die Hand, und sagte, einen solchen jungen Mann hätt' er längst zu finden gewünscht; und alle giengen. "Eben jezt, sagte Harprecht unter¬ wegs, Tanz- und Klavierschule bei Knol und alle meine Töchter."
Es wird nicht unter der Würde der Geschich¬ te sein, hier anzumerken, daß Harprecht und Knol sich ein einziges Spinet als eine Finger- Tenne und Palästra für ihre Jugend und deren parzielle Gymnastik, ein passives Hammerwerk für ihr aktives, gemeinschaftlich bestanden von einem alten Kanzellisten, und daß das Spinet alternirend von einem Semester zum andern in den Häusern beider Dioskuren stand. Harprecht hatte sogar den Curas und Meidinger aus der Gymnasiumsbibliothek für die gallischen Stunden seiner Töchter geborgt, und sagte, er schäme sich dessen gar nicht.
Der kürzere Weg zum Fiskal gieng durch grüne, rothe, blaue, bunte Gärten, denen der Vor-Herbst schon die Früchte färbte vor den Blättern; und Walt, dem die Vesper-Son¬ ne so warmfreundlich ins Angesicht fiel, sehnte
die Hand, und ſagte, einen ſolchen jungen Mann haͤtt' er laͤngſt zu finden gewuͤnſcht; und alle giengen. „Eben jezt, ſagte Harprecht unter¬ wegs, Tanz- und Klavierſchule bei Knol und alle meine Toͤchter.“
Es wird nicht unter der Wuͤrde der Geſchich¬ te ſein, hier anzumerken, daß Harprecht und Knol ſich ein einziges Spinet als eine Finger- Tenne und Palaͤſtra fuͤr ihre Jugend und deren parzielle Gymnaſtik, ein paſſives Hammerwerk fuͤr ihr aktives, gemeinſchaftlich beſtanden von einem alten Kanzelliſten, und daß das Spinet alternirend von einem Semeſter zum andern in den Haͤuſern beider Dioſkuren ſtand. Harprecht hatte ſogar den Curas und Meidinger aus der Gymnaſiumsbibliothek fuͤr die galliſchen Stunden ſeiner Toͤchter geborgt, und ſagte, er ſchaͤme ſich deſſen gar nicht.
Der kuͤrzere Weg zum Fiſkal gieng durch gruͤne, rothe, blaue, bunte Gaͤrten, denen der Vor-Herbſt ſchon die Fruͤchte faͤrbte vor den Blaͤttern; und Walt, dem die Veſper-Son¬ ne ſo warmfreundlich ins Angeſicht fiel, ſehnte
<TEI><text><body><divn="1"><p><pbfacs="#f0056"n="48"/>
die Hand, und ſagte, einen ſolchen jungen Mann<lb/>
haͤtt' er laͤngſt zu finden gewuͤnſcht; und alle<lb/>
giengen. „Eben jezt, ſagte Harprecht unter¬<lb/>
wegs, Tanz- und Klavierſchule bei Knol und<lb/>
alle meine Toͤchter.“</p><lb/><p>Es wird nicht unter der Wuͤrde der Geſchich¬<lb/>
te ſein, hier anzumerken, daß Harprecht und<lb/>
Knol ſich ein einziges Spinet als eine Finger-<lb/>
Tenne und Palaͤſtra fuͤr ihre Jugend und deren<lb/>
parzielle Gymnaſtik, ein paſſives Hammerwerk<lb/>
fuͤr ihr aktives, gemeinſchaftlich beſtanden von<lb/>
einem alten Kanzelliſten, und daß das Spinet<lb/>
alternirend von einem Semeſter zum andern in<lb/>
den Haͤuſern beider Dioſkuren ſtand. Harprecht<lb/>
hatte ſogar den <hirendition="#aq">Curas</hi> und <hirendition="#aq">Meidinger</hi> aus der<lb/>
Gymnaſiumsbibliothek fuͤr die galliſchen Stunden<lb/>ſeiner Toͤchter geborgt, und ſagte, er ſchaͤme ſich<lb/>
deſſen gar nicht.</p><lb/><p>Der kuͤrzere Weg zum Fiſkal gieng durch<lb/>
gruͤne, rothe, blaue, bunte Gaͤrten, denen der<lb/>
Vor-Herbſt ſchon die Fruͤchte faͤrbte vor den<lb/>
Blaͤttern; und Walt, dem die Veſper-Son¬<lb/>
ne ſo warmfreundlich ins Angeſicht fiel, ſehnte<lb/></p></div></body></text></TEI>
[48/0056]
die Hand, und ſagte, einen ſolchen jungen Mann
haͤtt' er laͤngſt zu finden gewuͤnſcht; und alle
giengen. „Eben jezt, ſagte Harprecht unter¬
wegs, Tanz- und Klavierſchule bei Knol und
alle meine Toͤchter.“
Es wird nicht unter der Wuͤrde der Geſchich¬
te ſein, hier anzumerken, daß Harprecht und
Knol ſich ein einziges Spinet als eine Finger-
Tenne und Palaͤſtra fuͤr ihre Jugend und deren
parzielle Gymnaſtik, ein paſſives Hammerwerk
fuͤr ihr aktives, gemeinſchaftlich beſtanden von
einem alten Kanzelliſten, und daß das Spinet
alternirend von einem Semeſter zum andern in
den Haͤuſern beider Dioſkuren ſtand. Harprecht
hatte ſogar den Curas und Meidinger aus der
Gymnaſiumsbibliothek fuͤr die galliſchen Stunden
ſeiner Toͤchter geborgt, und ſagte, er ſchaͤme ſich
deſſen gar nicht.
Der kuͤrzere Weg zum Fiſkal gieng durch
gruͤne, rothe, blaue, bunte Gaͤrten, denen der
Vor-Herbſt ſchon die Fruͤchte faͤrbte vor den
Blaͤttern; und Walt, dem die Veſper-Son¬
ne ſo warmfreundlich ins Angeſicht fiel, ſehnte
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
Sie haben einen Fehler gefunden?
Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform
DTAQ melden.
Kommentar zur DTA-Ausgabe
Dieses Werk wurde von OCR-Software automatisch erfasst und anschließend
gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien
von Muttersprachlern nachkontrolliert. Es wurde gemäß dem
DTA-Basisformat in XML/TEI P5 kodiert.
Jean Paul: Flegeljahre. Bd. 2. Tübingen, 1804, S. 48. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/paul_flegeljahre02_1804/56>, abgerufen am 25.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.