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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886.

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2. Nährpflanzen.
Flussmündungen und in Pfützen, wo derselbe sehr gering ist, sodann
an der Küste über dem mittleren Wasserstande.

Die rothen Algen (Florideen oder Rhodospermen) erreichen dagegen
das Maximum ihres Vorkommens in tieferem Wasser und an Stellen,
wo das directe Sonnenlicht nicht viel einwirkt. Diejenigen Arten der-
selben, welche dieser Regel nicht folgen, an der Grenze des Wasser-
spiegels vorkommen oder wohl gar theilweise periodisch trocken liegen,
verlieren viel von ihrer Farbenpracht und neigen nach violet, orange
oder grün.

Auf der Insel Yezo bilden Meeresalgen, insbesondere die grossen
Tange, nächst Fischen den wichtigsten Ausfuhrartikel, vornehmlich
nach China. Die hervorragendsten Bestandtheile dieses Algenhan-
dels sind:

1) Kombu, Laminaria saccharina Lamour. (L. japonica Arech., Fucus
saccharinus Thunb.).
2) Arame, Capea elongata Ag.
3) Katsumi, Capea flabelliformis Rich.
4) Wakame, Alaria esculenta Grev. b. pinnatifida Harv.
5) Haba-nori, Phyllitis debilis Kg., Arten, welche zum Theil auch
noch an den Gestaden von Honshiu gesammelt werden.

Die meisten essbaren grünen und rothen Algen führen den Col-
lectivnamen Nori, während man für Algen überhaupt wohl Umi-kusa
oder Kai-so sagt, welche Wörter einfache Uebersetzungen vom engl.
"Sea-weed" sind.

Von grünen Algen sammelt und benutzt man an den japanischen
Küsten, theils frisch zu Suppe, theils getrocknet oder mit Essig oder
Salz eingemacht, verschiedene Arten Ulvaceen, nicht blos die cosmo-
politischen Meerlattige selbst, wie U. Lactuca L., Ao-nori, und an-
dere, sondern auch Phycoseris australis Kg. (Ulva latissima Ag.), Nori
genannt; ferner Enteromorpha complanata Kg., Awosa, und ganz be-
sonders Enteromorpha compressa Grev. (U. compressa L.). Der Japa-
ner nennt sie Ao-nori und isst sie theils frisch in Suppe, oder ge-
trocknet mit Essig und Stärke. Gewöhnlich kommt sie in Form klei-
ner Päckchen mit parallel laufendem Thallus in den Handel.

Modzuku heisst die Mesogloia decipiens Sur., welche namentlich
viel von der Küste der Halbinsel Kadzusa-Awa kommt und ähnlich
verwendet wird. Desgleichen Somen-nori, d. h. die Vermicelli-Alge
(Nemalion vermiculare). Auch mehrere in fast allen Meeren verbreitete
Arten Codium, jap. Miru, fehlen nicht, so Codium tomentosum Ag. & C.
elongatum Ag.

Die knorpelartigen Florideen, insbesondere Gattungen und Arten

2. Nährpflanzen.
Flussmündungen und in Pfützen, wo derselbe sehr gering ist, sodann
an der Küste über dem mittleren Wasserstande.

Die rothen Algen (Florideen oder Rhodospermen) erreichen dagegen
das Maximum ihres Vorkommens in tieferem Wasser und an Stellen,
wo das directe Sonnenlicht nicht viel einwirkt. Diejenigen Arten der-
selben, welche dieser Regel nicht folgen, an der Grenze des Wasser-
spiegels vorkommen oder wohl gar theilweise periodisch trocken liegen,
verlieren viel von ihrer Farbenpracht und neigen nach violet, orange
oder grün.

Auf der Insel Yezo bilden Meeresalgen, insbesondere die grossen
Tange, nächst Fischen den wichtigsten Ausfuhrartikel, vornehmlich
nach China. Die hervorragendsten Bestandtheile dieses Algenhan-
dels sind:

1) Kombu, Laminaria saccharina Lamour. (L. japonica Arech., Fucus
saccharinus Thunb.).
2) Arame, Capea elongata Ag.
3) Katsumi, Capea flabelliformis Rich.
4) Wakame, Alaria esculenta Grev. β. pinnatifida Harv.
5) Haba-nori, Phyllitis debilis Kg., Arten, welche zum Theil auch
noch an den Gestaden von Honshiu gesammelt werden.

Die meisten essbaren grünen und rothen Algen führen den Col-
lectivnamen Nori, während man für Algen überhaupt wohl Umi-kusa
oder Kai-sô sagt, welche Wörter einfache Uebersetzungen vom engl.
»Sea-weed« sind.

Von grünen Algen sammelt und benutzt man an den japanischen
Küsten, theils frisch zu Suppe, theils getrocknet oder mit Essig oder
Salz eingemacht, verschiedene Arten Ulvaceen, nicht blos die cosmo-
politischen Meerlattige selbst, wie U. Lactuca L., Ao-nori, und an-
dere, sondern auch Phycoseris australis Kg. (Ulva latissima Ag.), Nori
genannt; ferner Enteromorpha complanata Kg., Awosa, und ganz be-
sonders Enteromorpha compressa Grev. (U. compressa L.). Der Japa-
ner nennt sie Ao-nori und isst sie theils frisch in Suppe, oder ge-
trocknet mit Essig und Stärke. Gewöhnlich kommt sie in Form klei-
ner Päckchen mit parallel laufendem Thallus in den Handel.

Modzuku heisst die Mesogloia decipiens Sur., welche namentlich
viel von der Küste der Halbinsel Kadzusa-Awa kommt und ähnlich
verwendet wird. Desgleichen Somen-nori, d. h. die Vermicelli-Alge
(Nemalion vermiculare). Auch mehrere in fast allen Meeren verbreitete
Arten Codium, jap. Miru, fehlen nicht, so Codium tomentosum Ag. & C.
elongatum Ag.

Die knorpelartigen Florideen, insbesondere Gattungen und Arten

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[95/0115] 2. Nährpflanzen. Flussmündungen und in Pfützen, wo derselbe sehr gering ist, sodann an der Küste über dem mittleren Wasserstande. Die rothen Algen (Florideen oder Rhodospermen) erreichen dagegen das Maximum ihres Vorkommens in tieferem Wasser und an Stellen, wo das directe Sonnenlicht nicht viel einwirkt. Diejenigen Arten der- selben, welche dieser Regel nicht folgen, an der Grenze des Wasser- spiegels vorkommen oder wohl gar theilweise periodisch trocken liegen, verlieren viel von ihrer Farbenpracht und neigen nach violet, orange oder grün. Auf der Insel Yezo bilden Meeresalgen, insbesondere die grossen Tange, nächst Fischen den wichtigsten Ausfuhrartikel, vornehmlich nach China. Die hervorragendsten Bestandtheile dieses Algenhan- dels sind: 1) Kombu, Laminaria saccharina Lamour. (L. japonica Arech., Fucus saccharinus Thunb.). 2) Arame, Capea elongata Ag. 3) Katsumi, Capea flabelliformis Rich. 4) Wakame, Alaria esculenta Grev. β. pinnatifida Harv. 5) Haba-nori, Phyllitis debilis Kg., Arten, welche zum Theil auch noch an den Gestaden von Honshiu gesammelt werden. Die meisten essbaren grünen und rothen Algen führen den Col- lectivnamen Nori, während man für Algen überhaupt wohl Umi-kusa oder Kai-sô sagt, welche Wörter einfache Uebersetzungen vom engl. »Sea-weed« sind. Von grünen Algen sammelt und benutzt man an den japanischen Küsten, theils frisch zu Suppe, theils getrocknet oder mit Essig oder Salz eingemacht, verschiedene Arten Ulvaceen, nicht blos die cosmo- politischen Meerlattige selbst, wie U. Lactuca L., Ao-nori, und an- dere, sondern auch Phycoseris australis Kg. (Ulva latissima Ag.), Nori genannt; ferner Enteromorpha complanata Kg., Awosa, und ganz be- sonders Enteromorpha compressa Grev. (U. compressa L.). Der Japa- ner nennt sie Ao-nori und isst sie theils frisch in Suppe, oder ge- trocknet mit Essig und Stärke. Gewöhnlich kommt sie in Form klei- ner Päckchen mit parallel laufendem Thallus in den Handel. Modzuku heisst die Mesogloia decipiens Sur., welche namentlich viel von der Küste der Halbinsel Kadzusa-Awa kommt und ähnlich verwendet wird. Desgleichen Somen-nori, d. h. die Vermicelli-Alge (Nemalion vermiculare). Auch mehrere in fast allen Meeren verbreitete Arten Codium, jap. Miru, fehlen nicht, so Codium tomentosum Ag. & C. elongatum Ag. Die knorpelartigen Florideen, insbesondere Gattungen und Arten

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Zitationshilfe: Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886, S. 95. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886/115>, abgerufen am 12.05.2021.