ersten Tage dem kaiserlichen Commissar und seinen beiden Mitbefehlshabern, Bourbon und Leiva mit; unverweilt schrieb er nach Insbruck um Hülfe und sendete einen Cou- rier mit der Nachricht nach Spanien. Während sich Gi- berti in seinem Traume von den Gärten der neuen Freiheit wiegte, war er schon verrathen.
Im September gab der Kaiser dem Marchese Voll- macht, in dem vorliegenden Fall zu verfahren wie er für nothwendig halte. 1
Da war nun nichts unumgänglicher nothwendig, als in Mailand selbst festen Fuß zu fassen, und von allen Rechten des Sforza zu abstrahiren. Die kaiserlichen Ge- nerale meinten, ohne das Verständniß des Marchese wür- den sie sämmtlich verloren gewesen seyn. 2
Zuerst ward Morone festgenommen: es geschah am 14ten October 1525, als er Pescara'n einen vertraulichen Besuch gemacht, bei dem Leiva hinter einer Tapete ver- steckt ihr Gespräch vernommen, und darauf nach Hause gehn wollte. Doch bat Pescara den Kaiser, ihm die Freiheit dieses Mannes zu schenken, der noch sehr nützlich werden könne, wenn man sich seiner einmal bedienen wolle.
Hierauf forderte Pescara den Herzog auf, die festen Plätze des Herzogthums den kaiserlichen Truppen zu über- antworten: denn das mache der Dienst des Kaisers noth- wendig. Der Herzog, seines Ministers beraubt, seiner Schuld sich bewußt, wagte es nicht abzuschlagen, zumal da man ihm die festesten, Mailand und Cremona noch ließ.
1 Pescara an Erzherzog Ferdinand 4 Oct. bei Bucholtz III, 11.
2 Schreiben Leivas bei Hormayr a. a. O. 29, 30.
Beſitznahme von Mailand.
erſten Tage dem kaiſerlichen Commiſſar und ſeinen beiden Mitbefehlshabern, Bourbon und Leiva mit; unverweilt ſchrieb er nach Insbruck um Hülfe und ſendete einen Cou- rier mit der Nachricht nach Spanien. Während ſich Gi- berti in ſeinem Traume von den Gärten der neuen Freiheit wiegte, war er ſchon verrathen.
Im September gab der Kaiſer dem Marcheſe Voll- macht, in dem vorliegenden Fall zu verfahren wie er für nothwendig halte. 1
Da war nun nichts unumgänglicher nothwendig, als in Mailand ſelbſt feſten Fuß zu faſſen, und von allen Rechten des Sforza zu abſtrahiren. Die kaiſerlichen Ge- nerale meinten, ohne das Verſtändniß des Marcheſe wür- den ſie ſämmtlich verloren geweſen ſeyn. 2
Zuerſt ward Morone feſtgenommen: es geſchah am 14ten October 1525, als er Pescara’n einen vertraulichen Beſuch gemacht, bei dem Leiva hinter einer Tapete ver- ſteckt ihr Geſpräch vernommen, und darauf nach Hauſe gehn wollte. Doch bat Pescara den Kaiſer, ihm die Freiheit dieſes Mannes zu ſchenken, der noch ſehr nützlich werden könne, wenn man ſich ſeiner einmal bedienen wolle.
Hierauf forderte Pescara den Herzog auf, die feſten Plätze des Herzogthums den kaiſerlichen Truppen zu über- antworten: denn das mache der Dienſt des Kaiſers noth- wendig. Der Herzog, ſeines Miniſters beraubt, ſeiner Schuld ſich bewußt, wagte es nicht abzuſchlagen, zumal da man ihm die feſteſten, Mailand und Cremona noch ließ.
1 Pescara an Erzherzog Ferdinand 4 Oct. bei Bucholtz III, 11.
2 Schreiben Leivas bei Hormayr a. a. O. 29, 30.
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Beſitznahme von Mailand.
erſten Tage dem kaiſerlichen Commiſſar und ſeinen beiden
Mitbefehlshabern, Bourbon und Leiva mit; unverweilt
ſchrieb er nach Insbruck um Hülfe und ſendete einen Cou-
rier mit der Nachricht nach Spanien. Während ſich Gi-
berti in ſeinem Traume von den Gärten der neuen Freiheit
wiegte, war er ſchon verrathen.
Im September gab der Kaiſer dem Marcheſe Voll-
macht, in dem vorliegenden Fall zu verfahren wie er für
nothwendig halte. 1
Da war nun nichts unumgänglicher nothwendig, als
in Mailand ſelbſt feſten Fuß zu faſſen, und von allen
Rechten des Sforza zu abſtrahiren. Die kaiſerlichen Ge-
nerale meinten, ohne das Verſtändniß des Marcheſe wür-
den ſie ſämmtlich verloren geweſen ſeyn. 2
Zuerſt ward Morone feſtgenommen: es geſchah am
14ten October 1525, als er Pescara’n einen vertraulichen
Beſuch gemacht, bei dem Leiva hinter einer Tapete ver-
ſteckt ihr Geſpräch vernommen, und darauf nach Hauſe gehn
wollte. Doch bat Pescara den Kaiſer, ihm die Freiheit
dieſes Mannes zu ſchenken, der noch ſehr nützlich werden
könne, wenn man ſich ſeiner einmal bedienen wolle.
Hierauf forderte Pescara den Herzog auf, die feſten
Plätze des Herzogthums den kaiſerlichen Truppen zu über-
antworten: denn das mache der Dienſt des Kaiſers noth-
wendig. Der Herzog, ſeines Miniſters beraubt, ſeiner
Schuld ſich bewußt, wagte es nicht abzuſchlagen, zumal da
man ihm die feſteſten, Mailand und Cremona noch ließ.
1 Pescara an Erzherzog Ferdinand 4 Oct. bei Bucholtz III, 11.
2 Schreiben Leivas bei Hormayr a. a. O. 29, 30.
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Ranke, Leopold von: Deutsche Geschichte im Zeitalter der Reformation. Bd. 2. Berlin, 1839, S. 335. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/ranke_reformation02_1839/345>, abgerufen am 10.08.2024.
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