Ranke, Leopold von: Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation. Bd. 2. Berlin, 1839.Drittes Buch. Fünftes Capitel. Regensburg selbst beweisen das. Die Sache war nur:in Speier würden nach aller Wahrscheinlichkeit Beschlüsse in Opposition gegen den römischen Papst zu Tage gekom- men seyn: in Regensburg fand man aus tausend Rück- sichten für gut, sich aufs neue mit demselben zu vereini- gen. Es ist unleugbar, daß eben darin der Ursprung un- srer Spaltungen liegt. Der nationalen Pflicht, die Ver- handlungen einer bereits beschlossenen großen Versammlung zu erwarten, daran Theil zu nehmen, und fügen wir hinzu, nach bestem Wissen darauf einzuwirken, zog man die Ver- bindung mit Rom einseitig vor. Und so war der eine Theil jener Beschlüsse der rö- Man versäumte in Rom keinen Augenblick, um Carl V 1 Er klagte: non haver quella causa (Luterana) di costa
(della Spagna) il caldo che bisogneria, fa che d'ogni provisione che si faccia si trahe poco frutto. Giberto Datario agli oratori Fiorentini in Spagna, Lettere di principi I, f. 133. Drittes Buch. Fuͤnftes Capitel. Regensburg ſelbſt beweiſen das. Die Sache war nur:in Speier würden nach aller Wahrſcheinlichkeit Beſchlüſſe in Oppoſition gegen den römiſchen Papſt zu Tage gekom- men ſeyn: in Regensburg fand man aus tauſend Rück- ſichten für gut, ſich aufs neue mit demſelben zu vereini- gen. Es iſt unleugbar, daß eben darin der Urſprung un- ſrer Spaltungen liegt. Der nationalen Pflicht, die Ver- handlungen einer bereits beſchloſſenen großen Verſammlung zu erwarten, daran Theil zu nehmen, und fügen wir hinzu, nach beſtem Wiſſen darauf einzuwirken, zog man die Ver- bindung mit Rom einſeitig vor. Und ſo war der eine Theil jener Beſchlüſſe der rö- Man verſäumte in Rom keinen Augenblick, um Carl V 1 Er klagte: non haver quella causa (Luterana) di costà
(della Spagna) il caldo che bisogneria, fa che d’ogni provisione che si faccia si trahe poco frutto. Giberto Datario agli oratori Fiorentini in Spagna, Lettere di principi I, f. 133. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div n="2"> <p><pb facs="#f0174" n="164"/><fw place="top" type="header"><hi rendition="#g">Drittes Buch. Fuͤnftes Capitel</hi>.</fw><lb/> Regensburg ſelbſt beweiſen das. Die Sache war nur:<lb/> in Speier würden nach aller Wahrſcheinlichkeit Beſchlüſſe<lb/> in Oppoſition gegen den römiſchen Papſt zu Tage gekom-<lb/> men ſeyn: in Regensburg fand man aus tauſend Rück-<lb/> ſichten für gut, ſich aufs neue mit demſelben zu vereini-<lb/> gen. Es iſt unleugbar, daß eben darin der Urſprung un-<lb/> ſrer Spaltungen liegt. Der nationalen Pflicht, die Ver-<lb/> handlungen einer bereits beſchloſſenen großen Verſammlung<lb/> zu erwarten, daran Theil zu nehmen, und fügen wir hinzu,<lb/> nach beſtem Wiſſen darauf einzuwirken, zog man die Ver-<lb/> bindung mit Rom einſeitig vor.</p><lb/> <p>Und ſo war der eine Theil jener Beſchlüſſe der rö-<lb/> miſchen Congregation über Erwarten glücklich ausgeführt:<lb/> Campeggi machte darauf aufmerkſam wie nothwendig es<lb/> nun auch ſey, den andern ins Werk zu ſetzen, den Kaiſer<lb/> zu veranlaſſen, daß er ſich dieſer Sache lebhaft annehme. <note place="foot" n="1">Er klagte: <hi rendition="#aq">non haver quella causa (Luterana) di costà<lb/> (della Spagna) il caldo che bisogneria, fa che d’ogni provisione<lb/> che si faccia si trahe poco frutto. Giberto Datario agli oratori<lb/> Fiorentini in Spagna, Lettere di principi I, f.</hi> 133.</note></p><lb/> <p>Man verſäumte in Rom keinen Augenblick, um Carl <hi rendition="#aq">V</hi><lb/> auf ſeine Seite zu ziehen. Während man in den officiel-<lb/> len Erlaſſen von Regensburg diejenigen Puncte der Reichs-<lb/> abſchiede heraushob, welche dem Papſtthum günſtig laute-<lb/> teten, und die Miene annahm als ſey in ihnen das Edict<lb/> von Worms eben nur beſtätigt, ſtellte man dem Kaiſer in<lb/> Spanien vor, wie ſehr ſeine Autorität darunter leide, daß<lb/> man in zwei Reichsabſchieden nach einander ſein Edict be-<lb/> ſchränkt habe, ja es zurückzunehmen ſuche, was er ſelber<lb/> ſich nicht getrauen würde: es ſey offenbar, daß man ſich<lb/></p> </div> </div> </body> </text> </TEI> [164/0174]
Drittes Buch. Fuͤnftes Capitel.
Regensburg ſelbſt beweiſen das. Die Sache war nur:
in Speier würden nach aller Wahrſcheinlichkeit Beſchlüſſe
in Oppoſition gegen den römiſchen Papſt zu Tage gekom-
men ſeyn: in Regensburg fand man aus tauſend Rück-
ſichten für gut, ſich aufs neue mit demſelben zu vereini-
gen. Es iſt unleugbar, daß eben darin der Urſprung un-
ſrer Spaltungen liegt. Der nationalen Pflicht, die Ver-
handlungen einer bereits beſchloſſenen großen Verſammlung
zu erwarten, daran Theil zu nehmen, und fügen wir hinzu,
nach beſtem Wiſſen darauf einzuwirken, zog man die Ver-
bindung mit Rom einſeitig vor.
Und ſo war der eine Theil jener Beſchlüſſe der rö-
miſchen Congregation über Erwarten glücklich ausgeführt:
Campeggi machte darauf aufmerkſam wie nothwendig es
nun auch ſey, den andern ins Werk zu ſetzen, den Kaiſer
zu veranlaſſen, daß er ſich dieſer Sache lebhaft annehme. 1
Man verſäumte in Rom keinen Augenblick, um Carl V
auf ſeine Seite zu ziehen. Während man in den officiel-
len Erlaſſen von Regensburg diejenigen Puncte der Reichs-
abſchiede heraushob, welche dem Papſtthum günſtig laute-
teten, und die Miene annahm als ſey in ihnen das Edict
von Worms eben nur beſtätigt, ſtellte man dem Kaiſer in
Spanien vor, wie ſehr ſeine Autorität darunter leide, daß
man in zwei Reichsabſchieden nach einander ſein Edict be-
ſchränkt habe, ja es zurückzunehmen ſuche, was er ſelber
ſich nicht getrauen würde: es ſey offenbar, daß man ſich
1 Er klagte: non haver quella causa (Luterana) di costà
(della Spagna) il caldo che bisogneria, fa che d’ogni provisione
che si faccia si trahe poco frutto. Giberto Datario agli oratori
Fiorentini in Spagna, Lettere di principi I, f. 133.
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| Zitationshilfe: | Ranke, Leopold von: Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation. Bd. 2. Berlin, 1839, S. 164. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ranke_reformation02_1839/174>, abgerufen am 10.08.2024. |


