Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Rabener, Gottlieb Wilhelm]: Sammlung satyrischer Schriften. Bd. 3. Leipzig, 1752.

Bild:
<< vorherige Seite

Satyrische Briefe.
Gelde können Sie allemal wählen, wie Sie wol-
len. Der junge Herr P - - - wird außer sich
seyn, wenn er es erfährt. Sie können es nicht
verantworten, daß Sie dem armen P. - - - be-
ständig so spröde begegnet haben. Verstand hat
er freylich nicht, aber desto besser für seine künftige
Frau. Hat er doch Geld, und wenn der Vater
stirbt, so will er Baron werden, und den Pfeffer-
kram aufgeben. Denken Sie einmal! Frau Ba-
ronessinn! Gnädige Frau Baronessinn! Wie das
klingt! Und wenn Sie den Herrn R - - - hei-
rathen, so heißt es Frau R - - - schlechtweg,
und wenn es hoch kömmt, so kömmt eine Frau
Commerzräthinn heraus. Wie gesagt, übereilen
Sie Sich nicht. Es wäre ewig Schade um Sie.

Jch bin etc.

N. S. Wissen Sie denn auch, daß Jhr Herr
R - - - schon vierzig Jahre alt ist?

Mademoiselle,

Jch habe neulich vergessen, Jhnen noch einen
Fehler von mir zu sagen. Es ist dieser, daß
ich sehr ungeduldig liebe, wenn ich liebe; und daß
ich sehr unruhig bin, wenn ich in vierzehn Tagen
die Erklärung noch nicht erhalten kann, die ich mir
binnen acht Tagen ausgebeten. Haben Sie die
Güte, melden Sie mir Jhre Entschließung. Auf
der Welt wünsche ich mir nichts so sehr, als Jhre
Gegenliebe. Jch werde vielleicht untröstbar seyn,

wenn

Satyriſche Briefe.
Gelde koͤnnen Sie allemal waͤhlen, wie Sie wol-
len. Der junge Herr P ‒ ‒ ‒ wird außer ſich
ſeyn, wenn er es erfaͤhrt. Sie koͤnnen es nicht
verantworten, daß Sie dem armen P. ‒ ‒ ‒ be-
ſtaͤndig ſo ſproͤde begegnet haben. Verſtand hat
er freylich nicht, aber deſto beſſer fuͤr ſeine kuͤnftige
Frau. Hat er doch Geld, und wenn der Vater
ſtirbt, ſo will er Baron werden, und den Pfeffer-
kram aufgeben. Denken Sie einmal! Frau Ba-
roneſſinn! Gnaͤdige Frau Baroneſſinn! Wie das
klingt! Und wenn Sie den Herrn R ‒ ‒ ‒ hei-
rathen, ſo heißt es Frau R ‒ ‒ ‒ ſchlechtweg,
und wenn es hoch koͤmmt, ſo koͤmmt eine Frau
Commerzraͤthinn heraus. Wie geſagt, uͤbereilen
Sie Sich nicht. Es waͤre ewig Schade um Sie.

Jch bin ꝛc.

N. S. Wiſſen Sie denn auch, daß Jhr Herr
R ‒ ‒ ‒ ſchon vierzig Jahre alt iſt?

Mademoiſelle,

Jch habe neulich vergeſſen, Jhnen noch einen
Fehler von mir zu ſagen. Es iſt dieſer, daß
ich ſehr ungeduldig liebe, wenn ich liebe; und daß
ich ſehr unruhig bin, wenn ich in vierzehn Tagen
die Erklaͤrung noch nicht erhalten kann, die ich mir
binnen acht Tagen ausgebeten. Haben Sie die
Guͤte, melden Sie mir Jhre Entſchließung. Auf
der Welt wuͤnſche ich mir nichts ſo ſehr, als Jhre
Gegenliebe. Jch werde vielleicht untroͤſtbar ſeyn,

wenn
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <floatingText>
          <body>
            <div type="letter">
              <p><pb facs="#f0375" n="347"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#b">Satyri&#x017F;che Briefe.</hi></fw><lb/>
Gelde ko&#x0364;nnen Sie allemal wa&#x0364;hlen, wie Sie wol-<lb/>
len. Der junge Herr P &#x2012; &#x2012; &#x2012; wird außer &#x017F;ich<lb/>
&#x017F;eyn, wenn er es erfa&#x0364;hrt. Sie ko&#x0364;nnen es nicht<lb/>
verantworten, daß Sie dem armen P. &#x2012; &#x2012; &#x2012; be-<lb/>
&#x017F;ta&#x0364;ndig &#x017F;o &#x017F;pro&#x0364;de begegnet haben. Ver&#x017F;tand hat<lb/>
er freylich nicht, aber de&#x017F;to be&#x017F;&#x017F;er fu&#x0364;r &#x017F;eine ku&#x0364;nftige<lb/>
Frau. Hat er doch Geld, und wenn der Vater<lb/>
&#x017F;tirbt, &#x017F;o will er Baron werden, und den Pfeffer-<lb/>
kram aufgeben. Denken Sie einmal! Frau Ba-<lb/>
rone&#x017F;&#x017F;inn! Gna&#x0364;dige Frau Barone&#x017F;&#x017F;inn! Wie das<lb/>
klingt! Und wenn Sie den Herrn R &#x2012; &#x2012; &#x2012; hei-<lb/>
rathen, &#x017F;o heißt es Frau R &#x2012; &#x2012; &#x2012; &#x017F;chlechtweg,<lb/>
und wenn es hoch ko&#x0364;mmt, &#x017F;o ko&#x0364;mmt eine Frau<lb/>
Commerzra&#x0364;thinn heraus. Wie ge&#x017F;agt, u&#x0364;bereilen<lb/>
Sie Sich nicht. Es wa&#x0364;re ewig Schade um Sie.</p><lb/>
              <closer>
                <salute>Jch bin &#xA75B;c.</salute>
              </closer><lb/>
              <postscript>
                <p>N. S. Wi&#x017F;&#x017F;en Sie denn auch, daß Jhr Herr<lb/>
R &#x2012; &#x2012; &#x2012; &#x017F;chon vierzig Jahre alt i&#x017F;t?</p>
              </postscript>
            </div><lb/>
            <div type="letter">
              <salute> <hi rendition="#et"> <hi rendition="#fr">Mademoi&#x017F;elle,</hi> </hi> </salute><lb/>
              <p><hi rendition="#in">J</hi>ch habe neulich verge&#x017F;&#x017F;en, Jhnen noch einen<lb/>
Fehler von mir zu &#x017F;agen. Es i&#x017F;t die&#x017F;er, daß<lb/>
ich &#x017F;ehr ungeduldig liebe, wenn ich liebe; und daß<lb/>
ich &#x017F;ehr unruhig bin, wenn ich in vierzehn Tagen<lb/>
die Erkla&#x0364;rung noch nicht erhalten kann, die ich mir<lb/>
binnen acht Tagen ausgebeten. Haben Sie die<lb/>
Gu&#x0364;te, melden Sie mir Jhre Ent&#x017F;chließung. Auf<lb/>
der Welt wu&#x0364;n&#x017F;che ich mir nichts &#x017F;o &#x017F;ehr, als Jhre<lb/>
Gegenliebe. Jch werde vielleicht untro&#x0364;&#x017F;tbar &#x017F;eyn,<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">wenn</fw><lb/></p>
            </div>
          </body>
        </floatingText>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[347/0375] Satyriſche Briefe. Gelde koͤnnen Sie allemal waͤhlen, wie Sie wol- len. Der junge Herr P ‒ ‒ ‒ wird außer ſich ſeyn, wenn er es erfaͤhrt. Sie koͤnnen es nicht verantworten, daß Sie dem armen P. ‒ ‒ ‒ be- ſtaͤndig ſo ſproͤde begegnet haben. Verſtand hat er freylich nicht, aber deſto beſſer fuͤr ſeine kuͤnftige Frau. Hat er doch Geld, und wenn der Vater ſtirbt, ſo will er Baron werden, und den Pfeffer- kram aufgeben. Denken Sie einmal! Frau Ba- roneſſinn! Gnaͤdige Frau Baroneſſinn! Wie das klingt! Und wenn Sie den Herrn R ‒ ‒ ‒ hei- rathen, ſo heißt es Frau R ‒ ‒ ‒ ſchlechtweg, und wenn es hoch koͤmmt, ſo koͤmmt eine Frau Commerzraͤthinn heraus. Wie geſagt, uͤbereilen Sie Sich nicht. Es waͤre ewig Schade um Sie. Jch bin ꝛc. N. S. Wiſſen Sie denn auch, daß Jhr Herr R ‒ ‒ ‒ ſchon vierzig Jahre alt iſt? Mademoiſelle, Jch habe neulich vergeſſen, Jhnen noch einen Fehler von mir zu ſagen. Es iſt dieſer, daß ich ſehr ungeduldig liebe, wenn ich liebe; und daß ich ſehr unruhig bin, wenn ich in vierzehn Tagen die Erklaͤrung noch nicht erhalten kann, die ich mir binnen acht Tagen ausgebeten. Haben Sie die Guͤte, melden Sie mir Jhre Entſchließung. Auf der Welt wuͤnſche ich mir nichts ſo ſehr, als Jhre Gegenliebe. Jch werde vielleicht untroͤſtbar ſeyn, wenn

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/rabener_sammlung03_1752
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/rabener_sammlung03_1752/375
Zitationshilfe: [Rabener, Gottlieb Wilhelm]: Sammlung satyrischer Schriften. Bd. 3. Leipzig, 1752, S. 347. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rabener_sammlung03_1752/375>, abgerufen am 24.07.2024.