Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717.

Bild:
<< vorherige Seite

Hauptbeschreibung dritter Theil.
[Spaltenumbruch] auch ihre Blätter viel später hervor als
an andern Orten.

Eine Anzeigung ists, daß man einen
Quecksilbergang entdecken könne, wenn
im Monat April und May, an beson-
dern Orten, dicke Dünste und Nebel
aufsteigen, welche aber wegen ihrer
Schwere nicht allzuhoch steigen: dan-
nenhero macht man sich an solche Orte
und suchet das Metall, insonderheit
aber, wenn sie ohngefehr gegen Mitter-
nacht zu liegen, denn man gläubet, der
Stollen müsse recht reich seyn. Auch
findet man um diese Gänge viel Was-
ser.

Wem etwas mehr vom Golde, Sil-
ber und Quecksilber zu wissen beliebet,
der lese den Acosta und den Jndiani-
schen Mercur/
darinnen ist weitläuff-
tig genug davon gehandelt.

Jhm sey nun wie ihm sey, man er-
wehle nur das Quecksilber, welches
weiß, lauffend, rein und sauber, wie
auch fein lebendig ist, und ein schönes
Wasser hat: dagegen verwerffe man
dasjenige, welches, wenn es in ein ku-
pfern Gefäß, Wage oder anderes Ge-
schirr geschüttet worden, bleyfarbicht
scheinet, das ist, wenn es braun siehet,
und sich als wie Fett dehnet und ziehet,
oder auch an den Fingern behangen
bleibt, wenn man es rühret, und zu ei-
tel Kügelgen wird: welches in Wahr-
heit nichts geringes ist, indem das mei-
ste Quecksilber von den Spiegelma-
chern, Goldarbeitern, Degenschmie-
den, Vergoldern, und andern verthan
wird, deren Arbeit alle zu schanden ge-
hen dürffte, wenn nur ein eintzig Pfund
Bley unter ein bouillon Quecksilber ge-
rathen, es sey nun aus Zufall, oder aus
Schelmerey geschehen.

Ausser obberührte Beschaffenheiten,
die das Quecksilber haben muß, kan man
es auch probiren, wenn man nur ein
wenig davon in einen silbernen Löffel
schüttet, und über dem Feuer verrau-
chen läßt; denn wenn ein gelber Flecken
zurücke bleibt, ist es ein Zeichen, daß er
recht natürlich sey: bleibt aber im Ge-
gentheil ein schwartzer Fleck, so ist die-
ses ein Merckmahl, daß es mit Bley
vermischet worden.

Das Quecksilber ist eine dermassen
schwere Materie, daß, wie Furetiere da-
[Spaltenumbruch] von meldet, ein Cubischer Fuß dessel-
ben 947. Pfund wäge, da doch ein sol-
cher Fuß Wasser aus der Seine nicht
mehr denn 70. Pfund betrage. Das
ist soviel gesagt, ein Gefäß, das 35. Kan-
nen, Pariser Maas, Wassers aus der
Seine halten kan, kan auch 947. Pfund
Quecksilber fassen. Jst nun das Queck-
silber so überaus schwer, so ist es auch
nicht weniger starck, sintemahl ein ei-
sern Gewichte von 50. Pfunden, wenn
es in ein bouillon Quecksilber, welches
insgemein, wie es aus Holland kömt,
160. bis 180. Pfund schwer ist, geleget
wird, nicht tieffer darein sincket, als ei-
ne Untze, die man drein geleget. Wel-
ches ich nicht geglaubet, wenn ich es
nicht selbst versucht hätte.

Die Eigenschaften des Quecksilbers
betreffend, dieselben sind grösser, denn
man sich wohl einbilden solte; wie denn
etliche vorgeben, daß ein einig Quint-
lein Quecksilber eben so grosse Kraft ha-
be, als wenn man es in grosser Men-
ge nehmen liesse; und wenn es ja zu-
weilen in grosser dosi verordnet würde,
sonderlich in der Colica, welche die
Darmverwickelung oder Miserere mei
genennt wird, geschehe solches doch blos
darum, damit es desto geschwinder
durchgehen, und die Gedärme, durch
sein grosses Gewichte, aus einander
bringen möge.

Es ist ingleichen etwas recht ver-
wunderliches, daß man den Mercur
allezeit seine vorige Gestalt, und zwar
ohne sonderlichen Verlust und Abgang,
wiedergeben kan, man mag ihn auch
verstellet haben, wie man nur wolle.
Der Dänische Chymicus Borrichius
gedencket in seiner Chymie, daß der
Mercur/ welchen er ein gantzes Jahr
hindurch gemartert, und auf vielerley
Weise verkehret hätte, dennoch seine
erstere Gestalt, vermittelst des Wein-
steinsaltzes, mitten in den Flammen,
wiederum angenommen. Weil dann
der Mercurius in allen Königreichen,
und besonders in Franckreich/ so gar
häuffig verthan und verbrauchet wird,
dannenhero haben die Holländer den
Preiß aufs Pfund, um zwey Sols
Holländischer Wehrung, erhöhet, wel-
ches fast drey Sols, nach unserm Gel-
de, beträgt: weil auch diese Waare

schon
T t 2

Hauptbeſchreibung dritter Theil.
[Spaltenumbruch] auch ihre Blaͤtter viel ſpaͤter hervor als
an andern Orten.

Eine Anzeigung iſts, daß man einen
Queckſilbergang entdecken koͤnne, wenn
im Monat April und May, an beſon-
dern Orten, dicke Duͤnſte und Nebel
aufſteigen, welche aber wegen ihrer
Schwere nicht allzuhoch ſteigen: dan-
nenhero macht man ſich an ſolche Orte
und ſuchet das Metall, inſonderheit
aber, wenn ſie ohngefehr gegen Mitter-
nacht zu liegen, denn man glaͤubet, der
Stollen muͤſſe recht reich ſeyn. Auch
findet man um dieſe Gaͤnge viel Waſ-
ſer.

Wem etwas mehr vom Golde, Sil-
ber und Queckſilber zu wiſſen beliebet,
der leſe den Acoſta und den Jndiani-
ſchen Mercur/
darinnen iſt weitlaͤuff-
tig genug davon gehandelt.

Jhm ſey nun wie ihm ſey, man er-
wehle nur das Queckſilber, welches
weiß, lauffend, rein und ſauber, wie
auch fein lebendig iſt, und ein ſchoͤnes
Waſſer hat: dagegen verwerffe man
dasjenige, welches, wenn es in ein ku-
pfern Gefaͤß, Wage oder anderes Ge-
ſchirr geſchuͤttet worden, bleyfarbicht
ſcheinet, das iſt, wenn es braun ſiehet,
und ſich als wie Fett dehnet und ziehet,
oder auch an den Fingern behangen
bleibt, wenn man es ruͤhret, und zu ei-
tel Kuͤgelgen wird: welches in Wahr-
heit nichts geringes iſt, indem das mei-
ſte Queckſilber von den Spiegelma-
chern, Goldarbeitern, Degenſchmie-
den, Vergoldern, und andern verthan
wird, deren Arbeit alle zu ſchanden ge-
hen duͤrffte, wenn nur ein eintzig Pfund
Bley unter ein bouillon Queckſilber ge-
rathen, es ſey nun aus Zufall, oder aus
Schelmerey geſchehen.

Auſſer obberuͤhrte Beſchaffenheiten,
die das Queckſilber haben muß, kan man
es auch probiren, wenn man nur ein
wenig davon in einen ſilbernen Loͤffel
ſchuͤttet, und uͤber dem Feuer verrau-
chen laͤßt; denn wenn ein gelber Flecken
zuruͤcke bleibt, iſt es ein Zeichen, daß er
recht natuͤrlich ſey: bleibt aber im Ge-
gentheil ein ſchwartzer Fleck, ſo iſt die-
ſes ein Merckmahl, daß es mit Bley
vermiſchet worden.

Das Queckſilber iſt eine dermaſſen
ſchwere Materie, daß, wie Furetiere da-
[Spaltenumbruch] von meldet, ein Cubiſcher Fuß deſſel-
ben 947. Pfund waͤge, da doch ein ſol-
cher Fuß Waſſer aus der Seine nicht
mehr denn 70. Pfund betrage. Das
iſt ſoviel geſagt, ein Gefaͤß, das 35. Kan-
nen, Pariſer Maas, Waſſers aus der
Seine halten kan, kan auch 947. Pfund
Queckſilber faſſen. Jſt nun das Queck-
ſilber ſo uͤberaus ſchwer, ſo iſt es auch
nicht weniger ſtarck, ſintemahl ein ei-
ſern Gewichte von 50. Pfunden, wenn
es in ein bouillon Queckſilber, welches
insgemein, wie es aus Holland koͤmt,
160. bis 180. Pfund ſchwer iſt, geleget
wird, nicht tieffer darein ſincket, als ei-
ne Untze, die man drein geleget. Wel-
ches ich nicht geglaubet, wenn ich es
nicht ſelbſt verſucht haͤtte.

Die Eigenſchaften des Queckſilbers
betreffend, dieſelben ſind groͤſſer, denn
man ſich wohl einbilden ſolte; wie denn
etliche vorgeben, daß ein einig Quint-
lein Queckſilber eben ſo groſſe Kraft ha-
be, als wenn man es in groſſer Men-
ge nehmen lieſſe; und wenn es ja zu-
weilen in groſſer doſi verordnet wuͤrde,
ſonderlich in der Colica, welche die
Darmverwickelung oder Miſerere mei
genennt wird, geſchehe ſolches doch blos
darum, damit es deſto geſchwinder
durchgehen, und die Gedaͤrme, durch
ſein groſſes Gewichte, aus einander
bringen moͤge.

Es iſt ingleichen etwas recht ver-
wunderliches, daß man den Mercur
allezeit ſeine vorige Geſtalt, und zwar
ohne ſonderlichen Verluſt und Abgang,
wiedergeben kan, man mag ihn auch
verſtellet haben, wie man nur wolle.
Der Daͤniſche Chymicus Borrichius
gedencket in ſeiner Chymie, daß der
Mercur/ welchen er ein gantzes Jahr
hindurch gemartert, und auf vielerley
Weiſe verkehret haͤtte, dennoch ſeine
erſtere Geſtalt, vermittelſt des Wein-
ſteinſaltzes, mitten in den Flammen,
wiederum angenommen. Weil dann
der Mercurius in allen Koͤnigreichen,
und beſonders in Franckreich/ ſo gar
haͤuffig verthan und verbrauchet wird,
dannenhero haben die Hollaͤnder den
Preiß aufs Pfund, um zwey Sols
Hollaͤndiſcher Wehrung, erhoͤhet, wel-
ches faſt drey Sols, nach unſerm Gel-
de, betraͤgt: weil auch dieſe Waare

ſchon
T t 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="1">
          <div n="2">
            <div n="3">
              <p><pb facs="#f0481"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Hauptbe&#x017F;chreibung dritter Theil.</hi></fw><lb/><cb n="659"/>
auch ihre Bla&#x0364;tter viel &#x017F;pa&#x0364;ter hervor als<lb/>
an andern Orten.</p><lb/>
              <p>Eine Anzeigung i&#x017F;ts, daß man einen<lb/>
Queck&#x017F;ilbergang entdecken ko&#x0364;nne, wenn<lb/>
im Monat April und May, an be&#x017F;on-<lb/>
dern Orten, dicke Du&#x0364;n&#x017F;te und Nebel<lb/>
auf&#x017F;teigen, welche aber wegen ihrer<lb/>
Schwere nicht allzuhoch &#x017F;teigen: dan-<lb/>
nenhero macht man &#x017F;ich an &#x017F;olche Orte<lb/>
und &#x017F;uchet das Metall, in&#x017F;onderheit<lb/>
aber, wenn &#x017F;ie ohngefehr gegen Mitter-<lb/>
nacht zu liegen, denn man gla&#x0364;ubet, der<lb/>
Stollen mu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e recht reich &#x017F;eyn. Auch<lb/>
findet man um die&#x017F;e Ga&#x0364;nge viel Wa&#x017F;-<lb/>
&#x017F;er.</p><lb/>
              <p>Wem etwas mehr vom Golde, Sil-<lb/>
ber und Queck&#x017F;ilber zu wi&#x017F;&#x017F;en beliebet,<lb/>
der le&#x017F;e den <hi rendition="#fr">Aco&#x017F;ta</hi> und den <hi rendition="#fr">Jndiani-<lb/>
&#x017F;chen Mercur/</hi> darinnen i&#x017F;t weitla&#x0364;uff-<lb/>
tig genug davon gehandelt.</p><lb/>
              <p>Jhm &#x017F;ey nun wie ihm &#x017F;ey, man er-<lb/>
wehle nur das Queck&#x017F;ilber, welches<lb/>
weiß, lauffend, rein und &#x017F;auber, wie<lb/>
auch fein lebendig i&#x017F;t, und ein &#x017F;cho&#x0364;nes<lb/>
Wa&#x017F;&#x017F;er hat: dagegen verwerffe man<lb/>
dasjenige, welches, wenn es in ein ku-<lb/>
pfern Gefa&#x0364;ß, Wage oder anderes Ge-<lb/>
&#x017F;chirr ge&#x017F;chu&#x0364;ttet worden, bleyfarbicht<lb/>
&#x017F;cheinet, das i&#x017F;t, wenn es braun &#x017F;iehet,<lb/>
und &#x017F;ich als wie Fett dehnet und ziehet,<lb/>
oder auch an den Fingern behangen<lb/>
bleibt, wenn man es ru&#x0364;hret, und zu ei-<lb/>
tel Ku&#x0364;gelgen wird: welches in Wahr-<lb/>
heit nichts geringes i&#x017F;t, indem das mei-<lb/>
&#x017F;te Queck&#x017F;ilber von den Spiegelma-<lb/>
chern, Goldarbeitern, Degen&#x017F;chmie-<lb/>
den, Vergoldern, und andern verthan<lb/>
wird, deren Arbeit alle zu &#x017F;chanden ge-<lb/>
hen du&#x0364;rffte, wenn nur ein eintzig Pfund<lb/>
Bley unter ein <hi rendition="#aq">bouillon</hi> Queck&#x017F;ilber ge-<lb/>
rathen, es &#x017F;ey nun aus Zufall, oder aus<lb/>
Schelmerey ge&#x017F;chehen.</p><lb/>
              <p>Au&#x017F;&#x017F;er obberu&#x0364;hrte Be&#x017F;chaffenheiten,<lb/>
die das Queck&#x017F;ilber haben muß, kan man<lb/>
es auch probiren, wenn man nur ein<lb/>
wenig davon in einen &#x017F;ilbernen Lo&#x0364;ffel<lb/>
&#x017F;chu&#x0364;ttet, und u&#x0364;ber dem Feuer verrau-<lb/>
chen la&#x0364;ßt; denn wenn ein gelber Flecken<lb/>
zuru&#x0364;cke bleibt, i&#x017F;t es ein Zeichen, daß er<lb/>
recht natu&#x0364;rlich &#x017F;ey: bleibt aber im Ge-<lb/>
gentheil ein &#x017F;chwartzer Fleck, &#x017F;o i&#x017F;t die-<lb/>
&#x017F;es ein Merckmahl, daß es mit Bley<lb/>
vermi&#x017F;chet worden.</p><lb/>
              <p>Das <hi rendition="#fr">Queck&#x017F;ilber</hi> i&#x017F;t eine derma&#x017F;&#x017F;en<lb/>
&#x017F;chwere Materie, daß, wie Furetiere da-<lb/><cb n="660"/>
von meldet, ein Cubi&#x017F;cher Fuß de&#x017F;&#x017F;el-<lb/>
ben 947. Pfund wa&#x0364;ge, da doch ein &#x017F;ol-<lb/>
cher Fuß Wa&#x017F;&#x017F;er aus der Seine nicht<lb/>
mehr denn 70. Pfund betrage. Das<lb/>
i&#x017F;t &#x017F;oviel ge&#x017F;agt, ein Gefa&#x0364;ß, das 35. Kan-<lb/>
nen, Pari&#x017F;er Maas, Wa&#x017F;&#x017F;ers aus der<lb/>
Seine halten kan, kan auch 947. Pfund<lb/>
Queck&#x017F;ilber fa&#x017F;&#x017F;en. J&#x017F;t nun das Queck-<lb/>
&#x017F;ilber &#x017F;o u&#x0364;beraus &#x017F;chwer, &#x017F;o i&#x017F;t es auch<lb/>
nicht weniger &#x017F;tarck, &#x017F;intemahl ein ei-<lb/>
&#x017F;ern Gewichte von 50. Pfunden, wenn<lb/>
es in ein <hi rendition="#aq">bouillon</hi> Queck&#x017F;ilber, welches<lb/>
insgemein, wie es aus Holland ko&#x0364;mt,<lb/>
160. bis 180. Pfund &#x017F;chwer i&#x017F;t, geleget<lb/>
wird, nicht tieffer darein &#x017F;incket, als ei-<lb/>
ne Untze, die man drein geleget. Wel-<lb/>
ches ich nicht geglaubet, wenn ich es<lb/>
nicht &#x017F;elb&#x017F;t ver&#x017F;ucht ha&#x0364;tte.</p><lb/>
              <p>Die Eigen&#x017F;chaften des Queck&#x017F;ilbers<lb/>
betreffend, die&#x017F;elben &#x017F;ind gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;er, denn<lb/>
man &#x017F;ich wohl einbilden &#x017F;olte; wie denn<lb/>
etliche vorgeben, daß ein einig Quint-<lb/>
lein Queck&#x017F;ilber eben &#x017F;o gro&#x017F;&#x017F;e Kraft ha-<lb/>
be, als wenn man es in gro&#x017F;&#x017F;er Men-<lb/>
ge nehmen lie&#x017F;&#x017F;e; und wenn es ja zu-<lb/>
weilen in gro&#x017F;&#x017F;er <hi rendition="#aq">do&#x017F;i</hi> verordnet wu&#x0364;rde,<lb/>
&#x017F;onderlich in der Colica, welche die<lb/>
Darmverwickelung oder <hi rendition="#aq">Mi&#x017F;erere mei</hi><lb/>
genennt wird, ge&#x017F;chehe &#x017F;olches doch blos<lb/>
darum, damit es de&#x017F;to ge&#x017F;chwinder<lb/>
durchgehen, und die Geda&#x0364;rme, durch<lb/>
&#x017F;ein gro&#x017F;&#x017F;es Gewichte, aus einander<lb/>
bringen mo&#x0364;ge.</p><lb/>
              <p>Es i&#x017F;t ingleichen etwas recht ver-<lb/>
wunderliches, daß man den <hi rendition="#fr">Mercur</hi><lb/>
allezeit &#x017F;eine vorige Ge&#x017F;talt, und zwar<lb/>
ohne &#x017F;onderlichen Verlu&#x017F;t und Abgang,<lb/>
wiedergeben kan, man mag ihn auch<lb/>
ver&#x017F;tellet haben, wie man nur wolle.<lb/>
Der Da&#x0364;ni&#x017F;che Chymicus <hi rendition="#fr">Borrichius</hi><lb/>
gedencket in &#x017F;einer Chymie, daß der<lb/><hi rendition="#fr">Mercur/</hi> welchen er ein gantzes Jahr<lb/>
hindurch gemartert, und auf vielerley<lb/>
Wei&#x017F;e verkehret ha&#x0364;tte, dennoch &#x017F;eine<lb/>
er&#x017F;tere Ge&#x017F;talt, vermittel&#x017F;t des Wein-<lb/>
&#x017F;tein&#x017F;altzes, mitten in den Flammen,<lb/>
wiederum angenommen. Weil dann<lb/>
der Mercurius in allen Ko&#x0364;nigreichen,<lb/>
und be&#x017F;onders in <hi rendition="#fr">Franckreich/</hi> &#x017F;o gar<lb/>
ha&#x0364;uffig verthan und verbrauchet wird,<lb/>
dannenhero haben die <hi rendition="#fr">Holla&#x0364;nder</hi> den<lb/>
Preiß aufs Pfund, um zwey Sols<lb/>
Holla&#x0364;ndi&#x017F;cher Wehrung, erho&#x0364;het, wel-<lb/>
ches fa&#x017F;t drey Sols, nach un&#x017F;erm Gel-<lb/>
de, betra&#x0364;gt: weil auch die&#x017F;e Waare<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">T t 2</fw><fw place="bottom" type="catch">&#x017F;chon</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0481] Hauptbeſchreibung dritter Theil. auch ihre Blaͤtter viel ſpaͤter hervor als an andern Orten. Eine Anzeigung iſts, daß man einen Queckſilbergang entdecken koͤnne, wenn im Monat April und May, an beſon- dern Orten, dicke Duͤnſte und Nebel aufſteigen, welche aber wegen ihrer Schwere nicht allzuhoch ſteigen: dan- nenhero macht man ſich an ſolche Orte und ſuchet das Metall, inſonderheit aber, wenn ſie ohngefehr gegen Mitter- nacht zu liegen, denn man glaͤubet, der Stollen muͤſſe recht reich ſeyn. Auch findet man um dieſe Gaͤnge viel Waſ- ſer. Wem etwas mehr vom Golde, Sil- ber und Queckſilber zu wiſſen beliebet, der leſe den Acoſta und den Jndiani- ſchen Mercur/ darinnen iſt weitlaͤuff- tig genug davon gehandelt. Jhm ſey nun wie ihm ſey, man er- wehle nur das Queckſilber, welches weiß, lauffend, rein und ſauber, wie auch fein lebendig iſt, und ein ſchoͤnes Waſſer hat: dagegen verwerffe man dasjenige, welches, wenn es in ein ku- pfern Gefaͤß, Wage oder anderes Ge- ſchirr geſchuͤttet worden, bleyfarbicht ſcheinet, das iſt, wenn es braun ſiehet, und ſich als wie Fett dehnet und ziehet, oder auch an den Fingern behangen bleibt, wenn man es ruͤhret, und zu ei- tel Kuͤgelgen wird: welches in Wahr- heit nichts geringes iſt, indem das mei- ſte Queckſilber von den Spiegelma- chern, Goldarbeitern, Degenſchmie- den, Vergoldern, und andern verthan wird, deren Arbeit alle zu ſchanden ge- hen duͤrffte, wenn nur ein eintzig Pfund Bley unter ein bouillon Queckſilber ge- rathen, es ſey nun aus Zufall, oder aus Schelmerey geſchehen. Auſſer obberuͤhrte Beſchaffenheiten, die das Queckſilber haben muß, kan man es auch probiren, wenn man nur ein wenig davon in einen ſilbernen Loͤffel ſchuͤttet, und uͤber dem Feuer verrau- chen laͤßt; denn wenn ein gelber Flecken zuruͤcke bleibt, iſt es ein Zeichen, daß er recht natuͤrlich ſey: bleibt aber im Ge- gentheil ein ſchwartzer Fleck, ſo iſt die- ſes ein Merckmahl, daß es mit Bley vermiſchet worden. Das Queckſilber iſt eine dermaſſen ſchwere Materie, daß, wie Furetiere da- von meldet, ein Cubiſcher Fuß deſſel- ben 947. Pfund waͤge, da doch ein ſol- cher Fuß Waſſer aus der Seine nicht mehr denn 70. Pfund betrage. Das iſt ſoviel geſagt, ein Gefaͤß, das 35. Kan- nen, Pariſer Maas, Waſſers aus der Seine halten kan, kan auch 947. Pfund Queckſilber faſſen. Jſt nun das Queck- ſilber ſo uͤberaus ſchwer, ſo iſt es auch nicht weniger ſtarck, ſintemahl ein ei- ſern Gewichte von 50. Pfunden, wenn es in ein bouillon Queckſilber, welches insgemein, wie es aus Holland koͤmt, 160. bis 180. Pfund ſchwer iſt, geleget wird, nicht tieffer darein ſincket, als ei- ne Untze, die man drein geleget. Wel- ches ich nicht geglaubet, wenn ich es nicht ſelbſt verſucht haͤtte. Die Eigenſchaften des Queckſilbers betreffend, dieſelben ſind groͤſſer, denn man ſich wohl einbilden ſolte; wie denn etliche vorgeben, daß ein einig Quint- lein Queckſilber eben ſo groſſe Kraft ha- be, als wenn man es in groſſer Men- ge nehmen lieſſe; und wenn es ja zu- weilen in groſſer doſi verordnet wuͤrde, ſonderlich in der Colica, welche die Darmverwickelung oder Miſerere mei genennt wird, geſchehe ſolches doch blos darum, damit es deſto geſchwinder durchgehen, und die Gedaͤrme, durch ſein groſſes Gewichte, aus einander bringen moͤge. Es iſt ingleichen etwas recht ver- wunderliches, daß man den Mercur allezeit ſeine vorige Geſtalt, und zwar ohne ſonderlichen Verluſt und Abgang, wiedergeben kan, man mag ihn auch verſtellet haben, wie man nur wolle. Der Daͤniſche Chymicus Borrichius gedencket in ſeiner Chymie, daß der Mercur/ welchen er ein gantzes Jahr hindurch gemartert, und auf vielerley Weiſe verkehret haͤtte, dennoch ſeine erſtere Geſtalt, vermittelſt des Wein- ſteinſaltzes, mitten in den Flammen, wiederum angenommen. Weil dann der Mercurius in allen Koͤnigreichen, und beſonders in Franckreich/ ſo gar haͤuffig verthan und verbrauchet wird, dannenhero haben die Hollaͤnder den Preiß aufs Pfund, um zwey Sols Hollaͤndiſcher Wehrung, erhoͤhet, wel- ches faſt drey Sols, nach unſerm Gel- de, betraͤgt: weil auch dieſe Waare ſchon T t 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/481
Zitationshilfe: Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/481>, abgerufen am 18.04.2021.