Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717.

Bild:
<< vorherige Seite
Der Spezereyen und Materialien
Das neun und zwantzigste Capitel.
Arsenicum causticum.
[Spaltenumbruch]

DJeses ist Arsenic, Salpeter und
Schwefel, welche man in einen
Mörsel znsammen thut, und, wie beym
Croco metallorum geschiehet, Feuer
drein steckt. Wenn es verpuffet hat
und alles verbrannt ist, und kalt wor-
den, stöst man die Massa zu Pulver,
thut sie abermahls in einen Schmeltz-
tiegel, und läßt sie calciniren. Wer
dieses Arsenicum zu Wasser machen
will, darff es nur etliche Tage in einen
Keller stellen.

Mankanauch aus dem Hüttenrauch,
mit Beyhülfe des Sublimats eine But-
Butter vom
Arsenic.
ter oder corrosivisches Oel ziehen, wel-
[Spaltenumbruch] ches ein sehr starckes causticum vom Arse-
nic und escharoticum ist. Allein, weil alles,
was vom Arsenic gemachet wird, sehr
schädlich ist, deshalben soll man sich auch
desselben niemahls ohne Rath erfahr-
ner Leute und mit der grösten Behut-
samkeit bedienen.

Das Arsenicum wird mit gebrann-
ten Seesaltze sublimiret, und mit diesem
Sublimate, der Sage nach, der Vene-
tianische Sublimat verfälschet, wie-Falscher
Sublimat.

wohl ich solches nicht gewiß versichern
kan, weil ich selbst dessen nicht gewiß bin,
es auch allbereit im Cap. vom corrosi-
vischen Sublimate angemercket habe.

[Ende Spaltensatz]
Das dreyßigste Capitel.
Magnes Arsenicalis.
[Spaltenumbruch]

DEr Arsenicalische so genannte
Magnet wird von Spiesglas aus
Poictou, Schwefel und crystallinen
Arsenic bereitet, welche zu Pulver ge-
stossen und in ein Gefäß gethan werden,
das im Feuer bestehen kan, damit alles
zu einer solchen durchsichtigen Masse ge-
machet werde, gleichwie der arsenicali-
sche Magnet seyn soll.

[Spaltenumbruch]

Man sagt, er sey ein sehr gelindes
causticum, welches iedoch sein Thun fein
behende verrichtet. So wird er auch
unter das Emplastrum Magneticum An-
geli Salae
genommen, welches in vielen
Büchern, die von der Apotheckerkunst
handeln, z. E. des Herren Zwölffers
und Charras/ beschrieben stehet.

[Ende Spaltensatz]
Das ein und dreyßigste Capitel.
Vom Steinsaltze.
[Spaltenumbruch]

SAl Gemmae ist ein natürlich Saltz, und
deshalben also genennet worden, weil
es eben so helle und durchsichtig ist, als
ein Edelstein, der von den Lateinern
Gemma betitelt wird. Dieses Saltz
befindet sich natürlicher Weise in dem
Eingeweide der Erde, an vielen Orten
in Europa/ vornehmlich in Polen
und Catalonien. Weil ich aber die
Oerter nicht eigentlich weiß, und also
mein Vorgeben nicht bestätigen kan, so
habe dienlich erachtet, hieher zu setzen,
was der Herr Perou/ Med. D. und der
Facultät zu Montpellier Mitglied, ge-
schrieben und eigenhändig unterzeich-
net mir davon mitzutheilen belieben ge-
tragen. Er meldet demnach, daß als
er im Mertz des 1674sten Jahres mit
dem Cardinal Janson von Fourbin in
Polen gewesen, sey seiner Eminentz ei-
ne Lust angekommen, die Saltzgruben
[Spaltenumbruch] zu Miliske bey Krakau zu besichti-
gen; habe derowegen einen eignen
Sessel dazu verfertigen lassen, darauf
er hinunter fahren könte, und er, der
Herr Perou/ als Leib-Medicus, wolte
auch nicht davon bleiben. Also musten
etliche von seiner Eminentz Pagen und
Laquaien die Machine probiren, und
einige angezündete Fackeln mit sich hin-
unter nehmen, diese unterirdische un-
mäßig tieffe Oerter damit zu erleuchten,
da ihnen dann das Salve Regina, welches
die Kinder in dem Dorffe zu singen pfle-
gen, indem man hinabfähret, einen hef-
tigen Schauer einjagete. Als nach einer
halben Stunde die Machine wiederum
heraufgekommen, fuhr S. Eminentz
selbst ein, und ward darunten von den
ältesten Einwohnern dieser Orte, die
sich nebst ihrem Hausgesinde daselbst
aufhalten, daher sie auch im Gesichte

gantz
Der Spezereyen und Materialien
Das neun und zwantzigſte Capitel.
Arſenicum cauſticum.
[Spaltenumbruch]

DJeſes iſt Arſenic, Salpeter und
Schwefel, welche man in einen
Moͤrſel znſammen thut, und, wie beym
Croco metallorum geſchiehet, Feuer
drein ſteckt. Wenn es verpuffet hat
und alles verbrannt iſt, und kalt wor-
den, ſtoͤſt man die Maſſa zu Pulver,
thut ſie abermahls in einen Schmeltz-
tiegel, und laͤßt ſie calciniren. Wer
dieſes Arſenicum zu Waſſer machen
will, darff es nur etliche Tage in einen
Keller ſtellen.

Mankanauch aus dem Huͤttenrauch,
mit Beyhuͤlfe des Sublimats eine But-
Butter vom
Arſenic.
ter oder corroſiviſches Oel ziehen, wel-
[Spaltenumbruch] ches ein ſehr ſtarckes cauſticum vom Arſe-
nic uñ eſcharoticum iſt. Allein, weil alles,
was vom Arſenic gemachet wird, ſehr
ſchaͤdlich iſt, deshalben ſoll man ſich auch
deſſelben niemahls ohne Rath erfahr-
ner Leute und mit der groͤſten Behut-
ſamkeit bedienen.

Das Arſenicum wird mit gebrann-
ten Seeſaltze ſublimiret, und mit dieſem
Sublimate, der Sage nach, der Vene-
tianiſche Sublimat verfaͤlſchet, wie-Falſcher
Sublimat.

wohl ich ſolches nicht gewiß verſichern
kan, weil ich ſelbſt deſſen nicht gewiß bin,
es auch allbereit im Cap. vom corroſi-
viſchen Sublimate angemercket habe.

[Ende Spaltensatz]
Das dreyßigſte Capitel.
Magnes Arſenicalis.
[Spaltenumbruch]

DEr Arſenicaliſche ſo genannte
Magnet wird von Spiesglas aus
Poictou, Schwefel und cryſtallinen
Arſenic bereitet, welche zu Pulver ge-
ſtoſſen und in ein Gefaͤß gethan werden,
das im Feuer beſtehen kan, damit alles
zu einer ſolchen durchſichtigen Maſſe ge-
machet werde, gleichwie der arſenicali-
ſche Magnet ſeyn ſoll.

[Spaltenumbruch]

Man ſagt, er ſey ein ſehr gelindes
cauſticum, welches iedoch ſein Thun fein
behende verrichtet. So wird er auch
unter das Emplaſtrum Magneticum An-
geli Salæ
genommen, welches in vielen
Buͤchern, die von der Apotheckerkunſt
handeln, z. E. des Herren Zwoͤlffers
und Charras/ beſchrieben ſtehet.

[Ende Spaltensatz]
Das ein und dreyßigſte Capitel.
Vom Steinſaltze.
[Spaltenumbruch]

SAl Gemmæ iſt ein natuͤrlich Saltz, und
deshalben alſo genennet worden, weil
es eben ſo helle und durchſichtig iſt, als
ein Edelſtein, der von den Lateinern
Gemma betitelt wird. Dieſes Saltz
befindet ſich natuͤrlicher Weiſe in dem
Eingeweide der Erde, an vielen Orten
in Europa/ vornehmlich in Polen
und Catalonien. Weil ich aber die
Oerter nicht eigentlich weiß, und alſo
mein Vorgeben nicht beſtaͤtigen kan, ſo
habe dienlich erachtet, hieher zu ſetzen,
was der Herr Perou/ Med. D. und der
Facultaͤt zu Montpellier Mitglied, ge-
ſchrieben und eigenhaͤndig unterzeich-
net mir davon mitzutheilen belieben ge-
tragen. Er meldet demnach, daß als
er im Mertz des 1674ſten Jahres mit
dem Cardinal Janſon von Fourbin in
Polen geweſen, ſey ſeiner Eminentz ei-
ne Luſt angekommen, die Saltzgruben
[Spaltenumbruch] zu Miliske bey Krakau zu beſichti-
gen; habe derowegen einen eignen
Seſſel dazu verfertigen laſſen, darauf
er hinunter fahren koͤnte, und er, der
Herr Perou/ als Leib-Medicus, wolte
auch nicht davon bleiben. Alſo muſten
etliche von ſeiner Eminentz Pagen und
Laquaien die Machine probiren, und
einige angezuͤndete Fackeln mit ſich hin-
unter nehmen, dieſe unterirdiſche un-
maͤßig tieffe Oerter damit zu erleuchten,
da ihnen dann das Salve Regina, welches
die Kinder in dem Dorffe zu ſingen pfle-
gen, indem man hinabfaͤhret, einen hef-
tigen Schauer einjagete. Als nach einer
halben Stunde die Machine wiederum
heraufgekommen, fuhr S. Eminentz
ſelbſt ein, und ward darunten von den
aͤlteſten Einwohnern dieſer Orte, die
ſich nebſt ihrem Hausgeſinde daſelbſt
aufhalten, daher ſie auch im Geſichte

gantz
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="1">
          <div n="2">
            <pb facs="#f0530"/>
            <fw place="top" type="header"> <hi rendition="#b">Der Spezereyen und Materialien</hi> </fw><lb/>
            <div n="3">
              <head> <hi rendition="#b">Das neun und zwantzig&#x017F;te Capitel.<lb/><hi rendition="#aq">Ar&#x017F;enicum cau&#x017F;ticum.</hi></hi> </head><lb/>
              <cb n="757"/>
              <p><hi rendition="#in">D</hi>Je&#x017F;es i&#x017F;t Ar&#x017F;enic, Salpeter und<lb/>
Schwefel, welche man in einen<lb/>
Mo&#x0364;r&#x017F;el zn&#x017F;ammen thut, und, wie beym<lb/><hi rendition="#aq">Croco metallorum</hi> ge&#x017F;chiehet, Feuer<lb/>
drein &#x017F;teckt. Wenn es verpuffet hat<lb/>
und alles verbrannt i&#x017F;t, und kalt wor-<lb/>
den, &#x017F;to&#x0364;&#x017F;t man die Ma&#x017F;&#x017F;a zu Pulver,<lb/>
thut &#x017F;ie abermahls in einen Schmeltz-<lb/>
tiegel, und la&#x0364;ßt &#x017F;ie calciniren. Wer<lb/>
die&#x017F;es <hi rendition="#aq">Ar&#x017F;enicum</hi> zu Wa&#x017F;&#x017F;er machen<lb/>
will, darff es nur etliche Tage in einen<lb/>
Keller &#x017F;tellen.</p><lb/>
              <p>Mankanauch aus dem Hu&#x0364;ttenrauch,<lb/>
mit Beyhu&#x0364;lfe des Sublimats eine But-<lb/><note place="left">Butter vom<lb/>
Ar&#x017F;enic.</note>ter oder corro&#x017F;ivi&#x017F;ches Oel ziehen, wel-<lb/><cb n="758"/>
ches ein &#x017F;ehr &#x017F;tarckes <hi rendition="#aq">cau&#x017F;ticum</hi> vom Ar&#x017F;e-<lb/>
nic un&#x0303; <hi rendition="#aq">e&#x017F;charoticum</hi> i&#x017F;t. Allein, weil alles,<lb/>
was vom Ar&#x017F;enic gemachet wird, &#x017F;ehr<lb/>
&#x017F;cha&#x0364;dlich i&#x017F;t, deshalben &#x017F;oll man &#x017F;ich auch<lb/>
de&#x017F;&#x017F;elben niemahls ohne Rath erfahr-<lb/>
ner Leute und mit der gro&#x0364;&#x017F;ten Behut-<lb/>
&#x017F;amkeit bedienen.</p><lb/>
              <p>Das <hi rendition="#aq">Ar&#x017F;enicum</hi> wird mit gebrann-<lb/>
ten See&#x017F;altze <hi rendition="#aq">&#x017F;ublimi</hi>ret, und mit die&#x017F;em<lb/>
Sublimate, der Sage nach, der Vene-<lb/>
tiani&#x017F;che Sublimat verfa&#x0364;l&#x017F;chet, wie-<note place="right">Fal&#x017F;cher<lb/>
Sublimat.</note><lb/>
wohl ich &#x017F;olches nicht gewiß ver&#x017F;ichern<lb/>
kan, weil ich &#x017F;elb&#x017F;t de&#x017F;&#x017F;en nicht gewiß bin,<lb/>
es auch allbereit im Cap. vom corro&#x017F;i-<lb/>
vi&#x017F;chen Sublimate angemercket habe.</p>
              <cb type="end"/>
            </div><lb/>
            <div n="3">
              <head> <hi rendition="#b">Das dreyßig&#x017F;te Capitel.<lb/><hi rendition="#aq">Magnes Ar&#x017F;enicalis.</hi></hi> </head><lb/>
              <cb n="757"/>
              <p><hi rendition="#in">D</hi>Er <hi rendition="#fr">Ar&#x017F;enicali&#x017F;che</hi> &#x017F;o genannte<lb/><hi rendition="#fr">Magnet</hi> wird von Spiesglas aus<lb/>
Poictou, Schwefel und cry&#x017F;tallinen<lb/>
Ar&#x017F;enic bereitet, welche zu Pulver ge-<lb/>
&#x017F;to&#x017F;&#x017F;en und in ein Gefa&#x0364;ß gethan werden,<lb/>
das im Feuer be&#x017F;tehen kan, damit alles<lb/>
zu einer &#x017F;olchen durch&#x017F;ichtigen Ma&#x017F;&#x017F;e ge-<lb/>
machet werde, gleichwie der ar&#x017F;enicali-<lb/>
&#x017F;che Magnet &#x017F;eyn &#x017F;oll.</p><lb/>
              <cb n="758"/>
              <p>Man &#x017F;agt, er &#x017F;ey ein &#x017F;ehr gelindes<lb/><hi rendition="#aq">cau&#x017F;ticum,</hi> welches iedoch &#x017F;ein Thun fein<lb/>
behende verrichtet. So wird er auch<lb/>
unter das <hi rendition="#aq">Empla&#x017F;trum Magneticum An-<lb/>
geli Salæ</hi> genommen, welches in vielen<lb/>
Bu&#x0364;chern, die von der Apotheckerkun&#x017F;t<lb/>
handeln, z. E. des Herren <hi rendition="#fr">Zwo&#x0364;lffers</hi><lb/>
und <hi rendition="#fr">Charras/</hi> be&#x017F;chrieben &#x017F;tehet.</p>
              <cb type="end"/>
            </div><lb/>
            <div n="3">
              <head> <hi rendition="#b">Das ein und dreyßig&#x017F;te Capitel.<lb/>
Vom Stein&#x017F;altze.</hi> </head><lb/>
              <cb n="757"/>
              <p><hi rendition="#aq"><hi rendition="#in">S</hi>Al Gemmæ</hi> i&#x017F;t ein natu&#x0364;rlich Saltz, und<lb/>
deshalben al&#x017F;o genennet worden, weil<lb/>
es eben &#x017F;o helle und durch&#x017F;ichtig i&#x017F;t, als<lb/>
ein Edel&#x017F;tein, der von den Lateinern<lb/><hi rendition="#aq">Gemma</hi> betitelt wird. Die&#x017F;es Saltz<lb/>
befindet &#x017F;ich natu&#x0364;rlicher Wei&#x017F;e in dem<lb/>
Eingeweide der Erde, an vielen Orten<lb/>
in <hi rendition="#fr">Europa/</hi> vornehmlich in <hi rendition="#fr">Polen</hi><lb/>
und <hi rendition="#fr">Catalonien.</hi> Weil ich aber die<lb/>
Oerter nicht eigentlich weiß, und al&#x017F;o<lb/>
mein Vorgeben nicht be&#x017F;ta&#x0364;tigen kan, &#x017F;o<lb/>
habe dienlich erachtet, hieher zu &#x017F;etzen,<lb/>
was der Herr <hi rendition="#fr">Perou/</hi> <hi rendition="#aq">Med. D.</hi> und der<lb/><hi rendition="#aq">Facult</hi>a&#x0364;t zu Montpellier Mitglied, ge-<lb/>
&#x017F;chrieben und eigenha&#x0364;ndig unterzeich-<lb/>
net mir davon mitzutheilen belieben ge-<lb/>
tragen. Er meldet demnach, daß als<lb/>
er im Mertz des 1674&#x017F;ten Jahres mit<lb/>
dem Cardinal Jan&#x017F;on von Fourbin in<lb/><hi rendition="#fr">Polen</hi> gewe&#x017F;en, &#x017F;ey &#x017F;einer Eminentz ei-<lb/>
ne Lu&#x017F;t angekommen, die Saltzgruben<lb/><cb n="758"/>
zu <hi rendition="#fr">Miliske</hi> bey <hi rendition="#fr">Krakau</hi> zu be&#x017F;ichti-<lb/>
gen; habe derowegen einen eignen<lb/>
Se&#x017F;&#x017F;el dazu verfertigen la&#x017F;&#x017F;en, darauf<lb/>
er hinunter fahren ko&#x0364;nte, und er, der<lb/>
Herr <hi rendition="#fr">Perou/</hi> als Leib-Medicus, wolte<lb/>
auch nicht davon bleiben. Al&#x017F;o mu&#x017F;ten<lb/>
etliche von &#x017F;einer Eminentz Pagen und<lb/>
Laquaien die Machine probiren, und<lb/>
einige angezu&#x0364;ndete Fackeln mit &#x017F;ich hin-<lb/>
unter nehmen, die&#x017F;e unterirdi&#x017F;che un-<lb/>
ma&#x0364;ßig tieffe Oerter damit zu erleuchten,<lb/>
da ihnen dann das <hi rendition="#aq">Salve Regina,</hi> welches<lb/>
die Kinder in dem Dorffe zu &#x017F;ingen pfle-<lb/>
gen, indem man hinabfa&#x0364;hret, einen hef-<lb/>
tigen Schauer einjagete. Als nach einer<lb/>
halben Stunde die Machine wiederum<lb/>
heraufgekommen, fuhr S. Eminentz<lb/>
&#x017F;elb&#x017F;t ein, und ward darunten von den<lb/>
a&#x0364;lte&#x017F;ten Einwohnern die&#x017F;er Orte, die<lb/>
&#x017F;ich neb&#x017F;t ihrem Hausge&#x017F;inde da&#x017F;elb&#x017F;t<lb/>
aufhalten, daher &#x017F;ie auch im Ge&#x017F;ichte<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">gantz</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0530] Der Spezereyen und Materialien Das neun und zwantzigſte Capitel. Arſenicum cauſticum. DJeſes iſt Arſenic, Salpeter und Schwefel, welche man in einen Moͤrſel znſammen thut, und, wie beym Croco metallorum geſchiehet, Feuer drein ſteckt. Wenn es verpuffet hat und alles verbrannt iſt, und kalt wor- den, ſtoͤſt man die Maſſa zu Pulver, thut ſie abermahls in einen Schmeltz- tiegel, und laͤßt ſie calciniren. Wer dieſes Arſenicum zu Waſſer machen will, darff es nur etliche Tage in einen Keller ſtellen. Mankanauch aus dem Huͤttenrauch, mit Beyhuͤlfe des Sublimats eine But- ter oder corroſiviſches Oel ziehen, wel- ches ein ſehr ſtarckes cauſticum vom Arſe- nic uñ eſcharoticum iſt. Allein, weil alles, was vom Arſenic gemachet wird, ſehr ſchaͤdlich iſt, deshalben ſoll man ſich auch deſſelben niemahls ohne Rath erfahr- ner Leute und mit der groͤſten Behut- ſamkeit bedienen. Butter vom Arſenic. Das Arſenicum wird mit gebrann- ten Seeſaltze ſublimiret, und mit dieſem Sublimate, der Sage nach, der Vene- tianiſche Sublimat verfaͤlſchet, wie- wohl ich ſolches nicht gewiß verſichern kan, weil ich ſelbſt deſſen nicht gewiß bin, es auch allbereit im Cap. vom corroſi- viſchen Sublimate angemercket habe. Falſcher Sublimat. Das dreyßigſte Capitel. Magnes Arſenicalis. DEr Arſenicaliſche ſo genannte Magnet wird von Spiesglas aus Poictou, Schwefel und cryſtallinen Arſenic bereitet, welche zu Pulver ge- ſtoſſen und in ein Gefaͤß gethan werden, das im Feuer beſtehen kan, damit alles zu einer ſolchen durchſichtigen Maſſe ge- machet werde, gleichwie der arſenicali- ſche Magnet ſeyn ſoll. Man ſagt, er ſey ein ſehr gelindes cauſticum, welches iedoch ſein Thun fein behende verrichtet. So wird er auch unter das Emplaſtrum Magneticum An- geli Salæ genommen, welches in vielen Buͤchern, die von der Apotheckerkunſt handeln, z. E. des Herren Zwoͤlffers und Charras/ beſchrieben ſtehet. Das ein und dreyßigſte Capitel. Vom Steinſaltze. SAl Gemmæ iſt ein natuͤrlich Saltz, und deshalben alſo genennet worden, weil es eben ſo helle und durchſichtig iſt, als ein Edelſtein, der von den Lateinern Gemma betitelt wird. Dieſes Saltz befindet ſich natuͤrlicher Weiſe in dem Eingeweide der Erde, an vielen Orten in Europa/ vornehmlich in Polen und Catalonien. Weil ich aber die Oerter nicht eigentlich weiß, und alſo mein Vorgeben nicht beſtaͤtigen kan, ſo habe dienlich erachtet, hieher zu ſetzen, was der Herr Perou/ Med. D. und der Facultaͤt zu Montpellier Mitglied, ge- ſchrieben und eigenhaͤndig unterzeich- net mir davon mitzutheilen belieben ge- tragen. Er meldet demnach, daß als er im Mertz des 1674ſten Jahres mit dem Cardinal Janſon von Fourbin in Polen geweſen, ſey ſeiner Eminentz ei- ne Luſt angekommen, die Saltzgruben zu Miliske bey Krakau zu beſichti- gen; habe derowegen einen eignen Seſſel dazu verfertigen laſſen, darauf er hinunter fahren koͤnte, und er, der Herr Perou/ als Leib-Medicus, wolte auch nicht davon bleiben. Alſo muſten etliche von ſeiner Eminentz Pagen und Laquaien die Machine probiren, und einige angezuͤndete Fackeln mit ſich hin- unter nehmen, dieſe unterirdiſche un- maͤßig tieffe Oerter damit zu erleuchten, da ihnen dann das Salve Regina, welches die Kinder in dem Dorffe zu ſingen pfle- gen, indem man hinabfaͤhret, einen hef- tigen Schauer einjagete. Als nach einer halben Stunde die Machine wiederum heraufgekommen, fuhr S. Eminentz ſelbſt ein, und ward darunten von den aͤlteſten Einwohnern dieſer Orte, die ſich nebſt ihrem Hausgeſinde daſelbſt aufhalten, daher ſie auch im Geſichte gantz

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/530
Zitationshilfe: Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/530>, abgerufen am 05.03.2021.