welche die geistige Zukunft der Welt in sich enthielten. Wir wissen, welch mächtigen Einfluß die politischen Ver- hältnisse vom ersten Anfang an bei dem Kaiser auf deren Behandlung ausgeübt hatten: das Edict von Worms, die Zurücknahme der Versammlung zu Speier waren eine Frucht seiner Verbindung mit dem Papst gewesen: dem zu Liebe hatte er eine so strenge altkirchliche Haltung angenommen: es mußte sich zeigen ob er dieselbe nun auch jetzt be- haupten würde.
Im Frühjahr 1526 ließ sich noch alles so an, als würde er um kein Haarbeit davon abweichen. Heinrich von Braunschweig, der damals in Spanien angelangt war, brachte Erklärungen des Kaisers aus, die so entschieden lau- teten wie jemals.
In der That war er in einem Momente eigetroffen der für die Anträge welche er in seinem und seiner Freunde Namen machte, nicht günstiger hätte seyn können.
Der Friede von Madrid war geschlossen, und man war am Hofe überzeugt, daß die große französische Strei- tigkeit damit auf immer abgethan sey. 1 Schon faßte man auf diesen Grund Absichten nach der deutschen Seite hin. Sehen wir den Frieden näher an, so enthält er nicht al- lein eine Ausgleichung der politischen und persönlichen Streitigkeiten, sondern zugleich eine Verabredung zu einer gemeinschaftlichen Unternehmung wie gegen die Türken, so auch "gegen die Ketzer, die sich vom Schooße der heiligen
1 "Nach dem langen Trübsal und Krieg," schreibt Heinrich von Nassau vom spanischen Hofe an seinen Bruder in Dillenburg, "hat uns Gott den heiligen Frieden wiedergegeben." Tholeden 22 Jan. bei Arnoldi p. 203.
Herzog Heinrich in Spanien.
welche die geiſtige Zukunft der Welt in ſich enthielten. Wir wiſſen, welch mächtigen Einfluß die politiſchen Ver- hältniſſe vom erſten Anfang an bei dem Kaiſer auf deren Behandlung ausgeübt hatten: das Edict von Worms, die Zurücknahme der Verſammlung zu Speier waren eine Frucht ſeiner Verbindung mit dem Papſt geweſen: dem zu Liebe hatte er eine ſo ſtrenge altkirchliche Haltung angenommen: es mußte ſich zeigen ob er dieſelbe nun auch jetzt be- haupten würde.
Im Frühjahr 1526 ließ ſich noch alles ſo an, als würde er um kein Haarbeit davon abweichen. Heinrich von Braunſchweig, der damals in Spanien angelangt war, brachte Erklärungen des Kaiſers aus, die ſo entſchieden lau- teten wie jemals.
In der That war er in einem Momente eigetroffen der für die Anträge welche er in ſeinem und ſeiner Freunde Namen machte, nicht günſtiger hätte ſeyn können.
Der Friede von Madrid war geſchloſſen, und man war am Hofe überzeugt, daß die große franzöſiſche Strei- tigkeit damit auf immer abgethan ſey. 1 Schon faßte man auf dieſen Grund Abſichten nach der deutſchen Seite hin. Sehen wir den Frieden näher an, ſo enthält er nicht al- lein eine Ausgleichung der politiſchen und perſönlichen Streitigkeiten, ſondern zugleich eine Verabredung zu einer gemeinſchaftlichen Unternehmung wie gegen die Türken, ſo auch „gegen die Ketzer, die ſich vom Schooße der heiligen
1 „Nach dem langen Truͤbſal und Krieg,“ ſchreibt Heinrich von Naſſau vom ſpaniſchen Hofe an ſeinen Bruder in Dillenburg, „hat uns Gott den heiligen Frieden wiedergegeben.“ Tholeden 22 Jan. bei Arnoldi p. 203.
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Herzog Heinrich in Spanien.
welche die geiſtige Zukunft der Welt in ſich enthielten.
Wir wiſſen, welch mächtigen Einfluß die politiſchen Ver-
hältniſſe vom erſten Anfang an bei dem Kaiſer auf deren
Behandlung ausgeübt hatten: das Edict von Worms, die
Zurücknahme der Verſammlung zu Speier waren eine Frucht
ſeiner Verbindung mit dem Papſt geweſen: dem zu Liebe
hatte er eine ſo ſtrenge altkirchliche Haltung angenommen:
es mußte ſich zeigen ob er dieſelbe nun auch jetzt be-
haupten würde.
Im Frühjahr 1526 ließ ſich noch alles ſo an, als
würde er um kein Haarbeit davon abweichen. Heinrich
von Braunſchweig, der damals in Spanien angelangt war,
brachte Erklärungen des Kaiſers aus, die ſo entſchieden lau-
teten wie jemals.
In der That war er in einem Momente eigetroffen
der für die Anträge welche er in ſeinem und ſeiner Freunde
Namen machte, nicht günſtiger hätte ſeyn können.
Der Friede von Madrid war geſchloſſen, und man
war am Hofe überzeugt, daß die große franzöſiſche Strei-
tigkeit damit auf immer abgethan ſey. 1 Schon faßte man
auf dieſen Grund Abſichten nach der deutſchen Seite hin.
Sehen wir den Frieden näher an, ſo enthält er nicht al-
lein eine Ausgleichung der politiſchen und perſönlichen
Streitigkeiten, ſondern zugleich eine Verabredung zu einer
gemeinſchaftlichen Unternehmung wie gegen die Türken, ſo
auch „gegen die Ketzer, die ſich vom Schooße der heiligen
1 „Nach dem langen Truͤbſal und Krieg,“ ſchreibt Heinrich
von Naſſau vom ſpaniſchen Hofe an ſeinen Bruder in Dillenburg,
„hat uns Gott den heiligen Frieden wiedergegeben.“ Tholeden 22
Jan. bei Arnoldi p. 203.
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Ranke, Leopold von: Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation. Bd. 2. Berlin, 1839, S. 347. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ranke_reformation02_1839/357>, abgerufen am 23.09.2024.
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