Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717.

Bild:
<< vorherige Seite

Der Spezereyen und Materialien
[Spaltenumbruch] ren, sintemahl ihrer viele geöffnet wer-
den, in denen nicht eine gefunden wird.

Jm übrigen muß man sich auch nicht
einbilden, ob sey es ein so herrlich Thun
um die Perlenfischer: denn, wenn diese
armen Leute etwas anders vorzuneh-
men wüsten, würden sie gewißlich diese
Fischerey, welche blöslich verhin-
dert, daß sie nicht gar Hungers
sterben, alsofort verlassen. Jn der
Persianischen Reisebeschreibung habe
ich erinnert, daß das Land von Balsa-
ra
an bis an das Cap von Jasque,
diß- und jenseits des Persischen Seebu-
sens, gantz und gar nichts trage. Das
Volck ist allda so arm, und lebet so elen-
diglich, daß es weder Brod noch Reiß zu
sehen bekommt, sondern nur mit Dat-
teln und gesaltzenen Fischen sein Leben
erhalten muß: so reiset man auch wohl
zwantzig Meilen zu Lande, ehe man ein
Kräutlein zu sehen bekommt.

Jm Orient geschiehet die Fischerey
des Jahres zweymahl, erstlich im Mertz
und April, und hernach im August und
September: der Handel aber währet
vom Junius bis in den November.
Doch geschicht diese Fischerey nicht alle
Jahr: denn diejenigen, welche fischen
lassen, wollen zuvor wissen, ob sie auch
ihre Rechnung dabey finden möchten.
Damit sie nun nicht zu kurtz kommen,
dannenhero senden sie sieben oder acht
Nachen auf die Bäncke, woselbst gefi-
schet wird, von denen iedweder ein tau-
send Austern zurücke bringt. Diesel-
ben öffnen sie, und wenn in iedem tau-
send Austern nicht für fünff Fanos Per-
len gefunden werden, welches nach un-
serm Gelde einen halben Thaler be-
trägt, so ist es ein Zeichen, daß die Fische-
rey nicht gut seyn werde, und die armen
Leute könten die Unkosten, die sie drauf
wenden müssen, nicht wieder daraus be-
kommen: denn sie nehmen, sowohl zu
ihrer Ausrüstung, als auch zu ihrem
Unterhalt, Geld auf, gegen drey und
vier vom hundert des Monats. Wann
derohalben das tausend Austern nicht
für fünff Fanos Perlen geben, so fischen
sie dasselbige Jahr nicht. Die Kauff-
leute aber müssen die Austern auf gera-
the wohl kauffen, und sich mit dem, was
sie darinne finden, begnügen lassen.
Demnach ist es ein grosses Glück für sie,
[Spaltenumbruch] wenn sie grosse Perlen finden: welches
iedoch gar selten geschicht, absonderlich
zu Manaar/ woselbst es, wie oben be-
reits erwähnet, gar nichts grosses gie-
bet, sondern nur meistentheils Lot-
perlen/
die zum pulverisiren dienen.
Unterweilen befinden sich einige drun-
ter von einem halben und gantzen
Gran: ein groß Glücke aber ists, wann
etliche von zwey und drey Gran dabey.
Es giebt Jahre, da das tausend Austern
bis zu sieben Fanos gilt, und der Fang
sich auf 100000. Piaster, und drüber
belauft. Weil die Portugisen annoch
Herren über Manaar waren, nahmen
sie von iedem Schiffe ein gewisses: seit
dem sie aber von den Holländern ih-
nen abgenommen ist, ziehen diese von
iedwedem Taucher acht, auch zuweilen
wohl neun Piaster: welches ihnen in
den besten Jahren bis 17200. Realen
eingetragen. Die Ursach aber, und
warum die Portugisen dergleichen Tri-
but von diesen armen Leuten nahmen,
welches die Holländer auch noch bis da-
to thun, ist diese, weil sie dieselben wi-
der ihre Feinde, die Malabaren be-
schützen müssen, welche mit ihren be-
waffneten Schiffen kommen, und diese
Fischer zu fahen und zu Sclaven zu
machen trachten. So lange nun die
Fischerey währet, so lange halten die
Holländer zwey oder drey gerüstete
Barquen in See, um dieselbige Gegend,
und verschaffen also, daß sie in Friede
fischen können. Diese Fischer sind der
mehrere Theil Götzendiener, wiewohl
es auch Mahometaner drunter giebet;
iedoch diese haben ihre besonderen Schif-
fe, und mengen sich nicht unter jene:
die Holländer nehmen von diesen mehr
als von jenen: denn ausser dem, daß sie
eben soviel zahlen müssen als die Hey-
den, müssen sie auch noch einen gantzen
Tag für die Holländer fischen, welchen
Tag diese wollen.

Je mehr Regen des Jahres fällt, ie
besser ist der Perlenfang. Zwar haben
sich viel eingebildet, daß die Perlen viel
weisser wären, wenn die Austern fein
tieff am Grunde sich befänden, dieweil
daselbst das Wasser nicht also heiß sey,
und die Sonne nicht bis dahin und auf
den Grund der See zu treffen vermöge:
allein diesen Jrrthum muß man fah-

ren

Der Spezereyen und Materialien
[Spaltenumbruch] ren, ſintemahl ihrer viele geoͤffnet wer-
den, in denen nicht eine gefunden wird.

Jm uͤbrigen muß man ſich auch nicht
einbilden, ob ſey es ein ſo herrlich Thun
um die Perlenfiſcher: denn, wenn dieſe
armen Leute etwas anders vorzuneh-
men wuͤſten, wuͤrden ſie gewißlich dieſe
Fiſcherey, welche bloͤslich verhin-
dert, daß ſie nicht gar Hungers
ſterben, alſofort verlaſſen. Jn der
Perſianiſchen Reiſebeſchreibung habe
ich erinnert, daß das Land von Balſa-
ra
an bis an das Cap von Jaſque,
diß- und jenſeits des Perſiſchen Seebu-
ſens, gantz und gar nichts trage. Das
Volck iſt allda ſo arm, und lebet ſo elen-
diglich, daß es weder Brod noch Reiß zu
ſehen bekommt, ſondern nur mit Dat-
teln und geſaltzenen Fiſchen ſein Leben
erhalten muß: ſo reiſet man auch wohl
zwantzig Meilen zu Lande, ehe man ein
Kraͤutlein zu ſehen bekommt.

Jm Orient geſchiehet die Fiſcherey
des Jahres zweymahl, erſtlich im Mertz
und April, und hernach im Auguſt und
September: der Handel aber waͤhret
vom Junius bis in den November.
Doch geſchicht dieſe Fiſcherey nicht alle
Jahr: denn diejenigen, welche fiſchen
laſſen, wollen zuvor wiſſen, ob ſie auch
ihre Rechnung dabey finden moͤchten.
Damit ſie nun nicht zu kurtz kommen,
dannenhero ſenden ſie ſieben oder acht
Nachen auf die Baͤncke, woſelbſt gefi-
ſchet wird, von denen iedweder ein tau-
ſend Auſtern zuruͤcke bringt. Dieſel-
ben oͤffnen ſie, und wenn in iedem tau-
ſend Auſtern nicht fuͤr fuͤnff Fanos Per-
len gefunden werden, welches nach un-
ſerm Gelde einen halben Thaler be-
traͤgt, ſo iſt es ein Zeichen, daß die Fiſche-
rey nicht gut ſeyn werde, und die armen
Leute koͤnten die Unkoſten, die ſie drauf
wenden muͤſſen, nicht wieder daraus be-
kommen: denn ſie nehmen, ſowohl zu
ihrer Ausruͤſtung, als auch zu ihrem
Unterhalt, Geld auf, gegen drey und
vier vom hundert des Monats. Wann
derohalben das tauſend Auſtern nicht
fuͤr fuͤnff Fanos Perlen geben, ſo fiſchen
ſie daſſelbige Jahr nicht. Die Kauff-
leute aber muͤſſen die Auſtern auf gera-
the wohl kauffen, und ſich mit dem, was
ſie darinne finden, begnuͤgen laſſen.
Demnach iſt es ein groſſes Gluͤck fuͤr ſie,
[Spaltenumbruch] wenn ſie groſſe Perlen finden: welches
iedoch gar ſelten geſchicht, abſonderlich
zu Manaar/ woſelbſt es, wie oben be-
reits erwaͤhnet, gar nichts groſſes gie-
bet, ſondern nur meiſtentheils Lot-
perlen/
die zum pulveriſiren dienen.
Unterweilen befinden ſich einige drun-
ter von einem halben und gantzen
Gran: ein groß Gluͤcke aber iſts, wann
etliche von zwey und drey Gran dabey.
Es giebt Jahre, da das tauſend Auſtern
bis zu ſieben Fanos gilt, und der Fang
ſich auf 100000. Piaſter, und druͤber
belauft. Weil die Portugiſen annoch
Herren uͤber Manaar waren, nahmen
ſie von iedem Schiffe ein gewiſſes: ſeit
dem ſie aber von den Hollaͤndern ih-
nen abgenommen iſt, ziehen dieſe von
iedwedem Taucher acht, auch zuweilen
wohl neun Piaſter: welches ihnen in
den beſten Jahren bis 17200. Realen
eingetragen. Die Urſach aber, und
warum die Portugiſen dergleichen Tri-
but von dieſen armen Leuten nahmen,
welches die Hollaͤnder auch noch bis da-
to thun, iſt dieſe, weil ſie dieſelben wi-
der ihre Feinde, die Malabaren be-
ſchuͤtzen muͤſſen, welche mit ihren be-
waffneten Schiffen kommen, und dieſe
Fiſcher zu fahen und zu Sclaven zu
machen trachten. So lange nun die
Fiſcherey waͤhret, ſo lange halten die
Hollaͤnder zwey oder drey geruͤſtete
Barquen in See, um dieſelbige Gegend,
und verſchaffen alſo, daß ſie in Friede
fiſchen koͤnnen. Dieſe Fiſcher ſind der
mehrere Theil Goͤtzendiener, wiewohl
es auch Mahometaner drunter giebet;
iedoch dieſe haben ihꝛe beſonderen Schif-
fe, und mengen ſich nicht unter jene:
die Hollaͤnder nehmen von dieſen mehr
als von jenen: denn auſſer dem, daß ſie
eben ſoviel zahlen muͤſſen als die Hey-
den, muͤſſen ſie auch noch einen gantzen
Tag fuͤr die Hollaͤnder fiſchen, welchen
Tag dieſe wollen.

Je mehr Regen des Jahres faͤllt, ie
beſſer iſt der Perlenfang. Zwar haben
ſich viel eingebildet, daß die Perlen viel
weiſſer waͤren, wenn die Auſtern fein
tieff am Grunde ſich befaͤnden, dieweil
daſelbſt das Waſſer nicht alſo heiß ſey,
und die Sonne nicht bis dahin und auf
den Grund der See zu treffen vermoͤge:
allein dieſen Jrrthum muß man fah-

ren
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <div n="2">
            <div n="3">
              <p><pb facs="#f0460"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Der Spezereyen und Materialien</hi></fw><lb/><cb n="623"/>
ren, &#x017F;intemahl ihrer viele geo&#x0364;ffnet wer-<lb/>
den, in denen nicht eine gefunden wird.</p><lb/>
              <p>Jm u&#x0364;brigen muß man &#x017F;ich auch nicht<lb/>
einbilden, ob &#x017F;ey es ein &#x017F;o herrlich Thun<lb/>
um die Perlenfi&#x017F;cher: denn, wenn die&#x017F;e<lb/>
armen Leute etwas anders vorzuneh-<lb/>
men wu&#x0364;&#x017F;ten, wu&#x0364;rden &#x017F;ie gewißlich die&#x017F;e<lb/>
Fi&#x017F;cherey, welche blo&#x0364;slich verhin-<lb/>
dert, daß &#x017F;ie nicht gar Hungers<lb/>
&#x017F;terben, al&#x017F;ofort verla&#x017F;&#x017F;en. Jn der<lb/>
Per&#x017F;iani&#x017F;chen Rei&#x017F;ebe&#x017F;chreibung habe<lb/>
ich erinnert, daß das Land von <hi rendition="#fr">Bal&#x017F;a-<lb/>
ra</hi> an bis an das <hi rendition="#fr">Cap von Ja&#x017F;que,</hi><lb/>
diß- und jen&#x017F;eits des Per&#x017F;i&#x017F;chen Seebu-<lb/>
&#x017F;ens, gantz und gar nichts trage. Das<lb/>
Volck i&#x017F;t allda &#x017F;o arm, und lebet &#x017F;o elen-<lb/>
diglich, daß es weder Brod noch Reiß zu<lb/>
&#x017F;ehen bekommt, &#x017F;ondern nur mit Dat-<lb/>
teln und ge&#x017F;altzenen Fi&#x017F;chen &#x017F;ein Leben<lb/>
erhalten muß: &#x017F;o rei&#x017F;et man auch wohl<lb/>
zwantzig Meilen zu Lande, ehe man ein<lb/>
Kra&#x0364;utlein zu &#x017F;ehen bekommt.</p><lb/>
              <p>Jm Orient ge&#x017F;chiehet die Fi&#x017F;cherey<lb/>
des Jahres zweymahl, er&#x017F;tlich im Mertz<lb/>
und April, und hernach im Augu&#x017F;t und<lb/>
September: der Handel aber wa&#x0364;hret<lb/>
vom Junius bis in den November.<lb/>
Doch ge&#x017F;chicht die&#x017F;e Fi&#x017F;cherey nicht alle<lb/>
Jahr: denn diejenigen, welche fi&#x017F;chen<lb/>
la&#x017F;&#x017F;en, wollen zuvor wi&#x017F;&#x017F;en, ob &#x017F;ie auch<lb/>
ihre Rechnung dabey finden mo&#x0364;chten.<lb/>
Damit &#x017F;ie nun nicht zu kurtz kommen,<lb/>
dannenhero &#x017F;enden &#x017F;ie &#x017F;ieben oder acht<lb/>
Nachen auf die Ba&#x0364;ncke, wo&#x017F;elb&#x017F;t gefi-<lb/>
&#x017F;chet wird, von denen iedweder ein tau-<lb/>
&#x017F;end Au&#x017F;tern zuru&#x0364;cke bringt. Die&#x017F;el-<lb/>
ben o&#x0364;ffnen &#x017F;ie, und wenn in iedem tau-<lb/>
&#x017F;end Au&#x017F;tern nicht fu&#x0364;r fu&#x0364;nff Fanos Per-<lb/>
len gefunden werden, welches nach un-<lb/>
&#x017F;erm Gelde einen halben Thaler be-<lb/>
tra&#x0364;gt, &#x017F;o i&#x017F;t es ein Zeichen, daß die Fi&#x017F;che-<lb/>
rey nicht gut &#x017F;eyn werde, und die armen<lb/>
Leute ko&#x0364;nten die Unko&#x017F;ten, die &#x017F;ie drauf<lb/>
wenden mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en, nicht wieder daraus be-<lb/>
kommen: denn &#x017F;ie nehmen, &#x017F;owohl zu<lb/>
ihrer Ausru&#x0364;&#x017F;tung, als auch zu ihrem<lb/>
Unterhalt, Geld auf, gegen drey und<lb/>
vier vom hundert des Monats. Wann<lb/>
derohalben das tau&#x017F;end Au&#x017F;tern nicht<lb/>
fu&#x0364;r fu&#x0364;nff Fanos Perlen geben, &#x017F;o fi&#x017F;chen<lb/>
&#x017F;ie da&#x017F;&#x017F;elbige Jahr nicht. Die Kauff-<lb/>
leute aber mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en die Au&#x017F;tern auf gera-<lb/>
the wohl kauffen, und &#x017F;ich mit dem, was<lb/>
&#x017F;ie darinne finden, begnu&#x0364;gen la&#x017F;&#x017F;en.<lb/>
Demnach i&#x017F;t es ein gro&#x017F;&#x017F;es Glu&#x0364;ck fu&#x0364;r &#x017F;ie,<lb/><cb n="624"/>
wenn &#x017F;ie gro&#x017F;&#x017F;e Perlen finden: welches<lb/>
iedoch gar &#x017F;elten ge&#x017F;chicht, ab&#x017F;onderlich<lb/>
zu <hi rendition="#fr">Manaar/</hi> wo&#x017F;elb&#x017F;t es, wie oben be-<lb/>
reits erwa&#x0364;hnet, gar nichts gro&#x017F;&#x017F;es gie-<lb/>
bet, &#x017F;ondern nur mei&#x017F;tentheils <hi rendition="#fr">Lot-<lb/>
perlen/</hi> die zum pulveri&#x017F;iren dienen.<lb/>
Unterweilen befinden &#x017F;ich einige drun-<lb/>
ter von einem halben und gantzen<lb/>
Gran: ein groß Glu&#x0364;cke aber i&#x017F;ts, wann<lb/>
etliche von zwey und drey Gran dabey.<lb/>
Es giebt Jahre, da das tau&#x017F;end Au&#x017F;tern<lb/>
bis zu &#x017F;ieben Fanos gilt, und der Fang<lb/>
&#x017F;ich auf 100000. Pia&#x017F;ter, und dru&#x0364;ber<lb/>
belauft. Weil die <hi rendition="#fr">Portugi&#x017F;en</hi> annoch<lb/>
Herren u&#x0364;ber <hi rendition="#fr">Manaar</hi> waren, nahmen<lb/>
&#x017F;ie von iedem Schiffe ein gewi&#x017F;&#x017F;es: &#x017F;eit<lb/>
dem &#x017F;ie aber von den <hi rendition="#fr">Holla&#x0364;ndern</hi> ih-<lb/>
nen abgenommen i&#x017F;t, ziehen die&#x017F;e von<lb/>
iedwedem Taucher acht, auch zuweilen<lb/>
wohl neun Pia&#x017F;ter: welches ihnen in<lb/>
den be&#x017F;ten Jahren bis 17200. Realen<lb/>
eingetragen. Die Ur&#x017F;ach aber, und<lb/>
warum die Portugi&#x017F;en dergleichen Tri-<lb/>
but von die&#x017F;en armen Leuten nahmen,<lb/>
welches die Holla&#x0364;nder auch noch bis da-<lb/>
to thun, i&#x017F;t die&#x017F;e, weil &#x017F;ie die&#x017F;elben wi-<lb/>
der ihre Feinde, die Malabaren be-<lb/>
&#x017F;chu&#x0364;tzen mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en, welche mit ihren be-<lb/>
waffneten Schiffen kommen, und die&#x017F;e<lb/>
Fi&#x017F;cher zu fahen und zu Sclaven zu<lb/>
machen trachten. So lange nun die<lb/>
Fi&#x017F;cherey wa&#x0364;hret, &#x017F;o lange halten die<lb/>
Holla&#x0364;nder zwey oder drey geru&#x0364;&#x017F;tete<lb/>
Barquen in See, um die&#x017F;elbige Gegend,<lb/>
und ver&#x017F;chaffen al&#x017F;o, daß &#x017F;ie in Friede<lb/>
fi&#x017F;chen ko&#x0364;nnen. Die&#x017F;e Fi&#x017F;cher &#x017F;ind der<lb/>
mehrere Theil Go&#x0364;tzendiener, wiewohl<lb/>
es auch Mahometaner drunter giebet;<lb/>
iedoch die&#x017F;e haben ih&#xA75B;e be&#x017F;onderen Schif-<lb/>
fe, und mengen &#x017F;ich nicht unter jene:<lb/>
die Holla&#x0364;nder nehmen von die&#x017F;en mehr<lb/>
als von jenen: denn au&#x017F;&#x017F;er dem, daß &#x017F;ie<lb/>
eben &#x017F;oviel zahlen mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en als die Hey-<lb/>
den, mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ie auch noch einen gantzen<lb/>
Tag fu&#x0364;r die Holla&#x0364;nder fi&#x017F;chen, welchen<lb/>
Tag die&#x017F;e wollen.</p><lb/>
              <p>Je mehr Regen des Jahres fa&#x0364;llt, ie<lb/>
be&#x017F;&#x017F;er i&#x017F;t der Perlenfang. Zwar haben<lb/>
&#x017F;ich viel eingebildet, daß die Perlen viel<lb/>
wei&#x017F;&#x017F;er wa&#x0364;ren, wenn die Au&#x017F;tern fein<lb/>
tieff am Grunde &#x017F;ich befa&#x0364;nden, dieweil<lb/>
da&#x017F;elb&#x017F;t das Wa&#x017F;&#x017F;er nicht al&#x017F;o heiß &#x017F;ey,<lb/>
und die Sonne nicht bis dahin und auf<lb/>
den Grund der See zu treffen vermo&#x0364;ge:<lb/>
allein die&#x017F;en Jrrthum muß man fah-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">ren</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0460] Der Spezereyen und Materialien ren, ſintemahl ihrer viele geoͤffnet wer- den, in denen nicht eine gefunden wird. Jm uͤbrigen muß man ſich auch nicht einbilden, ob ſey es ein ſo herrlich Thun um die Perlenfiſcher: denn, wenn dieſe armen Leute etwas anders vorzuneh- men wuͤſten, wuͤrden ſie gewißlich dieſe Fiſcherey, welche bloͤslich verhin- dert, daß ſie nicht gar Hungers ſterben, alſofort verlaſſen. Jn der Perſianiſchen Reiſebeſchreibung habe ich erinnert, daß das Land von Balſa- ra an bis an das Cap von Jaſque, diß- und jenſeits des Perſiſchen Seebu- ſens, gantz und gar nichts trage. Das Volck iſt allda ſo arm, und lebet ſo elen- diglich, daß es weder Brod noch Reiß zu ſehen bekommt, ſondern nur mit Dat- teln und geſaltzenen Fiſchen ſein Leben erhalten muß: ſo reiſet man auch wohl zwantzig Meilen zu Lande, ehe man ein Kraͤutlein zu ſehen bekommt. Jm Orient geſchiehet die Fiſcherey des Jahres zweymahl, erſtlich im Mertz und April, und hernach im Auguſt und September: der Handel aber waͤhret vom Junius bis in den November. Doch geſchicht dieſe Fiſcherey nicht alle Jahr: denn diejenigen, welche fiſchen laſſen, wollen zuvor wiſſen, ob ſie auch ihre Rechnung dabey finden moͤchten. Damit ſie nun nicht zu kurtz kommen, dannenhero ſenden ſie ſieben oder acht Nachen auf die Baͤncke, woſelbſt gefi- ſchet wird, von denen iedweder ein tau- ſend Auſtern zuruͤcke bringt. Dieſel- ben oͤffnen ſie, und wenn in iedem tau- ſend Auſtern nicht fuͤr fuͤnff Fanos Per- len gefunden werden, welches nach un- ſerm Gelde einen halben Thaler be- traͤgt, ſo iſt es ein Zeichen, daß die Fiſche- rey nicht gut ſeyn werde, und die armen Leute koͤnten die Unkoſten, die ſie drauf wenden muͤſſen, nicht wieder daraus be- kommen: denn ſie nehmen, ſowohl zu ihrer Ausruͤſtung, als auch zu ihrem Unterhalt, Geld auf, gegen drey und vier vom hundert des Monats. Wann derohalben das tauſend Auſtern nicht fuͤr fuͤnff Fanos Perlen geben, ſo fiſchen ſie daſſelbige Jahr nicht. Die Kauff- leute aber muͤſſen die Auſtern auf gera- the wohl kauffen, und ſich mit dem, was ſie darinne finden, begnuͤgen laſſen. Demnach iſt es ein groſſes Gluͤck fuͤr ſie, wenn ſie groſſe Perlen finden: welches iedoch gar ſelten geſchicht, abſonderlich zu Manaar/ woſelbſt es, wie oben be- reits erwaͤhnet, gar nichts groſſes gie- bet, ſondern nur meiſtentheils Lot- perlen/ die zum pulveriſiren dienen. Unterweilen befinden ſich einige drun- ter von einem halben und gantzen Gran: ein groß Gluͤcke aber iſts, wann etliche von zwey und drey Gran dabey. Es giebt Jahre, da das tauſend Auſtern bis zu ſieben Fanos gilt, und der Fang ſich auf 100000. Piaſter, und druͤber belauft. Weil die Portugiſen annoch Herren uͤber Manaar waren, nahmen ſie von iedem Schiffe ein gewiſſes: ſeit dem ſie aber von den Hollaͤndern ih- nen abgenommen iſt, ziehen dieſe von iedwedem Taucher acht, auch zuweilen wohl neun Piaſter: welches ihnen in den beſten Jahren bis 17200. Realen eingetragen. Die Urſach aber, und warum die Portugiſen dergleichen Tri- but von dieſen armen Leuten nahmen, welches die Hollaͤnder auch noch bis da- to thun, iſt dieſe, weil ſie dieſelben wi- der ihre Feinde, die Malabaren be- ſchuͤtzen muͤſſen, welche mit ihren be- waffneten Schiffen kommen, und dieſe Fiſcher zu fahen und zu Sclaven zu machen trachten. So lange nun die Fiſcherey waͤhret, ſo lange halten die Hollaͤnder zwey oder drey geruͤſtete Barquen in See, um dieſelbige Gegend, und verſchaffen alſo, daß ſie in Friede fiſchen koͤnnen. Dieſe Fiſcher ſind der mehrere Theil Goͤtzendiener, wiewohl es auch Mahometaner drunter giebet; iedoch dieſe haben ihꝛe beſonderen Schif- fe, und mengen ſich nicht unter jene: die Hollaͤnder nehmen von dieſen mehr als von jenen: denn auſſer dem, daß ſie eben ſoviel zahlen muͤſſen als die Hey- den, muͤſſen ſie auch noch einen gantzen Tag fuͤr die Hollaͤnder fiſchen, welchen Tag dieſe wollen. Je mehr Regen des Jahres faͤllt, ie beſſer iſt der Perlenfang. Zwar haben ſich viel eingebildet, daß die Perlen viel weiſſer waͤren, wenn die Auſtern fein tieff am Grunde ſich befaͤnden, dieweil daſelbſt das Waſſer nicht alſo heiß ſey, und die Sonne nicht bis dahin und auf den Grund der See zu treffen vermoͤge: allein dieſen Jrrthum muß man fah- ren

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/460
Zitationshilfe: Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/460>, abgerufen am 20.04.2021.