Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 8. Göttingen, 1753.

Bild:
<< vorherige Seite


Th. III. S. 539. L. 14. nach den Worten:
als Mädgen zu fangen, lies statt des
nächsten Abschnitts:

Jch will die Vergleichung fortsetzen. - -
Wenn das Unglück eines gefangnen Mädgens
sehr groß ist, so wird sie freilich drohen, wie
ich gesagt habe: Ja sie wird gar eine Zeitlang
keine Nahrung zu sich nehmen wollen, vor-
nemlich, wenn ihr sie viel bittet, und sie den-
ket, daß euch ihre Weigerung unruhig macht.
Aber der Appetit wird sich bei dem lieben er-
zürnten Kinde bald wieder einfinden. Es ist
artig zu sehen, wie sie sich nach gerade giebt.
Durch ihren Hunger gezwungen, wird sie viel-
leicht heimlich ein Stück Brod mit Thränen
zu sich nehmen: Dann wird sie so weit gebracht
werden, in eurer Gegenwart ein bisgen zu
pierken, und zu seufzen, - - und zu seufzen, und
zu pierken, - - wobei sie dann und wann, wenn
das Fleisch nicht schmackhaft genug ist, eine oder
ein par schmackhafte Zähren mit verschluckt.
Dann ißt und trinkt sie, euch zu gefallen.
Dann entschließt sie sich, eurentwillen zu le-
ben. - - Dann werden sich gleich darauf ihre
Wehklagen in Schmeicheleien, und ihre hef-
tigen Vorwürfe, in ein sanftes Murren ver-
wandeln: Wie haben sie sichs unterstehen
können? Verräther! - - Wie konnten sie es
übers Herz bringen? mein Liebster! - - Sie
wird euch zu sich ziehen, an statt euch weg zu
stossen. Sie wird euch nicht länger mit her-

vorge-


Th. III. S. 539. L. 14. nach den Worten:
als Maͤdgen zu fangen, lies ſtatt des
naͤchſten Abſchnitts:

Jch will die Vergleichung fortſetzen. ‒ ‒
Wenn das Ungluͤck eines gefangnen Maͤdgens
ſehr groß iſt, ſo wird ſie freilich drohen, wie
ich geſagt habe: Ja ſie wird gar eine Zeitlang
keine Nahrung zu ſich nehmen wollen, vor-
nemlich, wenn ihr ſie viel bittet, und ſie den-
ket, daß euch ihre Weigerung unruhig macht.
Aber der Appetit wird ſich bei dem lieben er-
zuͤrnten Kinde bald wieder einfinden. Es iſt
artig zu ſehen, wie ſie ſich nach gerade giebt.
Durch ihren Hunger gezwungen, wird ſie viel-
leicht heimlich ein Stuͤck Brod mit Thraͤnen
zu ſich nehmen: Dann wird ſie ſo weit gebracht
werden, in eurer Gegenwart ein bisgen zu
pierken, und zu ſeufzen, ‒ ‒ und zu ſeufzen, und
zu pierken, ‒ ‒ wobei ſie dann und wann, wenn
das Fleiſch nicht ſchmackhaft genug iſt, eine oder
ein par ſchmackhafte Zaͤhren mit verſchluckt.
Dann ißt und trinkt ſie, euch zu gefallen.
Dann entſchließt ſie ſich, eurentwillen zu le-
ben. ‒ ‒ Dann werden ſich gleich darauf ihre
Wehklagen in Schmeicheleien, und ihre hef-
tigen Vorwuͤrfe, in ein ſanftes Murren ver-
wandeln: Wie haben ſie ſichs unterſtehen
koͤnnen? Verraͤther! ‒ ‒ Wie konnten ſie es
uͤbers Herz bringen? mein Liebſter! ‒ ‒ Sie
wird euch zu ſich ziehen, an ſtatt euch weg zu
ſtoſſen. Sie wird euch nicht laͤnger mit her-

vorge-
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <pb facs="#f0132" n="124"/>
        <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
        <div n="2">
          <head>Th. <hi rendition="#aq">III.</hi> S. 539. L. 14. nach den Worten:<lb/><hi rendition="#fr">als Ma&#x0364;dgen zu fangen,</hi> lies &#x017F;tatt des<lb/>
na&#x0364;ch&#x017F;ten Ab&#x017F;chnitts:</head><lb/>
          <p>Jch will die Vergleichung fort&#x017F;etzen. &#x2012; &#x2012;<lb/>
Wenn das Unglu&#x0364;ck eines gefangnen Ma&#x0364;dgens<lb/>
&#x017F;ehr groß i&#x017F;t, &#x017F;o wird &#x017F;ie freilich drohen, wie<lb/>
ich ge&#x017F;agt habe: Ja &#x017F;ie wird gar eine Zeitlang<lb/>
keine Nahrung zu &#x017F;ich nehmen wollen, vor-<lb/>
nemlich, wenn ihr &#x017F;ie viel bittet, und &#x017F;ie den-<lb/>
ket, daß euch ihre Weigerung unruhig macht.<lb/>
Aber der Appetit wird &#x017F;ich bei dem lieben er-<lb/>
zu&#x0364;rnten Kinde bald wieder einfinden. Es i&#x017F;t<lb/>
artig zu &#x017F;ehen, wie &#x017F;ie &#x017F;ich nach gerade giebt.<lb/>
Durch ihren Hunger gezwungen, wird &#x017F;ie viel-<lb/>
leicht heimlich ein Stu&#x0364;ck Brod mit Thra&#x0364;nen<lb/>
zu &#x017F;ich nehmen: Dann wird &#x017F;ie &#x017F;o weit gebracht<lb/>
werden, in eurer Gegenwart ein bisgen zu<lb/>
pierken, und zu &#x017F;eufzen, &#x2012; &#x2012; und zu &#x017F;eufzen, und<lb/>
zu pierken, &#x2012; &#x2012; wobei &#x017F;ie dann und wann, wenn<lb/>
das Flei&#x017F;ch nicht &#x017F;chmackhaft genug i&#x017F;t, eine oder<lb/>
ein par &#x017F;chmackhafte Za&#x0364;hren mit ver&#x017F;chluckt.<lb/>
Dann ißt und trinkt &#x017F;ie, euch zu gefallen.<lb/>
Dann ent&#x017F;chließt &#x017F;ie &#x017F;ich, eurentwillen zu le-<lb/>
ben. &#x2012; &#x2012; Dann werden &#x017F;ich gleich darauf ihre<lb/>
Wehklagen in Schmeicheleien, und ihre hef-<lb/>
tigen Vorwu&#x0364;rfe, in ein &#x017F;anftes Murren ver-<lb/>
wandeln: Wie haben &#x017F;ie &#x017F;ichs unter&#x017F;tehen<lb/>
ko&#x0364;nnen? Verra&#x0364;ther! &#x2012; &#x2012; Wie konnten &#x017F;ie es<lb/>
u&#x0364;bers Herz bringen? mein Lieb&#x017F;ter! &#x2012; &#x2012; Sie<lb/>
wird euch zu &#x017F;ich ziehen, an &#x017F;tatt euch weg zu<lb/>
&#x017F;to&#x017F;&#x017F;en. Sie wird euch nicht la&#x0364;nger mit her-<lb/>
<fw place="bottom" type="catch">vorge-</fw><lb/></p>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[124/0132] Th. III. S. 539. L. 14. nach den Worten: als Maͤdgen zu fangen, lies ſtatt des naͤchſten Abſchnitts: Jch will die Vergleichung fortſetzen. ‒ ‒ Wenn das Ungluͤck eines gefangnen Maͤdgens ſehr groß iſt, ſo wird ſie freilich drohen, wie ich geſagt habe: Ja ſie wird gar eine Zeitlang keine Nahrung zu ſich nehmen wollen, vor- nemlich, wenn ihr ſie viel bittet, und ſie den- ket, daß euch ihre Weigerung unruhig macht. Aber der Appetit wird ſich bei dem lieben er- zuͤrnten Kinde bald wieder einfinden. Es iſt artig zu ſehen, wie ſie ſich nach gerade giebt. Durch ihren Hunger gezwungen, wird ſie viel- leicht heimlich ein Stuͤck Brod mit Thraͤnen zu ſich nehmen: Dann wird ſie ſo weit gebracht werden, in eurer Gegenwart ein bisgen zu pierken, und zu ſeufzen, ‒ ‒ und zu ſeufzen, und zu pierken, ‒ ‒ wobei ſie dann und wann, wenn das Fleiſch nicht ſchmackhaft genug iſt, eine oder ein par ſchmackhafte Zaͤhren mit verſchluckt. Dann ißt und trinkt ſie, euch zu gefallen. Dann entſchließt ſie ſich, eurentwillen zu le- ben. ‒ ‒ Dann werden ſich gleich darauf ihre Wehklagen in Schmeicheleien, und ihre hef- tigen Vorwuͤrfe, in ein ſanftes Murren ver- wandeln: Wie haben ſie ſichs unterſtehen koͤnnen? Verraͤther! ‒ ‒ Wie konnten ſie es uͤbers Herz bringen? mein Liebſter! ‒ ‒ Sie wird euch zu ſich ziehen, an ſtatt euch weg zu ſtoſſen. Sie wird euch nicht laͤnger mit her- vorge-

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa08_1753
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa08_1753/132
Zitationshilfe: [Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 8. Göttingen, 1753, S. 124. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa08_1753/132>, abgerufen am 14.04.2021.