"bey meinem hefftigen Briefe, an statt Mitlei- "den zu haben, ungeduldig werden, so thun Sie "mir unrecht, und ich werde anfangen zu befürch- "ten, daß ich das Opfer mehr als Einer Ab- "trünnigen zu werden bestimmt bin. Haben "Sie Geduld mit mir. Jch meine Sie nicht: "ich meine nur Solmes und Jhren Bruder. "Wollen Sie aber Jhr edles Hertz zeigen, wol- "len sie meinen Brief entschuldigen, und mir "eine andere Zeit zur Unterredung ansetzen, so "seegne Sie der Gott, dem Sie bekennen zu "dienen, und der ein Gott der Wahrheit und "der Treue ist, dafür daß Sie Jhr Versprechen "erfüllen, und daß Sie wieder zu sich selbst brin- "gen, und hoffen lassen
"Jhren ewigen treuen ob- "gleich jetzt muthlosen "Verehrer und Anbeter "Jm Walde, in der "Laude, eben bey "Tages Anbruch. "Lovelace."
Jch gedencke ihm folgende Antwort zu schrei- ben:
Jch wundere mich/ mein Herr/ über die ungeheuchelten Verweise/ die sie mir geben. Jst es billig/ da sie mich durch ihre Bitten um eine Zusammenkunft er- müdet und überwunden hatten/ daß sie mich nun so angreiffen/ mir Untreue vor-
wer-
der Clariſſa.
„bey meinem hefftigen Briefe, an ſtatt Mitlei- „den zu haben, ungeduldig werden, ſo thun Sie „mir unrecht, und ich werde anfangen zu befuͤrch- „ten, daß ich das Opfer mehr als Einer Ab- „truͤnnigen zu werden beſtimmt bin. Haben „Sie Geduld mit mir. Jch meine Sie nicht: „ich meine nur Solmes und Jhren Bruder. „Wollen Sie aber Jhr edles Hertz zeigen, wol- „len ſie meinen Brief entſchuldigen, und mir „eine andere Zeit zur Unterredung anſetzen, ſo „ſeegne Sie der Gott, dem Sie bekennen zu „dienen, und der ein Gott der Wahrheit und „der Treue iſt, dafuͤr daß Sie Jhr Verſprechen „erfuͤllen, und daß Sie wieder zu ſich ſelbſt brin- „gen, und hoffen laſſen
„Jhren ewigen treuen ob- „gleich jetzt muthloſen „Verehrer und Anbeter „Jm Walde, in der „Laude, eben bey „Tages Anbruch. „Lovelace.„
Jch gedencke ihm folgende Antwort zu ſchrei- ben:
Jch wundere mich/ mein Herr/ uͤber die ungeheuchelten Verweiſe/ die ſie mir geben. Jſt es billig/ da ſie mich durch ihre Bitten um eine Zuſammenkunft er- muͤdet und uͤberwunden hatten/ daß ſie mich nun ſo angreiffen/ mir Untreue vor-
wer-
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der Clariſſa.
„bey meinem hefftigen Briefe, an ſtatt Mitlei-
„den zu haben, ungeduldig werden, ſo thun Sie
„mir unrecht, und ich werde anfangen zu befuͤrch-
„ten, daß ich das Opfer mehr als Einer Ab-
„truͤnnigen zu werden beſtimmt bin. Haben
„Sie Geduld mit mir. Jch meine Sie nicht:
„ich meine nur Solmes und Jhren Bruder.
„Wollen Sie aber Jhr edles Hertz zeigen, wol-
„len ſie meinen Brief entſchuldigen, und mir
„eine andere Zeit zur Unterredung anſetzen, ſo
„ſeegne Sie der Gott, dem Sie bekennen zu
„dienen, und der ein Gott der Wahrheit und
„der Treue iſt, dafuͤr daß Sie Jhr Verſprechen
„erfuͤllen, und daß Sie wieder zu ſich ſelbſt brin-
„gen, und hoffen laſſen
„Jhren ewigen treuen ob-
„gleich jetzt muthloſen
„Verehrer und Anbeter
„Jm Walde, in der
„Laude, eben bey
„Tages Anbruch.
„Lovelace.„
Jch gedencke ihm folgende Antwort zu ſchrei-
ben:
Jch wundere mich/ mein Herr/ uͤber
die ungeheuchelten Verweiſe/ die ſie mir
geben. Jſt es billig/ da ſie mich durch
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muͤdet und uͤberwunden hatten/ daß ſie
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[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 2. Göttingen, 1748, S. 203. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa02_1748/209>, abgerufen am 15.09.2024.
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