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[Rabener, Gottlieb Wilhelm]: Sammlung satirischer Schriften. Bd. 4. Leipzig, 1755.

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Die versprochene Fortsetzung.

Wenn ein Satirenschreiber die billige Absicht
hat, durch seine Schriften nur die schädli-
chen und unanständigen Thorheiten der Menschen
verhaßt, oder lächerlich zu machen, ohne einen
Menschen persönlich zu beleidigen: so kann ihm
allerdings nichts empfindlicher seyn, als der lieb-
lose Vorwitz dererjenigen, welche zu allen Charak-
tern ein Original aufsuchen, und sich mit Ferti-
gung der Schlüssel zu seinen Satiren, ohne Beruf
beschäfftigen.

Jch habe mich, gleich bey dem Anfange meiner
Schriften sehr weitläuftig über diesen Punct er-
klärt, und meinen Lesern, so wohl durch eine Auf-
gabe allgemeiner Abschilderungen, als durch Be-
kanntmachung verschiedner Briefe über die ver-
meynten Entdeckungen dieser Abschilderungen, ge-
zeigt (*), wie ungewiß ihre Vermuthungen sind,
wie beleidigend eine solche Beschäfftigung, und wie
unanständig sie sey.

Das schmeichelhafte Vergnügen, die lächerli-
chen Thorheiten an andern zu suchen, um selbst
desto vollkommener zu scheinen, ist vermuthlich
einem großen Theile meiner Leser zu angenehm, als
daß dergleichen Vorstellungen vermögend gewesen

wären,
(*) S. den Vorbericht vom Misbrauche der Satire, im
ersten Theile der satirischen Schriften.


Die verſprochene Fortſetzung.

Wenn ein Satirenſchreiber die billige Abſicht
hat, durch ſeine Schriften nur die ſchaͤdli-
chen und unanſtaͤndigen Thorheiten der Menſchen
verhaßt, oder laͤcherlich zu machen, ohne einen
Menſchen perſoͤnlich zu beleidigen: ſo kann ihm
allerdings nichts empfindlicher ſeyn, als der lieb-
loſe Vorwitz dererjenigen, welche zu allen Charak-
tern ein Original aufſuchen, und ſich mit Ferti-
gung der Schluͤſſel zu ſeinen Satiren, ohne Beruf
beſchaͤfftigen.

Jch habe mich, gleich bey dem Anfange meiner
Schriften ſehr weitlaͤuftig uͤber dieſen Punct er-
klaͤrt, und meinen Leſern, ſo wohl durch eine Auf-
gabe allgemeiner Abſchilderungen, als durch Be-
kanntmachung verſchiedner Briefe uͤber die ver-
meynten Entdeckungen dieſer Abſchilderungen, ge-
zeigt (*), wie ungewiß ihre Vermuthungen ſind,
wie beleidigend eine ſolche Beſchaͤfftigung, und wie
unanſtaͤndig ſie ſey.

Das ſchmeichelhafte Vergnuͤgen, die laͤcherli-
chen Thorheiten an andern zu ſuchen, um ſelbſt
deſto vollkommener zu ſcheinen, iſt vermuthlich
einem großen Theile meiner Leſer zu angenehm, als
daß dergleichen Vorſtellungen vermoͤgend geweſen

waͤren,
(*) S. den Vorbericht vom Misbrauche der Satire, im
erſten Theile der ſatiriſchen Schriften.
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[555[553]/0577] Die verſprochene Fortſetzung. Wenn ein Satirenſchreiber die billige Abſicht hat, durch ſeine Schriften nur die ſchaͤdli- chen und unanſtaͤndigen Thorheiten der Menſchen verhaßt, oder laͤcherlich zu machen, ohne einen Menſchen perſoͤnlich zu beleidigen: ſo kann ihm allerdings nichts empfindlicher ſeyn, als der lieb- loſe Vorwitz dererjenigen, welche zu allen Charak- tern ein Original aufſuchen, und ſich mit Ferti- gung der Schluͤſſel zu ſeinen Satiren, ohne Beruf beſchaͤfftigen. Jch habe mich, gleich bey dem Anfange meiner Schriften ſehr weitlaͤuftig uͤber dieſen Punct er- klaͤrt, und meinen Leſern, ſo wohl durch eine Auf- gabe allgemeiner Abſchilderungen, als durch Be- kanntmachung verſchiedner Briefe uͤber die ver- meynten Entdeckungen dieſer Abſchilderungen, ge- zeigt (*), wie ungewiß ihre Vermuthungen ſind, wie beleidigend eine ſolche Beſchaͤfftigung, und wie unanſtaͤndig ſie ſey. Das ſchmeichelhafte Vergnuͤgen, die laͤcherli- chen Thorheiten an andern zu ſuchen, um ſelbſt deſto vollkommener zu ſcheinen, iſt vermuthlich einem großen Theile meiner Leſer zu angenehm, als daß dergleichen Vorſtellungen vermoͤgend geweſen waͤren, (*) S. den Vorbericht vom Misbrauche der Satire, im erſten Theile der ſatiriſchen Schriften.

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Zitationshilfe: [Rabener, Gottlieb Wilhelm]: Sammlung satirischer Schriften. Bd. 4. Leipzig, 1755, S. 555[553]. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rabener_sammlung04_1755/577>, abgerufen am 26.02.2021.