Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717.

Bild:
<< vorherige Seite

Hauptbeschreibung dritter Theil.
[Spaltenumbruch] dagegen, wenn es nur den Schmutz da-
von wegnimmt, und sie nicht forttrei-
bet, so ist es schwach und mit dem phleg-
ma
vermischet.

Es wird auch noch ein ander Wasser
mit Scheidewasser von Kupferabgän-
gen bereitet, so eine blaue Farbe hat,
und von den Schmieden gebrauchet
wird, wiewohl sie sich auch dessen, wel-
ches die Silberarbeiter zurichten, bedie-
nen, oder aber, damit sie es noch eher
bereiten mögen, so kauffen sie das phleg-
[Spaltenumbruch] ma
vom Vitriol oder Vitriolspiritus,
mit Scheidewasser gemacht, dem sie den
Namen Eau seconde, das andere WasserEau seconde.
gegeben.

Es darff niemand besorgen, daß man
andere Spiritus an statt des Scheide-
wassers verkauffe, denn es sind keine
wohlfeilere zu haben, und derowegen
kan einer versichert seyn, daß es gut
sey, und wie sichs gehöret, wenn es nur
auch recht distilliret ist.

[Ende Spaltensatz]
Das neun und dreyßigste Capitel.
Crystallus mineralis.
[Spaltenumbruch]

DJe mineralischen Crystallen/
welche von etlichen Sal anodynum
Sal prunellae.oder minerale, Sal und lapis Prunellae ge-
nennet werden, sind geläuterter Salpe-
ter, welcher in einem feinen reinen eiser-
nen Hafen oder Kessel ist geschmoltzen
worden. Wenn er denn im Fluß ste-
het, so schüttet man ein wenig Schwe-
felblumen drauf, und wenn die Mate-
rie wohl geflossen, und der Schwefel ab-
gebrannt, es auch noch einige Zeit ge-
standen hat, so ziehet man den Schaum
auf die Seite, und nimmt den lautern
Salpeter mit einem eisernen Löffel, der
gleichfalls fein reine seyn soll, heraus,
und schüttet ihn in eine eiserne Pfanne,
damit er so kleine und wie Küchlein
werde, gleichwie wir ihn zu sehen be-
kommen. Wir lassen den minerali-
schen Crystall aus Holland bringen,
der zwar sehr weiß und gut ist; weil sie
ihn aber als wie kleine dicke Kuchen uns
zusenden, deshalben vertreiben wir gar
wenig, denn er kan allein nach dem Ge-
wichte, und an diejenigen, die ihn ge-
brauchen, verkauffet werden.

Man soll den mineralischen Cry-
stall
erwehlen, welcher fein weiß, frisch
gemacht und klein ist, bevoraus, wenn
man ihn eintzeln oder Pfennigweis ver-
kauffen will; wie auch trucken und nicht
zerfressen, so wenig als nur seyn kan. Auch
soll man den, der von geläutertem Sal-
peter gemacht ist, dem, der von schlech-
ten zubereitet worden, vorziehen, wel-
ches man denn an der schönen weissen
Farbe, und wenn er sich wohl hält, gar
leichtlich abnehmen kan. Jrrig aber
ists, wenn man glauben will, was ein
neuer Scribente angemercket, daß die
[Spaltenumbruch] Leute, die den mineralischen Crystall
auf den Strassen zu verkauffen pfle-
gen, denselben mit Alaune verfälsche-
ten; denn er irret sich, welches ich doch
mit der ihm gebührenden Ehrerbie-
tung will gesaget haben, oder aber, er
ist übel berichtet worden, sintemahl es
fast eben so unmöglich ist, Alaune in den
Salpeter zu bringen (weil sie alsofort,
sobald sie nur drein geworffen, zu
Schaume wird) so wenig als möglich
ist, sie unter den Zucker zu mischen, ob-
schon ein und andere berichtet haben,
man thue die Alaune unter den Zucker,
damit man ihn weiß machen könne.
Mehr als zu gewiß aber ists, daß dieje-
nigen, die diesen Crystall fein wohlfeil
geben wollen, sich des schlechten oder
gemeinen Salpeters dazu bedienen,
welchen sie eben so weiß machen, wenn
sie ihn zweymahl schmeltzen, sonderlich,
wenn sie ihr Handwerck recht verstehen,
als ob er von geläutertem Salpeter
bereitet worden wäre. Der Unter-
schied zwischen beyden bestehet darinne,
daß er sich nicht so gut auf behalten läßt,
welches demjenigen, den man von de-
nen Hausirern kaufft, nur gar zu ofte
wiederfähret, und daher denen, die sich
zu sehr damit belegen, grossen Schaden
verursachet. Man darff ihn auch in
kein Papier einwickeln, denn weil das
Papier, gleich als ein Schwamm voll
kleiner Löchlein ist, so ziehet es die Feuch-
tigkeit an sich und netzet den Crystall,
macht also, daß er nicht kan verkauffet
werden. Auch muß man ihn an truck-
nen Orten halten, dieweil die Feuchtig-
keit und der Staub dieser Waare son-
derlich zu wider sind. Die gröste Kund-

schaft
C c c 2

Hauptbeſchreibung dritter Theil.
[Spaltenumbruch] dagegen, wenn es nur den Schmutz da-
von wegnimmt, und ſie nicht forttrei-
bet, ſo iſt es ſchwach und mit dem phleg-
ma
vermiſchet.

Es wird auch noch ein ander Waſſer
mit Scheidewaſſer von Kupferabgaͤn-
gen bereitet, ſo eine blaue Farbe hat,
und von den Schmieden gebrauchet
wird, wiewohl ſie ſich auch deſſen, wel-
ches die Silberarbeiter zurichten, bedie-
nen, oder aber, damit ſie es noch eher
bereiten moͤgen, ſo kauffen ſie das phleg-
[Spaltenumbruch] ma
vom Vitriol oder Vitriolſpiritus,
mit Scheidewaſſer gemacht, dem ſie den
Namen Eau ſeconde, das andere WaſſerEau ſeconde.
gegeben.

Es darff niemand beſorgen, daß man
andere Spiritus an ſtatt des Scheide-
waſſers verkauffe, denn es ſind keine
wohlfeilere zu haben, und derowegen
kan einer verſichert ſeyn, daß es gut
ſey, und wie ſichs gehoͤret, wenn es nur
auch recht diſtilliret iſt.

[Ende Spaltensatz]
Das neun und dreyßigſte Capitel.
Cryſtallus mineralis.
[Spaltenumbruch]

DJe mineraliſchen Cryſtallen/
welche von etlichen Sal anodynum
Sal prunellæ.oder minerale, Sal und lapis Prunellæ ge-
nennet werden, ſind gelaͤuterter Salpe-
ter, welcher in einem feinen reinen eiſer-
nen Hafen oder Keſſel iſt geſchmoltzen
worden. Wenn er denn im Fluß ſte-
het, ſo ſchuͤttet man ein wenig Schwe-
felblumen drauf, und wenn die Mate-
rie wohl gefloſſen, und der Schwefel ab-
gebrannt, es auch noch einige Zeit ge-
ſtanden hat, ſo ziehet man den Schaum
auf die Seite, und nimmt den lautern
Salpeter mit einem eiſernen Loͤffel, der
gleichfalls fein reine ſeyn ſoll, heraus,
und ſchuͤttet ihn in eine eiſerne Pfanne,
damit er ſo kleine und wie Kuͤchlein
werde, gleichwie wir ihn zu ſehen be-
kommen. Wir laſſen den minerali-
ſchen Cryſtall aus Holland bringen,
der zwar ſehr weiß und gut iſt; weil ſie
ihn aber als wie kleine dicke Kuchen uns
zuſenden, deshalben vertreiben wir gar
wenig, denn er kan allein nach dem Ge-
wichte, und an diejenigen, die ihn ge-
brauchen, verkauffet werden.

Man ſoll den mineraliſchen Cry-
ſtall
erwehlen, welcher fein weiß, friſch
gemacht und klein iſt, bevoraus, wenn
man ihn eintzeln oder Pfennigweis ver-
kauffen will; wie auch trucken und nicht
zerfreſſẽ, ſo wenig als nuꝛ ſeyn kan. Auch
ſoll man den, der von gelaͤutertem Sal-
peter gemacht iſt, dem, der von ſchlech-
ten zubereitet worden, vorziehen, wel-
ches man denn an der ſchoͤnen weiſſen
Farbe, und wenn er ſich wohl haͤlt, gar
leichtlich abnehmen kan. Jrrig aber
iſts, wenn man glauben will, was ein
neuer Scribente angemercket, daß die
[Spaltenumbruch] Leute, die den mineraliſchen Cryſtall
auf den Straſſen zu verkauffen pfle-
gen, denſelben mit Alaune verfaͤlſche-
ten; denn er irret ſich, welches ich doch
mit der ihm gebuͤhrenden Ehrerbie-
tung will geſaget haben, oder aber, er
iſt uͤbel berichtet worden, ſintemahl es
faſt eben ſo unmoͤglich iſt, Alaune in den
Salpeter zu bringen (weil ſie alſofort,
ſobald ſie nur drein geworffen, zu
Schaume wird) ſo wenig als moͤglich
iſt, ſie unter den Zucker zu miſchen, ob-
ſchon ein und andere berichtet haben,
man thue die Alaune unter den Zucker,
damit man ihn weiß machen koͤnne.
Mehr als zu gewiß aber iſts, daß dieje-
nigen, die dieſen Cryſtall fein wohlfeil
geben wollen, ſich des ſchlechten oder
gemeinen Salpeters dazu bedienen,
welchen ſie eben ſo weiß machen, wenn
ſie ihn zweymahl ſchmeltzen, ſonderlich,
wenn ſie ihr Handwerck recht verſtehen,
als ob er von gelaͤutertem Salpeter
bereitet worden waͤre. Der Unter-
ſchied zwiſchen beyden beſtehet darinne,
daß er ſich nicht ſo gut auf behalten laͤßt,
welches demjenigen, den man von de-
nen Hauſirern kaufft, nur gar zu ofte
wiederfaͤhret, und daher denen, die ſich
zu ſehr damit belegen, groſſen Schaden
verurſachet. Man darff ihn auch in
kein Papier einwickeln, denn weil das
Papier, gleich als ein Schwamm voll
kleiner Loͤchlein iſt, ſo ziehet es die Feuch-
tigkeit an ſich und netzet den Cryſtall,
macht alſo, daß er nicht kan verkauffet
werden. Auch muß man ihn an truck-
nen Orten halten, dieweil die Feuchtig-
keit und der Staub dieſer Waare ſon-
derlich zu wider ſind. Die groͤſte Kund-

ſchaft
C c c 2
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="1">
          <div n="2">
            <div n="3">
              <p><pb facs="#f0537"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Hauptbe&#x017F;chreibung dritter Theil.</hi></fw><lb/><cb n="771"/>
dagegen, wenn es nur den Schmutz da-<lb/>
von wegnimmt, und &#x017F;ie nicht forttrei-<lb/>
bet, &#x017F;o i&#x017F;t es &#x017F;chwach und mit dem <hi rendition="#aq">phleg-<lb/>
ma</hi> vermi&#x017F;chet.</p><lb/>
              <p>Es wird auch noch ein ander Wa&#x017F;&#x017F;er<lb/>
mit Scheidewa&#x017F;&#x017F;er von Kupferabga&#x0364;n-<lb/>
gen bereitet, &#x017F;o eine blaue Farbe hat,<lb/>
und von den Schmieden gebrauchet<lb/>
wird, wiewohl &#x017F;ie &#x017F;ich auch de&#x017F;&#x017F;en, wel-<lb/>
ches die Silberarbeiter zurichten, bedie-<lb/>
nen, oder aber, damit &#x017F;ie es noch eher<lb/>
bereiten mo&#x0364;gen, &#x017F;o kauffen &#x017F;ie das <hi rendition="#aq">phleg-<lb/><cb n="772"/>
ma</hi> vom Vitriol oder Vitriol&#x017F;piritus,<lb/>
mit Scheidewa&#x017F;&#x017F;er gemacht, dem &#x017F;ie den<lb/>
Namen <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Eau &#x017F;econde</hi>,</hi> das andere Wa&#x017F;&#x017F;er<note place="right"><hi rendition="#aq">Eau &#x017F;econde.</hi></note><lb/>
gegeben.</p><lb/>
              <p>Es darff niemand be&#x017F;orgen, daß man<lb/>
andere Spiritus an &#x017F;tatt des Scheide-<lb/>
wa&#x017F;&#x017F;ers verkauffe, denn es &#x017F;ind keine<lb/>
wohlfeilere zu haben, und derowegen<lb/>
kan einer ver&#x017F;ichert &#x017F;eyn, daß es gut<lb/>
&#x017F;ey, und wie &#x017F;ichs geho&#x0364;ret, wenn es nur<lb/>
auch recht di&#x017F;tilliret i&#x017F;t.</p>
              <cb type="end"/>
            </div><lb/>
            <div n="3">
              <head> <hi rendition="#b">Das neun und dreyßig&#x017F;te Capitel.<lb/><hi rendition="#aq">Cry&#x017F;tallus mineralis.</hi></hi> </head><lb/>
              <cb n="771"/>
              <p><hi rendition="#in">D</hi>Je <hi rendition="#fr">minerali&#x017F;chen Cry&#x017F;tallen/</hi><lb/>
welche von etlichen <hi rendition="#aq">Sal anodynum</hi><lb/><note place="left"><hi rendition="#aq">Sal prunellæ.</hi></note>oder <hi rendition="#aq">minerale, Sal</hi> und <hi rendition="#aq">lapis Prunellæ</hi> ge-<lb/>
nennet werden, &#x017F;ind gela&#x0364;uterter Salpe-<lb/>
ter, welcher in einem feinen reinen ei&#x017F;er-<lb/>
nen Hafen oder Ke&#x017F;&#x017F;el i&#x017F;t ge&#x017F;chmoltzen<lb/>
worden. Wenn er denn im Fluß &#x017F;te-<lb/>
het, &#x017F;o &#x017F;chu&#x0364;ttet man ein wenig Schwe-<lb/>
felblumen drauf, und wenn die Mate-<lb/>
rie wohl geflo&#x017F;&#x017F;en, und der Schwefel ab-<lb/>
gebrannt, es auch noch einige Zeit ge-<lb/>
&#x017F;tanden hat, &#x017F;o ziehet man den Schaum<lb/>
auf die Seite, und nimmt den lautern<lb/>
Salpeter mit einem ei&#x017F;ernen Lo&#x0364;ffel, der<lb/>
gleichfalls fein reine &#x017F;eyn &#x017F;oll, heraus,<lb/>
und &#x017F;chu&#x0364;ttet ihn in eine ei&#x017F;erne Pfanne,<lb/>
damit er &#x017F;o kleine und wie Ku&#x0364;chlein<lb/>
werde, gleichwie wir ihn zu &#x017F;ehen be-<lb/>
kommen. Wir la&#x017F;&#x017F;en den minerali-<lb/>
&#x017F;chen Cry&#x017F;tall aus <hi rendition="#fr">Holland</hi> bringen,<lb/>
der zwar &#x017F;ehr weiß und gut i&#x017F;t; weil &#x017F;ie<lb/>
ihn aber als wie kleine dicke Kuchen uns<lb/>
zu&#x017F;enden, deshalben vertreiben wir gar<lb/>
wenig, denn er kan allein nach dem Ge-<lb/>
wichte, und an diejenigen, die ihn ge-<lb/>
brauchen, verkauffet werden.</p><lb/>
              <p>Man &#x017F;oll den <hi rendition="#fr">minerali&#x017F;chen Cry-<lb/>
&#x017F;tall</hi> erwehlen, welcher fein weiß, fri&#x017F;ch<lb/>
gemacht und klein i&#x017F;t, bevoraus, wenn<lb/>
man ihn eintzeln oder Pfennigweis ver-<lb/>
kauffen will; wie auch trucken und nicht<lb/>
zerfre&#x017F;&#x017F;e&#x0303;, &#x017F;o wenig als nu&#xA75B; &#x017F;eyn kan. Auch<lb/>
&#x017F;oll man den, der von gela&#x0364;utertem Sal-<lb/>
peter gemacht i&#x017F;t, dem, der von &#x017F;chlech-<lb/>
ten zubereitet worden, vorziehen, wel-<lb/>
ches man denn an der &#x017F;cho&#x0364;nen wei&#x017F;&#x017F;en<lb/>
Farbe, und wenn er &#x017F;ich wohl ha&#x0364;lt, gar<lb/>
leichtlich abnehmen kan. Jrrig aber<lb/>
i&#x017F;ts, wenn man glauben will, was ein<lb/>
neuer Scribente angemercket, daß die<lb/><cb n="772"/>
Leute, die den minerali&#x017F;chen Cry&#x017F;tall<lb/>
auf den Stra&#x017F;&#x017F;en zu verkauffen pfle-<lb/>
gen, den&#x017F;elben mit Alaune verfa&#x0364;l&#x017F;che-<lb/>
ten; denn er irret &#x017F;ich, welches ich doch<lb/>
mit der ihm gebu&#x0364;hrenden Ehrerbie-<lb/>
tung will ge&#x017F;aget haben, oder aber, er<lb/>
i&#x017F;t u&#x0364;bel berichtet worden, &#x017F;intemahl es<lb/>
fa&#x017F;t eben &#x017F;o unmo&#x0364;glich i&#x017F;t, Alaune in den<lb/>
Salpeter zu bringen (weil &#x017F;ie al&#x017F;ofort,<lb/>
&#x017F;obald &#x017F;ie nur drein geworffen, zu<lb/>
Schaume wird) &#x017F;o wenig als mo&#x0364;glich<lb/>
i&#x017F;t, &#x017F;ie unter den Zucker zu mi&#x017F;chen, ob-<lb/>
&#x017F;chon ein und andere berichtet haben,<lb/>
man thue die Alaune unter den Zucker,<lb/>
damit man ihn weiß machen ko&#x0364;nne.<lb/>
Mehr als zu gewiß aber i&#x017F;ts, daß dieje-<lb/>
nigen, die die&#x017F;en Cry&#x017F;tall fein wohlfeil<lb/>
geben wollen, &#x017F;ich des &#x017F;chlechten oder<lb/>
gemeinen Salpeters dazu bedienen,<lb/>
welchen &#x017F;ie eben &#x017F;o weiß machen, wenn<lb/>
&#x017F;ie ihn zweymahl &#x017F;chmeltzen, &#x017F;onderlich,<lb/>
wenn &#x017F;ie ihr Handwerck recht ver&#x017F;tehen,<lb/>
als ob er von gela&#x0364;utertem Salpeter<lb/>
bereitet worden wa&#x0364;re. Der Unter-<lb/>
&#x017F;chied zwi&#x017F;chen beyden be&#x017F;tehet darinne,<lb/>
daß er &#x017F;ich nicht &#x017F;o gut auf behalten la&#x0364;ßt,<lb/>
welches demjenigen, den man von de-<lb/>
nen Hau&#x017F;irern kaufft, nur gar zu ofte<lb/>
wiederfa&#x0364;hret, und daher denen, die &#x017F;ich<lb/>
zu &#x017F;ehr damit belegen, gro&#x017F;&#x017F;en Schaden<lb/>
verur&#x017F;achet. Man darff ihn auch in<lb/>
kein Papier einwickeln, denn weil das<lb/>
Papier, gleich als ein Schwamm voll<lb/>
kleiner Lo&#x0364;chlein i&#x017F;t, &#x017F;o ziehet es die Feuch-<lb/>
tigkeit an &#x017F;ich und netzet den Cry&#x017F;tall,<lb/>
macht al&#x017F;o, daß er nicht kan verkauffet<lb/>
werden. Auch muß man ihn an truck-<lb/>
nen Orten halten, dieweil die Feuchtig-<lb/>
keit und der Staub die&#x017F;er Waare &#x017F;on-<lb/>
derlich zu wider &#x017F;ind. Die gro&#x0364;&#x017F;te Kund-<lb/>
<fw place="bottom" type="sig">C c c 2</fw><fw place="bottom" type="catch">&#x017F;chaft</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0537] Hauptbeſchreibung dritter Theil. dagegen, wenn es nur den Schmutz da- von wegnimmt, und ſie nicht forttrei- bet, ſo iſt es ſchwach und mit dem phleg- ma vermiſchet. Es wird auch noch ein ander Waſſer mit Scheidewaſſer von Kupferabgaͤn- gen bereitet, ſo eine blaue Farbe hat, und von den Schmieden gebrauchet wird, wiewohl ſie ſich auch deſſen, wel- ches die Silberarbeiter zurichten, bedie- nen, oder aber, damit ſie es noch eher bereiten moͤgen, ſo kauffen ſie das phleg- ma vom Vitriol oder Vitriolſpiritus, mit Scheidewaſſer gemacht, dem ſie den Namen Eau ſeconde, das andere Waſſer gegeben. Eau ſeconde. Es darff niemand beſorgen, daß man andere Spiritus an ſtatt des Scheide- waſſers verkauffe, denn es ſind keine wohlfeilere zu haben, und derowegen kan einer verſichert ſeyn, daß es gut ſey, und wie ſichs gehoͤret, wenn es nur auch recht diſtilliret iſt. Das neun und dreyßigſte Capitel. Cryſtallus mineralis. DJe mineraliſchen Cryſtallen/ welche von etlichen Sal anodynum oder minerale, Sal und lapis Prunellæ ge- nennet werden, ſind gelaͤuterter Salpe- ter, welcher in einem feinen reinen eiſer- nen Hafen oder Keſſel iſt geſchmoltzen worden. Wenn er denn im Fluß ſte- het, ſo ſchuͤttet man ein wenig Schwe- felblumen drauf, und wenn die Mate- rie wohl gefloſſen, und der Schwefel ab- gebrannt, es auch noch einige Zeit ge- ſtanden hat, ſo ziehet man den Schaum auf die Seite, und nimmt den lautern Salpeter mit einem eiſernen Loͤffel, der gleichfalls fein reine ſeyn ſoll, heraus, und ſchuͤttet ihn in eine eiſerne Pfanne, damit er ſo kleine und wie Kuͤchlein werde, gleichwie wir ihn zu ſehen be- kommen. Wir laſſen den minerali- ſchen Cryſtall aus Holland bringen, der zwar ſehr weiß und gut iſt; weil ſie ihn aber als wie kleine dicke Kuchen uns zuſenden, deshalben vertreiben wir gar wenig, denn er kan allein nach dem Ge- wichte, und an diejenigen, die ihn ge- brauchen, verkauffet werden. Sal prunellæ. Man ſoll den mineraliſchen Cry- ſtall erwehlen, welcher fein weiß, friſch gemacht und klein iſt, bevoraus, wenn man ihn eintzeln oder Pfennigweis ver- kauffen will; wie auch trucken und nicht zerfreſſẽ, ſo wenig als nuꝛ ſeyn kan. Auch ſoll man den, der von gelaͤutertem Sal- peter gemacht iſt, dem, der von ſchlech- ten zubereitet worden, vorziehen, wel- ches man denn an der ſchoͤnen weiſſen Farbe, und wenn er ſich wohl haͤlt, gar leichtlich abnehmen kan. Jrrig aber iſts, wenn man glauben will, was ein neuer Scribente angemercket, daß die Leute, die den mineraliſchen Cryſtall auf den Straſſen zu verkauffen pfle- gen, denſelben mit Alaune verfaͤlſche- ten; denn er irret ſich, welches ich doch mit der ihm gebuͤhrenden Ehrerbie- tung will geſaget haben, oder aber, er iſt uͤbel berichtet worden, ſintemahl es faſt eben ſo unmoͤglich iſt, Alaune in den Salpeter zu bringen (weil ſie alſofort, ſobald ſie nur drein geworffen, zu Schaume wird) ſo wenig als moͤglich iſt, ſie unter den Zucker zu miſchen, ob- ſchon ein und andere berichtet haben, man thue die Alaune unter den Zucker, damit man ihn weiß machen koͤnne. Mehr als zu gewiß aber iſts, daß dieje- nigen, die dieſen Cryſtall fein wohlfeil geben wollen, ſich des ſchlechten oder gemeinen Salpeters dazu bedienen, welchen ſie eben ſo weiß machen, wenn ſie ihn zweymahl ſchmeltzen, ſonderlich, wenn ſie ihr Handwerck recht verſtehen, als ob er von gelaͤutertem Salpeter bereitet worden waͤre. Der Unter- ſchied zwiſchen beyden beſtehet darinne, daß er ſich nicht ſo gut auf behalten laͤßt, welches demjenigen, den man von de- nen Hauſirern kaufft, nur gar zu ofte wiederfaͤhret, und daher denen, die ſich zu ſehr damit belegen, groſſen Schaden verurſachet. Man darff ihn auch in kein Papier einwickeln, denn weil das Papier, gleich als ein Schwamm voll kleiner Loͤchlein iſt, ſo ziehet es die Feuch- tigkeit an ſich und netzet den Cryſtall, macht alſo, daß er nicht kan verkauffet werden. Auch muß man ihn an truck- nen Orten halten, dieweil die Feuchtig- keit und der Staub dieſer Waare ſon- derlich zu wider ſind. Die groͤſte Kund- ſchaft C c c 2

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/537
Zitationshilfe: Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/537>, abgerufen am 05.03.2021.