Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Dritten Theils zweyte Abtheilung: Neuere Geschichte der Geschlechtsverbindung und Liebe. Leipzig, 1798.

Bild:
<< vorherige Seite

will, daß die Geschlechtsliebe mit dieser amitie verbunden seyn solle, und hält es für einen Mißbrauch, wenn man die bloße Lüsternheit mit Wohlwollen verwechselt.

Man hat aus dieser Zeit mehrere praktische Werke über die Liebe. 26) Hauptsächlich aber ist dieser Gegenstand in den Romanen einer häufigen Erörterung unterzogen.

Merkwürdig ist es, daß Charron, in seinem über Verdienst berühmt gewordenen Werke de la Sagesse, von einer zwischen der ehelichen Liebe und den Ausschweifungen der Sinnlichkeit in der Mitte stehenden erlaubten Galanterie keine Kenntniß hat. Wäre, (so kann man billig sagen,) dieß Sitteninstitut damahls sehr ausgebreitet und allgemein gebilligt gewesen, so hätte der Moralist es unmöglich übergehen dürfen.

Sechstes Kapitel.

Ideen der Romanenschreiber, und zwar zuerst der spanischen, aus dieser Zeit.

Ich glaube die Romanenschreiber der Spanier von denen der Italiäner und besonders der Franzosen in dieser Zeit absondern zu müssen.

Auf die Spanier scheint mir der Geist der Mauren, ihrer Nachbaren, gewirkt zu haben. Ich finde in ihren Werken jene bis zum Wahnsinn fortschreitende Begeisterung,

26) Z. B. Traite de la Jalousie, ou Moyens d'entretenir la paix dans le Marriage. Paris 1682. Exercices de Josias Macherault de Chalons sur Marne, touchant l'amitie. Geneve 1611. etc.

will, daß die Geschlechtsliebe mit dieser amitié verbunden seyn solle, und hält es für einen Mißbrauch, wenn man die bloße Lüsternheit mit Wohlwollen verwechselt.

Man hat aus dieser Zeit mehrere praktische Werke über die Liebe. 26) Hauptsächlich aber ist dieser Gegenstand in den Romanen einer häufigen Erörterung unterzogen.

Merkwürdig ist es, daß Charron, in seinem über Verdienst berühmt gewordenen Werke de la Sagesse, von einer zwischen der ehelichen Liebe und den Ausschweifungen der Sinnlichkeit in der Mitte stehenden erlaubten Galanterie keine Kenntniß hat. Wäre, (so kann man billig sagen,) dieß Sitteninstitut damahls sehr ausgebreitet und allgemein gebilligt gewesen, so hätte der Moralist es unmöglich übergehen dürfen.

Sechstes Kapitel.

Ideen der Romanenschreiber, und zwar zuerst der spanischen, aus dieser Zeit.

Ich glaube die Romanenschreiber der Spanier von denen der Italiäner und besonders der Franzosen in dieser Zeit absondern zu müssen.

Auf die Spanier scheint mir der Geist der Mauren, ihrer Nachbaren, gewirkt zu haben. Ich finde in ihren Werken jene bis zum Wahnsinn fortschreitende Begeisterung,

26) Z. B. Traité de la Jalousie, ou Moyens d’entretenir la paix dans le Marriage. Paris 1682. Exercices de Josias Macherault de Chalons sur Marne, touchant l’amitié. Geneve 1611. etc.
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0187" n="187"/>
will, daß die Geschlechtsliebe mit dieser <hi rendition="#aq">amitié</hi> verbunden seyn solle, und hält es für einen Mißbrauch, wenn man die bloße Lüsternheit mit Wohlwollen verwechselt.</p>
          <p>Man hat aus dieser Zeit mehrere praktische Werke über die Liebe. <note place="foot" n="26)">Z. B. <hi rendition="#aq">Traité de la Jalousie, ou Moyens d&#x2019;entretenir la paix dans le Marriage. Paris 1682. Exercices de Josias Macherault de Chalons sur Marne, touchant l&#x2019;amitié. Geneve 1611. etc.</hi></note> Hauptsächlich aber ist dieser Gegenstand in den Romanen einer häufigen Erörterung unterzogen.</p>
          <p>Merkwürdig ist es, daß Charron, in seinem über Verdienst berühmt gewordenen Werke <hi rendition="#aq">de la Sagesse,</hi> von einer zwischen der ehelichen Liebe und den Ausschweifungen der Sinnlichkeit in der Mitte stehenden erlaubten Galanterie keine Kenntniß hat. Wäre, (so kann man billig sagen,) dieß Sitteninstitut damahls sehr ausgebreitet und allgemein gebilligt gewesen, so hätte der Moralist es unmöglich übergehen dürfen.</p>
        </div>
        <div n="2">
          <head>Sechstes Kapitel.<lb/></head>
          <argument>
            <p>Ideen der Romanenschreiber, und zwar zuerst der spanischen, aus dieser Zeit.<lb/></p>
          </argument>
          <p>Ich glaube die Romanenschreiber der Spanier von denen der Italiäner und besonders der Franzosen in dieser Zeit absondern zu müssen.</p>
          <p>Auf die Spanier scheint mir der Geist der Mauren, ihrer Nachbaren, gewirkt zu haben. Ich finde in ihren Werken jene bis zum Wahnsinn fortschreitende Begeisterung,
</p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[187/0187] will, daß die Geschlechtsliebe mit dieser amitié verbunden seyn solle, und hält es für einen Mißbrauch, wenn man die bloße Lüsternheit mit Wohlwollen verwechselt. Man hat aus dieser Zeit mehrere praktische Werke über die Liebe. 26) Hauptsächlich aber ist dieser Gegenstand in den Romanen einer häufigen Erörterung unterzogen. Merkwürdig ist es, daß Charron, in seinem über Verdienst berühmt gewordenen Werke de la Sagesse, von einer zwischen der ehelichen Liebe und den Ausschweifungen der Sinnlichkeit in der Mitte stehenden erlaubten Galanterie keine Kenntniß hat. Wäre, (so kann man billig sagen,) dieß Sitteninstitut damahls sehr ausgebreitet und allgemein gebilligt gewesen, so hätte der Moralist es unmöglich übergehen dürfen. Sechstes Kapitel. Ideen der Romanenschreiber, und zwar zuerst der spanischen, aus dieser Zeit. Ich glaube die Romanenschreiber der Spanier von denen der Italiäner und besonders der Franzosen in dieser Zeit absondern zu müssen. Auf die Spanier scheint mir der Geist der Mauren, ihrer Nachbaren, gewirkt zu haben. Ich finde in ihren Werken jene bis zum Wahnsinn fortschreitende Begeisterung, 26) Z. B. Traité de la Jalousie, ou Moyens d’entretenir la paix dans le Marriage. Paris 1682. Exercices de Josias Macherault de Chalons sur Marne, touchant l’amitié. Geneve 1611. etc.

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde im Rahmen des Moduls DTA-Erweiterungen (DTAE) digitalisiert. Weitere Informationen …

Wikisource: Bereitstellung der Texttranskription und Auszeichnung in Wikisource-Syntax. (2012-11-20T10:30:31Z) Bitte beachten Sie, dass die aktuelle Transkription (und Textauszeichnung) mittlerweile nicht mehr dem Stand zum Zeitpunkt der Übernahme aus Wikisource entsprechen muss.
Wikimedia Commons: Bereitstellung der Bilddigitalisate (2012-11-20T10:30:31Z)
Frank Wiegand: Konvertierung von Wikisource-Markup nach XML/TEI gemäß DTA-Basisformat. (2012-11-20T10:30:31Z)

Weitere Informationen:

Anmerkungen zur Transkription:

  • Als Grundlage dienen die Wikisource:Editionsrichtlinien.
  • Der Seitenwechsel erfolgt bei Worttrennung nach dem gesamten Wort.
  • Geviertstriche (—) wurden durch Halbgeviertstriche ersetzt (–).
  • Übergeschriebenes „e“ über „a“, „o“ und „u“ wird als moderner Umlaut (ä, ö, ü) transkribiert.



Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/ramdohr_venus0302_1798
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/ramdohr_venus0302_1798/187
Zitationshilfe: Ramdohr, Basilius von: Venus Urania. Ueber die Natur der Liebe, über ihre Veredlung und Verschönerung. Dritten Theils zweyte Abtheilung: Neuere Geschichte der Geschlechtsverbindung und Liebe. Leipzig, 1798, S. 187. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ramdohr_venus0302_1798/187>, abgerufen am 15.04.2021.