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[Rabener, Gottlieb Wilhelm]: Sammlung satyrischer Schriften. Bd. 3. Leipzig, 1752.

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Satyrische Briefe.
"ner anmaßen will. Die Exempel sind so gar
"häufig nicht, daß ein reicher Bürger sich mit ei-
"nem armen Fräulein verbindet. Es ist nicht zu
"läugnen, daß dergleichen Ehen oft auf beiden
"Theilen vergnügt und glücklich ausschlagen; und
"dennoch glaube ich, daß beyde Theile viel dabey
"wagen. Sind die zärtlichen Monate des Eh-
"standes vorbey, so kann es leicht geschehn, daß
"den Mann eine Wahl gereut, durch welche seine
"Reichthümer nicht vermehrt worden sind. Sei-
"ne Frau aber muß sehr vernünftig und billig seyn,
"wenn ihr nicht von Zeit zu Zeit der Rang ihrer
"Vorfahren, und der demüthigende Gedanke ein-
"fallen soll, daß die Vorwürfe ihrer Verwand-
"ten gegründet sind. Jch will Gelegenheit neh-
"men, dieses in nachfolgenden zween Briefen wei-
"ter auszuführen."

Gnädiges Fräulein,

Die Gelegenheit, die ich seit zwey Jahren ge-
habt, Sie kennen zu lernen, und durch einen
täglichen Umgang Jhre Vorzüge und Tugenden
einzusehn, macht mich so dreist, Jhnen eine Er-
klärung zu thun, die Sie Sich vielleicht itzt am
wenigsten vermuthen. Sie betrifft die Hochach-
tung, die ich gegen Sie hege, und das Verlangen,
das ich habe, durch die Erlaubniß, Sie zu lieben,
und ewig der Jhrige zu seyn, glücklich zu werden.
Jch weiß die Einwürfe, Gnädiges Fräulein, die

Sie

Satyriſche Briefe.
„ner anmaßen will. Die Exempel ſind ſo gar
„haͤufig nicht, daß ein reicher Buͤrger ſich mit ei-
„nem armen Fraͤulein verbindet. Es iſt nicht zu
„laͤugnen, daß dergleichen Ehen oft auf beiden
„Theilen vergnuͤgt und gluͤcklich ausſchlagen; und
„dennoch glaube ich, daß beyde Theile viel dabey
„wagen. Sind die zaͤrtlichen Monate des Eh-
„ſtandes vorbey, ſo kann es leicht geſchehn, daß
„den Mann eine Wahl gereut, durch welche ſeine
„Reichthuͤmer nicht vermehrt worden ſind. Sei-
„ne Frau aber muß ſehr vernuͤnftig und billig ſeyn,
„wenn ihr nicht von Zeit zu Zeit der Rang ihrer
„Vorfahren, und der demuͤthigende Gedanke ein-
„fallen ſoll, daß die Vorwuͤrfe ihrer Verwand-
„ten gegruͤndet ſind. Jch will Gelegenheit neh-
„men, dieſes in nachfolgenden zween Briefen wei-
„ter auszufuͤhren.„

Gnaͤdiges Fraͤulein,

Die Gelegenheit, die ich ſeit zwey Jahren ge-
habt, Sie kennen zu lernen, und durch einen
taͤglichen Umgang Jhre Vorzuͤge und Tugenden
einzuſehn, macht mich ſo dreiſt, Jhnen eine Er-
klaͤrung zu thun, die Sie Sich vielleicht itzt am
wenigſten vermuthen. Sie betrifft die Hochach-
tung, die ich gegen Sie hege, und das Verlangen,
das ich habe, durch die Erlaubniß, Sie zu lieben,
und ewig der Jhrige zu ſeyn, gluͤcklich zu werden.
Jch weiß die Einwuͤrfe, Gnaͤdiges Fraͤulein, die

Sie
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[368/0396] Satyriſche Briefe. „ner anmaßen will. Die Exempel ſind ſo gar „haͤufig nicht, daß ein reicher Buͤrger ſich mit ei- „nem armen Fraͤulein verbindet. Es iſt nicht zu „laͤugnen, daß dergleichen Ehen oft auf beiden „Theilen vergnuͤgt und gluͤcklich ausſchlagen; und „dennoch glaube ich, daß beyde Theile viel dabey „wagen. Sind die zaͤrtlichen Monate des Eh- „ſtandes vorbey, ſo kann es leicht geſchehn, daß „den Mann eine Wahl gereut, durch welche ſeine „Reichthuͤmer nicht vermehrt worden ſind. Sei- „ne Frau aber muß ſehr vernuͤnftig und billig ſeyn, „wenn ihr nicht von Zeit zu Zeit der Rang ihrer „Vorfahren, und der demuͤthigende Gedanke ein- „fallen ſoll, daß die Vorwuͤrfe ihrer Verwand- „ten gegruͤndet ſind. Jch will Gelegenheit neh- „men, dieſes in nachfolgenden zween Briefen wei- „ter auszufuͤhren.„ Gnaͤdiges Fraͤulein, Die Gelegenheit, die ich ſeit zwey Jahren ge- habt, Sie kennen zu lernen, und durch einen taͤglichen Umgang Jhre Vorzuͤge und Tugenden einzuſehn, macht mich ſo dreiſt, Jhnen eine Er- klaͤrung zu thun, die Sie Sich vielleicht itzt am wenigſten vermuthen. Sie betrifft die Hochach- tung, die ich gegen Sie hege, und das Verlangen, das ich habe, durch die Erlaubniß, Sie zu lieben, und ewig der Jhrige zu ſeyn, gluͤcklich zu werden. Jch weiß die Einwuͤrfe, Gnaͤdiges Fraͤulein, die Sie

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Zitationshilfe: [Rabener, Gottlieb Wilhelm]: Sammlung satyrischer Schriften. Bd. 3. Leipzig, 1752, S. 368. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rabener_sammlung03_1752/396>, abgerufen am 21.07.2024.