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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886.

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8. Acclimatisation u. Verbreitung japan. Zier- u. Nutzpflanzen in Europa.
nicht selten gleich der Wistaria sich durch die Kronen der Zierbäume
winden und dieselben mit ihrer Blüthenfülle eigenartig schmücken.

Den Nordeuropäer überrascht beim Betreten der prächtigen Gar-
tenanlagen der Mittelmeerländer nicht blos die schwellende Fülle des
Pflanzenlebens, das bunte Gemisch der Farben und Formen blatt-
wechselnder Gehölze mit immergrünen aus allen subtropischen Ländern
der Erde, sondern vor allen Dingen der Anblick der Palmen und Bam-
busrohre in ihrer freien, kräftigen Entwickelung. Fragt er nach den
Heimatländern dieser exotischen Pflanzenformen, so wird er unter den
Palmen neben der japanischen Shiro (Chamaerops excelsa Thunb.),
welche hier vollständig acclimatisiert ist, Vertreter von fast allen Arten
der aussertropischen Gebiete der Erde, unter den Bambusrohren aber
vorwiegend japanische Formen finden. Es sind die kleineren Arten
und Abarten, welche die Gärtner vornehmlich als Bambusa nigra, B.
mitis, B. aurea, B. viridis glaucescens, B. viridis striata, B. Fortunei,
B. pygmaea, B. Kumasasa zu bezeichnen pflegen. Am auffallendsten
und schönsten von allen ist unstreitig das Kuro-dake oder schwarze
Bambusrohr (siehe auch pg. 272), welches in prächtig ausgebreiteten
Gruppen schon am Lago Maggiore mit 6 m Höhe und 31/2 cm Durch-
messer seine normale Entwickelung erreicht und nach Tschihatchef*)
im Jardin d'Essai zu Alger zuweilen innerhalb 24 Stunden um 400 mm
wächst.


*) Tschihatchef: Espagne, Algerie et Tunisie pg. 164.

8. Acclimatisation u. Verbreitung japan. Zier- u. Nutzpflanzen in Europa.
nicht selten gleich der Wistaria sich durch die Kronen der Zierbäume
winden und dieselben mit ihrer Blüthenfülle eigenartig schmücken.

Den Nordeuropäer überrascht beim Betreten der prächtigen Gar-
tenanlagen der Mittelmeerländer nicht blos die schwellende Fülle des
Pflanzenlebens, das bunte Gemisch der Farben und Formen blatt-
wechselnder Gehölze mit immergrünen aus allen subtropischen Ländern
der Erde, sondern vor allen Dingen der Anblick der Palmen und Bam-
busrohre in ihrer freien, kräftigen Entwickelung. Fragt er nach den
Heimatländern dieser exotischen Pflanzenformen, so wird er unter den
Palmen neben der japanischen Shiro (Chamaerops excelsa Thunb.),
welche hier vollständig acclimatisiert ist, Vertreter von fast allen Arten
der aussertropischen Gebiete der Erde, unter den Bambusrohren aber
vorwiegend japanische Formen finden. Es sind die kleineren Arten
und Abarten, welche die Gärtner vornehmlich als Bambusa nigra, B.
mitis, B. aurea, B. viridis glaucescens, B. viridis striata, B. Fortuneï,
B. pygmaea, B. Kumasasa zu bezeichnen pflegen. Am auffallendsten
und schönsten von allen ist unstreitig das Kuro-dake oder schwarze
Bambusrohr (siehe auch pg. 272), welches in prächtig ausgebreiteten
Gruppen schon am Lago Maggiore mit 6 m Höhe und 3½ cm Durch-
messer seine normale Entwickelung erreicht und nach Tschihatchef*)
im Jardin d’Essai zu Alger zuweilen innerhalb 24 Stunden um 400 mm
wächst.


*) Tschihatchef: Espagne, Algérie et Tunisie pg. 164.
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[345/0369] 8. Acclimatisation u. Verbreitung japan. Zier- u. Nutzpflanzen in Europa. nicht selten gleich der Wistaria sich durch die Kronen der Zierbäume winden und dieselben mit ihrer Blüthenfülle eigenartig schmücken. Den Nordeuropäer überrascht beim Betreten der prächtigen Gar- tenanlagen der Mittelmeerländer nicht blos die schwellende Fülle des Pflanzenlebens, das bunte Gemisch der Farben und Formen blatt- wechselnder Gehölze mit immergrünen aus allen subtropischen Ländern der Erde, sondern vor allen Dingen der Anblick der Palmen und Bam- busrohre in ihrer freien, kräftigen Entwickelung. Fragt er nach den Heimatländern dieser exotischen Pflanzenformen, so wird er unter den Palmen neben der japanischen Shiro (Chamaerops excelsa Thunb.), welche hier vollständig acclimatisiert ist, Vertreter von fast allen Arten der aussertropischen Gebiete der Erde, unter den Bambusrohren aber vorwiegend japanische Formen finden. Es sind die kleineren Arten und Abarten, welche die Gärtner vornehmlich als Bambusa nigra, B. mitis, B. aurea, B. viridis glaucescens, B. viridis striata, B. Fortuneï, B. pygmaea, B. Kumasasa zu bezeichnen pflegen. Am auffallendsten und schönsten von allen ist unstreitig das Kuro-dake oder schwarze Bambusrohr (siehe auch pg. 272), welches in prächtig ausgebreiteten Gruppen schon am Lago Maggiore mit 6 m Höhe und 3½ cm Durch- messer seine normale Entwickelung erreicht und nach Tschihatchef *) im Jardin d’Essai zu Alger zuweilen innerhalb 24 Stunden um 400 mm wächst. *) Tschihatchef: Espagne, Algérie et Tunisie pg. 164.

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Zitationshilfe: Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886, S. 345. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886/369>, abgerufen am 14.05.2021.