Otto, Louise: Schloß und Fabrik, Bd. 1. Leipzig, 1846.über ihre Kunst mit ihr angeknüpft hatte, nahm sie seinen Besuch an. Es währte nicht lange und Jaromir galt als Bella's Liebhaber. Eine Zeit lang war dieses Verhältniß eine Quelle reinen Glückes für Beide -- aber bald bemerkte er, wie er sich getäuscht hatte, wenn er geglaubt, daß Bella's Dienst am Altare ihrer Kunst der einer Priesterin sei, welche in edler Begeisterung auf demselben Alles opferte. Es war wahr, Bella liebte ihre Kunst, sie weihte sich ihr mit Eifer und that sich selten in einer Rolle genug, denn sie hatte ihren großen Beruf begriffen -- aber deshalb war sie nicht frei von jenem trotzigen Eigenwillen, jenen kleinlichen Ränken, mit denen Publikum und Theaterdirection sich so oft zum Besten haben lassen müssen. Der Weihrauch, den die enthusiastischen Berliner ihr streuten, verfehlte seine unheilvolle Wirkung nicht, sie ward eitler, stolzer, zugleich auch leichtfertiger und trotziger, als sie je gewesen war, und endlich überwarf sie sich in hochmüthiger Laune mit der Theaterintendanz, und vertauschte sofort Berlin mit der kleineren Residenz, in welcher sie jetzt lebte. Jaromir, obwohl er sie nicht mehr wirklich verehrte, wie einst, war doch noch zu sehr durch Hundert Bande zärtlicher Gewohnheit an sie gefesselt, als daß ihm Berlin ohne sie nicht bald hätte verödet sein sollen. Er folgte ihr also nach wenig Wochen in ihren neuen Wohnort. Noch eh' er sie selbst über ihre Kunst mit ihr angeknüpft hatte, nahm sie seinen Besuch an. Es währte nicht lange und Jaromir galt als Bella’s Liebhaber. Eine Zeit lang war dieses Verhältniß eine Quelle reinen Glückes für Beide — aber bald bemerkte er, wie er sich getäuscht hatte, wenn er geglaubt, daß Bella’s Dienst am Altare ihrer Kunst der einer Priesterin sei, welche in edler Begeisterung auf demselben Alles opferte. Es war wahr, Bella liebte ihre Kunst, sie weihte sich ihr mit Eifer und that sich selten in einer Rolle genug, denn sie hatte ihren großen Beruf begriffen — aber deshalb war sie nicht frei von jenem trotzigen Eigenwillen, jenen kleinlichen Ränken, mit denen Publikum und Theaterdirection sich so oft zum Besten haben lassen müssen. Der Weihrauch, den die enthusiastischen Berliner ihr streuten, verfehlte seine unheilvolle Wirkung nicht, sie ward eitler, stolzer, zugleich auch leichtfertiger und trotziger, als sie je gewesen war, und endlich überwarf sie sich in hochmüthiger Laune mit der Theaterintendanz, und vertauschte sofort Berlin mit der kleineren Residenz, in welcher sie jetzt lebte. Jaromir, obwohl er sie nicht mehr wirklich verehrte, wie einst, war doch noch zu sehr durch Hundert Bande zärtlicher Gewohnheit an sie gefesselt, als daß ihm Berlin ohne sie nicht bald hätte verödet sein sollen. Er folgte ihr also nach wenig Wochen in ihren neuen Wohnort. Noch eh’ er sie selbst <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0064" n="54"/> über ihre Kunst mit ihr angeknüpft hatte, nahm sie seinen Besuch an. Es währte nicht lange und Jaromir galt als Bella’s Liebhaber. Eine Zeit lang war dieses Verhältniß eine Quelle reinen Glückes für Beide — aber bald bemerkte er, wie er sich getäuscht hatte, wenn er geglaubt, daß Bella’s Dienst am Altare ihrer Kunst der einer Priesterin sei, welche in edler Begeisterung auf demselben Alles opferte. Es war wahr, Bella liebte ihre Kunst, sie weihte sich ihr mit Eifer und that sich selten in einer Rolle genug, denn sie hatte ihren großen Beruf begriffen — aber deshalb war sie nicht frei von jenem trotzigen Eigenwillen, jenen kleinlichen Ränken, mit denen Publikum und Theaterdirection sich so oft zum Besten haben lassen müssen. Der Weihrauch, den die enthusiastischen Berliner ihr streuten, verfehlte seine unheilvolle Wirkung nicht, sie ward eitler, stolzer, zugleich auch leichtfertiger und trotziger, als sie je gewesen war, und endlich überwarf sie sich in hochmüthiger Laune mit der Theaterintendanz, und vertauschte sofort Berlin mit der kleineren Residenz, in welcher sie jetzt lebte. Jaromir, obwohl er sie nicht mehr wirklich verehrte, wie einst, war doch noch zu sehr durch Hundert Bande zärtlicher Gewohnheit an sie gefesselt, als daß ihm Berlin ohne sie nicht bald hätte verödet sein sollen. Er folgte ihr also nach wenig Wochen in ihren neuen Wohnort. Noch eh’ er sie selbst </p> </div> </body> </text> </TEI> [54/0064]
über ihre Kunst mit ihr angeknüpft hatte, nahm sie seinen Besuch an. Es währte nicht lange und Jaromir galt als Bella’s Liebhaber. Eine Zeit lang war dieses Verhältniß eine Quelle reinen Glückes für Beide — aber bald bemerkte er, wie er sich getäuscht hatte, wenn er geglaubt, daß Bella’s Dienst am Altare ihrer Kunst der einer Priesterin sei, welche in edler Begeisterung auf demselben Alles opferte. Es war wahr, Bella liebte ihre Kunst, sie weihte sich ihr mit Eifer und that sich selten in einer Rolle genug, denn sie hatte ihren großen Beruf begriffen — aber deshalb war sie nicht frei von jenem trotzigen Eigenwillen, jenen kleinlichen Ränken, mit denen Publikum und Theaterdirection sich so oft zum Besten haben lassen müssen. Der Weihrauch, den die enthusiastischen Berliner ihr streuten, verfehlte seine unheilvolle Wirkung nicht, sie ward eitler, stolzer, zugleich auch leichtfertiger und trotziger, als sie je gewesen war, und endlich überwarf sie sich in hochmüthiger Laune mit der Theaterintendanz, und vertauschte sofort Berlin mit der kleineren Residenz, in welcher sie jetzt lebte. Jaromir, obwohl er sie nicht mehr wirklich verehrte, wie einst, war doch noch zu sehr durch Hundert Bande zärtlicher Gewohnheit an sie gefesselt, als daß ihm Berlin ohne sie nicht bald hätte verödet sein sollen. Er folgte ihr also nach wenig Wochen in ihren neuen Wohnort. Noch eh’ er sie selbst
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| Zitationshilfe: | Otto, Louise: Schloß und Fabrik, Bd. 1. Leipzig, 1846, S. 54. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/otto_schloss01_1846/64>, abgerufen am 23.09.2024. |


