[Pahl, Johann Gottfried]: Die Philosophen aus dem Uranus. Konstantinopel, 1796.Wir beyde blieben unter dem Rathhause stehen. Der Befehlshaber der Exekutionstruppe sprengte rasch auf uns los, worüber Held Atabu beynahe vor Schreken unmächtig niedersank. "Seyd ihr die einzigen, fuhr er uns an, die den herrschaftlichen Befehl verachten? Plözlich nach Hause, oder -"-" Wir sind Fremde, erwiederte Elafu, und diesen Augenblik erst angekommen!" - Auf das ward der trozige Mann augenblicklich sehr freundlich, und bat uns mit der schmeichelhaftesten Artigkeit, daß wir uns in einen Gasthof begeben möchten, weil es ihm sehr leid seyn würde, wenn wir unverschuldeter Weise Unannehmlichkeiten erfahren müßten. So komisch der Ausgang dieses Auftritts war, so lies er in uns doch einiges Misbehagen zurück, weil wir noch immer in der Meynung stunden, daß man dem Volk mit Gewalt seine väterliche Religion abdringen, und ihm das Joch einer Gottesverehrung aufbürden wolle, die es für irrig hält. Wir wurden aber bald, durch den nämlichen Offizier, der die Ruhe wieder hergestellt hatte, aus unserm Wahne gerissen. Wir beyde blieben unter dem Rathhause stehen. Der Befehlshaber der Exekutionstruppe sprengte rasch auf uns los, worüber Held Atabu beynahe vor Schreken unmächtig niedersank. „Seyd ihr die einzigen, fuhr er uns an, die den herrschaftlichen Befehl verachten? Plözlich nach Hause, oder –“–“ Wir sind Fremde, erwiederte Elafu, und diesen Augenblik erst angekommen!“ – Auf das ward der trozige Mann augenblicklich sehr freundlich, und bat uns mit der schmeichelhaftesten Artigkeit, daß wir uns in einen Gasthof begeben möchten, weil es ihm sehr leid seyn würde, wenn wir unverschuldeter Weise Unannehmlichkeiten erfahren müßten. So komisch der Ausgang dieses Auftritts war, so lies er in uns doch einiges Misbehagen zurück, weil wir noch immer in der Meynung stunden, daß man dem Volk mit Gewalt seine väterliche Religion abdringen, und ihm das Joch einer Gottesverehrung aufbürden wolle, die es für irrig hält. Wir wurden aber bald, durch den nämlichen Offizier, der die Ruhe wieder hergestellt hatte, aus unserm Wahne gerissen. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <pb facs="#f0179" n="175"/> <p>Wir beyde blieben unter dem Rathhause stehen. Der Befehlshaber der Exekutionstruppe sprengte rasch auf uns los, worüber Held <hi rendition="#g">Atabu</hi> beynahe vor Schreken unmächtig niedersank. „Seyd ihr die einzigen, fuhr er uns an, die den herrschaftlichen Befehl verachten? Plözlich nach Hause, oder –“–“ Wir sind Fremde, erwiederte <hi rendition="#g">Elafu</hi>, und diesen Augenblik erst angekommen!“ – Auf das ward der trozige Mann augenblicklich sehr freundlich, und bat uns mit der schmeichelhaftesten Artigkeit, daß wir uns in einen Gasthof begeben möchten, weil es ihm sehr leid seyn würde, wenn wir unverschuldeter Weise Unannehmlichkeiten erfahren müßten.</p> <p>So komisch der Ausgang dieses Auftritts war, so lies er in uns doch einiges Misbehagen zurück, weil wir noch immer in der Meynung stunden, daß man dem Volk mit Gewalt seine väterliche Religion abdringen, und ihm das Joch einer Gottesverehrung aufbürden wolle, die es für irrig hält. Wir wurden aber bald, durch den nämlichen Offizier, der die Ruhe wieder hergestellt hatte, aus unserm Wahne gerissen.</p> </div> </body> </text> </TEI> [175/0179]
Wir beyde blieben unter dem Rathhause stehen. Der Befehlshaber der Exekutionstruppe sprengte rasch auf uns los, worüber Held Atabu beynahe vor Schreken unmächtig niedersank. „Seyd ihr die einzigen, fuhr er uns an, die den herrschaftlichen Befehl verachten? Plözlich nach Hause, oder –“–“ Wir sind Fremde, erwiederte Elafu, und diesen Augenblik erst angekommen!“ – Auf das ward der trozige Mann augenblicklich sehr freundlich, und bat uns mit der schmeichelhaftesten Artigkeit, daß wir uns in einen Gasthof begeben möchten, weil es ihm sehr leid seyn würde, wenn wir unverschuldeter Weise Unannehmlichkeiten erfahren müßten.
So komisch der Ausgang dieses Auftritts war, so lies er in uns doch einiges Misbehagen zurück, weil wir noch immer in der Meynung stunden, daß man dem Volk mit Gewalt seine väterliche Religion abdringen, und ihm das Joch einer Gottesverehrung aufbürden wolle, die es für irrig hält. Wir wurden aber bald, durch den nämlichen Offizier, der die Ruhe wieder hergestellt hatte, aus unserm Wahne gerissen.
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| Zitationshilfe: | [Pahl, Johann Gottfried]: Die Philosophen aus dem Uranus. Konstantinopel, 1796, S. 175. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pahl_philosophen_1796/179>, abgerufen am 15.09.2024. |


