Rempen, Johann: Schau-Bühne Der Evangelischen Warheit. Leipzig, 1721.Antwort. Was hat Christus für Gemeinschafft mit dem Belial, oder was haben die Apostel für Gemeinschafft mit dem Römischen Anti-Christ und seinem Anhang? Uber das/ so hatten die Apostel disfals keinen ungemessenen/ sondern einen austrücklichen gemessenen Befehl: dem sie solten und musten nachkommen: derselbige lautet also: lehret sie halten alles was ich euch befohlen habe Mat. 28. v. 20. an solchen gemessenen Befehl aber will der Römische Pabst und sein Anhang sich keines Weges verbinden lassen. X. Hat doch Christus selbst dasjenige/ was die Pharisäer und Schrifftgelehrten/ so auf dem Stuel Moysis gesessen/ sagten und befihlen/ gutgeheissen/ Mat. 23. v. 2. warum solten dann die Aussprüche und Befehl der Päbsten und der Päbstischen Kirchen-Praelaten nicht auch gutgeheissen werden? Antwort auf Moysis Stuel sitzen/ und neue Gottesdienst auf die Bahn bringen ist zweyerley. Christus hat befohlen man solle die Pharisäer und Schrifft-Gelehrten hören / und ihrer Lehr folgen/ so fern sie auf Moysis Stuel sitzen: das ist: so fern sie das Gesetz Moysis lehrten: sonsten aber/ da sie ausser/ und dem Gesetz Moysis zuwieder / etwas lehrten/ warnet Christus seine Jünger für solche ihre Verfälschung des wahren Gottes-Dienstes/ da er spricht: hütet euch für dem Sauerteig der Pharisäer: Da er dann verstehet (wie der Evangelist austrücklich meldet) die Lehre der Pharisäer Mar. 16. v. 12. Vber das/ wann man alle Umstände des texts nur recht anstehet/ so kan man ferners und weiters nichts daraus erzwingen und schliessen/ als das man die Lehrer/ wann sie nur die Warheit des Göttlichen Worts den Zuhörern unverfälschet fürtragen/ ob sie schon darneben für sich ein gottloses Leben führen/ hören und ihrer Lehr folgen solle. Wie schickt sich aber solches hierher? XI. Halten doch auch die Evangelischen viele Satzungen/ so von den alten bewehrten Concilien bestimmet seyn/ obschon solche Satzungen in der H. Schrifft nicht gefunden werden. Antwort. Solche Satzungen gehören nur zur Kirchen-Ordnung/ und seynd keine Articuln des Glaubens: Dann die Concilien haben selbige nicht angeordnet als ob sie zu des Menschen Seeligkeit nöhtig seyn/ oder als ob man dardurch die Seeligkeit und Gnade Gottes verdienen könne: sondern als Mittel-Dinge/ welche nach Gelegenheit eben so wohl auch wiederum können abgeschaffet werden. Uber das/ so nehmen wir auch von den Bewehrtesten Conciliis mehr und weiter nichts an/ als was der H. Schrifft nicht zuwieder laufft. XII. Hat doch Christus nirgend befohlen/ daß man sich vom Bluht und von dem erstickten enthalten solle/ und habens dannoch gleichwohl die Aposteln befohlen act. 15. v. 20. daraus dan folget/ daß sie etwas zubestimmen Macht gehabt/ ob sie schon darvon keinen sonderlichen Special Befehl gehabt haben. Antwort. Vom erstickten sich enthalten ist kein articul des Glaubens: wie dann auch die Aposteln diese Satzung nicht als einen articul des Glaubens den Christen haben wollen auftringen: sondern was disfals von ihnen beschlossen worden/ dasselbige ist/ vermöge der Christlichen Liebe/ von wegen der Schwach-Gläubigen geschehen/ als welche leichtlich wegen der Christlichen Freyheit/ deren sich etliche gantz unbescheiden und unzeitig gebrauchten/ hätten ärgeren mögen. Es wollen aber die Papisten ihre Satzungen als Glaubens-articul und zur Seeligkeit hochnöhtig und verdienstlich/ oder auf besondere Weise ersprießlich uns auftringen: welches wir dann keines weges können gutheissen/ als dardurch unsre Christliche Freyheit mercklich verkleinert Antwort. Was hat Christus für Gemeinschafft mit dem Belial, oder was haben die Apostel für Gemeinschafft mit dem Römischen Anti-Christ und seinem Anhang? Uber das/ so hatten die Apostel disfals keinen ungemessenen/ sondern einen austrücklichen gemessenen Befehl: dem sie solten und musten nachkommen: derselbige lautet also: lehret sie halten alles was ich euch befohlen habe Mat. 28. v. 20. an solchen gemessenen Befehl aber will der Römische Pabst und sein Anhang sich keines Weges verbinden lassen. X. Hat doch Christus selbst dasjenige/ was die Pharisäer und Schrifftgelehrten/ so auf dem Stuel Moysis gesessen/ sagten und befihlen/ gutgeheissen/ Mat. 23. v. 2. warum solten dann die Aussprüche und Befehl der Päbsten und der Päbstischen Kirchen-Praelaten nicht auch gutgeheissen werden? Antwort auf Moysis Stuel sitzen/ und neue Gottesdienst auf die Bahn bringen ist zweyerley. Christus hat befohlen man solle die Pharisäer und Schrifft-Gelehrten hören / und ihrer Lehr folgen/ so fern sie auf Moysis Stuel sitzen: das ist: so fern sie das Gesetz Moysis lehrten: sonsten aber/ da sie ausser/ und dem Gesetz Moysis zuwieder / etwas lehrten/ warnet Christus seine Jünger für solche ihre Verfälschung des wahren Gottes-Dienstes/ da er spricht: hütet euch für dem Sauerteig der Pharisäer: Da er dann verstehet (wie der Evangelist austrücklich meldet) die Lehre der Pharisäer Mar. 16. v. 12. Vber das/ wann man alle Umstände des texts nur recht anstehet/ so kan man ferners und weiters nichts daraus erzwingen und schliessen/ als das man die Lehrer/ wann sie nur die Warheit des Göttlichen Worts den Zuhörern unverfälschet fürtragen/ ob sie schon darneben für sich ein gottloses Leben führen/ hören und ihrer Lehr folgen solle. Wie schickt sich aber solches hierher? XI. Halten doch auch die Evangelischen viele Satzungen/ so von den alten bewehrten Concilien bestimmet seyn/ obschon solche Satzungen in der H. Schrifft nicht gefunden werden. Antwort. Solche Satzungen gehören nur zur Kirchen-Ordnung/ und seynd keine Articuln des Glaubens: Dann die Concilien haben selbige nicht angeordnet als ob sie zu des Menschen Seeligkeit nöhtig seyn/ oder als ob man dardurch die Seeligkeit und Gnade Gottes verdienen könne: sondern als Mittel-Dinge/ welche nach Gelegenheit eben so wohl auch wiederum können abgeschaffet werden. Uber das/ so nehmen wir auch von den Bewehrtesten Conciliis mehr und weiter nichts an/ als was der H. Schrifft nicht zuwieder laufft. XII. Hat doch Christus nirgend befohlen/ daß man sich vom Bluht und von dem erstickten enthalten solle/ und habens dannoch gleichwohl die Aposteln befohlen act. 15. v. 20. daraus dan folget/ daß sie etwas zubestimmen Macht gehabt/ ob sie schon darvon keinen sonderlichen Special Befehl gehabt haben. Antwort. Vom erstickten sich enthalten ist kein articul des Glaubens: wie dann auch die Aposteln diese Satzung nicht als einen articul des Glaubens den Christen haben wollen auftringen: sondern was disfals von ihnen beschlossen worden/ dasselbige ist/ vermöge der Christlichen Liebe/ von wegen der Schwach-Gläubigen geschehen/ als welche leichtlich wegen der Christlichen Freyheit/ deren sich etliche gantz unbescheiden und unzeitig gebrauchten/ hätten ärgeren mögen. Es wollen aber die Papisten ihre Satzungen als Glaubens-articul und zur Seeligkeit hochnöhtig und verdienstlich/ oder auf besondere Weise ersprießlich uns auftringen: welches wir dann keines weges können gutheissen/ als dardurch unsre Christliche Freyheit mercklich verkleinert <TEI> <text> <body> <div> <pb facs="#f0238" n="218"/> <p>Antwort. Was hat Christus für Gemeinschafft mit dem Belial, oder was haben die Apostel für Gemeinschafft mit dem Römischen Anti-Christ und seinem Anhang? Uber das/ so hatten die Apostel disfals keinen ungemessenen/ sondern einen austrücklichen gemessenen Befehl: dem sie solten und musten nachkommen: derselbige lautet also: lehret sie halten alles was ich euch befohlen habe Mat. 28. v. 20. an solchen gemessenen Befehl aber will der Römische Pabst und sein Anhang sich keines Weges verbinden lassen.</p> <p>X. Hat doch Christus selbst dasjenige/ was die Pharisäer und Schrifftgelehrten/ so auf dem Stuel Moysis gesessen/ sagten und befihlen/ gutgeheissen/ Mat. 23. v. 2. warum solten dann die Aussprüche und Befehl der Päbsten und der Päbstischen Kirchen-Praelaten nicht auch gutgeheissen werden?</p> <p>Antwort auf Moysis Stuel sitzen/ und neue Gottesdienst auf die Bahn bringen ist zweyerley. Christus hat befohlen man solle die Pharisäer und Schrifft-Gelehrten hören / und ihrer Lehr folgen/ so fern sie auf Moysis Stuel sitzen: das ist: so fern sie das Gesetz Moysis lehrten: sonsten aber/ da sie ausser/ und dem Gesetz Moysis zuwieder / etwas lehrten/ warnet Christus seine Jünger für solche ihre Verfälschung des wahren Gottes-Dienstes/ da er spricht: hütet euch für dem Sauerteig der Pharisäer: Da er dann verstehet (wie der Evangelist austrücklich meldet) die Lehre der Pharisäer Mar. 16. v. 12. Vber das/ wann man alle Umstände des texts nur recht anstehet/ so kan man ferners und weiters nichts daraus erzwingen und schliessen/ als das man die Lehrer/ wann sie nur die Warheit des Göttlichen Worts den Zuhörern unverfälschet fürtragen/ ob sie schon darneben für sich ein gottloses Leben führen/ hören und ihrer Lehr folgen solle. Wie schickt sich aber solches hierher?</p> <p>XI. Halten doch auch die Evangelischen viele Satzungen/ so von den alten bewehrten Concilien bestimmet seyn/ obschon solche Satzungen in der H. Schrifft nicht gefunden werden.</p> <p>Antwort. Solche Satzungen gehören nur zur Kirchen-Ordnung/ und seynd keine Articuln des Glaubens: Dann die Concilien haben selbige nicht angeordnet als ob sie zu des Menschen Seeligkeit nöhtig seyn/ oder als ob man dardurch die Seeligkeit und Gnade Gottes verdienen könne: sondern als Mittel-Dinge/ welche nach Gelegenheit eben so wohl auch wiederum können abgeschaffet werden. Uber das/ so nehmen wir auch von den Bewehrtesten Conciliis mehr und weiter nichts an/ als was der H. Schrifft nicht zuwieder laufft.</p> <p>XII. Hat doch Christus nirgend befohlen/ daß man sich vom Bluht und von dem erstickten enthalten solle/ und habens dannoch gleichwohl die Aposteln befohlen act. 15. v. 20. daraus dan folget/ daß sie etwas zubestimmen Macht gehabt/ ob sie schon darvon keinen sonderlichen Special Befehl gehabt haben.</p> <p>Antwort. Vom erstickten sich enthalten ist kein articul des Glaubens: wie dann auch die Aposteln diese Satzung nicht als einen articul des Glaubens den Christen haben wollen auftringen: sondern was disfals von ihnen beschlossen worden/ dasselbige ist/ vermöge der Christlichen Liebe/ von wegen der Schwach-Gläubigen geschehen/ als welche leichtlich wegen der Christlichen Freyheit/ deren sich etliche gantz unbescheiden und unzeitig gebrauchten/ hätten ärgeren mögen. Es wollen aber die Papisten ihre Satzungen als Glaubens-articul und zur Seeligkeit hochnöhtig und verdienstlich/ oder auf besondere Weise ersprießlich uns auftringen: welches wir dann keines weges können gutheissen/ als dardurch unsre Christliche Freyheit mercklich verkleinert </p> </div> </body> </text> </TEI> [218/0238]
Antwort. Was hat Christus für Gemeinschafft mit dem Belial, oder was haben die Apostel für Gemeinschafft mit dem Römischen Anti-Christ und seinem Anhang? Uber das/ so hatten die Apostel disfals keinen ungemessenen/ sondern einen austrücklichen gemessenen Befehl: dem sie solten und musten nachkommen: derselbige lautet also: lehret sie halten alles was ich euch befohlen habe Mat. 28. v. 20. an solchen gemessenen Befehl aber will der Römische Pabst und sein Anhang sich keines Weges verbinden lassen.
X. Hat doch Christus selbst dasjenige/ was die Pharisäer und Schrifftgelehrten/ so auf dem Stuel Moysis gesessen/ sagten und befihlen/ gutgeheissen/ Mat. 23. v. 2. warum solten dann die Aussprüche und Befehl der Päbsten und der Päbstischen Kirchen-Praelaten nicht auch gutgeheissen werden?
Antwort auf Moysis Stuel sitzen/ und neue Gottesdienst auf die Bahn bringen ist zweyerley. Christus hat befohlen man solle die Pharisäer und Schrifft-Gelehrten hören / und ihrer Lehr folgen/ so fern sie auf Moysis Stuel sitzen: das ist: so fern sie das Gesetz Moysis lehrten: sonsten aber/ da sie ausser/ und dem Gesetz Moysis zuwieder / etwas lehrten/ warnet Christus seine Jünger für solche ihre Verfälschung des wahren Gottes-Dienstes/ da er spricht: hütet euch für dem Sauerteig der Pharisäer: Da er dann verstehet (wie der Evangelist austrücklich meldet) die Lehre der Pharisäer Mar. 16. v. 12. Vber das/ wann man alle Umstände des texts nur recht anstehet/ so kan man ferners und weiters nichts daraus erzwingen und schliessen/ als das man die Lehrer/ wann sie nur die Warheit des Göttlichen Worts den Zuhörern unverfälschet fürtragen/ ob sie schon darneben für sich ein gottloses Leben führen/ hören und ihrer Lehr folgen solle. Wie schickt sich aber solches hierher?
XI. Halten doch auch die Evangelischen viele Satzungen/ so von den alten bewehrten Concilien bestimmet seyn/ obschon solche Satzungen in der H. Schrifft nicht gefunden werden.
Antwort. Solche Satzungen gehören nur zur Kirchen-Ordnung/ und seynd keine Articuln des Glaubens: Dann die Concilien haben selbige nicht angeordnet als ob sie zu des Menschen Seeligkeit nöhtig seyn/ oder als ob man dardurch die Seeligkeit und Gnade Gottes verdienen könne: sondern als Mittel-Dinge/ welche nach Gelegenheit eben so wohl auch wiederum können abgeschaffet werden. Uber das/ so nehmen wir auch von den Bewehrtesten Conciliis mehr und weiter nichts an/ als was der H. Schrifft nicht zuwieder laufft.
XII. Hat doch Christus nirgend befohlen/ daß man sich vom Bluht und von dem erstickten enthalten solle/ und habens dannoch gleichwohl die Aposteln befohlen act. 15. v. 20. daraus dan folget/ daß sie etwas zubestimmen Macht gehabt/ ob sie schon darvon keinen sonderlichen Special Befehl gehabt haben.
Antwort. Vom erstickten sich enthalten ist kein articul des Glaubens: wie dann auch die Aposteln diese Satzung nicht als einen articul des Glaubens den Christen haben wollen auftringen: sondern was disfals von ihnen beschlossen worden/ dasselbige ist/ vermöge der Christlichen Liebe/ von wegen der Schwach-Gläubigen geschehen/ als welche leichtlich wegen der Christlichen Freyheit/ deren sich etliche gantz unbescheiden und unzeitig gebrauchten/ hätten ärgeren mögen. Es wollen aber die Papisten ihre Satzungen als Glaubens-articul und zur Seeligkeit hochnöhtig und verdienstlich/ oder auf besondere Weise ersprießlich uns auftringen: welches wir dann keines weges können gutheissen/ als dardurch unsre Christliche Freyheit mercklich verkleinert
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| Zitationshilfe: | Rempen, Johann: Schau-Bühne Der Evangelischen Warheit. Leipzig, 1721, S. 218. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/rempen_schaubuehne_1721/238>, abgerufen am 23.09.2024. |


