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Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717.

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über ein und andere Gewächse, Thiere etc.
[Spaltenumbruch] es der Schaum von Meerkälbern sey:
und noch andere geben mit Serapione
vor, es sey ein Balsam, der in gewissen
Felsen und Klippen erzielet würde, und
von da herab in die See fiele. Einige
aber versichern mit Ferdinando Lopez,
daß es zusammen gesammleter Mist sey
von etlichen Vögeln, welche lauter
wohlriechende Kräuter zu fressen pfleg-
ten, die in den Maldivischen Jnseln
wüchsen: und endlich wollen ein und
andere haben, es sey eine Fettigkeit der
Erde, die rinne aus gewissen Adern in
die See, und werde unvermerckter
Weise hart.

Allein diese Meinungen insgesamt
sind auf gar schlechte Muthmassungen
gegründet, dadurch aber solche Dinge
mit einander verwirret werden, welche
eine gantz unterschiedene Natur und
unterschiedene Beschaffenheiten haben.
Dann ob schon alle Arten Amber sich in
der See befinden, und von dessen Flut
und Wellen in die Flüsse getrieben wer-
den dürfften, so erkennen iedoch Künst-
ler mehr als zu bald, wann sie dieselben
unter ihre Hände nehmen, daß ihre
Materie durchaus nicht die angegebene
sey, und die Medici gebrauchen sie in
solchen Fällen, daraus gantz leichtlich
zu urtheilen, daß sie aus gantz unter-
schiedenen Dingen bestehen müssen.

Auf daß nun nichts nicht unter ein-
ander geworffen werde, so muß man
die zwey Sorten Ambra, den grauen
nämlich, und den weissen, wohl von ein-
ander unterscheiden. Der erstere fin-
det sich an unterschiedlichen Orten in
dem grossen Weltmeere, z. E. an den
Küsten von Moscau und Rußland,
hauptsächlich aber in den Flüssen des
Jndianischen Meeres. Dieser graue
Ambra ist dunckel, von lieblich und süß-
lichten Geruch, und zerschmiltzet leicht-
lich auch von geringer Wärme: er hat,
ohne einige sonderliche Zurichtung, so
wie er aus der See genommen, so herr-
liche Kraft und Wirckung, daß er das
Hertze stärcket, desgleichen Kopf und
Magen, nicht weniger die Lebensgei-
ster erfrischet, und selbst den Samen
kräftiger und fruchtbar macht.

Keine bessere und vernünftigere Mei-
nung finde ich nicht, als diejenige, welche
gewiß bestätiget, der Ambergris sey
[Spaltenumbruch] nichts anders, als ein zusammengesetz-
tes Wesen aus Wachs und Honig, so
von den Bienen auf den Bäumen zu-
sammen getragen wird, deren die Mos-
cowitischen Küsten voll sind, oder aber
in den Felslöchern am Ufer des indiani-
schen Meers, und diese Materie werde
von der Sonne gekocht, nicht aber völlig
ausgearbeitet, und sodann entweder
durch starcke Winde, oder vom hohen
Wasser, oder wegen eigenen starcken
Gewichtes abgelöset, und falle in das
Meer, allwo sie endlich ihre gäntzliche
Vollkommenheit erhalte, zum Theil
durch die Wellen des Meers, zum Theil
durch den darinne befindlichen Saltzspi-
ritum. Und die Erfahrung giebets,
wann man Wachs und den besten Ho-
nig nimmt, stellet sie zusammen eine
Zeitlang in digestionem und beständige
gelinde Wärme, daß man daraus ein
Elixir und Essentz bereiten und ziehen
könne, die nicht alleine einen trefflich an-
genehmen Geruch, sondern auch solche
Kraft und Tugend haben, welche der
Kraft und Wirckung des Ambergris
bey nahe gantz gleich kommen. Jch
zweiffle auch gar nicht, daß dergleichen
Elixir weit köstlicher werden solte, könte
man des Jndianischen Honigs darzu
habhaftig werden, oder doch des Mos-
cowitischen, dieweil die Bienen allda
viel bessere, wohlriechendere und aroma-
tische Blumen finden.

So sind überdiß iezuweilen gar grosse
Stücken Ambergris gefunden worden,
die noch nicht ihre gäntzliche Vollkom-
menheit erhalten hatten: dann, wann
man sie zerbrochen, hat man noch mit-
ten drinne Honigwaben, Wachs und
Honig, angetroffen.

Und endlich wann der Ambragris
mit spiritu vini tartarisato aufgelöset wird,
so hinterbleibet allezeit eine dicke, dem
Honig gleichende Materie.

[Ende Spaltensatz]
Vom schwartz und weissen Peruvi-
anischen Balsam.

Die drey Sorten des Balsams aus
Peru will ich allhier nicht wiederum an-
führen, als davon in meinem Buche
p. 411. seqq. weitläuftig genug ist abgehan-
delt worden, da mag man nachsehen.
Jedennoch will ich noch erinnern, wie
daß von allen dreyen schier keiner nicht so

sehr
H h h 3

uͤber ein und andere Gewaͤchſe, Thiere ꝛc.
[Spaltenumbruch] es der Schaum von Meerkaͤlbern ſey:
und noch andere geben mit Serapione
vor, es ſey ein Balſam, der in gewiſſen
Felſen und Klippen erzielet wuͤrde, und
von da herab in die See fiele. Einige
aber verſichern mit Ferdinando Lopez,
daß es zuſammen geſammleter Miſt ſey
von etlichen Voͤgeln, welche lauter
wohlriechende Kraͤuter zu freſſen pfleg-
ten, die in den Maldiviſchen Jnſeln
wuͤchſen: und endlich wollen ein und
andere haben, es ſey eine Fettigkeit der
Erde, die rinne aus gewiſſen Adern in
die See, und werde unvermerckter
Weiſe hart.

Allein dieſe Meinungen insgeſamt
ſind auf gar ſchlechte Muthmaſſungen
gegruͤndet, dadurch aber ſolche Dinge
mit einander verwirret werden, welche
eine gantz unterſchiedene Natur und
unterſchiedene Beſchaffenheiten haben.
Dann ob ſchon alle Arten Amber ſich in
der See befinden, und von deſſen Flut
und Wellen in die Fluͤſſe getrieben wer-
den duͤrfften, ſo erkennen iedoch Kuͤnſt-
ler mehr als zu bald, wann ſie dieſelben
unter ihre Haͤnde nehmen, daß ihre
Materie durchaus nicht die angegebene
ſey, und die Medici gebrauchen ſie in
ſolchen Faͤllen, daraus gantz leichtlich
zu urtheilen, daß ſie aus gantz unter-
ſchiedenen Dingen beſtehen muͤſſen.

Auf daß nun nichts nicht unter ein-
ander geworffen werde, ſo muß man
die zwey Sorten Ambra, den grauen
naͤmlich, und den weiſſen, wohl von ein-
ander unterſcheiden. Der erſtere fin-
det ſich an unterſchiedlichen Orten in
dem groſſen Weltmeere, z. E. an den
Kuͤſten von Moſcau und Rußland,
hauptſaͤchlich aber in den Fluͤſſen des
Jndianiſchen Meeres. Dieſer graue
Ambra iſt dunckel, von lieblich und ſuͤß-
lichten Geruch, und zerſchmiltzet leicht-
lich auch von geringer Waͤrme: er hat,
ohne einige ſonderliche Zurichtung, ſo
wie er aus der See genommen, ſo herr-
liche Kraft und Wirckung, daß er das
Hertze ſtaͤrcket, desgleichen Kopf und
Magen, nicht weniger die Lebensgei-
ſter erfriſchet, und ſelbſt den Samen
kraͤftiger und fruchtbar macht.

Keine beſſere und vernuͤnftigere Mei-
nung finde ich nicht, als diejenige, welche
gewiß beſtaͤtiget, der Ambergris ſey
[Spaltenumbruch] nichts anders, als ein zuſammengeſetz-
tes Weſen aus Wachs und Honig, ſo
von den Bienen auf den Baͤumen zu-
ſammen getragen wird, deren die Moſ-
cowitiſchen Kuͤſten voll ſind, oder aber
in den Felsloͤchern am Ufer des indiani-
ſchen Meers, und dieſe Materie werde
von der Sonne gekocht, nicht aber voͤllig
ausgearbeitet, und ſodann entweder
durch ſtarcke Winde, oder vom hohen
Waſſer, oder wegen eigenen ſtarcken
Gewichtes abgeloͤſet, und falle in das
Meer, allwo ſie endlich ihre gaͤntzliche
Vollkommenheit erhalte, zum Theil
durch die Wellen des Meers, zum Theil
durch den darinne befindlichen Saltzſpi-
ritum. Und die Erfahrung giebets,
wann man Wachs und den beſten Ho-
nig nimmt, ſtellet ſie zuſammen eine
Zeitlang in digeſtionem und beſtaͤndige
gelinde Waͤrme, daß man daraus ein
Elixir und Eſſentz bereiten und ziehen
koͤnne, die nicht alleine einen trefflich an-
genehmen Geruch, ſondern auch ſolche
Kraft und Tugend haben, welche der
Kraft und Wirckung des Ambergris
bey nahe gantz gleich kommen. Jch
zweiffle auch gar nicht, daß dergleichen
Elixir weit koͤſtlicher werden ſolte, koͤnte
man des Jndianiſchen Honigs darzu
habhaftig werden, oder doch des Moſ-
cowitiſchen, dieweil die Bienen allda
viel beſſere, wohlriechendere und aroma-
tiſche Blumen finden.

So ſind uͤberdiß iezuweilen gar groſſe
Stuͤcken Ambergris gefunden worden,
die noch nicht ihre gaͤntzliche Vollkom-
menheit erhalten hatten: dann, wann
man ſie zerbrochen, hat man noch mit-
ten drinne Honigwaben, Wachs und
Honig, angetroffen.

Und endlich wann der Ambragris
mit ſpiritu vini tartariſato aufgeloͤſet wird,
ſo hinterbleibet allezeit eine dicke, dem
Honig gleichende Materie.

[Ende Spaltensatz]
Vom ſchwartz und weiſſen Peruvi-
aniſchen Balſam.

Die drey Sorten des Balſams aus
Peru will ich allhier nicht wiederum an-
fuͤhren, als davon in meinem Buche
p. 411. ſeqq. weitlaͤuftig genug iſt abgehan-
delt worden, da mag man nachſehen.
Jedennoch will ich noch erinnern, wie
daß von allen dreyen ſchier keiner nicht ſo

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Zitationshilfe: Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/581>, abgerufen am 28.02.2021.