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[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 3. Göttingen, 1749.

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anläßt, bestimmet werden. Auf eben die Weise
wird einerley sorgfältige und kluge Aufführung mir
aus ihr entweder eine gute Frau oder eine Geliebte
die keine Frau ist ziehen. Wenn ich mich bessere,
so will ich heyrathen. Das eine erfordert Zeit,
das muß mein Kind gestehen. Das andere er-
fordert auch Zeit: das sage ich.

Wie schwerme ich? So gehet es, wenn man
nicht weiß wozu man sich entschliessen soll.

Jch will dir von allen meinen Neigungen
Nachricht geben: von allem, was ich vor und
wider die Heyrath habe. Weil ich jetzt zu weit von
der Spur gekommen bin, so will ich schliessen. Jch
schreibe vielleicht alle Tage etwas, und übersende
es, wenn ich Gelegenheit habe.

Jn allem was ich schreibe, werde ich weder für
Zusammenhang, noch Wort-Fügung, oder ande-
re Gesetze die geringste Achtung hegen, sondern blos
für meinen Königlichen Willen und Wohl-
gefallen.



Der siebente Brief
von
Fräulein Howe an Fräulein Clarissa
Harlowe.

Jch habe Jhre Erzählung erhalten. Sie sind
noch eben dieselbe edle und erhabene Fräu-

lein



anlaͤßt, beſtimmet werden. Auf eben die Weiſe
wird einerley ſorgfaͤltige und kluge Auffuͤhrung mir
aus ihr entweder eine gute Frau oder eine Geliebte
die keine Frau iſt ziehen. Wenn ich mich beſſere,
ſo will ich heyrathen. Das eine erfordert Zeit,
das muß mein Kind geſtehen. Das andere er-
fordert auch Zeit: das ſage ich.

Wie ſchwerme ich? So gehet es, wenn man
nicht weiß wozu man ſich entſchlieſſen ſoll.

Jch will dir von allen meinen Neigungen
Nachricht geben: von allem, was ich vor und
wider die Heyrath habe. Weil ich jetzt zu weit von
der Spur gekommen bin, ſo will ich ſchlieſſen. Jch
ſchreibe vielleicht alle Tage etwas, und uͤberſende
es, wenn ich Gelegenheit habe.

Jn allem was ich ſchreibe, werde ich weder fuͤr
Zuſammenhang, noch Wort-Fuͤgung, oder ande-
re Geſetze die geringſte Achtung hegen, ſondern blos
fuͤr meinen Koͤniglichen Willen und Wohl-
gefallen.



Der ſiebente Brief
von
Fraͤulein Howe an Fraͤulein Clariſſa
Harlowe.

Jch habe Jhre Erzaͤhlung erhalten. Sie ſind
noch eben dieſelbe edle und erhabene Fraͤu-

lein
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[94/0108] anlaͤßt, beſtimmet werden. Auf eben die Weiſe wird einerley ſorgfaͤltige und kluge Auffuͤhrung mir aus ihr entweder eine gute Frau oder eine Geliebte die keine Frau iſt ziehen. Wenn ich mich beſſere, ſo will ich heyrathen. Das eine erfordert Zeit, das muß mein Kind geſtehen. Das andere er- fordert auch Zeit: das ſage ich. Wie ſchwerme ich? So gehet es, wenn man nicht weiß wozu man ſich entſchlieſſen ſoll. Jch will dir von allen meinen Neigungen Nachricht geben: von allem, was ich vor und wider die Heyrath habe. Weil ich jetzt zu weit von der Spur gekommen bin, ſo will ich ſchlieſſen. Jch ſchreibe vielleicht alle Tage etwas, und uͤberſende es, wenn ich Gelegenheit habe. Jn allem was ich ſchreibe, werde ich weder fuͤr Zuſammenhang, noch Wort-Fuͤgung, oder ande- re Geſetze die geringſte Achtung hegen, ſondern blos fuͤr meinen Koͤniglichen Willen und Wohl- gefallen. Der ſiebente Brief von Fraͤulein Howe an Fraͤulein Clariſſa Harlowe. Mittewochens Abends den 12. April. Jch habe Jhre Erzaͤhlung erhalten. Sie ſind noch eben dieſelbe edle und erhabene Fraͤu- lein

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Zitationshilfe: [Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 3. Göttingen, 1749, S. 94. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa03_1749/108>, abgerufen am 10.04.2021.