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Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886.

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III. Kunstgewerbe und Verwandtes.
zwei Meter hohen Vasen verfertigen. *) Der vulkanische Ursprung dieses
Arita-ishi (Arita-Steins) ist bisher sowohl von denen, welche ihn,
wie v. Richthofen, Wagener, Rein, Lyman, an Ort und Stelle,
oder wie Gümbel, Pabst, vom Rath nach Handstücken untersuchten,
einstimmig anerkannt worden. **)

Lyman ***) hält ihn gleich mir für ein Umwandlungsprodukt des alten
vulkanischen Gesteins, das ganz in der Nähe als Perlitbreccie und Trachyt
unverändert ansteht. Hierfür spricht das stockartige Auftreten, das
Aussehen und die chemische Analyse. Es ist ein compakter Fels, von
der Härte des Ziegelsteins und 2,5--2,7 sp. Gewicht, von grauweisser
oder schwachgelblicher Färbung, der nach Gümbel +) in auffallender
Weise dem Trachyt- oder Felsitthonstein gleicht, womit auch die
chemischen Analysen (siehe Anhang, Tabelle A) übereinstimmen. Die
beste Sorte ist fast reines Kaolingestein. An andern Stellen findet man
die Masse durchtrümmert und von zahllosen kleinen Quarzadern durch-
zogen, welche nach freundlichen Untersuchungen und Mitteilungen des
Herrn G. vom Rath zum Teil mit sehr kleinen Quarzkryställchen
erfüllt sind und auch gleich andern Teilen Eisenkieskryställchen
führen, die sich unter der Lupe deutlich als Würfel und Pyritoeder
erkennen lassen.

Dieser Porzellanstein wird steinbruchartig auf einer Strecke von
etwa 1000 Metern gewonnen. Man unterscheidet drei Hauptsorten,
eine weisse, völlig kaolinisierte, die auch stellenweise den erdigen
Charakter des Kaolins annimmt, eine bläuliche, quarzreiche und eine
gelbliche, eisenhaltige. Bei der Gewinnung wird ganz systemlos ver-

*) Das Original des Farbenlichtdrucks Tafel XIX befindet sich in der Sammlung
von Wagner & Co. zu Berlin Dessauer Strasse 2 und gehört nach seiner cylin-
drischen Form und eigenartigen Verzierungsweise (durch erhaben gearbeitete
bunte Schmetterlinge auf weissem Grunde) jedenfalls zu den Seltenheiten unter
Arita-yaki.
**) Abweichend von seiner früheren Ansicht, dass es tertiäres Massengestein,
ein kieselsäurereiches, dem Rhyolithtuff ähnliches Gebilde sei (Zeitschrift der
deutschen Geol. Gesellschaft 32. Bd. S. 255). äussert sich F. von Richthofen in
seinem neuesten Werke (Führer für Forschungsreisende 1886 pg. 590), welches mir
eben beim Druck in die Hände kommt, darüber wie folgt: "Die grosse Lager-
stätte von Imari in Japan beruht auf der Einwirkung von Solfatarenthätigkeit
auf mürbe, thonige Sandsteine." -- Letztere kommen allerdings in unmittelbarer
Nähe des Porzellansteins mit demselben Thonerde- und wenig geringerem Kiesel-
säuregehalte vor, zeigen aber keine Spur von einem Uebergang in den Porzellan-
stein oder sonstigen genetischen Zusammenhang mit diesem. Die Einwirkung der
Solfataren nehme ich dagegen auch an. (Siehe pg. 370.)
***) Geological Survey of Japan. Reports of Progress. Tokio 1879. pg. 122.
+) Dingl. Pol. Journ. 227. Bd. pg. 501.

III. Kunstgewerbe und Verwandtes.
zwei Meter hohen Vasen verfertigen. *) Der vulkanische Ursprung dieses
Arita-ishi (Arita-Steins) ist bisher sowohl von denen, welche ihn,
wie v. Richthofen, Wagener, Rein, Lyman, an Ort und Stelle,
oder wie Gümbel, Pabst, vom Rath nach Handstücken untersuchten,
einstimmig anerkannt worden. **)

Lyman ***) hält ihn gleich mir für ein Umwandlungsprodukt des alten
vulkanischen Gesteins, das ganz in der Nähe als Perlitbreccie und Trachyt
unverändert ansteht. Hierfür spricht das stockartige Auftreten, das
Aussehen und die chemische Analyse. Es ist ein compakter Fels, von
der Härte des Ziegelsteins und 2,5—2,7 sp. Gewicht, von grauweisser
oder schwachgelblicher Färbung, der nach Gümbel †) in auffallender
Weise dem Trachyt- oder Felsitthonstein gleicht, womit auch die
chemischen Analysen (siehe Anhang, Tabelle A) übereinstimmen. Die
beste Sorte ist fast reines Kaolingestein. An andern Stellen findet man
die Masse durchtrümmert und von zahllosen kleinen Quarzadern durch-
zogen, welche nach freundlichen Untersuchungen und Mitteilungen des
Herrn G. vom Rath zum Teil mit sehr kleinen Quarzkryställchen
erfüllt sind und auch gleich andern Teilen Eisenkieskryställchen
führen, die sich unter der Lupe deutlich als Würfel und Pyritoëder
erkennen lassen.

Dieser Porzellanstein wird steinbruchartig auf einer Strecke von
etwa 1000 Metern gewonnen. Man unterscheidet drei Hauptsorten,
eine weisse, völlig kaolinisierte, die auch stellenweise den erdigen
Charakter des Kaolins annimmt, eine bläuliche, quarzreiche und eine
gelbliche, eisenhaltige. Bei der Gewinnung wird ganz systemlos ver-

*) Das Original des Farbenlichtdrucks Tafel XIX befindet sich in der Sammlung
von Wagner & Co. zu Berlin Dessauer Strasse 2 und gehört nach seiner cylin-
drischen Form und eigenartigen Verzierungsweise (durch erhaben gearbeitete
bunte Schmetterlinge auf weissem Grunde) jedenfalls zu den Seltenheiten unter
Arita-yaki.
**) Abweichend von seiner früheren Ansicht, dass es tertiäres Massengestein,
ein kieselsäurereiches, dem Rhyolithtuff ähnliches Gebilde sei (Zeitschrift der
deutschen Geol. Gesellschaft 32. Bd. S. 255). äussert sich F. von Richthofen in
seinem neuesten Werke (Führer für Forschungsreisende 1886 pg. 590), welches mir
eben beim Druck in die Hände kommt, darüber wie folgt: »Die grosse Lager-
stätte von Imari in Japan beruht auf der Einwirkung von Solfatarenthätigkeit
auf mürbe, thonige Sandsteine.« — Letztere kommen allerdings in unmittelbarer
Nähe des Porzellansteins mit demselben Thonerde- und wenig geringerem Kiesel-
säuregehalte vor, zeigen aber keine Spur von einem Uebergang in den Porzellan-
stein oder sonstigen genetischen Zusammenhang mit diesem. Die Einwirkung der
Solfataren nehme ich dagegen auch an. (Siehe pg. 370.)
***) Geological Survey of Japan. Reports of Progress. Tôkio 1879. pg. 122.
†) Dingl. Pol. Journ. 227. Bd. pg. 501.
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[560/0610] III. Kunstgewerbe und Verwandtes. zwei Meter hohen Vasen verfertigen. *) Der vulkanische Ursprung dieses Arita-ishi (Arita-Steins) ist bisher sowohl von denen, welche ihn, wie v. Richthofen, Wagener, Rein, Lyman, an Ort und Stelle, oder wie Gümbel, Pabst, vom Rath nach Handstücken untersuchten, einstimmig anerkannt worden. **) Lyman ***) hält ihn gleich mir für ein Umwandlungsprodukt des alten vulkanischen Gesteins, das ganz in der Nähe als Perlitbreccie und Trachyt unverändert ansteht. Hierfür spricht das stockartige Auftreten, das Aussehen und die chemische Analyse. Es ist ein compakter Fels, von der Härte des Ziegelsteins und 2,5—2,7 sp. Gewicht, von grauweisser oder schwachgelblicher Färbung, der nach Gümbel †) in auffallender Weise dem Trachyt- oder Felsitthonstein gleicht, womit auch die chemischen Analysen (siehe Anhang, Tabelle A) übereinstimmen. Die beste Sorte ist fast reines Kaolingestein. An andern Stellen findet man die Masse durchtrümmert und von zahllosen kleinen Quarzadern durch- zogen, welche nach freundlichen Untersuchungen und Mitteilungen des Herrn G. vom Rath zum Teil mit sehr kleinen Quarzkryställchen erfüllt sind und auch gleich andern Teilen Eisenkieskryställchen führen, die sich unter der Lupe deutlich als Würfel und Pyritoëder erkennen lassen. Dieser Porzellanstein wird steinbruchartig auf einer Strecke von etwa 1000 Metern gewonnen. Man unterscheidet drei Hauptsorten, eine weisse, völlig kaolinisierte, die auch stellenweise den erdigen Charakter des Kaolins annimmt, eine bläuliche, quarzreiche und eine gelbliche, eisenhaltige. Bei der Gewinnung wird ganz systemlos ver- *) Das Original des Farbenlichtdrucks Tafel XIX befindet sich in der Sammlung von Wagner & Co. zu Berlin Dessauer Strasse 2 und gehört nach seiner cylin- drischen Form und eigenartigen Verzierungsweise (durch erhaben gearbeitete bunte Schmetterlinge auf weissem Grunde) jedenfalls zu den Seltenheiten unter Arita-yaki. **) Abweichend von seiner früheren Ansicht, dass es tertiäres Massengestein, ein kieselsäurereiches, dem Rhyolithtuff ähnliches Gebilde sei (Zeitschrift der deutschen Geol. Gesellschaft 32. Bd. S. 255). äussert sich F. von Richthofen in seinem neuesten Werke (Führer für Forschungsreisende 1886 pg. 590), welches mir eben beim Druck in die Hände kommt, darüber wie folgt: »Die grosse Lager- stätte von Imari in Japan beruht auf der Einwirkung von Solfatarenthätigkeit auf mürbe, thonige Sandsteine.« — Letztere kommen allerdings in unmittelbarer Nähe des Porzellansteins mit demselben Thonerde- und wenig geringerem Kiesel- säuregehalte vor, zeigen aber keine Spur von einem Uebergang in den Porzellan- stein oder sonstigen genetischen Zusammenhang mit diesem. Die Einwirkung der Solfataren nehme ich dagegen auch an. (Siehe pg. 370.) ***) Geological Survey of Japan. Reports of Progress. Tôkio 1879. pg. 122. †) Dingl. Pol. Journ. 227. Bd. pg. 501.

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Zitationshilfe: Rein, Johann Justus: Japan nach Reisen und Studien. Bd. 2. Leipzig, 1886, S. 560. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rein_japan02_1886/610>, abgerufen am 12.05.2021.