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[Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 4. Frankfurt (Main) u. a., 1787.

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Sylvia. Meinethalben! probiert es, ihr
werdet es denn erfahren.

Das Gespräch machte dem Onkle Mühe; er
war mit beyden unzufrieden; und gieng bey Anlaß
der Pferde in den Stall, zu sehen, was sein Brauner
mache. -- Der Knecht hatte ihm gestern gesagt,
es fehle ihm etwas am Fuß. --



§. 4.
Die Spinne arbeitet fleißig an ihrem
Gewebe.

Sie fürchteten Niemand; und nichts als des Lieu-
tenants Augen und Stille. Sie sahen wohl, daß er
reden konnte, wenn er wollte; dafür aber suchten sie
ihn aus dem Schlosse zu sprengen, so bald sie könn-
ten; und da sie vernommen, er schneide den Kin-
dern in der Schule die Haare und die Nägel ab,
hatten sie ihre Sache in der Ordnung. --

Bey dem ersten Essen rückte Aglee, da er ihr,
wie gewöhnlich, den Teller anboth, mit dem Stuhl
hinter sich von ihm hinweg. Er wußte nicht was
es war, der ganze Tisch sah hinunter, was es ge-
ben wolle, und Sylvia sagte dann ganz laut und
vernehmlich von oben herab: "Es sey nichts an-
"ders, als ihre Freundin sey ein wenig eckel, und

Sylvia. Meinethalben! probiert es, ihr
werdet es denn erfahren.

Das Geſpraͤch machte dem Onkle Muͤhe; er
war mit beyden unzufrieden; und gieng bey Anlaß
der Pferde in den Stall, zu ſehen, was ſein Brauner
mache. — Der Knecht hatte ihm geſtern geſagt,
es fehle ihm etwas am Fuß. —



§. 4.
Die Spinne arbeitet fleißig an ihrem
Gewebe.

Sie fuͤrchteten Niemand; und nichts als des Lieu-
tenants Augen und Stille. Sie ſahen wohl, daß er
reden konnte, wenn er wollte; dafuͤr aber ſuchten ſie
ihn aus dem Schloſſe zu ſprengen, ſo bald ſie koͤnn-
ten; und da ſie vernommen, er ſchneide den Kin-
dern in der Schule die Haare und die Naͤgel ab,
hatten ſie ihre Sache in der Ordnung. —

Bey dem erſten Eſſen ruͤckte Aglee, da er ihr,
wie gewoͤhnlich, den Teller anboth, mit dem Stuhl
hinter ſich von ihm hinweg. Er wußte nicht was
es war, der ganze Tiſch ſah hinunter, was es ge-
ben wolle, und Sylvia ſagte dann ganz laut und
vernehmlich von oben herab: „Es ſey nichts an-
„ders, als ihre Freundin ſey ein wenig eckel, und

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[12/0030] Sylvia. Meinethalben! probiert es, ihr werdet es denn erfahren. Das Geſpraͤch machte dem Onkle Muͤhe; er war mit beyden unzufrieden; und gieng bey Anlaß der Pferde in den Stall, zu ſehen, was ſein Brauner mache. — Der Knecht hatte ihm geſtern geſagt, es fehle ihm etwas am Fuß. — §. 4. Die Spinne arbeitet fleißig an ihrem Gewebe. Sie fuͤrchteten Niemand; und nichts als des Lieu- tenants Augen und Stille. Sie ſahen wohl, daß er reden konnte, wenn er wollte; dafuͤr aber ſuchten ſie ihn aus dem Schloſſe zu ſprengen, ſo bald ſie koͤnn- ten; und da ſie vernommen, er ſchneide den Kin- dern in der Schule die Haare und die Naͤgel ab, hatten ſie ihre Sache in der Ordnung. — Bey dem erſten Eſſen ruͤckte Aglee, da er ihr, wie gewoͤhnlich, den Teller anboth, mit dem Stuhl hinter ſich von ihm hinweg. Er wußte nicht was es war, der ganze Tiſch ſah hinunter, was es ge- ben wolle, und Sylvia ſagte dann ganz laut und vernehmlich von oben herab: „Es ſey nichts an- „ders, als ihre Freundin ſey ein wenig eckel, und

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Zitationshilfe: [Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 4. Frankfurt (Main) u. a., 1787, S. 12. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard04_1787/30>, abgerufen am 13.04.2021.