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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886.

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und Fenstergesimse des kaiserlichen Schlosses aus reinem Golde be-
stehen.*)

Selbst noch, nachdem man Japan endlich wirklich kennen gelernt
hatte, und der Reihe nach von Macao, Manila und Batavia aus mit
ihm in Handelsbeziehungen getreten war, schien die bedeutende Aus-
fuhr an Silber ein weiterer sicherer Beweis für den Metallreichthum
des Landes zu sein. Dieselbe hörte indess im Jahre 1642 ganz auf
und wurde von da ab zum Vorteil der Holländer durch diejenige
des Kupfers ersetzt.

Nach der Wiedereröffnung Japans vor nunmehr 30 Jahren glaubten
die Bewohner nur zu gern dieser herrschenden Meinung der Fremden.
Zwar lieferten ihre alten Minen nur noch geringe oder keine Erträge;
aber das lag doch wohl nur, wie Viele sagten, daran, dass zur Hebung
der gemuthmaassten Schätze die vorhandenen und angewandten Mittel
nicht ausreichten. Es galt also mit dem alten System zu brechen und
sich die reichen Erfahrungen und technischen Hülfsmittel im Bergbau
der christlichen Abendländer nutzbar zu machen.

So wurden denn der Reihe nach Bergingenieure aus Amerika,
England, Frankreich und Deutschland als Berather herangezogen, in
der Regel aber nach wenigen Jahren und Ablauf des Contractes wie-
der entlassen, sobald man sich überzeugte, dass dieselben nicht in der
Lage waren, mit all ihrer Kunst und Erfahrung dem Fiscus oder Pri-
vatunternehmern alsbald neue, grosse Einnahmequellen zu sichern
Gerade die tüchtigsten und gewissenhaftesten unter ihnen sahen sich
umringt von Schwierigkeiten und Hindernissen, ihre Studien und Er-
fahrungen den Verhältnissen anzupassen und einen rationellen Betrieb
einzurichten. Ich erwähne nur den schwerwiegenden Mangel der
Sprachkenntniss und die Unmöglichkeit eines sofortigen directen Ver-
kehrs, das Heer unnützer Beamten, welches sie umgab, den Mangel

*) "Chipangu ist eine Insel gegen Osten im offenen Weltmeer, 1500 Meilen ent-
fernt vom Festlande; und zwar ist es eine sehr grosse Insel.
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Ich will Euch eine wundervolle Sache vom Palaste des Herrn dieser Insel er-
zählen. Derselbe hat nämlich einen grossen Palast, welcher ganz mit feinem Golde
überdacht ist, wie unsere Kirchen mit Blei, so sehr, dass es kaum möglich ist, seinen
Werth anzugeben. Ueberdies ist das ganze Pflaster des Schlosses und sind alle Fuss-
böden seiner Zimmer ganz aus Gold, in Platten so dick wie Steinplatten, gut zwei
Finger dick, und die Fenster sind auch von Gold, so dass alles in allem der Reich-
thum dieses Palastes alle Grenzen und Vorstellungen übersteigt". Yule: Marco
Polo Vol. II pg. 235. Es ist bekannt, dass Columbus hoffte, auf seiner ewig denk-
würdigen westlichen Fahrt zu diesen von seinem Landsmann so gepriesenen Schätzen
Chipangu's zu gelangen.

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und Fenstergesimse des kaiserlichen Schlosses aus reinem Golde be-
stehen.*)

Selbst noch, nachdem man Japan endlich wirklich kennen gelernt
hatte, und der Reihe nach von Macao, Manila und Batavia aus mit
ihm in Handelsbeziehungen getreten war, schien die bedeutende Aus-
fuhr an Silber ein weiterer sicherer Beweis für den Metallreichthum
des Landes zu sein. Dieselbe hörte indess im Jahre 1642 ganz auf
und wurde von da ab zum Vorteil der Holländer durch diejenige
des Kupfers ersetzt.

Nach der Wiedereröffnung Japans vor nunmehr 30 Jahren glaubten
die Bewohner nur zu gern dieser herrschenden Meinung der Fremden.
Zwar lieferten ihre alten Minen nur noch geringe oder keine Erträge;
aber das lag doch wohl nur, wie Viele sagten, daran, dass zur Hebung
der gemuthmaassten Schätze die vorhandenen und angewandten Mittel
nicht ausreichten. Es galt also mit dem alten System zu brechen und
sich die reichen Erfahrungen und technischen Hülfsmittel im Bergbau
der christlichen Abendländer nutzbar zu machen.

So wurden denn der Reihe nach Bergingenieure aus Amerika,
England, Frankreich und Deutschland als Berather herangezogen, in
der Regel aber nach wenigen Jahren und Ablauf des Contractes wie-
der entlassen, sobald man sich überzeugte, dass dieselben nicht in der
Lage waren, mit all ihrer Kunst und Erfahrung dem Fiscus oder Pri-
vatunternehmern alsbald neue, grosse Einnahmequellen zu sichern
Gerade die tüchtigsten und gewissenhaftesten unter ihnen sahen sich
umringt von Schwierigkeiten und Hindernissen, ihre Studien und Er-
fahrungen den Verhältnissen anzupassen und einen rationellen Betrieb
einzurichten. Ich erwähne nur den schwerwiegenden Mangel der
Sprachkenntniss und die Unmöglichkeit eines sofortigen directen Ver-
kehrs, das Heer unnützer Beamten, welches sie umgab, den Mangel

*) »Chipangu ist eine Insel gegen Osten im offenen Weltmeer, 1500 Meilen ent-
fernt vom Festlande; und zwar ist es eine sehr grosse Insel.
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Ich will Euch eine wundervolle Sache vom Palaste des Herrn dieser Insel er-
zählen. Derselbe hat nämlich einen grossen Palast, welcher ganz mit feinem Golde
überdacht ist, wie unsere Kirchen mit Blei, so sehr, dass es kaum möglich ist, seinen
Werth anzugeben. Ueberdies ist das ganze Pflaster des Schlosses und sind alle Fuss-
böden seiner Zimmer ganz aus Gold, in Platten so dick wie Steinplatten, gut zwei
Finger dick, und die Fenster sind auch von Gold, so dass alles in allem der Reich-
thum dieses Palastes alle Grenzen und Vorstellungen übersteigt«. Yule: Marco
Polo Vol. II pg. 235. Es ist bekannt, dass Columbus hoffte, auf seiner ewig denk-
würdigen westlichen Fahrt zu diesen von seinem Landsmann so gepriesenen Schätzen
Chipangu’s zu gelangen.
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[347/0371] Allgemeines. und Fenstergesimse des kaiserlichen Schlosses aus reinem Golde be- stehen. *) Selbst noch, nachdem man Japan endlich wirklich kennen gelernt hatte, und der Reihe nach von Macao, Manila und Batavia aus mit ihm in Handelsbeziehungen getreten war, schien die bedeutende Aus- fuhr an Silber ein weiterer sicherer Beweis für den Metallreichthum des Landes zu sein. Dieselbe hörte indess im Jahre 1642 ganz auf und wurde von da ab zum Vorteil der Holländer durch diejenige des Kupfers ersetzt. Nach der Wiedereröffnung Japans vor nunmehr 30 Jahren glaubten die Bewohner nur zu gern dieser herrschenden Meinung der Fremden. Zwar lieferten ihre alten Minen nur noch geringe oder keine Erträge; aber das lag doch wohl nur, wie Viele sagten, daran, dass zur Hebung der gemuthmaassten Schätze die vorhandenen und angewandten Mittel nicht ausreichten. Es galt also mit dem alten System zu brechen und sich die reichen Erfahrungen und technischen Hülfsmittel im Bergbau der christlichen Abendländer nutzbar zu machen. So wurden denn der Reihe nach Bergingenieure aus Amerika, England, Frankreich und Deutschland als Berather herangezogen, in der Regel aber nach wenigen Jahren und Ablauf des Contractes wie- der entlassen, sobald man sich überzeugte, dass dieselben nicht in der Lage waren, mit all ihrer Kunst und Erfahrung dem Fiscus oder Pri- vatunternehmern alsbald neue, grosse Einnahmequellen zu sichern Gerade die tüchtigsten und gewissenhaftesten unter ihnen sahen sich umringt von Schwierigkeiten und Hindernissen, ihre Studien und Er- fahrungen den Verhältnissen anzupassen und einen rationellen Betrieb einzurichten. Ich erwähne nur den schwerwiegenden Mangel der Sprachkenntniss und die Unmöglichkeit eines sofortigen directen Ver- kehrs, das Heer unnützer Beamten, welches sie umgab, den Mangel *) »Chipangu ist eine Insel gegen Osten im offenen Weltmeer, 1500 Meilen ent- fernt vom Festlande; und zwar ist es eine sehr grosse Insel. — — — — — — — — — — — — — — — — — — — — Ich will Euch eine wundervolle Sache vom Palaste des Herrn dieser Insel er- zählen. Derselbe hat nämlich einen grossen Palast, welcher ganz mit feinem Golde überdacht ist, wie unsere Kirchen mit Blei, so sehr, dass es kaum möglich ist, seinen Werth anzugeben. Ueberdies ist das ganze Pflaster des Schlosses und sind alle Fuss- böden seiner Zimmer ganz aus Gold, in Platten so dick wie Steinplatten, gut zwei Finger dick, und die Fenster sind auch von Gold, so dass alles in allem der Reich- thum dieses Palastes alle Grenzen und Vorstellungen übersteigt«. Yule: Marco Polo Vol. II pg. 235. Es ist bekannt, dass Columbus hoffte, auf seiner ewig denk- würdigen westlichen Fahrt zu diesen von seinem Landsmann so gepriesenen Schätzen Chipangu’s zu gelangen.

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Zitationshilfe: Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886, S. 347. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886/371>, abgerufen am 09.05.2021.