bracht zu seyn schien! eure überflüßige Sorg- falt für mich muß ich billig mit vielem Danck erkennen. Jch will euch aber jetzt dieser Be- mühung wenigstens so lange erlassen, als ich noch nähere und liebere Anverwanten habe. Jhr habt mir bisher noch keine Ursache gegeben, von eurem Verstande eine vortheilhaftere Meinung zu fassen, als von meinem eigenen. Von euch bin ich frey, ob ich gleich mir nie in den Sinn kommen lassen will frey und unabhängig von meinem Vater zu leben. So sehr ich wünsche, daß mein Onckles eine gute Meinung von mir hegen mögen; so ists doch dieses alles, was ich von ihnen wünsche: und ich wiederhohle diese Erklärung, um euch und meine Schwester zu beruhigen.
Fast denselben Augenblick kam Elisabeth sehr eilfertig herein gelauffen, und sahe mich so höh- nisch an, als wenn sie meine Schwester wäre. Sie sagte zu meinem Bruder: der gnädige Herr verlangt sie diesen Augenblick zu sprechen: er steht schon vor der Thür.
Er ging zu der Thür hinaus, die in meiner Schwester Saal führet, und ich hörte diese Don- ner-Worte aus einem Munde, dem ich alle Ehr- erbietung schuldig bin: mein Sohn Jacob/ daß die widerspenstige Tochter den Augen- blick nach meines Bruders Gute gebracht wird. Den Augenblick: - - Sie soll keine Stunde länger unter meinem Da- che bleiben.
Jch
Die Geſchichte
bracht zu ſeyn ſchien! eure uͤberfluͤßige Sorg- falt fuͤr mich muß ich billig mit vielem Danck erkennen. Jch will euch aber jetzt dieſer Be- muͤhung wenigſtens ſo lange erlaſſen, als ich noch naͤhere und liebere Anverwanten habe. Jhr habt mir bisher noch keine Urſache gegeben, von eurem Verſtande eine vortheilhaftere Meinung zu faſſen, als von meinem eigenen. Von euch bin ich frey, ob ich gleich mir nie in den Sinn kommen laſſen will frey und unabhaͤngig von meinem Vater zu leben. So ſehr ich wuͤnſche, daß mein Onckles eine gute Meinung von mir hegen moͤgen; ſo iſts doch dieſes alles, was ich von ihnen wuͤnſche: und ich wiederhohle dieſe Erklaͤrung, um euch und meine Schweſter zu beruhigen.
Faſt denſelben Augenblick kam Eliſabeth ſehr eilfertig herein gelauffen, und ſahe mich ſo hoͤh- niſch an, als wenn ſie meine Schweſter waͤre. Sie ſagte zu meinem Bruder: der gnaͤdige Herr verlangt ſie dieſen Augenblick zu ſprechen: er ſteht ſchon vor der Thuͤr.
Er ging zu der Thuͤr hinaus, die in meiner Schweſter Saal fuͤhret, und ich hoͤrte dieſe Don- ner-Worte aus einem Munde, dem ich alle Ehr- erbietung ſchuldig bin: mein Sohn Jacob/ daß die widerſpenſtige Tochter den Augen- blick nach meines Bruders Gute gebracht wird. Den Augenblick: ‒ ‒ Sie ſoll keine Stunde laͤnger unter meinem Da- che bleiben.
Jch
<TEI><text><body><divn="1"><divn="2"><p><pbfacs="#f0342"n="336"/><fwplace="top"type="header"><hirendition="#b"><hirendition="#g">Die Geſchichte</hi></hi></fw><lb/>
bracht zu ſeyn ſchien! eure uͤberfluͤßige Sorg-<lb/>
falt fuͤr mich muß ich billig mit vielem Danck<lb/>
erkennen. Jch will euch aber jetzt dieſer Be-<lb/>
muͤhung wenigſtens ſo lange erlaſſen, als ich noch<lb/>
naͤhere und liebere Anverwanten habe. Jhr<lb/>
habt mir bisher noch keine Urſache gegeben, von<lb/>
eurem Verſtande eine vortheilhaftere Meinung<lb/>
zu faſſen, als von meinem eigenen. Von euch<lb/>
bin ich frey, ob ich gleich mir nie in den Sinn<lb/>
kommen laſſen will frey und unabhaͤngig von<lb/>
meinem Vater zu leben. So ſehr ich wuͤnſche,<lb/>
daß mein Onckles eine gute Meinung von mir<lb/>
hegen moͤgen; ſo iſts doch dieſes alles, was ich<lb/>
von ihnen wuͤnſche: und ich wiederhohle dieſe<lb/>
Erklaͤrung, um euch und meine Schweſter zu<lb/>
beruhigen.</p><lb/><p>Faſt denſelben Augenblick kam <hirendition="#fr">Eliſabeth</hi>ſehr<lb/>
eilfertig herein gelauffen, und ſahe mich ſo hoͤh-<lb/>
niſch an, als wenn ſie meine Schweſter waͤre.<lb/>
Sie ſagte zu meinem Bruder: der gnaͤdige<lb/>
Herr verlangt ſie dieſen Augenblick zu ſprechen:<lb/>
er ſteht ſchon vor der Thuͤr.</p><lb/><p>Er ging zu der Thuͤr hinaus, die in meiner<lb/>
Schweſter Saal fuͤhret, und ich hoͤrte dieſe Don-<lb/>
ner-Worte aus einem Munde, dem ich alle Ehr-<lb/>
erbietung ſchuldig bin: <hirendition="#fr">mein Sohn Jacob/<lb/>
daß die widerſpenſtige Tochter den Augen-<lb/>
blick nach meines Bruders Gute gebracht<lb/>
wird. Den Augenblick: ‒‒ Sie ſoll<lb/>
keine Stunde laͤnger unter meinem Da-<lb/>
che bleiben.</hi></p><lb/><fwplace="bottom"type="catch">Jch</fw><lb/></div></div></body></text></TEI>
[336/0342]
Die Geſchichte
bracht zu ſeyn ſchien! eure uͤberfluͤßige Sorg-
falt fuͤr mich muß ich billig mit vielem Danck
erkennen. Jch will euch aber jetzt dieſer Be-
muͤhung wenigſtens ſo lange erlaſſen, als ich noch
naͤhere und liebere Anverwanten habe. Jhr
habt mir bisher noch keine Urſache gegeben, von
eurem Verſtande eine vortheilhaftere Meinung
zu faſſen, als von meinem eigenen. Von euch
bin ich frey, ob ich gleich mir nie in den Sinn
kommen laſſen will frey und unabhaͤngig von
meinem Vater zu leben. So ſehr ich wuͤnſche,
daß mein Onckles eine gute Meinung von mir
hegen moͤgen; ſo iſts doch dieſes alles, was ich
von ihnen wuͤnſche: und ich wiederhohle dieſe
Erklaͤrung, um euch und meine Schweſter zu
beruhigen.
Faſt denſelben Augenblick kam Eliſabeth ſehr
eilfertig herein gelauffen, und ſahe mich ſo hoͤh-
niſch an, als wenn ſie meine Schweſter waͤre.
Sie ſagte zu meinem Bruder: der gnaͤdige
Herr verlangt ſie dieſen Augenblick zu ſprechen:
er ſteht ſchon vor der Thuͤr.
Er ging zu der Thuͤr hinaus, die in meiner
Schweſter Saal fuͤhret, und ich hoͤrte dieſe Don-
ner-Worte aus einem Munde, dem ich alle Ehr-
erbietung ſchuldig bin: mein Sohn Jacob/
daß die widerſpenſtige Tochter den Augen-
blick nach meines Bruders Gute gebracht
wird. Den Augenblick: ‒ ‒ Sie ſoll
keine Stunde laͤnger unter meinem Da-
che bleiben.
Jch
Informationen zur CAB-Ansicht
Diese Ansicht bietet Ihnen die Darstellung des Textes in normalisierter Orthographie.
Diese Textvariante wird vollautomatisch erstellt und kann aufgrund dessen auch Fehler enthalten.
Alle veränderten Wortformen sind grau hinterlegt. Als fremdsprachliches Material erkannte
Textteile sind ausgegraut dargestellt.
[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 2. Göttingen, 1748, S. 336. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa02_1748/342>, abgerufen am 15.09.2024.
Alle Inhalte dieser Seite unterstehen, soweit nicht anders gekennzeichnet, einer
Creative-Commons-Lizenz.
Die Rechte an den angezeigten Bilddigitalisaten, soweit nicht anders gekennzeichnet, liegen bei den besitzenden Bibliotheken.
Weitere Informationen finden Sie in den DTA-Nutzungsbedingungen.
Insbesondere im Hinblick auf die §§ 86a StGB und 130 StGB wird festgestellt, dass die auf
diesen Seiten abgebildeten Inhalte weder in irgendeiner Form propagandistischen Zwecken
dienen, oder Werbung für verbotene Organisationen oder Vereinigungen darstellen, oder
nationalsozialistische Verbrechen leugnen oder verharmlosen, noch zum Zwecke der
Herabwürdigung der Menschenwürde gezeigt werden.
Die auf diesen Seiten abgebildeten Inhalte (in Wort und Bild) dienen im Sinne des
§ 86 StGB Abs. 3 ausschließlich historischen, sozial- oder kulturwissenschaftlichen
Forschungszwecken. Ihre Veröffentlichung erfolgt in der Absicht, Wissen zur Anregung
der intellektuellen Selbstständigkeit und Verantwortungsbereitschaft des Staatsbürgers zu
vermitteln und damit der Förderung seiner Mündigkeit zu dienen.
Zitierempfehlung: Deutsches Textarchiv. Grundlage für ein Referenzkorpus der neuhochdeutschen Sprache. Herausgegeben von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, Berlin 2024. URL: https://www.deutschestextarchiv.de/.