Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 3. Göttingen, 1749.

Bild:
<< vorherige Seite



Helden-Thaten seiner späten Jahre sich vor seinem
ersten Lorbeer-Zweig schämen mußten.

Jch weiß wohl, daß alle meine Einwendungen
leicht zu beantworten, und mit Recht zu tadeln sind.
Allein keiner von unserer Brüderschaft hat dieses
Recht: denn lange vorher ehe ich euer Anführer ge-
worden bin, habt ihr die Grund-Sätze durch eure
Aufführung gebilliget, die ihr jetzt aus Verdruß und
Neid an mir tadelt. Gegen euch habe ich mich
verantwortet und gerechtfertiget, und weiter verlan-
ge ich jetzt nichts zu thun. So erkenne denn, daß
ich nach unsern gemeinschaftlichen Grund-Sätzen
Recht habe, und du Unrecht: oder seyd zum wenig-
sten stille. Doch nein! ich befehle dir überzeuget zu
seyn, und mir deine neue Ueberzeugungen in dem
nächsten Briefe zu melden.



Der sieben und siebenzigste Brief
von
Herrn Belford an Herrn Lovelacen.

Jch weiß, daß du ruchlos bist, daß es nichts
hilft, wenn man dir auch die wichtigsten Grün-
de von der Welt vorstellet: man richtet dadurch nicht
mehr aus, als der unsinnige Mensch, den wir ein-
mal sahen, welcher den Sturmwind mit seinem Hu-
te aufhalten wollte. Jndessen hoffe ich dennoch,
daß die vortreflichen Eigenschaften der Fräulein dich
endlich besiegen werden. Wenn du aber dennoch

bey
Dritter Theil. M m



Helden-Thaten ſeiner ſpaͤten Jahre ſich vor ſeinem
erſten Lorbeer-Zweig ſchaͤmen mußten.

Jch weiß wohl, daß alle meine Einwendungen
leicht zu beantworten, und mit Recht zu tadeln ſind.
Allein keiner von unſerer Bruͤderſchaft hat dieſes
Recht: denn lange vorher ehe ich euer Anfuͤhrer ge-
worden bin, habt ihr die Grund-Saͤtze durch eure
Auffuͤhrung gebilliget, die ihr jetzt aus Verdruß und
Neid an mir tadelt. Gegen euch habe ich mich
verantwortet und gerechtfertiget, und weiter verlan-
ge ich jetzt nichts zu thun. So erkenne denn, daß
ich nach unſern gemeinſchaftlichen Grund-Saͤtzen
Recht habe, und du Unrecht: oder ſeyd zum wenig-
ſten ſtille. Doch nein! ich befehle dir uͤberzeuget zu
ſeyn, und mir deine neue Ueberzeugungen in dem
naͤchſten Briefe zu melden.



Der ſieben und ſiebenzigſte Brief
von
Herrn Belford an Herrn Lovelacen.

Jch weiß, daß du ruchlos biſt, daß es nichts
hilft, wenn man dir auch die wichtigſten Gruͤn-
de von der Welt vorſtellet: man richtet dadurch nicht
mehr aus, als der unſinnige Menſch, den wir ein-
mal ſahen, welcher den Sturmwind mit ſeinem Hu-
te aufhalten wollte. Jndeſſen hoffe ich dennoch,
daß die vortreflichen Eigenſchaften der Fraͤulein dich
endlich beſiegen werden. Wenn du aber dennoch

bey
Dritter Theil. M m
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0559" n="545"/><milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
Helden-Thaten &#x017F;einer &#x017F;pa&#x0364;ten Jahre &#x017F;ich vor &#x017F;einem<lb/>
er&#x017F;ten Lorbeer-Zweig &#x017F;cha&#x0364;men mußten.</p><lb/>
          <p>Jch weiß wohl, daß alle meine Einwendungen<lb/>
leicht zu beantworten, und mit Recht zu tadeln &#x017F;ind.<lb/>
Allein keiner von un&#x017F;erer Bru&#x0364;der&#x017F;chaft hat die&#x017F;es<lb/>
Recht: denn lange vorher ehe ich euer Anfu&#x0364;hrer ge-<lb/>
worden bin, habt ihr die Grund-Sa&#x0364;tze durch eure<lb/>
Auffu&#x0364;hrung gebilliget, die ihr jetzt aus Verdruß und<lb/>
Neid an mir tadelt. <hi rendition="#fr">Gegen euch</hi> habe ich mich<lb/>
verantwortet und gerechtfertiget, und weiter verlan-<lb/>
ge ich jetzt nichts zu thun. So erkenne denn, daß<lb/>
ich nach un&#x017F;ern gemein&#x017F;chaftlichen Grund-Sa&#x0364;tzen<lb/>
Recht habe, und du Unrecht: oder &#x017F;eyd zum wenig-<lb/>
&#x017F;ten &#x017F;tille. Doch nein! ich befehle dir u&#x0364;berzeuget zu<lb/>
&#x017F;eyn, und mir deine neue Ueberzeugungen in dem<lb/>
na&#x0364;ch&#x017F;ten Briefe zu melden.</p>
        </div><lb/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <div n="2">
          <head><hi rendition="#fr">Der &#x017F;ieben und &#x017F;iebenzig&#x017F;te Brief</hi><lb/>
von<lb/><hi rendition="#fr">Herrn Belford an Herrn Lovelacen.</hi></head><lb/>
          <dateline> <hi rendition="#et">Edgware, Donner&#x017F;tags den 4. May.</hi> </dateline><lb/>
          <p><hi rendition="#in">J</hi>ch weiß, daß du ruchlos bi&#x017F;t, daß es nichts<lb/>
hilft, wenn man dir auch die wichtig&#x017F;ten Gru&#x0364;n-<lb/>
de von der Welt vor&#x017F;tellet: man richtet dadurch nicht<lb/>
mehr aus, als der un&#x017F;innige Men&#x017F;ch, den wir ein-<lb/>
mal &#x017F;ahen, welcher den Sturmwind mit &#x017F;einem Hu-<lb/>
te aufhalten wollte. Jnde&#x017F;&#x017F;en hoffe ich dennoch,<lb/>
daß die vortreflichen Eigen&#x017F;chaften der Fra&#x0364;ulein dich<lb/>
endlich be&#x017F;iegen werden. Wenn du aber dennoch<lb/>
<fw place="bottom" type="sig"><hi rendition="#fr">Dritter Theil.</hi> M m</fw><fw place="bottom" type="catch">bey</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[545/0559] Helden-Thaten ſeiner ſpaͤten Jahre ſich vor ſeinem erſten Lorbeer-Zweig ſchaͤmen mußten. Jch weiß wohl, daß alle meine Einwendungen leicht zu beantworten, und mit Recht zu tadeln ſind. Allein keiner von unſerer Bruͤderſchaft hat dieſes Recht: denn lange vorher ehe ich euer Anfuͤhrer ge- worden bin, habt ihr die Grund-Saͤtze durch eure Auffuͤhrung gebilliget, die ihr jetzt aus Verdruß und Neid an mir tadelt. Gegen euch habe ich mich verantwortet und gerechtfertiget, und weiter verlan- ge ich jetzt nichts zu thun. So erkenne denn, daß ich nach unſern gemeinſchaftlichen Grund-Saͤtzen Recht habe, und du Unrecht: oder ſeyd zum wenig- ſten ſtille. Doch nein! ich befehle dir uͤberzeuget zu ſeyn, und mir deine neue Ueberzeugungen in dem naͤchſten Briefe zu melden. Der ſieben und ſiebenzigſte Brief von Herrn Belford an Herrn Lovelacen. Edgware, Donnerſtags den 4. May. Jch weiß, daß du ruchlos biſt, daß es nichts hilft, wenn man dir auch die wichtigſten Gruͤn- de von der Welt vorſtellet: man richtet dadurch nicht mehr aus, als der unſinnige Menſch, den wir ein- mal ſahen, welcher den Sturmwind mit ſeinem Hu- te aufhalten wollte. Jndeſſen hoffe ich dennoch, daß die vortreflichen Eigenſchaften der Fraͤulein dich endlich beſiegen werden. Wenn du aber dennoch bey Dritter Theil. M m

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa03_1749
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa03_1749/559
Zitationshilfe: [Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 3. Göttingen, 1749, S. 545. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa03_1749/559>, abgerufen am 18.04.2021.