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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886.

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I. Land- und Forstwirthschaft.
förmig ausbreiten. Zur Oelgewinnung wird nur diese Form cultiviert,
und zwar bis zur Tsugarustrasse. In Gärten und Tempelhainen trifft
man einfach und gefüllt blühende, letztere jedoch in viel weniger
Sorten, als bei uns. Die Blüthezeit beginnt je nach der Breite im Ja-
nuar oder Februar und dauert bis zum April. Die Farbe des Holzes
geht allmählich von hellgrau oder rosa in dunklere Nüancen über,
die Rinde erinnert an diejenige der Buchbäume.

134. Camellia Sasanqua Sieb., jap. Sasan-kuwa, ein grosser
Strauch (siehe pg. 180), dessen Blätter und Blüthen sich mehr denen
des Theestrauchs nähern. Die Blüthezeit ist, wie bei letzterem, der
Spätherbst und December.

135. Camellia theifera Griffith (Thea chinensis Sims.), jap. Cha,
Cha-no-ki
(siehe pg. 130 ff.).

136. Stuartia monadelpha S. & Z., jap. Saru-name und Saru-
suberi
.

137. Stuartia serrata Maxim., jap. Saru-name und Saru-suberi,
wie die vorige, welche indess viel häufiger vorkommt. Ihre Heimat
ist in den Berglaubwäldern 1000--1500 m über der See, z. B. im Ge-
birge von Nikko, auf Mi-kuni-toge und anderwärts. Saru-name bildet
Bäume von 6--12 m Höhe, mit glattrindigen, aber selten geraden
Stämmen. Unter den vielen andern Gliedern des Bergwaldes fallen
sie besonders dadurch auf, dass sie, wie bei uns die Platanen, stück-
weise ihre glatte Rinde abwerfen. Damit erinnern sie denn auch an
die Lagerstroemia indica der Gärten, woher wohl auch der gemeinsame
Name Saru-suberi, d. h. Affengleiter, kommt.

Von den übrigen blattwerfenden Ternströmiaceen kommt der be-
kannte Zierstrauch Stachyurus praecox S. & Z., jap. Mume-fuji als
Holzlieferant kaum in Betracht und es bleibt nur noch die Gattung
Actinidia zu erwähnen übrig. Ihr Charakter weicht von dem der
übrigen Familienangehörigen Japans weit ab; denn wir haben es hier
mit einer Anzahl einfachblätteriger, sommergrüner Klettersträucher
zu thun, die vornehmlich dem Gebirgswalde und kälteren Norden an-
gehören und nur in ihrem Blüthenbau den immergrünen Ternströmia-
ceen nahestehen. Ihre Früchte sind saftige und zum Theil essbare
Beeren (pg. 108); ihr bräunliches Holz zeichnet sich, wie das der
meisten Kletter- und Schlingsträucher, *) durch Leichtigkeit und grosse
Porosität aus. Man benutzt Querschnitte desselben als Dobin-shi
oder Unterlagen für die kleinen Theenäpfe, verarbeitet es auch hier

*) Viele derselben führen die japanischen Beinamen Tsuru, Tsuta und Katsura.

I. Land- und Forstwirthschaft.
förmig ausbreiten. Zur Oelgewinnung wird nur diese Form cultiviert,
und zwar bis zur Tsugarustrasse. In Gärten und Tempelhainen trifft
man einfach und gefüllt blühende, letztere jedoch in viel weniger
Sorten, als bei uns. Die Blüthezeit beginnt je nach der Breite im Ja-
nuar oder Februar und dauert bis zum April. Die Farbe des Holzes
geht allmählich von hellgrau oder rosa in dunklere Nüancen über,
die Rinde erinnert an diejenige der Buchbäume.

134. Camellia Sasanqua Sieb., jap. Sasan-kuwa, ein grosser
Strauch (siehe pg. 180), dessen Blätter und Blüthen sich mehr denen
des Theestrauchs nähern. Die Blüthezeit ist, wie bei letzterem, der
Spätherbst und December.

135. Camellia theïfera Griffith (Thea chinensis Sims.), jap. Cha,
Cha-no-ki
(siehe pg. 130 ff.).

136. Stuartia monadelpha S. & Z., jap. Saru-name und Saru-
suberi
.

137. Stuartia serrata Maxim., jap. Saru-name und Saru-suberi,
wie die vorige, welche indess viel häufiger vorkommt. Ihre Heimat
ist in den Berglaubwäldern 1000—1500 m über der See, z. B. im Ge-
birge von Nikko, auf Mi-kuni-tôge und anderwärts. Saru-name bildet
Bäume von 6—12 m Höhe, mit glattrindigen, aber selten geraden
Stämmen. Unter den vielen andern Gliedern des Bergwaldes fallen
sie besonders dadurch auf, dass sie, wie bei uns die Platanen, stück-
weise ihre glatte Rinde abwerfen. Damit erinnern sie denn auch an
die Lagerstroemia indica der Gärten, woher wohl auch der gemeinsame
Name Saru-suberi, d. h. Affengleiter, kommt.

Von den übrigen blattwerfenden Ternströmiaceen kommt der be-
kannte Zierstrauch Stachyurus praecox S. & Z., jap. Mume-fuji als
Holzlieferant kaum in Betracht und es bleibt nur noch die Gattung
Actinidia zu erwähnen übrig. Ihr Charakter weicht von dem der
übrigen Familienangehörigen Japans weit ab; denn wir haben es hier
mit einer Anzahl einfachblätteriger, sommergrüner Klettersträucher
zu thun, die vornehmlich dem Gebirgswalde und kälteren Norden an-
gehören und nur in ihrem Blüthenbau den immergrünen Ternströmia-
ceen nahestehen. Ihre Früchte sind saftige und zum Theil essbare
Beeren (pg. 108); ihr bräunliches Holz zeichnet sich, wie das der
meisten Kletter- und Schlingsträucher, *) durch Leichtigkeit und grosse
Porosität aus. Man benutzt Querschnitte desselben als Dobin-shi
oder Unterlagen für die kleinen Theenäpfe, verarbeitet es auch hier

*) Viele derselben führen die japanischen Beinamen Tsuru, Tsuta und Katsura.
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[306/0330] I. Land- und Forstwirthschaft. förmig ausbreiten. Zur Oelgewinnung wird nur diese Form cultiviert, und zwar bis zur Tsugarustrasse. In Gärten und Tempelhainen trifft man einfach und gefüllt blühende, letztere jedoch in viel weniger Sorten, als bei uns. Die Blüthezeit beginnt je nach der Breite im Ja- nuar oder Februar und dauert bis zum April. Die Farbe des Holzes geht allmählich von hellgrau oder rosa in dunklere Nüancen über, die Rinde erinnert an diejenige der Buchbäume. 134. Camellia Sasanqua Sieb., jap. Sasan-kuwa, ein grosser Strauch (siehe pg. 180), dessen Blätter und Blüthen sich mehr denen des Theestrauchs nähern. Die Blüthezeit ist, wie bei letzterem, der Spätherbst und December. 135. Camellia theïfera Griffith (Thea chinensis Sims.), jap. Cha, Cha-no-ki (siehe pg. 130 ff.). 136. Stuartia monadelpha S. & Z., jap. Saru-name und Saru- suberi. 137. Stuartia serrata Maxim., jap. Saru-name und Saru-suberi, wie die vorige, welche indess viel häufiger vorkommt. Ihre Heimat ist in den Berglaubwäldern 1000—1500 m über der See, z. B. im Ge- birge von Nikko, auf Mi-kuni-tôge und anderwärts. Saru-name bildet Bäume von 6—12 m Höhe, mit glattrindigen, aber selten geraden Stämmen. Unter den vielen andern Gliedern des Bergwaldes fallen sie besonders dadurch auf, dass sie, wie bei uns die Platanen, stück- weise ihre glatte Rinde abwerfen. Damit erinnern sie denn auch an die Lagerstroemia indica der Gärten, woher wohl auch der gemeinsame Name Saru-suberi, d. h. Affengleiter, kommt. Von den übrigen blattwerfenden Ternströmiaceen kommt der be- kannte Zierstrauch Stachyurus praecox S. & Z., jap. Mume-fuji als Holzlieferant kaum in Betracht und es bleibt nur noch die Gattung Actinidia zu erwähnen übrig. Ihr Charakter weicht von dem der übrigen Familienangehörigen Japans weit ab; denn wir haben es hier mit einer Anzahl einfachblätteriger, sommergrüner Klettersträucher zu thun, die vornehmlich dem Gebirgswalde und kälteren Norden an- gehören und nur in ihrem Blüthenbau den immergrünen Ternströmia- ceen nahestehen. Ihre Früchte sind saftige und zum Theil essbare Beeren (pg. 108); ihr bräunliches Holz zeichnet sich, wie das der meisten Kletter- und Schlingsträucher, *) durch Leichtigkeit und grosse Porosität aus. Man benutzt Querschnitte desselben als Dobin-shi oder Unterlagen für die kleinen Theenäpfe, verarbeitet es auch hier *) Viele derselben führen die japanischen Beinamen Tsuru, Tsuta und Katsura.

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Zitationshilfe: Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886, S. 306. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886/330>, abgerufen am 07.05.2021.