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[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 1. Göttingen, 1748.

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Die Geschichte
sicht haben solte, daß ich gegen seinen höflichen
Danck widrum höflich, und wegen seiner Klagen
etwas gefälliger werden soll; wenn nicht Flüch-
tigkeit und Unordnung die Ursache dieses Wider-
spruchs ist: so muß er so unergründlich seyn, und
so viel Erfahrung und Uebung in dergleichen
Künsten erlanget haben, als irgend ein Mensch
auf der Welt. Wüste ich dieses gewiß, so wol-
te ich ihn noch mehr hassen als Solmes selbst.
Allein genug von einem so bundscheckigten Ge-
schöpffe.



Der sieben und zwanzigste Brief
von
Fräulein Howe an Fräulein Clarissa
Harlowe.

Jch verliere alle Gedult gegen die Leute, unter
denen Sie leben müssen. Jch weiß nicht,
was ich Jhnen rathen soll. Woher wissen Sie,
daß Sie darin nicht strafbar sind, da Sie obgleich
zu Jhrem eigenen Schaden Anlaß geben, daß
Jhres Gros-Vaters Testament unerfüllet bleibet?
der letzte Wille eines Sterbenden soll billig heilig
gehalten werden: so dencken selbst die, die durch
dieses Testament zu ihrem Schaden Jhnen nach-
gesetzt sind.

Jch habe nichts gegen die rechten edlen Ge-
dancken einzuwenden, denen Sie damals folgten.

Da

Die Geſchichte
ſicht haben ſolte, daß ich gegen ſeinen hoͤflichen
Danck widrum hoͤflich, und wegen ſeiner Klagen
etwas gefaͤlliger werden ſoll; wenn nicht Fluͤch-
tigkeit und Unordnung die Urſache dieſes Wider-
ſpruchs iſt: ſo muß er ſo unergruͤndlich ſeyn, und
ſo viel Erfahrung und Uebung in dergleichen
Kuͤnſten erlanget haben, als irgend ein Menſch
auf der Welt. Wuͤſte ich dieſes gewiß, ſo wol-
te ich ihn noch mehr haſſen als Solmes ſelbſt.
Allein genug von einem ſo bundſcheckigten Ge-
ſchoͤpffe.



Der ſieben und zwanzigſte Brief
von
Fraͤulein Howe an Fraͤulein Clariſſa
Harlowe.

Jch verliere alle Gedult gegen die Leute, unter
denen Sie leben muͤſſen. Jch weiß nicht,
was ich Jhnen rathen ſoll. Woher wiſſen Sie,
daß Sie darin nicht ſtrafbar ſind, da Sie obgleich
zu Jhrem eigenen Schaden Anlaß geben, daß
Jhres Gros-Vaters Teſtament unerfuͤllet bleibet?
der letzte Wille eines Sterbenden ſoll billig heilig
gehalten werden: ſo dencken ſelbſt die, die durch
dieſes Teſtament zu ihrem Schaden Jhnen nach-
geſetzt ſind.

Jch habe nichts gegen die rechten edlen Ge-
dancken einzuwenden, denen Sie damals folgten.

Da
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[280/0300] Die Geſchichte ſicht haben ſolte, daß ich gegen ſeinen hoͤflichen Danck widrum hoͤflich, und wegen ſeiner Klagen etwas gefaͤlliger werden ſoll; wenn nicht Fluͤch- tigkeit und Unordnung die Urſache dieſes Wider- ſpruchs iſt: ſo muß er ſo unergruͤndlich ſeyn, und ſo viel Erfahrung und Uebung in dergleichen Kuͤnſten erlanget haben, als irgend ein Menſch auf der Welt. Wuͤſte ich dieſes gewiß, ſo wol- te ich ihn noch mehr haſſen als Solmes ſelbſt. Allein genug von einem ſo bundſcheckigten Ge- ſchoͤpffe. Der ſieben und zwanzigſte Brief von Fraͤulein Howe an Fraͤulein Clariſſa Harlowe. Donnerſtag Abends den 9. Maͤrtz. Jch verliere alle Gedult gegen die Leute, unter denen Sie leben muͤſſen. Jch weiß nicht, was ich Jhnen rathen ſoll. Woher wiſſen Sie, daß Sie darin nicht ſtrafbar ſind, da Sie obgleich zu Jhrem eigenen Schaden Anlaß geben, daß Jhres Gros-Vaters Teſtament unerfuͤllet bleibet? der letzte Wille eines Sterbenden ſoll billig heilig gehalten werden: ſo dencken ſelbſt die, die durch dieſes Teſtament zu ihrem Schaden Jhnen nach- geſetzt ſind. Jch habe nichts gegen die rechten edlen Ge- dancken einzuwenden, denen Sie damals folgten. Da

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Zitationshilfe: [Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 1. Göttingen, 1748, S. 280. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa01_1748/300>, abgerufen am 22.04.2021.