Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 5. Göttingen, 1750.

Bild:
<< vorherige Seite



gen Gestirne. Es ist für mein Gewissen eine
große Erleichterung, mußt du glauben. Jst
das wahr, was Hudibras saget: so stehet meiner
entlaufenen Geliebten auch noch Vergnügen im
Ueberflusse bevor.

Jn Wahrheit, es ist so vergnügt,
Berückt zu seyn, als zu berücken:
Gleichwie bey Taschenspielerstücken
Die Einfalt sich mit Lust betrügt;
Und stets ihr Wundern höher treibt,
Je fremder ihr der Handgriff bleibt.

Hier hast du auch den Brief von meiner lie-
ben Taschenspielerinn an mich. Das ist der
andere von den innern Briefen, die mir Wil-
helm geschickt hat.


Herr Lovelace.

Geben Sie mir keine Ursache, mich vor Jh-
rer Zurückkunft zu fürchten. Wofern Sie nicht
ewig von mir gehasset seyn wollen: so übersen-
den Sie mir durch den Ueberbringer des gegen-
wärtigen nur eine halbe Zeile, und versichern
mich darinn, daß Sie auf eine ganze Woche, von
heute an, nicht den geringsten Versuch thun wol-
len, mich zu sehen. Jch kann Jhnen nicht ins
Gesicht sehen, ohne eben so viele Verwirrung als
Widerwillen blicken zu lassen. Die Gefällig-
keit, welche Sie mir hierinn thun werden, ist für
Jhre schändliche Aufführung in verwichener
Nacht nur ein elendes Opfer.

Sie



gen Geſtirne. Es iſt fuͤr mein Gewiſſen eine
große Erleichterung, mußt du glauben. Jſt
das wahr, was Hudibras ſaget: ſo ſtehet meiner
entlaufenen Geliebten auch noch Vergnuͤgen im
Ueberfluſſe bevor.

Jn Wahrheit, es iſt ſo vergnuͤgt,
Beruͤckt zu ſeyn, als zu beruͤcken:
Gleichwie bey Taſchenſpielerſtuͤcken
Die Einfalt ſich mit Luſt betruͤgt;
Und ſtets ihr Wundern hoͤher treibt,
Je fremder ihr der Handgriff bleibt.

Hier haſt du auch den Brief von meiner lie-
ben Taſchenſpielerinn an mich. Das iſt der
andere von den innern Briefen, die mir Wil-
helm geſchickt hat.


Herr Lovelace.

Geben Sie mir keine Urſache, mich vor Jh-
rer Zuruͤckkunft zu fuͤrchten. Wofern Sie nicht
ewig von mir gehaſſet ſeyn wollen: ſo uͤberſen-
den Sie mir durch den Ueberbringer des gegen-
waͤrtigen nur eine halbe Zeile, und verſichern
mich darinn, daß Sie auf eine ganze Woche, von
heute an, nicht den geringſten Verſuch thun wol-
len, mich zu ſehen. Jch kann Jhnen nicht ins
Geſicht ſehen, ohne eben ſo viele Verwirrung als
Widerwillen blicken zu laſſen. Die Gefaͤllig-
keit, welche Sie mir hierinn thun werden, iſt fuͤr
Jhre ſchaͤndliche Auffuͤhrung in verwichener
Nacht nur ein elendes Opfer.

Sie
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <p><pb facs="#f0192" n="186"/><milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
gen Ge&#x017F;tirne. Es i&#x017F;t fu&#x0364;r mein Gewi&#x017F;&#x017F;en eine<lb/>
große Erleichterung, mußt du glauben. J&#x017F;t<lb/>
das wahr, was Hudibras &#x017F;aget: &#x017F;o &#x017F;tehet meiner<lb/>
entlaufenen Geliebten auch noch Vergnu&#x0364;gen im<lb/>
Ueberflu&#x017F;&#x017F;e bevor.</p><lb/>
          <cit>
            <quote>
              <lg type="poem">
                <l>Jn Wahrheit, es i&#x017F;t &#x017F;o vergnu&#x0364;gt,</l><lb/>
                <l>Beru&#x0364;ckt zu &#x017F;eyn, als zu beru&#x0364;cken:</l><lb/>
                <l>Gleichwie bey Ta&#x017F;chen&#x017F;pieler&#x017F;tu&#x0364;cken</l><lb/>
                <l>Die Einfalt &#x017F;ich mit Lu&#x017F;t betru&#x0364;gt;</l><lb/>
                <l>Und &#x017F;tets ihr Wundern ho&#x0364;her treibt,</l><lb/>
                <l>Je fremder ihr der Handgriff bleibt.</l>
              </lg>
            </quote>
          </cit><lb/>
          <p>Hier ha&#x017F;t du auch den Brief von meiner lie-<lb/>
ben Ta&#x017F;chen&#x017F;pielerinn an mich. Das i&#x017F;t der<lb/>
andere von den <hi rendition="#fr">innern</hi> Briefen, die mir Wil-<lb/>
helm ge&#x017F;chickt hat.</p><lb/>
          <floatingText>
            <body>
              <div type="letter">
                <dateline> <hi rendition="#et">Donner&#x017F;tags den 8ten Jun.</hi> </dateline><lb/>
                <salute> <hi rendition="#et"> <hi rendition="#fr">Herr Lovelace.</hi> </hi> </salute><lb/>
                <p>Geben Sie mir keine Ur&#x017F;ache, mich vor Jh-<lb/>
rer Zuru&#x0364;ckkunft zu fu&#x0364;rchten. Wofern Sie nicht<lb/>
ewig von mir geha&#x017F;&#x017F;et &#x017F;eyn wollen: &#x017F;o u&#x0364;ber&#x017F;en-<lb/>
den Sie mir durch den Ueberbringer des gegen-<lb/>
wa&#x0364;rtigen nur eine halbe Zeile, und ver&#x017F;ichern<lb/>
mich darinn, daß Sie auf eine ganze Woche, von<lb/>
heute an, nicht den gering&#x017F;ten Ver&#x017F;uch thun wol-<lb/>
len, mich zu &#x017F;ehen. Jch kann Jhnen nicht ins<lb/>
Ge&#x017F;icht &#x017F;ehen, ohne eben &#x017F;o viele Verwirrung als<lb/>
Widerwillen blicken zu la&#x017F;&#x017F;en. Die Gefa&#x0364;llig-<lb/>
keit, welche Sie mir hierinn thun werden, i&#x017F;t fu&#x0364;r<lb/>
Jhre &#x017F;cha&#x0364;ndliche Auffu&#x0364;hrung in verwichener<lb/>
Nacht nur ein elendes Opfer.</p><lb/>
                <fw place="bottom" type="catch">Sie</fw><lb/>
              </div>
            </body>
          </floatingText>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[186/0192] gen Geſtirne. Es iſt fuͤr mein Gewiſſen eine große Erleichterung, mußt du glauben. Jſt das wahr, was Hudibras ſaget: ſo ſtehet meiner entlaufenen Geliebten auch noch Vergnuͤgen im Ueberfluſſe bevor. Jn Wahrheit, es iſt ſo vergnuͤgt, Beruͤckt zu ſeyn, als zu beruͤcken: Gleichwie bey Taſchenſpielerſtuͤcken Die Einfalt ſich mit Luſt betruͤgt; Und ſtets ihr Wundern hoͤher treibt, Je fremder ihr der Handgriff bleibt. Hier haſt du auch den Brief von meiner lie- ben Taſchenſpielerinn an mich. Das iſt der andere von den innern Briefen, die mir Wil- helm geſchickt hat. Donnerſtags den 8ten Jun. Herr Lovelace. Geben Sie mir keine Urſache, mich vor Jh- rer Zuruͤckkunft zu fuͤrchten. Wofern Sie nicht ewig von mir gehaſſet ſeyn wollen: ſo uͤberſen- den Sie mir durch den Ueberbringer des gegen- waͤrtigen nur eine halbe Zeile, und verſichern mich darinn, daß Sie auf eine ganze Woche, von heute an, nicht den geringſten Verſuch thun wol- len, mich zu ſehen. Jch kann Jhnen nicht ins Geſicht ſehen, ohne eben ſo viele Verwirrung als Widerwillen blicken zu laſſen. Die Gefaͤllig- keit, welche Sie mir hierinn thun werden, iſt fuͤr Jhre ſchaͤndliche Auffuͤhrung in verwichener Nacht nur ein elendes Opfer. Sie

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa05_1750
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa05_1750/192
Zitationshilfe: [Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 5. Göttingen, 1750, S. 186. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa05_1750/192>, abgerufen am 22.07.2024.