Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717.

Bild:
<< vorherige Seite
Hauptbeschreibung ersten Theils siebendes Buch.
[Spaltenumbruch]

Was er aber durch die Jndiani-
schen
oder Americanischen kleinen
Nüsse
verstehet, weiß ich nicht, habe ihn
auch nicht drum fragen mögen, aus
Beysorge, er dürfte mir eben wieder ei-
ne solche Antwort geben, als da ich ihn
wegen der Blume Orejevalla befragte.
Jndessen will ich gedencken, daß wir un-
[Spaltenumbruch] ter dem Titel der Jndianischen Nuß,
Cocos-Areca- und Mußcat-Nüsse, so
Männlein, als Weiblein, verkauffen.
Doch will ich eben auch nicht sagen, daß
er die Cacaomandeln, welche unter die
andern zur Chocolate gehörigen Sachen
kommen, dadurch verstehe, alldieweil
ichs nicht versichert bin.

[Ende Spaltensatz]
Das sechzehende Capitel.
Von den Vanilien.
[Spaltenumbruch] Siehe Fig. 196.
und 197.

DJe Vanilien, sind nach des Herrn
Rousseau Berichte, Schoten,
ohngefehr des halben Fusses lang, und so
dicke, als der kleine Finger eines Kindes,
hangen an einer Staude, die zwölff bis
funffzehen Fuß hoch ist, und wie unsre
gemeinen Bohnen muß gestengelt wer-
den; darum sie auch zum öftern an der
Mauer hin, oder unten an den Stamm
eines Baumes, oder aber an Pfäle und
andere dergleichen Dinge, daran sie sich
halten kan, gepflantzet wird. Der Sten-
gel ist rund, voller Knoten, wie die Zu-
ckerrohr: daran hangen, an iedem Kno-
ten oder Gelencke, breite, dicke, Fingers-
lange Blätter, die eben so grün sind als
wie der Stengel, und dem grossen Weg-
breit nahe genug kommen. Nach die-
sen folgen die Schoten, die anfangs
grün, und hernach gelb sind, endlich a-
ber immer bräuner werden, ie mehr sie
reiffen. Wenn sie nun reiff worden,
sammlen sie die Leute zu Mexico, Gua-
timalo
und S. Domingo ein, binden
sie mit den Enden zusammen, und legen
sie in den Schatten, damit sie trucken
werden. Nachdem, als sie trucken wor-
den, und gut aufzuheben sind, reiben
sie sie mit Oele, daß sie nicht allzutrucken
werden, und zerbrechen; machen 50.
100. bis 150. Stück in ein Päcklein, und
übersenden sie uns. Andere aber, die
sich mehr um den Profit, als um das Ge-
wissen bekümmern, lassen sie so lang am
Stocke, bis sie überreiff worden, und auf-
springen: vorher aber setzen sie kleine ir-
dene Geschirr, oder Becherlein unter die
Gewächse, den schwartzen wohlriechen-
den Balsam, der herausrinnet, aufzu-
fangen. Wann dann nichts mehr her-
auslauft, lesen sie die Schoten zusam-
men, und thun an statt des Balsams
kleine Reislein und dergleichen Dinge
drein, nähen sie wieder zu, und machen
[Spaltenumbruch] Päcklein davon, die sie dergestalt zurich-
ten, daß sie den vorgedachten gantz und
gar gleich sehen: Dannenhero findet
man zuweilen einige zusammengenähe-
te drunter, welche ausgedorret und ohn
alle Kräfte sind.

Die grossen Herren in Mexico lie-
ben dieses Gewächse überaus, theils we-
gen des lieblichen Geruchs derer Scho-
ten, und denn, weil sie dieselben so häuf-
fig unter die Chocolate thun. Die an-
dern aber handeln gern damit, weil sie
sehr grossen Gewinn davon ziehen. Und
diese sind die Spanier, die uns diese
köstliche Waare zusenden, der sie den
Namen Vanilla gegeben, welches dem
Spanischen nach eine kleine Scheide
heißt, weil diese Schoten, als wie Schei-
den formiret sind. Sie haben einen
angenehmen Geruch und Geschmack.

Man erwehle aber diejenigen Vani-
lien,
die fein völlig, dicke, lang, frisch,
wichtig, nicht runtzlicht oder mit Bal-
sam angerieben sind, die auch nicht an
einem feuchten Orte gelegen; denn,
wenn sie gut, müssen sie feist und sehr
zähe seyn, und dazu angenehme riechen.
Jngleichen mag man sich in Acht neh-
men, daß sie fein gleich seyn, eine wie die
andere, denn manchmahl sind mitten
in den Päcklein lauter kleine ausgedörr-
te Vanilien, die gar keinen Geruch ha-
ben. Der Samen darinne, der über
alle massen klein, muß schwärtzlich und
gläntzend seyn.

Die Vanilien sind in Franckreich
sehr gebräuchlich, denn sie werden unter
die Chocolate gethan: andere aber ma-
chen den Tabac damit wohlriechend.
Man wil, daß sie innerlich gebraucht, den
Magen zu stärcken, gar dienlich seyen.

Was den Vanilien-Balsam belan-
get, denselben behalten die Spanier für
sich, und kommt gar keiner zu uns.

[Ende Spaltensatz]
Das
Hauptbeſchreibung erſten Theils ſiebendes Buch.
[Spaltenumbruch]

Was er aber durch die Jndiani-
ſchen
oder Americaniſchen kleinen
Nuͤſſe
verſtehet, weiß ich nicht, habe ihn
auch nicht drum fragen moͤgen, aus
Beyſorge, er duͤrfte mir eben wieder ei-
ne ſolche Antwort geben, als da ich ihn
wegen der Blume Orejevalla befragte.
Jndeſſen will ich gedencken, daß wir un-
[Spaltenumbruch] ter dem Titel der Jndianiſchen Nuß,
Cocos-Areca- und Mußcat-Nuͤſſe, ſo
Maͤnnlein, als Weiblein, verkauffen.
Doch will ich eben auch nicht ſagen, daß
er die Cacaomandeln, welche unter die
andern zur Chocolate gehoͤrigen Sachen
kommen, dadurch verſtehe, alldieweil
ichs nicht verſichert bin.

[Ende Spaltensatz]
Das ſechzehende Capitel.
Von den Vanilien.
[Spaltenumbruch] Siehe Fig. 196.
und 197.

DJe Vanilien, ſind nach des Herrn
Rouſſeau Berichte, Schoten,
ohngefehr des halben Fuſſes lang, und ſo
dicke, als der kleine Finger eines Kindes,
hangen an einer Staude, die zwoͤlff bis
funffzehen Fuß hoch iſt, und wie unſre
gemeinen Bohnen muß geſtengelt wer-
den; darum ſie auch zum oͤftern an der
Mauer hin, oder unten an den Stamm
eines Baumes, oder aber an Pfaͤle und
andere dergleichen Dinge, daran ſie ſich
halten kan, gepflantzet wird. Der Sten-
gel iſt rund, voller Knoten, wie die Zu-
ckerrohr: daran hangen, an iedem Kno-
ten oder Gelencke, breite, dicke, Fingers-
lange Blaͤtter, die eben ſo gruͤn ſind als
wie der Stengel, und dem groſſen Weg-
breit nahe genug kommen. Nach die-
ſen folgen die Schoten, die anfangs
gruͤn, und hernach gelb ſind, endlich a-
ber immer braͤuner werden, ie mehr ſie
reiffen. Wenn ſie nun reiff worden,
ſammlen ſie die Leute zu Mexico, Gua-
timalo
und S. Domingo ein, binden
ſie mit den Enden zuſammen, und legen
ſie in den Schatten, damit ſie trucken
werden. Nachdem, als ſie trucken wor-
den, und gut aufzuheben ſind, reiben
ſie ſie mit Oele, daß ſie nicht allzutrucken
werden, und zerbrechen; machen 50.
100. bis 150. Stuͤck in ein Paͤcklein, und
uͤberſenden ſie uns. Andere aber, die
ſich mehr um den Profit, als um das Ge-
wiſſen bekuͤmmern, laſſen ſie ſo lang am
Stocke, bis ſie uͤberreiff worden, und auf-
ſpringen: vorher aber ſetzen ſie kleine ir-
dene Geſchirr, oder Becherlein unter die
Gewaͤchſe, den ſchwartzen wohlriechen-
den Balſam, der herausrinnet, aufzu-
fangen. Wann dann nichts mehr her-
auslauft, leſen ſie die Schoten zuſam-
men, und thun an ſtatt des Balſams
kleine Reislein und dergleichen Dinge
drein, naͤhen ſie wieder zu, und machen
[Spaltenumbruch] Paͤcklein davon, die ſie dergeſtalt zurich-
ten, daß ſie den vorgedachten gantz und
gar gleich ſehen: Dannenhero findet
man zuweilen einige zuſammengenaͤhe-
te drunter, welche ausgedorret und ohn
alle Kraͤfte ſind.

Die groſſen Herren in Mexico lie-
ben dieſes Gewaͤchſe uͤberaus, theils we-
gen des lieblichen Geruchs derer Scho-
ten, und denn, weil ſie dieſelben ſo haͤuf-
fig unter die Chocolate thun. Die an-
dern aber handeln gern damit, weil ſie
ſehr groſſen Gewinn davon ziehen. Und
dieſe ſind die Spanier, die uns dieſe
koͤſtliche Waare zuſenden, der ſie den
Namen Vanilla gegeben, welches dem
Spaniſchen nach eine kleine Scheide
heißt, weil dieſe Schoten, als wie Schei-
den formiret ſind. Sie haben einen
angenehmen Geruch und Geſchmack.

Man erwehle aber diejenigen Vani-
lien,
die fein voͤllig, dicke, lang, friſch,
wichtig, nicht runtzlicht oder mit Bal-
ſam angerieben ſind, die auch nicht an
einem feuchten Orte gelegen; denn,
wenn ſie gut, muͤſſen ſie feiſt und ſehr
zaͤhe ſeyn, und dazu angenehme riechen.
Jngleichen mag man ſich in Acht neh-
men, daß ſie fein gleich ſeyn, eine wie die
andere, denn manchmahl ſind mitten
in den Paͤcklein lauter kleine ausgedoͤrr-
te Vanilien, die gar keinen Geruch ha-
ben. Der Samen darinne, der uͤber
alle maſſen klein, muß ſchwaͤrtzlich und
glaͤntzend ſeyn.

Die Vanilien ſind in Franckreich
ſehr gebraͤuchlich, denn ſie werden unter
die Chocolate gethan: andere aber ma-
chen den Tabac damit wohlriechend.
Man wil, daß ſie innerlich gebꝛaucht, den
Magen zu ſtaͤrcken, gar dienlich ſeyen.

Was den Vanilien-Balſam belan-
get, denſelben behalten die Spanier fuͤr
ſich, und kommt gar keiner zu uns.

[Ende Spaltensatz]
Das
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="2">
            <div n="3">
              <pb facs="#f0231"/>
              <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Hauptbe&#x017F;chreibung er&#x017F;ten Theils &#x017F;iebendes Buch.</hi> </fw><lb/>
              <cb n="269"/>
              <p>Was er aber durch die <hi rendition="#fr">Jndiani-<lb/>
&#x017F;chen</hi> oder <hi rendition="#fr">Americani&#x017F;chen kleinen<lb/>
Nu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e</hi> ver&#x017F;tehet, weiß ich nicht, habe ihn<lb/>
auch nicht drum fragen mo&#x0364;gen, aus<lb/>
Bey&#x017F;orge, er du&#x0364;rfte mir eben wieder ei-<lb/>
ne &#x017F;olche Antwort geben, als da ich ihn<lb/>
wegen der Blume Orejevalla befragte.<lb/>
Jnde&#x017F;&#x017F;en will ich gedencken, daß wir un-<lb/><cb n="270"/>
ter dem Titel der <hi rendition="#fr">Jndiani&#x017F;chen Nuß,</hi><lb/>
Cocos-Areca- und Mußcat-Nu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e, &#x017F;o<lb/>
Ma&#x0364;nnlein, als Weiblein, verkauffen.<lb/>
Doch will ich eben auch nicht &#x017F;agen, daß<lb/>
er die Cacaomandeln, welche unter die<lb/>
andern zur Chocolate geho&#x0364;rigen Sachen<lb/>
kommen, dadurch ver&#x017F;tehe, alldieweil<lb/>
ichs nicht ver&#x017F;ichert bin.</p>
              <cb type="end"/>
            </div><lb/>
            <div n="3">
              <head> <hi rendition="#b">Das &#x017F;echzehende Capitel.<lb/><hi rendition="#g">Von den Vanilien</hi>.</hi> </head><lb/>
              <cb n="269"/>
              <note place="left">Siehe <hi rendition="#aq">Fig.</hi> 196.<lb/>
und 197.</note>
              <p><hi rendition="#in">D</hi>Je <hi rendition="#fr">Vanilien,</hi> &#x017F;ind nach des Herrn<lb/><hi rendition="#fr">Rou&#x017F;&#x017F;eau</hi> Berichte, Schoten,<lb/>
ohngefehr des halben Fu&#x017F;&#x017F;es lang, und &#x017F;o<lb/>
dicke, als der kleine Finger eines Kindes,<lb/>
hangen an einer Staude, die zwo&#x0364;lff bis<lb/>
funffzehen Fuß hoch i&#x017F;t, und wie un&#x017F;re<lb/>
gemeinen Bohnen muß ge&#x017F;tengelt wer-<lb/>
den; darum &#x017F;ie auch zum o&#x0364;ftern an der<lb/>
Mauer hin, oder unten an den Stamm<lb/>
eines Baumes, oder aber an Pfa&#x0364;le und<lb/>
andere dergleichen Dinge, daran &#x017F;ie &#x017F;ich<lb/>
halten kan, gepflantzet wird. Der Sten-<lb/>
gel i&#x017F;t rund, voller Knoten, wie die Zu-<lb/>
ckerrohr: daran hangen, an iedem Kno-<lb/>
ten oder Gelencke, breite, dicke, Fingers-<lb/>
lange Bla&#x0364;tter, die eben &#x017F;o gru&#x0364;n &#x017F;ind als<lb/>
wie der Stengel, und dem gro&#x017F;&#x017F;en Weg-<lb/>
breit nahe genug kommen. Nach die-<lb/>
&#x017F;en folgen die Schoten, die anfangs<lb/>
gru&#x0364;n, und hernach gelb &#x017F;ind, endlich a-<lb/>
ber immer bra&#x0364;uner werden, ie mehr &#x017F;ie<lb/>
reiffen. Wenn &#x017F;ie nun reiff worden,<lb/>
&#x017F;ammlen &#x017F;ie die Leute zu <hi rendition="#fr">Mexico, Gua-<lb/>
timalo</hi> und <hi rendition="#fr">S. Domingo</hi> ein, binden<lb/>
&#x017F;ie mit den Enden zu&#x017F;ammen, und legen<lb/>
&#x017F;ie in den Schatten, damit &#x017F;ie trucken<lb/>
werden. Nachdem, als &#x017F;ie trucken wor-<lb/>
den, und gut aufzuheben &#x017F;ind, reiben<lb/>
&#x017F;ie &#x017F;ie mit Oele, daß &#x017F;ie nicht allzutrucken<lb/>
werden, und zerbrechen; machen 50.<lb/>
100. bis 150. Stu&#x0364;ck in ein Pa&#x0364;cklein, und<lb/>
u&#x0364;ber&#x017F;enden &#x017F;ie uns. Andere aber, die<lb/>
&#x017F;ich mehr um den Profit, als um das Ge-<lb/>
wi&#x017F;&#x017F;en beku&#x0364;mmern, la&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ie &#x017F;o lang am<lb/>
Stocke, bis &#x017F;ie u&#x0364;berreiff worden, und auf-<lb/>
&#x017F;pringen: vorher aber &#x017F;etzen &#x017F;ie kleine ir-<lb/>
dene Ge&#x017F;chirr, oder Becherlein unter die<lb/>
Gewa&#x0364;ch&#x017F;e, den &#x017F;chwartzen wohlriechen-<lb/>
den Bal&#x017F;am, der herausrinnet, aufzu-<lb/>
fangen. Wann dann nichts mehr her-<lb/>
auslauft, le&#x017F;en &#x017F;ie die Schoten zu&#x017F;am-<lb/>
men, und thun an &#x017F;tatt des Bal&#x017F;ams<lb/>
kleine Reislein und dergleichen Dinge<lb/>
drein, na&#x0364;hen &#x017F;ie wieder zu, und machen<lb/><cb n="270"/>
Pa&#x0364;cklein davon, die &#x017F;ie derge&#x017F;talt zurich-<lb/>
ten, daß &#x017F;ie den vorgedachten gantz und<lb/>
gar gleich &#x017F;ehen: Dannenhero findet<lb/>
man zuweilen einige zu&#x017F;ammengena&#x0364;he-<lb/>
te drunter, welche ausgedorret und ohn<lb/>
alle Kra&#x0364;fte &#x017F;ind.</p><lb/>
              <p>Die gro&#x017F;&#x017F;en Herren in <hi rendition="#fr">Mexico</hi> lie-<lb/>
ben die&#x017F;es Gewa&#x0364;ch&#x017F;e u&#x0364;beraus, theils we-<lb/>
gen des lieblichen Geruchs derer Scho-<lb/>
ten, und denn, weil &#x017F;ie die&#x017F;elben &#x017F;o ha&#x0364;uf-<lb/>
fig unter die Chocolate thun. Die an-<lb/>
dern aber handeln gern damit, weil &#x017F;ie<lb/>
&#x017F;ehr gro&#x017F;&#x017F;en Gewinn davon ziehen. Und<lb/>
die&#x017F;e &#x017F;ind die <hi rendition="#fr">Spanier,</hi> die uns die&#x017F;e<lb/>
ko&#x0364;&#x017F;tliche Waare zu&#x017F;enden, der &#x017F;ie den<lb/>
Namen <hi rendition="#fr">Vanilla</hi> gegeben, welches dem<lb/>
Spani&#x017F;chen nach eine kleine <hi rendition="#fr">Scheide</hi><lb/>
heißt, weil die&#x017F;e Schoten, als wie Schei-<lb/>
den formiret &#x017F;ind. Sie haben einen<lb/>
angenehmen Geruch und Ge&#x017F;chmack.</p><lb/>
              <p>Man erwehle aber diejenigen <hi rendition="#fr">Vani-<lb/>
lien,</hi> die fein vo&#x0364;llig, dicke, lang, fri&#x017F;ch,<lb/>
wichtig, nicht runtzlicht oder mit Bal-<lb/>
&#x017F;am angerieben &#x017F;ind, die auch nicht an<lb/>
einem feuchten Orte gelegen; denn,<lb/>
wenn &#x017F;ie gut, mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ie fei&#x017F;t und &#x017F;ehr<lb/>
za&#x0364;he &#x017F;eyn, und dazu angenehme riechen.<lb/>
Jngleichen mag man &#x017F;ich in Acht neh-<lb/>
men, daß &#x017F;ie fein gleich &#x017F;eyn, eine wie die<lb/>
andere, denn manchmahl &#x017F;ind mitten<lb/>
in den Pa&#x0364;cklein lauter kleine ausgedo&#x0364;rr-<lb/>
te Vanilien, die gar keinen Geruch ha-<lb/>
ben. Der Samen darinne, der u&#x0364;ber<lb/>
alle ma&#x017F;&#x017F;en klein, muß &#x017F;chwa&#x0364;rtzlich und<lb/>
gla&#x0364;ntzend &#x017F;eyn.</p><lb/>
              <p>Die <hi rendition="#fr">Vanilien</hi> &#x017F;ind in <hi rendition="#fr">Franckreich</hi><lb/>
&#x017F;ehr gebra&#x0364;uchlich, denn &#x017F;ie werden unter<lb/>
die Chocolate gethan: andere aber ma-<lb/>
chen den Tabac damit wohlriechend.<lb/>
Man wil, daß &#x017F;ie innerlich geb&#xA75B;aucht, den<lb/>
Magen zu &#x017F;ta&#x0364;rcken, gar dienlich &#x017F;eyen.</p><lb/>
              <p>Was den <hi rendition="#fr">Vanilien-Bal&#x017F;am</hi> belan-<lb/>
get, den&#x017F;elben behalten die <hi rendition="#fr">Spanier</hi> fu&#x0364;r<lb/>
&#x017F;ich, und kommt gar keiner zu uns.</p>
              <cb type="end"/>
            </div><lb/>
            <fw place="bottom" type="catch"> <hi rendition="#b">Das</hi> </fw><lb/>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0231] Hauptbeſchreibung erſten Theils ſiebendes Buch. Was er aber durch die Jndiani- ſchen oder Americaniſchen kleinen Nuͤſſe verſtehet, weiß ich nicht, habe ihn auch nicht drum fragen moͤgen, aus Beyſorge, er duͤrfte mir eben wieder ei- ne ſolche Antwort geben, als da ich ihn wegen der Blume Orejevalla befragte. Jndeſſen will ich gedencken, daß wir un- ter dem Titel der Jndianiſchen Nuß, Cocos-Areca- und Mußcat-Nuͤſſe, ſo Maͤnnlein, als Weiblein, verkauffen. Doch will ich eben auch nicht ſagen, daß er die Cacaomandeln, welche unter die andern zur Chocolate gehoͤrigen Sachen kommen, dadurch verſtehe, alldieweil ichs nicht verſichert bin. Das ſechzehende Capitel. Von den Vanilien. DJe Vanilien, ſind nach des Herrn Rouſſeau Berichte, Schoten, ohngefehr des halben Fuſſes lang, und ſo dicke, als der kleine Finger eines Kindes, hangen an einer Staude, die zwoͤlff bis funffzehen Fuß hoch iſt, und wie unſre gemeinen Bohnen muß geſtengelt wer- den; darum ſie auch zum oͤftern an der Mauer hin, oder unten an den Stamm eines Baumes, oder aber an Pfaͤle und andere dergleichen Dinge, daran ſie ſich halten kan, gepflantzet wird. Der Sten- gel iſt rund, voller Knoten, wie die Zu- ckerrohr: daran hangen, an iedem Kno- ten oder Gelencke, breite, dicke, Fingers- lange Blaͤtter, die eben ſo gruͤn ſind als wie der Stengel, und dem groſſen Weg- breit nahe genug kommen. Nach die- ſen folgen die Schoten, die anfangs gruͤn, und hernach gelb ſind, endlich a- ber immer braͤuner werden, ie mehr ſie reiffen. Wenn ſie nun reiff worden, ſammlen ſie die Leute zu Mexico, Gua- timalo und S. Domingo ein, binden ſie mit den Enden zuſammen, und legen ſie in den Schatten, damit ſie trucken werden. Nachdem, als ſie trucken wor- den, und gut aufzuheben ſind, reiben ſie ſie mit Oele, daß ſie nicht allzutrucken werden, und zerbrechen; machen 50. 100. bis 150. Stuͤck in ein Paͤcklein, und uͤberſenden ſie uns. Andere aber, die ſich mehr um den Profit, als um das Ge- wiſſen bekuͤmmern, laſſen ſie ſo lang am Stocke, bis ſie uͤberreiff worden, und auf- ſpringen: vorher aber ſetzen ſie kleine ir- dene Geſchirr, oder Becherlein unter die Gewaͤchſe, den ſchwartzen wohlriechen- den Balſam, der herausrinnet, aufzu- fangen. Wann dann nichts mehr her- auslauft, leſen ſie die Schoten zuſam- men, und thun an ſtatt des Balſams kleine Reislein und dergleichen Dinge drein, naͤhen ſie wieder zu, und machen Paͤcklein davon, die ſie dergeſtalt zurich- ten, daß ſie den vorgedachten gantz und gar gleich ſehen: Dannenhero findet man zuweilen einige zuſammengenaͤhe- te drunter, welche ausgedorret und ohn alle Kraͤfte ſind. Die groſſen Herren in Mexico lie- ben dieſes Gewaͤchſe uͤberaus, theils we- gen des lieblichen Geruchs derer Scho- ten, und denn, weil ſie dieſelben ſo haͤuf- fig unter die Chocolate thun. Die an- dern aber handeln gern damit, weil ſie ſehr groſſen Gewinn davon ziehen. Und dieſe ſind die Spanier, die uns dieſe koͤſtliche Waare zuſenden, der ſie den Namen Vanilla gegeben, welches dem Spaniſchen nach eine kleine Scheide heißt, weil dieſe Schoten, als wie Schei- den formiret ſind. Sie haben einen angenehmen Geruch und Geſchmack. Man erwehle aber diejenigen Vani- lien, die fein voͤllig, dicke, lang, friſch, wichtig, nicht runtzlicht oder mit Bal- ſam angerieben ſind, die auch nicht an einem feuchten Orte gelegen; denn, wenn ſie gut, muͤſſen ſie feiſt und ſehr zaͤhe ſeyn, und dazu angenehme riechen. Jngleichen mag man ſich in Acht neh- men, daß ſie fein gleich ſeyn, eine wie die andere, denn manchmahl ſind mitten in den Paͤcklein lauter kleine ausgedoͤrr- te Vanilien, die gar keinen Geruch ha- ben. Der Samen darinne, der uͤber alle maſſen klein, muß ſchwaͤrtzlich und glaͤntzend ſeyn. Die Vanilien ſind in Franckreich ſehr gebraͤuchlich, denn ſie werden unter die Chocolate gethan: andere aber ma- chen den Tabac damit wohlriechend. Man wil, daß ſie innerlich gebꝛaucht, den Magen zu ſtaͤrcken, gar dienlich ſeyen. Was den Vanilien-Balſam belan- get, denſelben behalten die Spanier fuͤr ſich, und kommt gar keiner zu uns. Das

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/231
Zitationshilfe: Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/231>, abgerufen am 26.02.2021.