Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717.

Bild:
<< vorherige Seite

Der Spezereyen und Materialien
[Spaltenumbruch] ne einen gewissen mineralischen schwe-
ren Stein zu verkauffen, der weiß und
fasicht ist, und/ kurtz zu sagen, der Feder-
alaune gantz und gar ähnlich siehet,
auch eben also unverbrennlich ist, wel-
ches dann Anlaß gegeben, daß man ihn
nach dem Griechischen Wort Asbeston,
welches unverbrennlich heißt, und cor-
rupte
auf Frantzösisch Asbestes nennet.
Dieser mineralische Stein wird in
Franckreich, an vielen Orten gefun-
den, vornehmlich aber in der Graf-
schaft Foye in Gasconien/ woselbst es
Steinbrüche giebet, in denen man Stei-
ne von entsetzlicher Grösse findet, daraus
man gar schöne Fäden machen, und aus
diesen Tuch bereiten kan, welches, als
wie das von der Federalaune, im Feuer
weiß wird. Desgleichen werden in
Franckreich/ insonderheit auf dem
Pyrenäischen Gebirge, in dem Cam-
panischen Thale, bey den Mar-
morbrüchen, drey Meilen von Grippe,
über diesen Asbest, auch gewisse Kräu-
ter gefunden, die ohngefehr zwey Fuß
hoch sind, und gantz silberweisse Sten-
gel und Blätter, den Nesselblättern
nicht ungleich, haben, nur daß sie unten-
her weiß sind, oben aber braungrün,
[Spaltenumbruch] und als wie Chagrinleder. Von die-Plinius hat
sich demnach
nicht betre-
gen, wenn er
meldet, daß
es unver-
brennlichen
Flachs gäbe,
ob es gleich
Matthio-
lus
im Capit.
vom Amianth
für eine Fa-
bel halten
will.

sen weissen Stengeln, wenn sie wie der
Hanff, im Wasser geröstet worden, be-
kommt man eine Gattung langer und
breiter Fäden, daraus man gleicher
Gestalt gar schöne Leinwand wircken
könte, welche, eben als wie die Feder-
alaune, dem Feuer widerstehen würde,
doch dürffte sie nicht so weiß werden. Zu
mercken dienet, daß wenn man diesen
Flachs zum Feuer bringt, er zur Stun-
de roth und schwartz werde, sonderlich
aber vom Lichte. Man wird zwar die-
sem meinem Vorbringen keinen Glau-
ben zustellen, iedennoch, da ich dessen
selbst habe, und denen, die mir solches
nicht glauben können, sehen lassen kan,
die Person auch, die ihn an selbigen Or-
ten selbst gesammlet, annoch beym Le-
ben und ein glaubwürdiger Mann ist,
als habe für gut befunden, männiglich
kund zu machen, daß die Federalaune
und der Asbest nicht alleine im Feuer
bestehen mögen.

Dieses unverbrennliche Gewächse
könte ebenfalls Asbeston genennet wer-
den, und die Fäden unverbrennlicher
Flachs,
dieweil sie lang, breit und linde
sind, als wie der Flachs.

[Ende Spaltensatz]
Das sieben und viertzigste Capitel.
Von der Römischen Alaune.
[Beginn Spaltensatz]

DJe Römische Alaune, welche
auch die Alaune von Civitaveo-
chia
genennet wird, weil der meiste
Theil derselben um diese Stadt gema-
chet wird, ist eine Gattung Alaune, als
wie mittelmäßige Steine, die aussenher
röthlicht, inwendig klar und durchsich-
tig sind, von sauern unangenehmen Ge-
schmack. Diese Alaune ist röthlicht,
weil auch die Minera oder der Stein,
daraus sie gemachet wird, röthlicht ist.

Man soll die Römische Alaune er-
wehlen, die es auch in der That ist, und
aus- und inwendig röthlicht siehet, denn
sie auch wohl die Englische oder Lütti-
gische Alaune mit Braunroth anrö-
[Spaltenumbruch] then. Dieselbe Betrügerey aber kan
man gar bald erkennen, denn wenn sie
nicht inwendig wie auswendig, roth ist,
so ist diß bereits ein Zeichen, daß sie
nachgemacht. Es soll auch, soviel nur
möglich, kein klein Zeug drunter seyn,
welches iedoch niemand, als denenjeni-
gen hinderlich ist, die sie eintzeln verkauf-
fen: denn sonst liegt nichts dran, wenn
sie nur im übrigen fein sauber und rein
ist.

Die Färber und Gerber brauchen
die Römische Alaune häuffig, wie nicht
weniger, die die Perlen nachmachen,
allein dazu muß sie recht sehr vollkom-
men seyn.

[Ende Spaltensatz]
Das acht und viertzigste Capitel.
Von der Englischen Alaune.
[Beginn Spaltensatz]

DJe Englische Alaune/ welche die
Alten Alumen Rochae, Alumen al-
bum
und glaciale genennet, ist eine klare
[Spaltenumbruch] durchsichtige Alaune, als wie Crystall,
die übersendet man uns aus England,
wie Steine, in unterschiedener Gestalt

und

Der Spezereyen und Materialien
[Spaltenumbruch] ne einen gewiſſen mineraliſchen ſchwe-
ren Stein zu verkauffen, der weiß und
faſicht iſt, und/ kurtz zu ſagen, der Feder-
alaune gantz und gar aͤhnlich ſiehet,
auch eben alſo unverbrennlich iſt, wel-
ches dann Anlaß gegeben, daß man ihn
nach dem Griechiſchen Wort Asbeſton,
welches unverbrennlich heißt, und cor-
rupté
auf Frantzoͤſiſch Asbeſtes nennet.
Dieſer mineraliſche Stein wird in
Franckreich, an vielen Orten gefun-
den, vornehmlich aber in der Graf-
ſchaft Foye in Gaſconien/ woſelbſt es
Steinbruͤche giebet, in denen man Stei-
ne von entſetzlicher Groͤſſe findet, daraus
man gar ſchoͤne Faͤden machen, und aus
dieſen Tuch bereiten kan, welches, als
wie das von der Federalaune, im Feuer
weiß wird. Desgleichen werden in
Franckreich/ inſonderheit auf dem
Pyrenaͤiſchen Gebirge, in dem Cam-
paniſchen Thale, bey den Mar-
morbruͤchen, drey Meilen von Grippe,
uͤber dieſen Asbeſt, auch gewiſſe Kraͤu-
ter gefunden, die ohngefehr zwey Fuß
hoch ſind, und gantz ſilberweiſſe Sten-
gel und Blaͤtter, den Neſſelblaͤttern
nicht ungleich, haben, nur daß ſie unten-
her weiß ſind, oben aber braungruͤn,
[Spaltenumbruch] und als wie Chagrinleder. Von die-Plinius hat
ſich demnach
nicht betre-
gen, wenn er
meldet, daß
es unver-
brennlichen
Flachs gaͤbe,
ob es gleich
Matthio-
lus
im Capit.
vom Amianth
fuͤr eine Fa-
bel halten
will.

ſen weiſſen Stengeln, wenn ſie wie der
Hanff, im Waſſer geroͤſtet worden, be-
kommt man eine Gattung langer und
breiter Faͤden, daraus man gleicher
Geſtalt gar ſchoͤne Leinwand wircken
koͤnte, welche, eben als wie die Feder-
alaune, dem Feuer widerſtehen wuͤrde,
doch duͤrffte ſie nicht ſo weiß werden. Zu
mercken dienet, daß wenn man dieſen
Flachs zum Feuer bringt, er zur Stun-
de roth und ſchwartz werde, ſonderlich
aber vom Lichte. Man wird zwar die-
ſem meinem Vorbringen keinen Glau-
ben zuſtellen, iedennoch, da ich deſſen
ſelbſt habe, und denen, die mir ſolches
nicht glauben koͤnnen, ſehen laſſen kan,
die Perſon auch, die ihn an ſelbigen Or-
ten ſelbſt geſammlet, annoch beym Le-
ben und ein glaubwuͤrdiger Mann iſt,
als habe fuͤr gut befunden, maͤnniglich
kund zu machen, daß die Federalaune
und der Asbeſt nicht alleine im Feuer
beſtehen moͤgen.

Dieſes unverbrennliche Gewaͤchſe
koͤnte ebenfalls Asbeſton genennet wer-
den, und die Faͤden unverbrennlicher
Flachs,
dieweil ſie lang, breit und linde
ſind, als wie der Flachs.

[Ende Spaltensatz]
Das ſieben und viertzigſte Capitel.
Von der Roͤmiſchen Alaune.
[Beginn Spaltensatz]

DJe Roͤmiſche Alaune, welche
auch die Alaune von Civitaveo-
chia
genennet wird, weil der meiſte
Theil derſelben um dieſe Stadt gema-
chet wird, iſt eine Gattung Alaune, als
wie mittelmaͤßige Steine, die auſſenher
roͤthlicht, inwendig klar und durchſich-
tig ſind, von ſauern unangenehmen Ge-
ſchmack. Dieſe Alaune iſt roͤthlicht,
weil auch die Minera oder der Stein,
daraus ſie gemachet wird, roͤthlicht iſt.

Man ſoll die Roͤmiſche Alaune er-
wehlen, die es auch in der That iſt, und
aus- und inwendig roͤthlicht ſiehet, denn
ſie auch wohl die Engliſche oder Luͤtti-
giſche Alaune mit Braunroth anroͤ-
[Spaltenumbruch] then. Dieſelbe Betruͤgerey aber kan
man gar bald erkennen, denn wenn ſie
nicht inwendig wie auswendig, roth iſt,
ſo iſt diß bereits ein Zeichen, daß ſie
nachgemacht. Es ſoll auch, ſoviel nur
moͤglich, kein klein Zeug drunter ſeyn,
welches iedoch niemand, als denenjeni-
gen hinderlich iſt, die ſie eintzeln verkauf-
fen: denn ſonſt liegt nichts dran, wenn
ſie nur im uͤbrigen fein ſauber und rein
iſt.

Die Faͤrber und Gerber brauchen
die Roͤmiſche Alaune haͤuffig, wie nicht
weniger, die die Perlen nachmachen,
allein dazu muß ſie recht ſehr vollkom-
men ſeyn.

[Ende Spaltensatz]
Das acht und viertzigſte Capitel.
Von der Engliſchen Alaune.
[Beginn Spaltensatz]

DJe Engliſche Alaune/ welche die
Alten Alumen Rochæ, Alumen al-
bum
und glaciale genennet, iſt eine klare
[Spaltenumbruch] durchſichtige Alaune, als wie Cryſtall,
die uͤberſendet man uns aus England,
wie Steine, in unterſchiedener Geſtalt

und
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="1">
          <div n="2">
            <div n="3">
              <p><pb facs="#f0542"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Der Spezereyen und Materialien</hi></fw><lb/><cb n="781"/>
ne einen gewi&#x017F;&#x017F;en minerali&#x017F;chen &#x017F;chwe-<lb/>
ren Stein zu verkauffen, der weiß und<lb/>
fa&#x017F;icht i&#x017F;t, und/ kurtz zu &#x017F;agen, der Feder-<lb/>
alaune gantz und gar a&#x0364;hnlich &#x017F;iehet,<lb/>
auch eben al&#x017F;o unverbrennlich i&#x017F;t, wel-<lb/>
ches dann Anlaß gegeben, daß man ihn<lb/>
nach dem Griechi&#x017F;chen Wort <hi rendition="#aq">Asbe&#x017F;ton,</hi><lb/>
welches unverbrennlich heißt, und <hi rendition="#aq">cor-<lb/>
rupté</hi> auf Frantzo&#x0364;&#x017F;i&#x017F;ch <hi rendition="#aq"><hi rendition="#i">Asbe&#x017F;tes</hi></hi> nennet.<lb/>
Die&#x017F;er minerali&#x017F;che Stein wird in<lb/><hi rendition="#fr">Franckreich,</hi> an vielen Orten gefun-<lb/>
den, vornehmlich aber in der Graf-<lb/>
&#x017F;chaft <hi rendition="#fr">Foye</hi> in <hi rendition="#fr">Ga&#x017F;conien/</hi> wo&#x017F;elb&#x017F;t es<lb/>
Steinbru&#x0364;che giebet, in denen man Stei-<lb/>
ne von ent&#x017F;etzlicher Gro&#x0364;&#x017F;&#x017F;e findet, daraus<lb/>
man gar &#x017F;cho&#x0364;ne Fa&#x0364;den machen, und aus<lb/>
die&#x017F;en Tuch bereiten kan, welches, als<lb/>
wie das von der Federalaune, im Feuer<lb/>
weiß wird. Desgleichen werden in<lb/><hi rendition="#fr">Franckreich/</hi> in&#x017F;onderheit auf dem<lb/><hi rendition="#fr">Pyrena&#x0364;i&#x017F;chen Gebirge,</hi> in dem Cam-<lb/>
pani&#x017F;chen Thale, bey den Mar-<lb/>
morbru&#x0364;chen, drey Meilen von <hi rendition="#fr">Grippe,</hi><lb/>
u&#x0364;ber die&#x017F;en Asbe&#x017F;t, auch gewi&#x017F;&#x017F;e Kra&#x0364;u-<lb/>
ter gefunden, die ohngefehr zwey Fuß<lb/>
hoch &#x017F;ind, und gantz &#x017F;ilberwei&#x017F;&#x017F;e Sten-<lb/>
gel und Bla&#x0364;tter, den Ne&#x017F;&#x017F;elbla&#x0364;ttern<lb/>
nicht ungleich, haben, nur daß &#x017F;ie unten-<lb/>
her weiß &#x017F;ind, oben aber braungru&#x0364;n,<lb/><cb n="782"/>
und als wie Chagrinleder. Von die-<note place="right"><hi rendition="#fr">Plinius</hi> hat<lb/>
&#x017F;ich demnach<lb/>
nicht betre-<lb/>
gen, wenn er<lb/>
meldet, daß<lb/>
es unver-<lb/>
brennlichen<lb/>
Flachs ga&#x0364;be,<lb/>
ob es gleich<lb/><hi rendition="#fr">Matthio-<lb/>
lus</hi> im Capit.<lb/>
vom Amianth<lb/>
fu&#x0364;r eine Fa-<lb/>
bel halten<lb/>
will.</note><lb/>
&#x017F;en wei&#x017F;&#x017F;en Stengeln, wenn &#x017F;ie wie der<lb/>
Hanff, im Wa&#x017F;&#x017F;er gero&#x0364;&#x017F;tet worden, be-<lb/>
kommt man eine Gattung langer und<lb/>
breiter Fa&#x0364;den, daraus man gleicher<lb/>
Ge&#x017F;talt gar &#x017F;cho&#x0364;ne Leinwand wircken<lb/>
ko&#x0364;nte, welche, eben als wie die Feder-<lb/>
alaune, dem Feuer wider&#x017F;tehen wu&#x0364;rde,<lb/>
doch du&#x0364;rffte &#x017F;ie nicht &#x017F;o weiß werden. Zu<lb/>
mercken dienet, daß wenn man die&#x017F;en<lb/>
Flachs zum Feuer bringt, er zur Stun-<lb/>
de roth und &#x017F;chwartz werde, &#x017F;onderlich<lb/>
aber vom Lichte. Man wird zwar die-<lb/>
&#x017F;em meinem Vorbringen keinen Glau-<lb/>
ben zu&#x017F;tellen, iedennoch, da ich de&#x017F;&#x017F;en<lb/>
&#x017F;elb&#x017F;t habe, und denen, die mir &#x017F;olches<lb/>
nicht glauben ko&#x0364;nnen, &#x017F;ehen la&#x017F;&#x017F;en kan,<lb/>
die Per&#x017F;on auch, die ihn an &#x017F;elbigen Or-<lb/>
ten &#x017F;elb&#x017F;t ge&#x017F;ammlet, annoch beym Le-<lb/>
ben und ein glaubwu&#x0364;rdiger Mann i&#x017F;t,<lb/>
als habe fu&#x0364;r gut befunden, ma&#x0364;nniglich<lb/>
kund zu machen, daß die Federalaune<lb/>
und der Asbe&#x017F;t nicht alleine im Feuer<lb/>
be&#x017F;tehen mo&#x0364;gen.</p><lb/>
              <p>Die&#x017F;es unverbrennliche Gewa&#x0364;ch&#x017F;e<lb/>
ko&#x0364;nte ebenfalls <hi rendition="#aq">Asbe&#x017F;ton</hi> genennet wer-<lb/>
den, und die Fa&#x0364;den <hi rendition="#fr">unverbrennlicher<lb/>
Flachs,</hi> dieweil &#x017F;ie lang, breit und linde<lb/>
&#x017F;ind, als wie der Flachs.</p>
              <cb type="end"/>
            </div><lb/>
            <div n="3">
              <head> <hi rendition="#b">Das &#x017F;ieben und viertzig&#x017F;te Capitel.<lb/>
Von der Ro&#x0364;mi&#x017F;chen Alaune.</hi> </head><lb/>
              <cb type="start"/>
              <p><hi rendition="#in">D</hi>Je <hi rendition="#fr">Ro&#x0364;mi&#x017F;che Alaune,</hi> welche<lb/>
auch die <hi rendition="#fr">Alaune von Civitaveo-<lb/>
chia</hi> genennet wird, weil der mei&#x017F;te<lb/>
Theil der&#x017F;elben um die&#x017F;e Stadt gema-<lb/>
chet wird, i&#x017F;t eine Gattung Alaune, als<lb/>
wie mittelma&#x0364;ßige Steine, die au&#x017F;&#x017F;enher<lb/>
ro&#x0364;thlicht, inwendig klar und durch&#x017F;ich-<lb/>
tig &#x017F;ind, von &#x017F;auern unangenehmen Ge-<lb/>
&#x017F;chmack. Die&#x017F;e Alaune i&#x017F;t ro&#x0364;thlicht,<lb/>
weil auch die Minera oder der Stein,<lb/>
daraus &#x017F;ie gemachet wird, ro&#x0364;thlicht i&#x017F;t.</p><lb/>
              <p>Man &#x017F;oll die <hi rendition="#fr">Ro&#x0364;mi&#x017F;che Alaune</hi> er-<lb/>
wehlen, die es auch in der That i&#x017F;t, und<lb/>
aus- und inwendig ro&#x0364;thlicht &#x017F;iehet, denn<lb/>
&#x017F;ie auch wohl die Engli&#x017F;che oder Lu&#x0364;tti-<lb/>
gi&#x017F;che Alaune mit Braunroth anro&#x0364;-<lb/><cb/>
then. Die&#x017F;elbe Betru&#x0364;gerey aber kan<lb/>
man gar bald erkennen, denn wenn &#x017F;ie<lb/>
nicht inwendig wie auswendig, roth i&#x017F;t,<lb/>
&#x017F;o i&#x017F;t diß bereits ein Zeichen, daß &#x017F;ie<lb/>
nachgemacht. Es &#x017F;oll auch, &#x017F;oviel nur<lb/>
mo&#x0364;glich, kein klein Zeug drunter &#x017F;eyn,<lb/>
welches iedoch niemand, als denenjeni-<lb/>
gen hinderlich i&#x017F;t, die &#x017F;ie eintzeln verkauf-<lb/>
fen: denn &#x017F;on&#x017F;t liegt nichts dran, wenn<lb/>
&#x017F;ie nur im u&#x0364;brigen fein &#x017F;auber und rein<lb/>
i&#x017F;t.</p><lb/>
              <p>Die Fa&#x0364;rber und Gerber brauchen<lb/>
die Ro&#x0364;mi&#x017F;che Alaune ha&#x0364;uffig, wie nicht<lb/>
weniger, die die Perlen nachmachen,<lb/>
allein dazu muß &#x017F;ie recht &#x017F;ehr vollkom-<lb/>
men &#x017F;eyn.</p>
              <cb type="end"/>
            </div><lb/>
            <div n="3">
              <head> <hi rendition="#b">Das acht und viertzig&#x017F;te Capitel.<lb/>
Von der Engli&#x017F;chen Alaune.</hi> </head><lb/>
              <cb type="start"/>
              <p><hi rendition="#in">D</hi>Je <hi rendition="#fr">Engli&#x017F;che Alaune/</hi> welche die<lb/>
Alten <hi rendition="#aq">Alumen Rochæ, Alumen al-<lb/>
bum</hi> und <hi rendition="#aq">glaciale</hi> genennet, i&#x017F;t eine klare<lb/><cb/>
durch&#x017F;ichtige Alaune, als wie Cry&#x017F;tall,<lb/>
die u&#x0364;ber&#x017F;endet man uns aus <hi rendition="#fr">England,</hi><lb/>
wie Steine, in unter&#x017F;chiedener Ge&#x017F;talt<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">und</fw><lb/></p>
            </div>
          </div>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[0542] Der Spezereyen und Materialien ne einen gewiſſen mineraliſchen ſchwe- ren Stein zu verkauffen, der weiß und faſicht iſt, und/ kurtz zu ſagen, der Feder- alaune gantz und gar aͤhnlich ſiehet, auch eben alſo unverbrennlich iſt, wel- ches dann Anlaß gegeben, daß man ihn nach dem Griechiſchen Wort Asbeſton, welches unverbrennlich heißt, und cor- rupté auf Frantzoͤſiſch Asbeſtes nennet. Dieſer mineraliſche Stein wird in Franckreich, an vielen Orten gefun- den, vornehmlich aber in der Graf- ſchaft Foye in Gaſconien/ woſelbſt es Steinbruͤche giebet, in denen man Stei- ne von entſetzlicher Groͤſſe findet, daraus man gar ſchoͤne Faͤden machen, und aus dieſen Tuch bereiten kan, welches, als wie das von der Federalaune, im Feuer weiß wird. Desgleichen werden in Franckreich/ inſonderheit auf dem Pyrenaͤiſchen Gebirge, in dem Cam- paniſchen Thale, bey den Mar- morbruͤchen, drey Meilen von Grippe, uͤber dieſen Asbeſt, auch gewiſſe Kraͤu- ter gefunden, die ohngefehr zwey Fuß hoch ſind, und gantz ſilberweiſſe Sten- gel und Blaͤtter, den Neſſelblaͤttern nicht ungleich, haben, nur daß ſie unten- her weiß ſind, oben aber braungruͤn, und als wie Chagrinleder. Von die- ſen weiſſen Stengeln, wenn ſie wie der Hanff, im Waſſer geroͤſtet worden, be- kommt man eine Gattung langer und breiter Faͤden, daraus man gleicher Geſtalt gar ſchoͤne Leinwand wircken koͤnte, welche, eben als wie die Feder- alaune, dem Feuer widerſtehen wuͤrde, doch duͤrffte ſie nicht ſo weiß werden. Zu mercken dienet, daß wenn man dieſen Flachs zum Feuer bringt, er zur Stun- de roth und ſchwartz werde, ſonderlich aber vom Lichte. Man wird zwar die- ſem meinem Vorbringen keinen Glau- ben zuſtellen, iedennoch, da ich deſſen ſelbſt habe, und denen, die mir ſolches nicht glauben koͤnnen, ſehen laſſen kan, die Perſon auch, die ihn an ſelbigen Or- ten ſelbſt geſammlet, annoch beym Le- ben und ein glaubwuͤrdiger Mann iſt, als habe fuͤr gut befunden, maͤnniglich kund zu machen, daß die Federalaune und der Asbeſt nicht alleine im Feuer beſtehen moͤgen. Plinius hat ſich demnach nicht betre- gen, wenn er meldet, daß es unver- brennlichen Flachs gaͤbe, ob es gleich Matthio- lus im Capit. vom Amianth fuͤr eine Fa- bel halten will. Dieſes unverbrennliche Gewaͤchſe koͤnte ebenfalls Asbeſton genennet wer- den, und die Faͤden unverbrennlicher Flachs, dieweil ſie lang, breit und linde ſind, als wie der Flachs. Das ſieben und viertzigſte Capitel. Von der Roͤmiſchen Alaune. DJe Roͤmiſche Alaune, welche auch die Alaune von Civitaveo- chia genennet wird, weil der meiſte Theil derſelben um dieſe Stadt gema- chet wird, iſt eine Gattung Alaune, als wie mittelmaͤßige Steine, die auſſenher roͤthlicht, inwendig klar und durchſich- tig ſind, von ſauern unangenehmen Ge- ſchmack. Dieſe Alaune iſt roͤthlicht, weil auch die Minera oder der Stein, daraus ſie gemachet wird, roͤthlicht iſt. Man ſoll die Roͤmiſche Alaune er- wehlen, die es auch in der That iſt, und aus- und inwendig roͤthlicht ſiehet, denn ſie auch wohl die Engliſche oder Luͤtti- giſche Alaune mit Braunroth anroͤ- then. Dieſelbe Betruͤgerey aber kan man gar bald erkennen, denn wenn ſie nicht inwendig wie auswendig, roth iſt, ſo iſt diß bereits ein Zeichen, daß ſie nachgemacht. Es ſoll auch, ſoviel nur moͤglich, kein klein Zeug drunter ſeyn, welches iedoch niemand, als denenjeni- gen hinderlich iſt, die ſie eintzeln verkauf- fen: denn ſonſt liegt nichts dran, wenn ſie nur im uͤbrigen fein ſauber und rein iſt. Die Faͤrber und Gerber brauchen die Roͤmiſche Alaune haͤuffig, wie nicht weniger, die die Perlen nachmachen, allein dazu muß ſie recht ſehr vollkom- men ſeyn. Das acht und viertzigſte Capitel. Von der Engliſchen Alaune. DJe Engliſche Alaune/ welche die Alten Alumen Rochæ, Alumen al- bum und glaciale genennet, iſt eine klare durchſichtige Alaune, als wie Cryſtall, die uͤberſendet man uns aus England, wie Steine, in unterſchiedener Geſtalt und

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/542
Zitationshilfe: Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/542>, abgerufen am 03.03.2021.