Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717.

Bild:
<< vorherige Seite

Des Autoris Anmerckungen
[Spaltenumbruch] nen Teig daraus, und weiß demselbi-
gen, nach eigenem Gefallen, eine Ge-
stalt zu geben: und er hat auf solche
Art eine unzeitige Geburt mitten in ei-
nen Klumpen Agtstein eingeschlossen,
welcher auch seit vielen Jahren her zu
Utrecht verwahrt und aufbehalten
wird. Diese Weise tode Cörper gut zu
erhalten, ist wohl die allerschönste, als
bishero mag erfunden worden seyn:
dann, ausser dem, daß sie von aller Fäu-
lung unverletzet bleiben, hat man noch
die Vergnügung alle Züge dran, durch
den dicken Agtstein zu betrachten, die-
weil derselbige hell und durchsichtig ist.

Weil ich mich bey dem Capitel vom
Agtstein aufhalte, wird nicht undien-
lich seyn die Art und Weise den Agtstein
nachzukünsteln, bekannt zu machen:
diese hat mir eine gewisse Person mit-
getheilet, welche ihn gemacht will ha-
ben. Jch für mein Theil habe es nie-
mahls versucht.

[Ende Spaltensatz]
Durchsichtige Agtsteine zu
machen.

Lasset Terpenthin in einem verzinn-
ten Geschirr mit etwas Baumwolle
kochen, und rühret ihn ofte und wohl
um, bis er so dick ist worden, als wie
Brey. Alsdann giesset ihn aus, wor-
ein ihr wollt, und setzet ihn acht Tage
lang in die Sonne, so wird er hart und
durchsichtig werden. Daraus könnt
ihr Paternoster, Messerhefte, und an-
dere dergleichen Dinge mehr, verferti-
gen lassen.

[Ende Spaltensatz]
Auf eine andere Art.

Nehmt sechzehen Eyerdotter, schla-
get sie wohl mit einem Löffel; und neh-
met hernach zwey Untzen Arabisches
Gummi, und eine Untze Kirschhartz,
stosset es zusammen klein zu Pulver,
und mischet es unter die Eyerdotter;
das Gumm und Hartz lasset wohl zer-
gehen, und schüttet es mit einander in
ein verzinnt Geschirr, setzets acht Tage
in die Sonne, so wird es harte werden
und durchsichtig, als wie Glas, und
wann mans reibet, so ziehet es die
Spreu an sich, gleichwie die anderen
Agtsteine.

[Ende Spaltensatz]
Vom Caphe.

Der Caphe ist eine Gattung Boh-
nen, die in Arabien, um Mecha herum,
[Spaltenumbruch] wachsen. Jhre Figur ist ovalrund, und
ihre Dicke als wie die gemeinen Oliven.
Der Vertrieb dererselben ist dermassen
starck in Türckey, daß allein der Zoll,
den der Großtürck drauf geleget hat, sich
auf eine nahmhafte Summa belauffet.
Sie machen einen Tranck davon, des-
sen man sich nunmehro auch in Europa
zu bedienen pfleget, und in Paris wird
derselbige in unterschiedlichen Läden
verkaufft. Die Araber bereiten ihn
auf zweyerley Weise, entweder allein
von dem Korne, oder aber von dem
Korne mit der Schale zugleich. Der
von dem Korne oder Kerne allein gema-
chet wird, ist nicht so kräftig, als wie der
von dem Kern und Schale, dann sie ha-
ben dabey angemerckt, wie daß von die-
sen beyden Säften, einer kühle, der an-
dere erhitze. Sie lassen diese Frucht
überm Feuer rösten, stossen sie hernach
zu Pulver, und lassen es einen Tag lang
mit dem drauf gegossenen heissen Was-
ser stehen. Die Türcken lassen das
Wasser sieden, werffen hernach das Pul-
ver drein, und lassens noch einmahl auf-
sieden, bis daß es nicht mehr bitter
schmeckt, als wie es schmecken würde,
wann es nicht recht ausgesotten hätte.
Die es noch wohlgeschmackter haben
wollen, mischen eine gewisse Menge
Zucker, etwas Zimmt, und ein wenig
Näglein drunter, das macht ihm einen
lieblichern Geschmack und viel nahrhaf-
ter. Jn Türckey wird er eben so starck
gebraucht, als wie bey uns der Wein in
den Weinhäusern: ja die ärmsten Leu-
te trincken ihn zum wenigsten zwey bis
dreymahl des Tages: und das ist eine
solche Sache, die in diesem Lande ein
Mann der Frauen schaffen muß.

Durchgehends stehen sie in den Ge-
dancken, dieses Getränck erwärme und
stärcke den Magen, und es sey ein gar
vortreffliches Mittel die Verstopfungen
in dem Gedärme zu heben, es diene auch
wider die kalten Flüsse, so auf Miltz und
Leber fallen. So hat ingleichen die Er-
fahrung in England, Schweden und
Dännemarck vielfältig erwiesen, daß
der Caphe nicht weniger gut sey wider
die Catarrhen und Flüsse, so die Brust
beschweren, in verhaltener weiblichen
Blume und Urin, für hitziges Geblüte
und bey verlohrnen Kräften, nichts

minder,

Des Autoris Anmerckungen
[Spaltenumbruch] nen Teig daraus, und weiß demſelbi-
gen, nach eigenem Gefallen, eine Ge-
ſtalt zu geben: und er hat auf ſolche
Art eine unzeitige Geburt mitten in ei-
nen Klumpen Agtſtein eingeſchloſſen,
welcher auch ſeit vielen Jahren her zu
Utrecht verwahrt und aufbehalten
wird. Dieſe Weiſe tode Coͤrper gut zu
erhalten, iſt wohl die allerſchoͤnſte, als
bishero mag erfunden worden ſeyn:
dann, auſſer dem, daß ſie von aller Faͤu-
lung unverletzet bleiben, hat man noch
die Vergnuͤgung alle Zuͤge dran, durch
den dicken Agtſtein zu betrachten, die-
weil derſelbige hell und durchſichtig iſt.

Weil ich mich bey dem Capitel vom
Agtſtein aufhalte, wird nicht undien-
lich ſeyn die Art und Weiſe den Agtſtein
nachzukuͤnſteln, bekannt zu machen:
dieſe hat mir eine gewiſſe Perſon mit-
getheilet, welche ihn gemacht will ha-
ben. Jch fuͤr mein Theil habe es nie-
mahls verſucht.

[Ende Spaltensatz]
Durchſichtige Agtſteine zu
machen.

Laſſet Terpenthin in einem verzinn-
ten Geſchirr mit etwas Baumwolle
kochen, und ruͤhret ihn ofte und wohl
um, bis er ſo dick iſt worden, als wie
Brey. Alsdann gieſſet ihn aus, wor-
ein ihr wollt, und ſetzet ihn acht Tage
lang in die Sonne, ſo wird er hart und
durchſichtig werden. Daraus koͤnnt
ihr Paternoſter, Meſſerhefte, und an-
dere dergleichen Dinge mehr, verferti-
gen laſſen.

[Ende Spaltensatz]
Auf eine andere Art.

Nehmt ſechzehen Eyerdotter, ſchla-
get ſie wohl mit einem Loͤffel; und neh-
met hernach zwey Untzen Arabiſches
Gummi, und eine Untze Kirſchhartz,
ſtoſſet es zuſammen klein zu Pulver,
und miſchet es unter die Eyerdotter;
das Gumm und Hartz laſſet wohl zer-
gehen, und ſchuͤttet es mit einander in
ein verzinnt Geſchirr, ſetzets acht Tage
in die Sonne, ſo wird es harte werden
und durchſichtig, als wie Glas, und
wann mans reibet, ſo ziehet es die
Spreu an ſich, gleichwie die anderen
Agtſteine.

[Ende Spaltensatz]
Vom Caphe.

Der Caphe iſt eine Gattung Boh-
nen, die in Arabien, um Mecha herum,
[Spaltenumbruch] wachſen. Jhre Figur iſt ovalrund, und
ihre Dicke als wie die gemeinen Oliven.
Der Vertrieb dererſelben iſt dermaſſen
ſtarck in Tuͤrckey, daß allein der Zoll,
den der Großtuͤrck drauf geleget hat, ſich
auf eine nahmhafte Summa belauffet.
Sie machen einen Tranck davon, deſ-
ſen man ſich nunmehro auch in Europa
zu bedienen pfleget, und in Paris wird
derſelbige in unterſchiedlichen Laͤden
verkaufft. Die Araber bereiten ihn
auf zweyerley Weiſe, entweder allein
von dem Korne, oder aber von dem
Korne mit der Schale zugleich. Der
von dem Korne oder Kerne allein gema-
chet wird, iſt nicht ſo kraͤftig, als wie der
von dem Kern und Schale, dann ſie ha-
ben dabey angemerckt, wie daß von die-
ſen beyden Saͤften, einer kuͤhle, der an-
dere erhitze. Sie laſſen dieſe Frucht
uͤberm Feuer roͤſten, ſtoſſen ſie hernach
zu Pulver, und laſſen es einen Tag lang
mit dem drauf gegoſſenen heiſſen Waſ-
ſer ſtehen. Die Tuͤrcken laſſen das
Waſſer ſieden, werffen hernach das Pul-
ver drein, und laſſens noch einmahl auf-
ſieden, bis daß es nicht mehr bitter
ſchmeckt, als wie es ſchmecken wuͤrde,
wann es nicht recht ausgeſotten haͤtte.
Die es noch wohlgeſchmackter haben
wollen, miſchen eine gewiſſe Menge
Zucker, etwas Zimmt, und ein wenig
Naͤglein drunter, das macht ihm einen
lieblichern Geſchmack und viel nahrhaf-
ter. Jn Tuͤrckey wird er eben ſo ſtarck
gebraucht, als wie bey uns der Wein in
den Weinhaͤuſern: ja die aͤrmſten Leu-
te trincken ihn zum wenigſten zwey bis
dreymahl des Tages: und das iſt eine
ſolche Sache, die in dieſem Lande ein
Mann der Frauen ſchaffen muß.

Durchgehends ſtehen ſie in den Ge-
dancken, dieſes Getraͤnck erwaͤrme und
ſtaͤrcke den Magen, und es ſey ein gar
vortreffliches Mittel die Verſtopfungen
in dem Gedaͤrme zu heben, es diene auch
wider die kalten Fluͤſſe, ſo auf Miltz und
Leber fallen. So hat ingleichen die Er-
fahrung in England, Schweden und
Daͤnnemarck vielfaͤltig erwieſen, daß
der Caphe nicht weniger gut ſey wider
die Catarrhen und Fluͤſſe, ſo die Bruſt
beſchweren, in verhaltener weiblichen
Blume und Urin, fuͤr hitziges Gebluͤte
und bey verlohrnen Kraͤften, nichts

minder,
<TEI>
  <text>
    <back>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0588"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Des <hi rendition="#aq">Autoris</hi> Anmerckungen</hi></fw><lb/><cb n="869"/>
nen Teig daraus, und weiß dem&#x017F;elbi-<lb/>
gen, nach eigenem Gefallen, eine Ge-<lb/>
&#x017F;talt zu geben: und er hat auf &#x017F;olche<lb/>
Art eine unzeitige Geburt mitten in ei-<lb/>
nen Klumpen Agt&#x017F;tein einge&#x017F;chlo&#x017F;&#x017F;en,<lb/>
welcher auch &#x017F;eit vielen Jahren her zu<lb/>
Utrecht verwahrt und aufbehalten<lb/>
wird. Die&#x017F;e Wei&#x017F;e tode Co&#x0364;rper gut zu<lb/>
erhalten, i&#x017F;t wohl die aller&#x017F;cho&#x0364;n&#x017F;te, als<lb/>
bishero mag erfunden worden &#x017F;eyn:<lb/>
dann, au&#x017F;&#x017F;er dem, daß &#x017F;ie von aller Fa&#x0364;u-<lb/>
lung unverletzet bleiben, hat man noch<lb/>
die Vergnu&#x0364;gung alle Zu&#x0364;ge dran, durch<lb/>
den dicken Agt&#x017F;tein zu betrachten, die-<lb/>
weil der&#x017F;elbige hell und durch&#x017F;ichtig i&#x017F;t.</p><lb/>
          <p>Weil ich mich bey dem Capitel vom<lb/>
Agt&#x017F;tein aufhalte, wird nicht undien-<lb/>
lich &#x017F;eyn die Art und Wei&#x017F;e den Agt&#x017F;tein<lb/>
nachzuku&#x0364;n&#x017F;teln, bekannt zu machen:<lb/>
die&#x017F;e hat mir eine gewi&#x017F;&#x017F;e Per&#x017F;on mit-<lb/>
getheilet, welche ihn gemacht will ha-<lb/>
ben. Jch fu&#x0364;r mein Theil habe es nie-<lb/>
mahls ver&#x017F;ucht.</p>
          <cb type="end"/>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#b">Durch&#x017F;ichtige Agt&#x017F;teine zu</hi><lb/>
machen.</head><lb/>
          <p>La&#x017F;&#x017F;et Terpenthin in einem verzinn-<lb/>
ten Ge&#x017F;chirr mit etwas Baumwolle<lb/>
kochen, und ru&#x0364;hret ihn ofte und wohl<lb/>
um, bis er &#x017F;o dick i&#x017F;t worden, als wie<lb/>
Brey. Alsdann gie&#x017F;&#x017F;et ihn aus, wor-<lb/>
ein ihr wollt, und &#x017F;etzet ihn acht Tage<lb/>
lang in die Sonne, &#x017F;o wird er hart und<lb/>
durch&#x017F;ichtig werden. Daraus ko&#x0364;nnt<lb/>
ihr Paterno&#x017F;ter, Me&#x017F;&#x017F;erhefte, und an-<lb/>
dere dergleichen Dinge mehr, verferti-<lb/>
gen la&#x017F;&#x017F;en.</p>
          <cb type="end"/>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Auf eine andere Art.</hi> </head><lb/>
          <p>Nehmt &#x017F;echzehen Eyerdotter, &#x017F;chla-<lb/>
get &#x017F;ie wohl mit einem Lo&#x0364;ffel; und neh-<lb/>
met hernach zwey Untzen Arabi&#x017F;ches<lb/>
Gummi, und eine Untze Kir&#x017F;chhartz,<lb/>
&#x017F;to&#x017F;&#x017F;et es zu&#x017F;ammen klein zu Pulver,<lb/>
und mi&#x017F;chet es unter die Eyerdotter;<lb/>
das Gumm und Hartz la&#x017F;&#x017F;et wohl zer-<lb/>
gehen, und &#x017F;chu&#x0364;ttet es mit einander in<lb/>
ein verzinnt Ge&#x017F;chirr, &#x017F;etzets acht Tage<lb/>
in die Sonne, &#x017F;o wird es harte werden<lb/>
und durch&#x017F;ichtig, als wie Glas, und<lb/>
wann mans reibet, &#x017F;o ziehet es die<lb/>
Spreu an &#x017F;ich, gleichwie die anderen<lb/>
Agt&#x017F;teine.</p>
          <cb type="end"/>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head> <hi rendition="#b">Vom Caphe.</hi> </head><lb/>
          <p>Der Caphe i&#x017F;t eine Gattung Boh-<lb/>
nen, die in Arabien, um Mecha herum,<lb/><cb n="870"/>
wach&#x017F;en. Jhre Figur i&#x017F;t ovalrund, und<lb/>
ihre Dicke als wie die gemeinen Oliven.<lb/>
Der Vertrieb derer&#x017F;elben i&#x017F;t derma&#x017F;&#x017F;en<lb/>
&#x017F;tarck in Tu&#x0364;rckey, daß allein der Zoll,<lb/>
den der Großtu&#x0364;rck drauf geleget hat, &#x017F;ich<lb/>
auf eine nahmhafte Summa belauffet.<lb/>
Sie machen einen Tranck davon, de&#x017F;-<lb/>
&#x017F;en man &#x017F;ich nunmehro auch in Europa<lb/>
zu bedienen pfleget, und in Paris wird<lb/>
der&#x017F;elbige in unter&#x017F;chiedlichen La&#x0364;den<lb/>
verkaufft. Die Araber bereiten ihn<lb/>
auf zweyerley Wei&#x017F;e, entweder allein<lb/>
von dem Korne, oder aber von dem<lb/>
Korne mit der Schale zugleich. Der<lb/>
von dem Korne oder Kerne allein gema-<lb/>
chet wird, i&#x017F;t nicht &#x017F;o kra&#x0364;ftig, als wie der<lb/>
von dem Kern und Schale, dann &#x017F;ie ha-<lb/>
ben dabey angemerckt, wie daß von die-<lb/>
&#x017F;en beyden Sa&#x0364;ften, einer ku&#x0364;hle, der an-<lb/>
dere erhitze. Sie la&#x017F;&#x017F;en die&#x017F;e Frucht<lb/>
u&#x0364;berm Feuer ro&#x0364;&#x017F;ten, &#x017F;to&#x017F;&#x017F;en &#x017F;ie hernach<lb/>
zu Pulver, und la&#x017F;&#x017F;en es einen Tag lang<lb/>
mit dem drauf gego&#x017F;&#x017F;enen hei&#x017F;&#x017F;en Wa&#x017F;-<lb/>
&#x017F;er &#x017F;tehen. Die Tu&#x0364;rcken la&#x017F;&#x017F;en das<lb/>
Wa&#x017F;&#x017F;er &#x017F;ieden, werffen hernach das Pul-<lb/>
ver drein, und la&#x017F;&#x017F;ens noch einmahl auf-<lb/>
&#x017F;ieden, bis daß es nicht mehr bitter<lb/>
&#x017F;chmeckt, als wie es &#x017F;chmecken wu&#x0364;rde,<lb/>
wann es nicht recht ausge&#x017F;otten ha&#x0364;tte.<lb/>
Die es noch wohlge&#x017F;chmackter haben<lb/>
wollen, mi&#x017F;chen eine gewi&#x017F;&#x017F;e Menge<lb/>
Zucker, etwas Zimmt, und ein wenig<lb/>
Na&#x0364;glein drunter, das macht ihm einen<lb/>
lieblichern Ge&#x017F;chmack und viel nahrhaf-<lb/>
ter. Jn Tu&#x0364;rckey wird er eben &#x017F;o &#x017F;tarck<lb/>
gebraucht, als wie bey uns der Wein in<lb/>
den Weinha&#x0364;u&#x017F;ern: ja die a&#x0364;rm&#x017F;ten Leu-<lb/>
te trincken ihn zum wenig&#x017F;ten zwey bis<lb/>
dreymahl des Tages: und das i&#x017F;t eine<lb/>
&#x017F;olche Sache, die in die&#x017F;em Lande ein<lb/>
Mann der Frauen &#x017F;chaffen muß.</p><lb/>
          <p>Durchgehends &#x017F;tehen &#x017F;ie in den Ge-<lb/>
dancken, die&#x017F;es Getra&#x0364;nck erwa&#x0364;rme und<lb/>
&#x017F;ta&#x0364;rcke den Magen, und es &#x017F;ey ein gar<lb/>
vortreffliches Mittel die Ver&#x017F;topfungen<lb/>
in dem Geda&#x0364;rme zu heben, es diene auch<lb/>
wider die kalten Flu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e, &#x017F;o auf Miltz und<lb/>
Leber fallen. So hat ingleichen die Er-<lb/>
fahrung in England, Schweden und<lb/>
Da&#x0364;nnemarck vielfa&#x0364;ltig erwie&#x017F;en, daß<lb/>
der Caphe nicht weniger gut &#x017F;ey wider<lb/>
die Catarrhen und Flu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e, &#x017F;o die Bru&#x017F;t<lb/>
be&#x017F;chweren, in verhaltener weiblichen<lb/>
Blume und Urin, fu&#x0364;r hitziges Geblu&#x0364;te<lb/>
und bey verlohrnen Kra&#x0364;ften, nichts<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">minder,</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </back>
  </text>
</TEI>
[0588] Des Autoris Anmerckungen nen Teig daraus, und weiß demſelbi- gen, nach eigenem Gefallen, eine Ge- ſtalt zu geben: und er hat auf ſolche Art eine unzeitige Geburt mitten in ei- nen Klumpen Agtſtein eingeſchloſſen, welcher auch ſeit vielen Jahren her zu Utrecht verwahrt und aufbehalten wird. Dieſe Weiſe tode Coͤrper gut zu erhalten, iſt wohl die allerſchoͤnſte, als bishero mag erfunden worden ſeyn: dann, auſſer dem, daß ſie von aller Faͤu- lung unverletzet bleiben, hat man noch die Vergnuͤgung alle Zuͤge dran, durch den dicken Agtſtein zu betrachten, die- weil derſelbige hell und durchſichtig iſt. Weil ich mich bey dem Capitel vom Agtſtein aufhalte, wird nicht undien- lich ſeyn die Art und Weiſe den Agtſtein nachzukuͤnſteln, bekannt zu machen: dieſe hat mir eine gewiſſe Perſon mit- getheilet, welche ihn gemacht will ha- ben. Jch fuͤr mein Theil habe es nie- mahls verſucht. Durchſichtige Agtſteine zu machen. Laſſet Terpenthin in einem verzinn- ten Geſchirr mit etwas Baumwolle kochen, und ruͤhret ihn ofte und wohl um, bis er ſo dick iſt worden, als wie Brey. Alsdann gieſſet ihn aus, wor- ein ihr wollt, und ſetzet ihn acht Tage lang in die Sonne, ſo wird er hart und durchſichtig werden. Daraus koͤnnt ihr Paternoſter, Meſſerhefte, und an- dere dergleichen Dinge mehr, verferti- gen laſſen. Auf eine andere Art. Nehmt ſechzehen Eyerdotter, ſchla- get ſie wohl mit einem Loͤffel; und neh- met hernach zwey Untzen Arabiſches Gummi, und eine Untze Kirſchhartz, ſtoſſet es zuſammen klein zu Pulver, und miſchet es unter die Eyerdotter; das Gumm und Hartz laſſet wohl zer- gehen, und ſchuͤttet es mit einander in ein verzinnt Geſchirr, ſetzets acht Tage in die Sonne, ſo wird es harte werden und durchſichtig, als wie Glas, und wann mans reibet, ſo ziehet es die Spreu an ſich, gleichwie die anderen Agtſteine. Vom Caphe. Der Caphe iſt eine Gattung Boh- nen, die in Arabien, um Mecha herum, wachſen. Jhre Figur iſt ovalrund, und ihre Dicke als wie die gemeinen Oliven. Der Vertrieb dererſelben iſt dermaſſen ſtarck in Tuͤrckey, daß allein der Zoll, den der Großtuͤrck drauf geleget hat, ſich auf eine nahmhafte Summa belauffet. Sie machen einen Tranck davon, deſ- ſen man ſich nunmehro auch in Europa zu bedienen pfleget, und in Paris wird derſelbige in unterſchiedlichen Laͤden verkaufft. Die Araber bereiten ihn auf zweyerley Weiſe, entweder allein von dem Korne, oder aber von dem Korne mit der Schale zugleich. Der von dem Korne oder Kerne allein gema- chet wird, iſt nicht ſo kraͤftig, als wie der von dem Kern und Schale, dann ſie ha- ben dabey angemerckt, wie daß von die- ſen beyden Saͤften, einer kuͤhle, der an- dere erhitze. Sie laſſen dieſe Frucht uͤberm Feuer roͤſten, ſtoſſen ſie hernach zu Pulver, und laſſen es einen Tag lang mit dem drauf gegoſſenen heiſſen Waſ- ſer ſtehen. Die Tuͤrcken laſſen das Waſſer ſieden, werffen hernach das Pul- ver drein, und laſſens noch einmahl auf- ſieden, bis daß es nicht mehr bitter ſchmeckt, als wie es ſchmecken wuͤrde, wann es nicht recht ausgeſotten haͤtte. Die es noch wohlgeſchmackter haben wollen, miſchen eine gewiſſe Menge Zucker, etwas Zimmt, und ein wenig Naͤglein drunter, das macht ihm einen lieblichern Geſchmack und viel nahrhaf- ter. Jn Tuͤrckey wird er eben ſo ſtarck gebraucht, als wie bey uns der Wein in den Weinhaͤuſern: ja die aͤrmſten Leu- te trincken ihn zum wenigſten zwey bis dreymahl des Tages: und das iſt eine ſolche Sache, die in dieſem Lande ein Mann der Frauen ſchaffen muß. Durchgehends ſtehen ſie in den Ge- dancken, dieſes Getraͤnck erwaͤrme und ſtaͤrcke den Magen, und es ſey ein gar vortreffliches Mittel die Verſtopfungen in dem Gedaͤrme zu heben, es diene auch wider die kalten Fluͤſſe, ſo auf Miltz und Leber fallen. So hat ingleichen die Er- fahrung in England, Schweden und Daͤnnemarck vielfaͤltig erwieſen, daß der Caphe nicht weniger gut ſey wider die Catarrhen und Fluͤſſe, ſo die Bruſt beſchweren, in verhaltener weiblichen Blume und Urin, fuͤr hitziges Gebluͤte und bey verlohrnen Kraͤften, nichts minder,

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/588
Zitationshilfe: Pomet, Peter: Der aufrichtige Materialist und Specerey-Händler. Leipzig, 1717, S. . In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/pomet_materialist_1717/588>, abgerufen am 08.03.2021.