern nur wenig überdeckte, lagen zwei wimmernde Kinder, ein Knabe von etwa zehn, und ein Mädchen von sieben Jahren, in einem andern Winkel hockten noch zwei kleine Mädchen, die etwa fünf und vier Jahre zählen mogten. Alle diese Kinder sahen bleich und abgezehrt aus, und ihre Augen glotzten stumpf und blöde vor sich aus; durch den matten Schein der düster brennenden, kleinen Oellampe wenig beleuchtet, ward ihr Ansehen noch unheimlicher, und sie glichen in den schmuzigen Lumpen, in welche sie gehüllt waren, mit den struppigen Haaren, die ungekämmt in die ausdruckslosen Gesichter hereinhingen, eher unheimlichen Kobolden,
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools
|
| URL zu diesem Werk: | https://www.deutschestextarchiv.de/otto_schloss01_1846 |
| URL zu dieser Seite: | https://www.deutschestextarchiv.de/otto_schloss01_1846/220 |
| Zitationshilfe: | Otto, Louise: Schloß und Fabrik, Bd. 1. Leipzig, 1846, S. 210. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/otto_schloss01_1846/220>, abgerufen am 25.09.2024. |


