[Pahl, Johann Gottfried]: Die Philosophen aus dem Uranus. Konstantinopel, 1796.Weiber, einen ächten Sohn der Gottheit: Deßhalb hält auch das Volk die Kapuziner für die heiligsten und frommsten Männer, ja gar für Wunderthäter, und nimmt in all' seinen geistlichen und leiblichen Nöthen seine Zuflucht zu ihnen. Elafu. Für Wunderthäter? - was heißt das? Lehnlakai. Das Volk glaubt, daß die Gottheit auf diese ihre Lieblinge, einen Teil ihrer unumschränkten Macht ausgegossen habe, übermenschliche Wirkungen hervorzubringen, und - auch gegen die ewigen Geseze der Natur - Teufel auszutreiben, Kranke zu heilen, Behexte zu entzaubern, unfruchtbare Weiber fruchtbar zu machen, u. d. gl. Elafu. Gott, welche Vorurteile! Atabu. Ich glaube keine Wunder; aber der lezte Punkt, nämlich die Befruchtung der Unfruchtbaren, dünkt' mich ohne die Wundergabe möglich zu seyn. Lehnlakai. Wirklich haben sie auch in Ansehung dieses Punktes schon die Proben abgelegt; mit den andern will es ihnen aber immer Weiber, einen ächten Sohn der Gottheit: Deßhalb hält auch das Volk die Kapuziner für die heiligsten und frommsten Männer, ja gar für Wunderthäter, und nimmt in all’ seinen geistlichen und leiblichen Nöthen seine Zuflucht zu ihnen. Elafu. Für Wunderthäter? – was heißt das? Lehnlakai. Das Volk glaubt, daß die Gottheit auf diese ihre Lieblinge, einen Teil ihrer unumschränkten Macht ausgegossen habe, übermenschliche Wirkungen hervorzubringen, und – auch gegen die ewigen Geseze der Natur – Teufel auszutreiben, Kranke zu heilen, Behexte zu entzaubern, unfruchtbare Weiber fruchtbar zu machen, u. d. gl. Elafu. Gott, welche Vorurteile! Atabu. Ich glaube keine Wunder; aber der lezte Punkt, nämlich die Befruchtung der Unfruchtbaren, dünkt’ mich ohne die Wundergabe möglich zu seyn. Lehnlakai. Wirklich haben sie auch in Ansehung dieses Punktes schon die Proben abgelegt; mit den andern will es ihnen aber immer <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0142" n="138"/> Weiber, einen ächten Sohn der Gottheit: Deßhalb hält auch das Volk die Kapuziner für die heiligsten und frommsten Männer, ja gar für Wunderthäter, und nimmt in all’ seinen geistlichen und leiblichen Nöthen seine Zuflucht zu ihnen.</p> <p><hi rendition="#g">Elafu</hi>. Für Wunderthäter? – was heißt das?</p> <p><hi rendition="#g">Lehnlakai</hi>. Das Volk glaubt, daß die Gottheit auf diese ihre Lieblinge, einen Teil ihrer unumschränkten Macht ausgegossen habe, übermenschliche Wirkungen hervorzubringen, und – auch gegen die ewigen Geseze der Natur – Teufel auszutreiben, Kranke zu heilen, Behexte zu entzaubern, unfruchtbare Weiber fruchtbar zu machen, u. d. gl.</p> <p><hi rendition="#g">Elafu</hi>. Gott, welche Vorurteile!</p> <p><hi rendition="#g">Atabu</hi>. Ich glaube keine Wunder; aber der lezte Punkt, nämlich die Befruchtung der Unfruchtbaren, dünkt’ mich ohne die Wundergabe möglich zu seyn.</p> <p><hi rendition="#g">Lehnlakai</hi>. Wirklich haben sie auch in Ansehung dieses Punktes schon die Proben abgelegt; mit den andern will es ihnen aber immer </p> </div> </body> </text> </TEI> [138/0142]
Weiber, einen ächten Sohn der Gottheit: Deßhalb hält auch das Volk die Kapuziner für die heiligsten und frommsten Männer, ja gar für Wunderthäter, und nimmt in all’ seinen geistlichen und leiblichen Nöthen seine Zuflucht zu ihnen.
Elafu. Für Wunderthäter? – was heißt das?
Lehnlakai. Das Volk glaubt, daß die Gottheit auf diese ihre Lieblinge, einen Teil ihrer unumschränkten Macht ausgegossen habe, übermenschliche Wirkungen hervorzubringen, und – auch gegen die ewigen Geseze der Natur – Teufel auszutreiben, Kranke zu heilen, Behexte zu entzaubern, unfruchtbare Weiber fruchtbar zu machen, u. d. gl.
Elafu. Gott, welche Vorurteile!
Atabu. Ich glaube keine Wunder; aber der lezte Punkt, nämlich die Befruchtung der Unfruchtbaren, dünkt’ mich ohne die Wundergabe möglich zu seyn.
Lehnlakai. Wirklich haben sie auch in Ansehung dieses Punktes schon die Proben abgelegt; mit den andern will es ihnen aber immer
Suche im WerkInformationen zum Werk
Download dieses Werks
XML (TEI P5) ·
HTML ·
Text Metadaten zum WerkTEI-Header · CMDI · Dublin Core Ansichten dieser Seite
Voyant Tools
|
| URL zu diesem Werk: | https://www.deutschestextarchiv.de/pahl_philosophen_1796 |
| URL zu dieser Seite: | https://www.deutschestextarchiv.de/pahl_philosophen_1796/142 |
| Zitationshilfe: | [Pahl, Johann Gottfried]: Die Philosophen aus dem Uranus. Konstantinopel, 1796, S. 138. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pahl_philosophen_1796/142>, abgerufen am 15.09.2024. |


