Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Dritten Theils zweyte Abtheilung: Neuere Geschichte der Geschlechtsverbindung und Liebe. Leipzig, 1798.äußerte sich durch Knechtschaftsbezeugung, und Wohlwollen kleidete sich in sinnreichen Ausdruck. - Nur Wenige waren im Besitz dieser Bildung. Die Gelehrsamkeit war ein Gewebe von Vorurtheilen und Spitzfindigkeiten, durch deren dichten Schleyer die Wahrheit nur wenige ihrer Strahlen durchschimmern lassen konnte. Die Lehrmethode war zunftmäßige Umständlichkeit, die Behandlung der Wissenschaften selten praktisch, und nie rein von pedantischer Charlatanerie. Aber auch dieser Vorzug, so gering er war, ward nur Wenigen zu Theil. Je unbeträchtlicher die Bildung für die Gesellschaft und die Masse der Kenntnisse ist, um derentwillen der Mensch, der sie besitzt, von einem noch ungesitteteren und unwissendern Menschen angestaunt wird, um desto mehr sucht er ihren Gehalt durch ein äußeres Gepränge zu heben, und andern den Weg, sich ihm an die Seite zu stellen, durch Vorschriften unnützer Vorübungen und Formen bey der Anwendung zu erschweren. Wie erklärbar wird dadurch die steife Förmlichkeit, die Pedanterey, das Abentheuerliche der damahligen Hofleute, Gelehrten, Künstler, Handwerker, u. s. w. Und dieser Geist der Unbehülflichkeit, der Ueberspannung, der Eitelkeit, der ist es nun, der das Mittelalter in allen Verhältnissen, und so auch in denen der beyden Geschlechter gegen einander auszeichnet. äußerte sich durch Knechtschaftsbezeugung, und Wohlwollen kleidete sich in sinnreichen Ausdruck. – Nur Wenige waren im Besitz dieser Bildung. Die Gelehrsamkeit war ein Gewebe von Vorurtheilen und Spitzfindigkeiten, durch deren dichten Schleyer die Wahrheit nur wenige ihrer Strahlen durchschimmern lassen konnte. Die Lehrmethode war zunftmäßige Umständlichkeit, die Behandlung der Wissenschaften selten praktisch, und nie rein von pedantischer Charlatanerie. Aber auch dieser Vorzug, so gering er war, ward nur Wenigen zu Theil. Je unbeträchtlicher die Bildung für die Gesellschaft und die Masse der Kenntnisse ist, um derentwillen der Mensch, der sie besitzt, von einem noch ungesitteteren und unwissendern Menschen angestaunt wird, um desto mehr sucht er ihren Gehalt durch ein äußeres Gepränge zu heben, und andern den Weg, sich ihm an die Seite zu stellen, durch Vorschriften unnützer Vorübungen und Formen bey der Anwendung zu erschweren. Wie erklärbar wird dadurch die steife Förmlichkeit, die Pedanterey, das Abentheuerliche der damahligen Hofleute, Gelehrten, Künstler, Handwerker, u. s. w. Und dieser Geist der Unbehülflichkeit, der Ueberspannung, der Eitelkeit, der ist es nun, der das Mittelalter in allen Verhältnissen, und so auch in denen der beyden Geschlechter gegen einander auszeichnet. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <p><pb facs="#f0063" n="63"/> äußerte sich durch Knechtschaftsbezeugung, und Wohlwollen kleidete sich in sinnreichen Ausdruck. – Nur Wenige waren im Besitz dieser Bildung.</p> <p>Die Gelehrsamkeit war ein Gewebe von Vorurtheilen und Spitzfindigkeiten, durch deren dichten Schleyer die Wahrheit nur wenige ihrer Strahlen durchschimmern lassen konnte. Die Lehrmethode war zunftmäßige Umständlichkeit, die Behandlung der Wissenschaften selten praktisch, und nie rein von pedantischer Charlatanerie. Aber auch dieser Vorzug, so gering er war, ward nur Wenigen zu Theil.</p> <p>Je unbeträchtlicher die Bildung für die Gesellschaft und die Masse der Kenntnisse ist, um derentwillen der Mensch, der sie besitzt, von einem noch ungesitteteren und unwissendern Menschen angestaunt wird, um desto mehr sucht er ihren Gehalt durch ein äußeres Gepränge zu heben, und andern den Weg, sich ihm an die Seite zu stellen, durch Vorschriften unnützer Vorübungen und Formen bey der Anwendung zu erschweren. Wie erklärbar wird dadurch die steife Förmlichkeit, die Pedanterey, das Abentheuerliche der damahligen Hofleute, Gelehrten, Künstler, Handwerker, u. s. w.</p> <p>Und dieser Geist der Unbehülflichkeit, der Ueberspannung, der Eitelkeit, der ist es nun, der das Mittelalter in allen Verhältnissen, und so auch in denen der beyden Geschlechter gegen einander auszeichnet.</p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [63/0063]
äußerte sich durch Knechtschaftsbezeugung, und Wohlwollen kleidete sich in sinnreichen Ausdruck. – Nur Wenige waren im Besitz dieser Bildung.
Die Gelehrsamkeit war ein Gewebe von Vorurtheilen und Spitzfindigkeiten, durch deren dichten Schleyer die Wahrheit nur wenige ihrer Strahlen durchschimmern lassen konnte. Die Lehrmethode war zunftmäßige Umständlichkeit, die Behandlung der Wissenschaften selten praktisch, und nie rein von pedantischer Charlatanerie. Aber auch dieser Vorzug, so gering er war, ward nur Wenigen zu Theil.
Je unbeträchtlicher die Bildung für die Gesellschaft und die Masse der Kenntnisse ist, um derentwillen der Mensch, der sie besitzt, von einem noch ungesitteteren und unwissendern Menschen angestaunt wird, um desto mehr sucht er ihren Gehalt durch ein äußeres Gepränge zu heben, und andern den Weg, sich ihm an die Seite zu stellen, durch Vorschriften unnützer Vorübungen und Formen bey der Anwendung zu erschweren. Wie erklärbar wird dadurch die steife Förmlichkeit, die Pedanterey, das Abentheuerliche der damahligen Hofleute, Gelehrten, Künstler, Handwerker, u. s. w.
Und dieser Geist der Unbehülflichkeit, der Ueberspannung, der Eitelkeit, der ist es nun, der das Mittelalter in allen Verhältnissen, und so auch in denen der beyden Geschlechter gegen einander auszeichnet.
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