[Pahl, Johann Gottfried]: Die Philosophen aus dem Uranus. Konstantinopel, 1796.gedrückter, und verachteter sey, als der Stand der Soldaten!" Schweigend sahen wir uns an, und fanden die Versichrungen des armen Mannes immer unbegreiflicher. Es dünkte uns schlechterdings nothwendig, daß unter einem Herrn, dessen Glieder mit der bittersten Armut ringen, und auf eine so unmenschliche Weise mißhandelt werden, aller Patriotismus und alle feinern Gefühle von Ehre und Tugend erstickt, der Mut am Tage der Schlacht gelähmt, und Treulosigkeit und Haß gegen die Vorgesezten erzeugt werden müsse; - und unsre Vermutung ward zum Theil von ihm bestättigt. Gehts ins Feld - fuhr er fort - so lauft freylich alles davon, was Gelegenheit zum Ausreissen hat, und es ist nichts seltnes, daß die Officiere von ihren eignen Leuten, aus Rache erschossen werden. Demohngeachtet hat unser Heer bisher als eines der tapfersten auf der Erde geglänzt. Denn die ganze Art Krieg zu führen, ist bei uns so beschaffen, daß es bei weitem nicht so wohl auf den persönlichen Muth des gemeinen Mannes, als auf gedrückter, und verachteter sey, als der Stand der Soldaten!“ Schweigend sahen wir uns an, und fanden die Versichrungen des armen Mannes immer unbegreiflicher. Es dünkte uns schlechterdings nothwendig, daß unter einem Herrn, dessen Glieder mit der bittersten Armut ringen, und auf eine so unmenschliche Weise mißhandelt werden, aller Patriotismus und alle feinern Gefühle von Ehre und Tugend erstickt, der Mut am Tage der Schlacht gelähmt, und Treulosigkeit und Haß gegen die Vorgesezten erzeugt werden müsse; – und unsre Vermutung ward zum Theil von ihm bestättigt. Gehts ins Feld – fuhr er fort – so lauft freylich alles davon, was Gelegenheit zum Ausreissen hat, und es ist nichts seltnes, daß die Officiere von ihren eignen Leuten, aus Rache erschossen werden. Demohngeachtet hat unser Heer bisher als eines der tapfersten auf der Erde geglänzt. Denn die ganze Art Krieg zu führen, ist bei uns so beschaffen, daß es bei weitem nicht so wohl auf den persönlichen Muth des gemeinen Mannes, als auf <TEI> <text> <body> <div n="1"> <p><pb facs="#f0026" n="22"/> gedrückter, und verachteter sey, als der Stand der Soldaten!“</p> <p>Schweigend sahen wir uns an, und fanden die Versichrungen des armen Mannes immer unbegreiflicher. Es dünkte uns schlechterdings nothwendig, daß unter einem Herrn, dessen Glieder mit der bittersten Armut ringen, und auf eine so unmenschliche Weise mißhandelt werden, aller Patriotismus und alle feinern Gefühle von Ehre und Tugend erstickt, der Mut am Tage der Schlacht gelähmt, und Treulosigkeit und Haß gegen die Vorgesezten erzeugt werden müsse; – und unsre Vermutung ward zum Theil von ihm bestättigt. Gehts ins Feld – fuhr er fort – so lauft freylich alles davon, was Gelegenheit zum Ausreissen hat, und es ist nichts seltnes, daß die Officiere von ihren eignen Leuten, aus Rache erschossen werden. Demohngeachtet hat unser Heer bisher als eines der tapfersten auf der Erde geglänzt. Denn die ganze Art Krieg zu führen, ist bei uns so beschaffen, daß es bei weitem nicht so wohl auf den persönlichen Muth des gemeinen Mannes, als auf </p> </div> </body> </text> </TEI> [22/0026]
gedrückter, und verachteter sey, als der Stand der Soldaten!“
Schweigend sahen wir uns an, und fanden die Versichrungen des armen Mannes immer unbegreiflicher. Es dünkte uns schlechterdings nothwendig, daß unter einem Herrn, dessen Glieder mit der bittersten Armut ringen, und auf eine so unmenschliche Weise mißhandelt werden, aller Patriotismus und alle feinern Gefühle von Ehre und Tugend erstickt, der Mut am Tage der Schlacht gelähmt, und Treulosigkeit und Haß gegen die Vorgesezten erzeugt werden müsse; – und unsre Vermutung ward zum Theil von ihm bestättigt. Gehts ins Feld – fuhr er fort – so lauft freylich alles davon, was Gelegenheit zum Ausreissen hat, und es ist nichts seltnes, daß die Officiere von ihren eignen Leuten, aus Rache erschossen werden. Demohngeachtet hat unser Heer bisher als eines der tapfersten auf der Erde geglänzt. Denn die ganze Art Krieg zu führen, ist bei uns so beschaffen, daß es bei weitem nicht so wohl auf den persönlichen Muth des gemeinen Mannes, als auf
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| Zitationshilfe: | [Pahl, Johann Gottfried]: Die Philosophen aus dem Uranus. Konstantinopel, 1796, S. 22. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pahl_philosophen_1796/26>, abgerufen am 15.09.2024. |


