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Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717.

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Hauptbeschreibung ersten Theils fünfftes Buch.
[Spaltenumbruch] ter mehr, von denen ich nichts melden
mag, weil alle Autores, die nur von
Kräutern geschrieben, weitläufftig ge-
nug davon geschrieben haben, dahin ich
auch den Leser will verweisen.

Ob wir nun gleich zu Paris diese
Kräuter nicht verkauffen, weil wir die
Kräuterkramer haben, dennoch ver-
kauffen wir die Saltze davon, sie mögen
nun figirt und essentialia, oder flüchtig
seyn, unter andern das Saltz von Car-
debenedicten/ Wermuth, Beyfuß/
klein Tausendgüldenkraut, Melisse,
Salbey, Rosmarin/ Wegwarten,
Sauerampfer, Bohnen
und vielen
andern Kräutern. Kurtz: uns ist ver-
gönnet, alle Salia, die aus Kräutern kön-
nen gemacht werden, weil sie zur Chy-
mie gehören, zu verkauffen.

Was aber dererselben Wahl betrifft,
da kan ich keinen bessern Rath geben, als
[Spaltenumbruch] daß man sie bey rechtschaffenen Leuten
nehme, die niemand eines an statt des
andern geben, und daß man nicht auf
den Preiß sehe; denn unmöglich können
dergleichen Salia also wohlfeil gegeben
werden, wie etliche doch thun, und ein
gantzes Pfund wohlfeiler geben, als an-
dere ehrliche Leute eine Untze zu geben
vermögen. Dieses aber geschiehet ver-
mittelst des Salpeters, den sie drunter
thun, oder des Salis polychresti, das sie
zu Pulver stossen, und in ein Hauffen
Gläser thun, daran sie allerley Zettel
kleben, ob es gleich nur einerley ist: daß
man sich also vor denen, die mit Salpe-
ter vermischet sind, wohl zu hüten hat.
Jedoch kan es einer leichte entdecken,
er darff nur ein wenig auf glühende Koh-
len legen, so zischet es, wenn es mit Sal-
peter vermenget ist; ausser diesem ist es
ohne Zusatz.

[Ende Spaltensatz]
Das sechzehende Capitel.
Von den Corallen.
[Spaltenumbruch]

ES sind die Corallen/ wie der Herr
Tournefort will, ein Gewächs, das
im Abgrund der See wächst, und keine
Blätter hat, daran man auch weder
Blüte noch Samen bemercken kan; in-
dessen sind sie dennoch, als wie mit einer
Wurtzel an die Klippen veste angehef-
tet. Sie werden mit einer Rinde be-
decket, welche über und über voller klei-
ner Löchlein ist, die als Sternlein ge-
stalt, biß mitten hineingehen. Auch
sind sie in Aeste zertheilet, und man fin-
det Strahlen dran, welche ihre Fibern
und Zäserlein anzudeuten scheinen.
Endlich vermehren sie sich ohnstreitig
durch ihren Samen. Dieses kommet
trefflich mit der Meinung dererjenigen
überein, welche die Corallen unter die
Gewächse zehlen. Heut zu Tage ist man
darinnen einig, daß sie bereits in der
See harte sind: denn es kan die Weich-
heit der Schale, welche sonsten schlü-
pfricht und harte ist, diejenigen verführet
haben, welche geschrieben, es sey das gan-
tze Gewächse weich. Diese Schale ist
eine Tartarische Kruste, und an den ro-
then Corallen roth, an den weissen weiß.
Die Spitzen der Aeste sind weich und
rund, wie kleine Küglein, in Grösse der
Johannisbeeren, ordentlich in sechs
Fach abgetheilet, und mit einem milch-
weissen Safte, dergleichen die Geschlech-
[Spaltenumbruch] te der Wolfsmilch von sich geben, er-
füllet. Dieser Saft ist fettich, scharff
und anziehend, auch verspüret man da-
ran einen Geschmack wie Pfeffer mit
Castanien vermenget, iedoch nur, wenn
sie annoch weich und frisch sind; denn
wenn sie vertrocknet, sind sie alleine an-
ziehend. Diese kleine Küglein werden
insgemein die Corallenblute genennet,
wiewohl sie billicher die Samenbehält-
nüsse dieses Gewächses heissen möchten,
massen die neuern Scribenten angemer-
cket, daß dieser Saft, den sie vergiessen,
die Corallenpflantzen, auf denenjenigen
Cörpern, darauf er gefallen, erzeuge.
Jch selbst besitze ein ziemlich grosses
Stück, welches auf einem Scherben ei-
nes zerbrochenen irdenen Geschirres,
dergleichen zu Fayenie gemacht wer-
den, gewachsen ist; will demnach des-
jenigen Corallenzinckens, den man zu
Pisa zeiget, und auf einem Hirnschedel
siehet, nicht gedencken.

Eigentlich sind nur drey Gattungen
der Corallen, die zur Artzney gebrau-Siehe Fig. 146.
147. 148.

chet werden, die rothen, die wahrhaf-
ten weissen,
und die rosenrothen oder
leibfarbenen, welche man aber zu den ro-
then rechnen muß. Die rechten weis-
sen Corallen,
welche von den rothen
blos durch die Farbe unterschieden wer-
den, sind sehr rar und theuer. An statt

der
N 3

Hauptbeſchreibung erſten Theils fuͤnfftes Buch.
[Spaltenumbruch] ter mehr, von denen ich nichts melden
mag, weil alle Autores, die nur von
Kraͤutern geſchrieben, weitlaͤufftig ge-
nug davon geſchrieben haben, dahin ich
auch den Leſer will verweiſen.

Ob wir nun gleich zu Paris dieſe
Kraͤuter nicht verkauffen, weil wir die
Kraͤuterkramer haben, dennoch ver-
kauffen wir die Saltze davon, ſie moͤgen
nun figirt und eſſentialia, oder fluͤchtig
ſeyn, unter andern das Saltz von Car-
debenedicten/ Wermuth, Beyfuß/
klein Tauſendguͤldenkraut, Meliſſe,
Salbey, Rosmarin/ Wegwarten,
Sauerampfer, Bohnen
und vielen
andern Kraͤutern. Kurtz: uns iſt ver-
goͤnnet, alle Salia, die aus Kraͤutern koͤn-
nen gemacht werden, weil ſie zur Chy-
mie gehoͤren, zu verkauffen.

Was aber dererſelben Wahl betrifft,
da kan ich keinen beſſern Rath geben, als
[Spaltenumbruch] daß man ſie bey rechtſchaffenen Leuten
nehme, die niemand eines an ſtatt des
andern geben, und daß man nicht auf
den Preiß ſehe; denn unmoͤglich koͤnnen
dergleichen Salia alſo wohlfeil gegeben
werden, wie etliche doch thun, und ein
gantzes Pfund wohlfeiler geben, als an-
dere ehrliche Leute eine Untze zu geben
vermoͤgen. Dieſes aber geſchiehet ver-
mittelſt des Salpeters, den ſie drunter
thun, oder des Salis polychreſti, das ſie
zu Pulver ſtoſſen, und in ein Hauffen
Glaͤſer thun, daran ſie allerley Zettel
kleben, ob es gleich nur einerley iſt: daß
man ſich alſo vor denen, die mit Salpe-
ter vermiſchet ſind, wohl zu huͤten hat.
Jedoch kan es einer leichte entdecken,
er darff nur ein wenig auf gluͤhende Koh-
len legen, ſo ziſchet es, wenn es mit Sal-
peter vermenget iſt; auſſer dieſem iſt es
ohne Zuſatz.

[Ende Spaltensatz]
Das ſechzehende Capitel.
Von den Corallen.
[Spaltenumbruch]

ES ſind die Corallen/ wie der Herr
Tournefort will, ein Gewaͤchs, das
im Abgrund der See waͤchſt, und keine
Blaͤtter hat, daran man auch weder
Bluͤte noch Samen bemercken kan; in-
deſſen ſind ſie dennoch, als wie mit einer
Wurtzel an die Klippen veſte angehef-
tet. Sie werden mit einer Rinde be-
decket, welche uͤber und uͤber voller klei-
ner Loͤchlein iſt, die als Sternlein ge-
ſtalt, biß mitten hineingehen. Auch
ſind ſie in Aeſte zertheilet, und man fin-
det Strahlen dran, welche ihre Fibern
und Zaͤſerlein anzudeuten ſcheinen.
Endlich vermehren ſie ſich ohnſtreitig
durch ihren Samen. Dieſes kommet
trefflich mit der Meinung dererjenigen
uͤberein, welche die Corallen unter die
Gewaͤchſe zehlen. Heut zu Tage iſt man
darinnen einig, daß ſie bereits in der
See harte ſind: denn es kan die Weich-
heit der Schale, welche ſonſten ſchluͤ-
pfricht und harte iſt, diejenigen verfuͤhret
haben, welche geſchrieben, es ſey das gan-
tze Gewaͤchſe weich. Dieſe Schale iſt
eine Tartariſche Kruſte, und an den ro-
then Corallen roth, an den weiſſen weiß.
Die Spitzen der Aeſte ſind weich und
rund, wie kleine Kuͤglein, in Groͤſſe der
Johannisbeeren, ordentlich in ſechs
Fach abgetheilet, und mit einem milch-
weiſſen Safte, dergleichen die Geſchlech-
[Spaltenumbruch] te der Wolfsmilch von ſich geben, er-
fuͤllet. Dieſer Saft iſt fettich, ſcharff
und anziehend, auch verſpuͤret man da-
ran einen Geſchmack wie Pfeffer mit
Caſtanien vermenget, iedoch nur, wenn
ſie annoch weich und friſch ſind; denn
wenn ſie vertrocknet, ſind ſie alleine an-
ziehend. Dieſe kleine Kuͤglein werden
insgemein die Corallenblute genennet,
wiewohl ſie billicher die Samenbehaͤlt-
nuͤſſe dieſes Gewaͤchſes heiſſen moͤchten,
maſſen die neuern Scribenten angemer-
cket, daß dieſer Saft, den ſie vergieſſen,
die Corallenpflantzen, auf denenjenigen
Coͤrpern, darauf er gefallen, erzeuge.
Jch ſelbſt beſitze ein ziemlich groſſes
Stuͤck, welches auf einem Scherben ei-
nes zerbrochenen irdenen Geſchirres,
dergleichen zu Fayenie gemacht wer-
den, gewachſen iſt; will demnach des-
jenigen Corallenzinckens, den man zu
Piſa zeiget, und auf einem Hirnſchedel
ſiehet, nicht gedencken.

Eigentlich ſind nur drey Gattungen
der Corallen, die zur Artzney gebrau-Siehe Fig. 146.
147. 148.

chet werden, die rothen, die wahrhaf-
ten weiſſen,
und die roſenrothen oder
leibfarbenen, welche man aber zu den ro-
then rechnen muß. Die rechten weiſ-
ſen Corallen,
welche von den rothen
blos durch die Farbe unterſchieden wer-
den, ſind ſehr rar und theuer. An ſtatt

der
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[0185] Hauptbeſchreibung erſten Theils fuͤnfftes Buch. ter mehr, von denen ich nichts melden mag, weil alle Autores, die nur von Kraͤutern geſchrieben, weitlaͤufftig ge- nug davon geſchrieben haben, dahin ich auch den Leſer will verweiſen. Ob wir nun gleich zu Paris dieſe Kraͤuter nicht verkauffen, weil wir die Kraͤuterkramer haben, dennoch ver- kauffen wir die Saltze davon, ſie moͤgen nun figirt und eſſentialia, oder fluͤchtig ſeyn, unter andern das Saltz von Car- debenedicten/ Wermuth, Beyfuß/ klein Tauſendguͤldenkraut, Meliſſe, Salbey, Rosmarin/ Wegwarten, Sauerampfer, Bohnen und vielen andern Kraͤutern. Kurtz: uns iſt ver- goͤnnet, alle Salia, die aus Kraͤutern koͤn- nen gemacht werden, weil ſie zur Chy- mie gehoͤren, zu verkauffen. Was aber dererſelben Wahl betrifft, da kan ich keinen beſſern Rath geben, als daß man ſie bey rechtſchaffenen Leuten nehme, die niemand eines an ſtatt des andern geben, und daß man nicht auf den Preiß ſehe; denn unmoͤglich koͤnnen dergleichen Salia alſo wohlfeil gegeben werden, wie etliche doch thun, und ein gantzes Pfund wohlfeiler geben, als an- dere ehrliche Leute eine Untze zu geben vermoͤgen. Dieſes aber geſchiehet ver- mittelſt des Salpeters, den ſie drunter thun, oder des Salis polychreſti, das ſie zu Pulver ſtoſſen, und in ein Hauffen Glaͤſer thun, daran ſie allerley Zettel kleben, ob es gleich nur einerley iſt: daß man ſich alſo vor denen, die mit Salpe- ter vermiſchet ſind, wohl zu huͤten hat. Jedoch kan es einer leichte entdecken, er darff nur ein wenig auf gluͤhende Koh- len legen, ſo ziſchet es, wenn es mit Sal- peter vermenget iſt; auſſer dieſem iſt es ohne Zuſatz. Das ſechzehende Capitel. Von den Corallen. ES ſind die Corallen/ wie der Herr Tournefort will, ein Gewaͤchs, das im Abgrund der See waͤchſt, und keine Blaͤtter hat, daran man auch weder Bluͤte noch Samen bemercken kan; in- deſſen ſind ſie dennoch, als wie mit einer Wurtzel an die Klippen veſte angehef- tet. Sie werden mit einer Rinde be- decket, welche uͤber und uͤber voller klei- ner Loͤchlein iſt, die als Sternlein ge- ſtalt, biß mitten hineingehen. Auch ſind ſie in Aeſte zertheilet, und man fin- det Strahlen dran, welche ihre Fibern und Zaͤſerlein anzudeuten ſcheinen. Endlich vermehren ſie ſich ohnſtreitig durch ihren Samen. Dieſes kommet trefflich mit der Meinung dererjenigen uͤberein, welche die Corallen unter die Gewaͤchſe zehlen. Heut zu Tage iſt man darinnen einig, daß ſie bereits in der See harte ſind: denn es kan die Weich- heit der Schale, welche ſonſten ſchluͤ- pfricht und harte iſt, diejenigen verfuͤhret haben, welche geſchrieben, es ſey das gan- tze Gewaͤchſe weich. Dieſe Schale iſt eine Tartariſche Kruſte, und an den ro- then Corallen roth, an den weiſſen weiß. Die Spitzen der Aeſte ſind weich und rund, wie kleine Kuͤglein, in Groͤſſe der Johannisbeeren, ordentlich in ſechs Fach abgetheilet, und mit einem milch- weiſſen Safte, dergleichen die Geſchlech- te der Wolfsmilch von ſich geben, er- fuͤllet. Dieſer Saft iſt fettich, ſcharff und anziehend, auch verſpuͤret man da- ran einen Geſchmack wie Pfeffer mit Caſtanien vermenget, iedoch nur, wenn ſie annoch weich und friſch ſind; denn wenn ſie vertrocknet, ſind ſie alleine an- ziehend. Dieſe kleine Kuͤglein werden insgemein die Corallenblute genennet, wiewohl ſie billicher die Samenbehaͤlt- nuͤſſe dieſes Gewaͤchſes heiſſen moͤchten, maſſen die neuern Scribenten angemer- cket, daß dieſer Saft, den ſie vergieſſen, die Corallenpflantzen, auf denenjenigen Coͤrpern, darauf er gefallen, erzeuge. Jch ſelbſt beſitze ein ziemlich groſſes Stuͤck, welches auf einem Scherben ei- nes zerbrochenen irdenen Geſchirres, dergleichen zu Fayenie gemacht wer- den, gewachſen iſt; will demnach des- jenigen Corallenzinckens, den man zu Piſa zeiget, und auf einem Hirnſchedel ſiehet, nicht gedencken. Eigentlich ſind nur drey Gattungen der Corallen, die zur Artzney gebrau- chet werden, die rothen, die wahrhaf- ten weiſſen, und die roſenrothen oder leibfarbenen, welche man aber zu den ro- then rechnen muß. Die rechten weiſ- ſen Corallen, welche von den rothen blos durch die Farbe unterſchieden wer- den, ſind ſehr rar und theuer. An ſtatt der Siehe Fig. 146. 147. 148. N 3

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Zitationshilfe: Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/185>, abgerufen am 21.04.2021.