Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Pahl, Johann Gottfried]: Die Philosophen aus dem Uranus. Konstantinopel, 1796.

Bild:
<< vorherige Seite

beneidet, und vom Volke geliebt. Als Edelmann konnte er mit seinen Einkünften glänzen, ohne die Untertanen zu drücken. Er war reich, und sie waren glücklich. - Der Vater des izigen Fürsten vermählte sich mit einem Mädchen aus einem reichsgräflichen Hause, die es sich zur Bedingung machte, daß der Herr Bräutigam sich in die höhere Klasse von Adel erheben lassen müsse, aus der sie zu ihm herab gestiegen war. Dies geschah! der Herr Gemahl, der vorhin ein groser Edelmann gewesen war, wurde nun mit einem mal ein kleiner Graf, denn zum gräflichen State reichten die Einkünfte nicht zu, und die eitle Gattinn hatte ein zu geringes Vermögen beygebracht, als daß man mit demselben die Lücken, die die Gutseinkünfte offen liesen, hätte ausfüllen können. Indeß spielte man den Grafen, so gut es seyn konnte. Die Zahl der Domestiken und der Pferde wurde vermehrt; man schuf den Schloßgarten in einen Park um, die Livreen und Equipagen wurden prächtiger; der Beamte erhielt den Charakter eines Kanzleidirektors;

beneidet, und vom Volke geliebt. Als Edelmann konnte er mit seinen Einkünften glänzen, ohne die Untertanen zu drücken. Er war reich, und sie waren glücklich. – Der Vater des izigen Fürsten vermählte sich mit einem Mädchen aus einem reichsgräflichen Hause, die es sich zur Bedingung machte, daß der Herr Bräutigam sich in die höhere Klasse von Adel erheben lassen müsse, aus der sie zu ihm herab gestiegen war. Dies geschah! der Herr Gemahl, der vorhin ein groser Edelmann gewesen war, wurde nun mit einem mal ein kleiner Graf, denn zum gräflichen State reichten die Einkünfte nicht zu, und die eitle Gattinn hatte ein zu geringes Vermögen beygebracht, als daß man mit demselben die Lücken, die die Gutseinkünfte offen liesen, hätte ausfüllen können. Indeß spielte man den Grafen, so gut es seyn konnte. Die Zahl der Domestiken und der Pferde wurde vermehrt; man schuf den Schloßgarten in einen Park um, die Livreen und Equipagen wurden prächtiger; der Beamte erhielt den Charakter eines Kanzleidirektors;

<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <p><pb facs="#f0187" n="183"/>
beneidet, und vom Volke geliebt. Als Edelmann konnte er mit seinen Einkünften glänzen, ohne die Untertanen zu drücken. Er war reich, und sie waren glücklich. &#x2013; Der Vater des izigen Fürsten vermählte sich mit einem Mädchen aus einem reichsgräflichen Hause, die es sich zur Bedingung machte, daß der Herr Bräutigam sich in die höhere Klasse von Adel erheben lassen müsse, aus der sie zu ihm herab gestiegen war. Dies geschah! der Herr Gemahl, der vorhin ein groser Edelmann gewesen war, wurde nun mit einem mal ein kleiner Graf, denn zum gräflichen State reichten die Einkünfte nicht zu, und die eitle Gattinn hatte ein zu geringes Vermögen beygebracht, als daß man mit demselben die Lücken, die die Gutseinkünfte offen liesen, hätte ausfüllen können. Indeß spielte man den Grafen, so gut es seyn konnte. Die Zahl der Domestiken und der Pferde wurde vermehrt; man schuf den Schloßgarten in einen Park um, die Livreen und Equipagen wurden prächtiger; der Beamte erhielt den Charakter eines Kanzleidirektors;
</p>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[183/0187] beneidet, und vom Volke geliebt. Als Edelmann konnte er mit seinen Einkünften glänzen, ohne die Untertanen zu drücken. Er war reich, und sie waren glücklich. – Der Vater des izigen Fürsten vermählte sich mit einem Mädchen aus einem reichsgräflichen Hause, die es sich zur Bedingung machte, daß der Herr Bräutigam sich in die höhere Klasse von Adel erheben lassen müsse, aus der sie zu ihm herab gestiegen war. Dies geschah! der Herr Gemahl, der vorhin ein groser Edelmann gewesen war, wurde nun mit einem mal ein kleiner Graf, denn zum gräflichen State reichten die Einkünfte nicht zu, und die eitle Gattinn hatte ein zu geringes Vermögen beygebracht, als daß man mit demselben die Lücken, die die Gutseinkünfte offen liesen, hätte ausfüllen können. Indeß spielte man den Grafen, so gut es seyn konnte. Die Zahl der Domestiken und der Pferde wurde vermehrt; man schuf den Schloßgarten in einen Park um, die Livreen und Equipagen wurden prächtiger; der Beamte erhielt den Charakter eines Kanzleidirektors;

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax. (2012-10-29T10:30:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Göttinger Digitalisierungszentrum: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-10-29T10:30:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-10-29T10:30:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pahl_philosophen_1796
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pahl_philosophen_1796/187
Zitationshilfe: [Pahl, Johann Gottfried]: Die Philosophen aus dem Uranus. Konstantinopel, 1796, S. 183. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pahl_philosophen_1796/187>, abgerufen am 29.09.2022.