Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 4. Frankfurt (Main) u. a., 1787.

Bild:
<< vorherige Seite

Und wenn sie den Kopf unter der Decke hervor
hat -- sagt sie in einem Athemzug -- sie wollte, sie
wär nicht mehr in der Welt -- und im gleichen
Augenblick zankt sie mit Aglee, und sagt ihr, sie
glaube nicht, daß sie ihr verboten habe mitzukom-
men, und wenn sie ihr verboten habe mitzukom-
men, so hätte sie nachkommen können -- und
murrte so was unverständliches von Schuldigkeit
mit unter. --

Aber Aglee, die, wie ihr wißt, es nicht so mit
ihr versteht, gab ihr, da sie das that, zur Antwort,
sie solle warten bis sie ihre fünf Sinne alle wieder
bey einander habe, und dann mit ihr reden. --
Mit diesem ließ sie sie sitzen.



§. 21.
Unter den Vögeln ist der Nachtigall Kla-
geton der schönste; aber unter den
Menschen ist wohl ein jeder anderer
Ton besser.

Sie gieng hinaus, der Jäger gieng hinein, und
sagte, es sey eine große dicke Bauernfrau im Hofe,
die gerne mit ihr Gnaden der Fräulein reden
möchte. --

F

Und wenn ſie den Kopf unter der Decke hervor
hat — ſagt ſie in einem Athemzug — ſie wollte, ſie
waͤr nicht mehr in der Welt — und im gleichen
Augenblick zankt ſie mit Aglee, und ſagt ihr, ſie
glaube nicht, daß ſie ihr verboten habe mitzukom-
men, und wenn ſie ihr verboten habe mitzukom-
men, ſo haͤtte ſie nachkommen koͤnnen — und
murrte ſo was unverſtaͤndliches von Schuldigkeit
mit unter. —

Aber Aglee, die, wie ihr wißt, es nicht ſo mit
ihr verſteht, gab ihr, da ſie das that, zur Antwort,
ſie ſolle warten bis ſie ihre fuͤnf Sinne alle wieder
bey einander habe, und dann mit ihr reden. —
Mit dieſem ließ ſie ſie ſitzen.



§. 21.
Unter den Voͤgeln iſt der Nachtigall Kla-
geton der ſchoͤnſte; aber unter den
Menſchen iſt wohl ein jeder anderer
Ton beſſer.

Sie gieng hinaus, der Jaͤger gieng hinein, und
ſagte, es ſey eine große dicke Bauernfrau im Hofe,
die gerne mit ihr Gnaden der Fraͤulein reden
moͤchte. —

F
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0099" n="81"/>
        <p>Und wenn &#x017F;ie den Kopf unter der Decke hervor<lb/>
hat &#x2014; &#x017F;agt &#x017F;ie in einem Athemzug &#x2014; &#x017F;ie wollte, &#x017F;ie<lb/>
wa&#x0364;r nicht mehr in der Welt &#x2014; und im gleichen<lb/>
Augenblick zankt &#x017F;ie mit Aglee, und &#x017F;agt ihr, &#x017F;ie<lb/>
glaube nicht, daß &#x017F;ie ihr verboten habe mitzukom-<lb/>
men, und wenn &#x017F;ie ihr verboten habe mitzukom-<lb/>
men, &#x017F;o ha&#x0364;tte &#x017F;ie nachkommen ko&#x0364;nnen &#x2014; und<lb/>
murrte &#x017F;o was unver&#x017F;ta&#x0364;ndliches von Schuldigkeit<lb/>
mit unter. &#x2014;</p><lb/>
        <p>Aber Aglee, die, wie ihr wißt, es nicht &#x017F;o mit<lb/>
ihr ver&#x017F;teht, gab ihr, da &#x017F;ie das that, zur Antwort,<lb/>
&#x017F;ie &#x017F;olle warten bis &#x017F;ie ihre fu&#x0364;nf Sinne alle wieder<lb/>
bey einander habe, und dann mit ihr reden. &#x2014;<lb/>
Mit die&#x017F;em ließ &#x017F;ie &#x017F;ie &#x017F;itzen.</p>
      </div><lb/>
      <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
      <div n="1">
        <head> <hi rendition="#b">§. 21.<lb/>
Unter den Vo&#x0364;geln i&#x017F;t der Nachtigall Kla-<lb/>
geton der &#x017F;cho&#x0364;n&#x017F;te; aber unter den<lb/>
Men&#x017F;chen i&#x017F;t wohl ein jeder anderer<lb/>
Ton be&#x017F;&#x017F;er.</hi> </head><lb/>
        <p><hi rendition="#in">S</hi>ie gieng hinaus, der Ja&#x0364;ger gieng hinein, und<lb/>
&#x017F;agte, es &#x017F;ey eine große dicke Bauernfrau im Hofe,<lb/>
die gerne mit ihr Gnaden der Fra&#x0364;ulein reden<lb/>
mo&#x0364;chte. &#x2014;</p><lb/>
        <fw place="bottom" type="sig">F</fw><lb/>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[81/0099] Und wenn ſie den Kopf unter der Decke hervor hat — ſagt ſie in einem Athemzug — ſie wollte, ſie waͤr nicht mehr in der Welt — und im gleichen Augenblick zankt ſie mit Aglee, und ſagt ihr, ſie glaube nicht, daß ſie ihr verboten habe mitzukom- men, und wenn ſie ihr verboten habe mitzukom- men, ſo haͤtte ſie nachkommen koͤnnen — und murrte ſo was unverſtaͤndliches von Schuldigkeit mit unter. — Aber Aglee, die, wie ihr wißt, es nicht ſo mit ihr verſteht, gab ihr, da ſie das that, zur Antwort, ſie ſolle warten bis ſie ihre fuͤnf Sinne alle wieder bey einander habe, und dann mit ihr reden. — Mit dieſem ließ ſie ſie ſitzen. §. 21. Unter den Voͤgeln iſt der Nachtigall Kla- geton der ſchoͤnſte; aber unter den Menſchen iſt wohl ein jeder anderer Ton beſſer. Sie gieng hinaus, der Jaͤger gieng hinein, und ſagte, es ſey eine große dicke Bauernfrau im Hofe, die gerne mit ihr Gnaden der Fraͤulein reden moͤchte. — F

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard04_1787
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard04_1787/99
Zitationshilfe: [Pestalozzi, Johann Heinrich]: Lienhard und Gertrud. Bd. 4. Frankfurt (Main) u. a., 1787, S. 81. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pestalozzi_lienhard04_1787/99>, abgerufen am 10.04.2021.