Anmelden (DTAQ) DWDS     dlexDB     CLARIN-D

[Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 8. Göttingen, 1753.

Bild:
<< vorherige Seite


Jch habe noch andre Ursachen, dies zu wün-
schen. Denn ich habe nur eben mit jemanden
Bekantschaft gemacht, der einen grossen Theil
seiner geheimen Geschichte weiß. Der Mensch
ist würklich ein Bösewicht! ein abscheulicher
Bösewicht! wenn alles wahr ist, was ich ge-
höret habe, und doch hat man mir noch mehr
besondere Nachrichten versprochen.

Jch versichre Jhnen u. s. w.

Th. IV. S. 64. L. 11. lies statt des Schlus-
ses dieses Briefes: dieses bezeuget Jh-
re Anna Howe.

Hernach mag er mir sagen, wenn er das Herz
hätte, oder wollte, daß er diejenige Person un-
ter seine Füsse gedemüthiget, welche zu erhö-
hen seine wahre Ehre gewesen wäre.

Erleichtern Sie inzwischen Jhren Kummer
mit Betrachtungen, die Jhrer würdig sind?
Sind Sie gleich mit List in die Gewalt dieses
Mannes gebracht, so brauchen Sie sich doch
nicht unter dieselbe zu erniedrigen. Sie gebie-
ten seiner Ehrerbietung, oder, wie ich wol sa-
gen mag, Sie begeistern ihn damit. Denn
man hat nie gesehen, daß er vor etwas Gutem
je eine Ehrerbietung gehabt hätte, bis Sie zu
ihm gekommen sind. Er bekennet auch dann
und wann, er werde durch Jhr Beyspiel in
solcher Ehrfurcht gehalten, und so gerühret,
daß es die Gewalt über ihn haben würde, ihn
auf den rechten Weg zu bringen.

Sie


Jch habe noch andre Urſachen, dies zu wuͤn-
ſchen. Denn ich habe nur eben mit jemanden
Bekantſchaft gemacht, der einen groſſen Theil
ſeiner geheimen Geſchichte weiß. Der Menſch
iſt wuͤrklich ein Boͤſewicht! ein abſcheulicher
Boͤſewicht! wenn alles wahr iſt, was ich ge-
hoͤret habe, und doch hat man mir noch mehr
beſondere Nachrichten verſprochen.

Jch verſichre Jhnen u. ſ. w.

Th. IV. S. 64. L. 11. lies ſtatt des Schluſ-
ſes dieſes Briefes: dieſes bezeuget Jh-
re Anna Howe.

Hernach mag er mir ſagen, wenn er das Herz
haͤtte, oder wollte, daß er diejenige Perſon un-
ter ſeine Fuͤſſe gedemuͤthiget, welche zu erhoͤ-
hen ſeine wahre Ehre geweſen waͤre.

Erleichtern Sie inzwiſchen Jhren Kummer
mit Betrachtungen, die Jhrer wuͤrdig ſind?
Sind Sie gleich mit Liſt in die Gewalt dieſes
Mannes gebracht, ſo brauchen Sie ſich doch
nicht unter dieſelbe zu erniedrigen. Sie gebie-
ten ſeiner Ehrerbietung, oder, wie ich wol ſa-
gen mag, Sie begeiſtern ihn damit. Denn
man hat nie geſehen, daß er vor etwas Gutem
je eine Ehrerbietung gehabt haͤtte, bis Sie zu
ihm gekommen ſind. Er bekennet auch dann
und wann, er werde durch Jhr Beyſpiel in
ſolcher Ehrfurcht gehalten, und ſo geruͤhret,
daß es die Gewalt uͤber ihn haben wuͤrde, ihn
auf den rechten Weg zu bringen.

Sie
<TEI>
  <text>
    <body>
      <div n="1">
        <div n="2">
          <pb facs="#f0149" n="141"/>
          <milestone rendition="#hr" unit="section"/><lb/>
          <p>Jch habe noch andre Ur&#x017F;achen, dies zu wu&#x0364;n-<lb/>
&#x017F;chen. Denn ich habe nur eben mit jemanden<lb/>
Bekant&#x017F;chaft gemacht, der einen gro&#x017F;&#x017F;en Theil<lb/>
&#x017F;einer geheimen Ge&#x017F;chichte weiß. Der Men&#x017F;ch<lb/>
i&#x017F;t wu&#x0364;rklich ein Bo&#x0364;&#x017F;ewicht! ein ab&#x017F;cheulicher<lb/>
Bo&#x0364;&#x017F;ewicht! wenn alles wahr i&#x017F;t, was ich ge-<lb/>
ho&#x0364;ret habe, und doch hat man mir noch mehr<lb/>
be&#x017F;ondere Nachrichten ver&#x017F;prochen.</p><lb/>
          <p>Jch ver&#x017F;ichre Jhnen u. &#x017F;. w.</p>
        </div><lb/>
        <div n="2">
          <head>Th. <hi rendition="#aq">IV.</hi> S. 64. L. 11. lies &#x017F;tatt des Schlu&#x017F;-<lb/>
&#x017F;es die&#x017F;es Briefes: <hi rendition="#fr">die&#x017F;es bezeuget Jh-<lb/>
re Anna Howe.</hi></head><lb/>
          <p>Hernach mag er mir &#x017F;agen, wenn er das Herz<lb/>
ha&#x0364;tte, oder wollte, daß er diejenige Per&#x017F;on un-<lb/>
ter &#x017F;eine Fu&#x0364;&#x017F;&#x017F;e gedemu&#x0364;thiget, welche zu erho&#x0364;-<lb/>
hen &#x017F;eine wahre Ehre gewe&#x017F;en wa&#x0364;re.</p><lb/>
          <p>Erleichtern Sie inzwi&#x017F;chen Jhren Kummer<lb/>
mit Betrachtungen, die Jhrer wu&#x0364;rdig &#x017F;ind?<lb/>
Sind Sie gleich mit Li&#x017F;t in die Gewalt die&#x017F;es<lb/>
Mannes gebracht, &#x017F;o brauchen Sie &#x017F;ich doch<lb/>
nicht unter die&#x017F;elbe zu erniedrigen. Sie gebie-<lb/>
ten &#x017F;einer Ehrerbietung, oder, wie ich wol &#x017F;a-<lb/>
gen mag, Sie begei&#x017F;tern ihn damit. Denn<lb/>
man hat nie ge&#x017F;ehen, daß er vor etwas Gutem<lb/>
je eine Ehrerbietung gehabt ha&#x0364;tte, bis Sie zu<lb/>
ihm gekommen &#x017F;ind. Er bekennet auch dann<lb/>
und wann, er werde durch Jhr Bey&#x017F;piel in<lb/>
&#x017F;olcher Ehrfurcht gehalten, und &#x017F;o geru&#x0364;hret,<lb/>
daß es die Gewalt u&#x0364;ber ihn haben wu&#x0364;rde, ihn<lb/>
auf den rechten Weg zu bringen.</p><lb/>
          <fw place="bottom" type="catch">Sie</fw><lb/>
        </div>
      </div>
    </body>
  </text>
</TEI>
[141/0149] Jch habe noch andre Urſachen, dies zu wuͤn- ſchen. Denn ich habe nur eben mit jemanden Bekantſchaft gemacht, der einen groſſen Theil ſeiner geheimen Geſchichte weiß. Der Menſch iſt wuͤrklich ein Boͤſewicht! ein abſcheulicher Boͤſewicht! wenn alles wahr iſt, was ich ge- hoͤret habe, und doch hat man mir noch mehr beſondere Nachrichten verſprochen. Jch verſichre Jhnen u. ſ. w. Th. IV. S. 64. L. 11. lies ſtatt des Schluſ- ſes dieſes Briefes: dieſes bezeuget Jh- re Anna Howe. Hernach mag er mir ſagen, wenn er das Herz haͤtte, oder wollte, daß er diejenige Perſon un- ter ſeine Fuͤſſe gedemuͤthiget, welche zu erhoͤ- hen ſeine wahre Ehre geweſen waͤre. Erleichtern Sie inzwiſchen Jhren Kummer mit Betrachtungen, die Jhrer wuͤrdig ſind? Sind Sie gleich mit Liſt in die Gewalt dieſes Mannes gebracht, ſo brauchen Sie ſich doch nicht unter dieſelbe zu erniedrigen. Sie gebie- ten ſeiner Ehrerbietung, oder, wie ich wol ſa- gen mag, Sie begeiſtern ihn damit. Denn man hat nie geſehen, daß er vor etwas Gutem je eine Ehrerbietung gehabt haͤtte, bis Sie zu ihm gekommen ſind. Er bekennet auch dann und wann, er werde durch Jhr Beyſpiel in ſolcher Ehrfurcht gehalten, und ſo geruͤhret, daß es die Gewalt uͤber ihn haben wuͤrde, ihn auf den rechten Weg zu bringen. Sie

Suche im Werk

Hilfe

Informationen zum Werk

Download dieses Werks

XML (TEI P5) · HTML · Text
TCF (text annotation layer)
TCF (tokenisiert, serialisiert, lemmatisiert, normalisiert)
XML (TEI P5 inkl. att.linguistic)

Metadaten zum Werk

TEI-Header · CMDI · Dublin Core

Ansichten dieser Seite

Voyant Tools ?

Language Resource Switchboard?

Feedback

Sie haben einen Fehler gefunden? Dann können Sie diesen über unsere Qualitätssicherungsplattform DTAQ melden.

Kommentar zur DTA-Ausgabe

Dieses Werk wurde gemäß den DTA-Transkriptionsrichtlinien im Double-Keying-Verfahren von Nicht-Muttersprachlern erfasst und in XML/TEI P5 nach DTA-Basisformat kodiert.




Ansicht auf Standard zurückstellen

URL zu diesem Werk: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa08_1753
URL zu dieser Seite: https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa08_1753/149
Zitationshilfe: [Richardson, Samuel]: Clarissa. Bd. 8. Göttingen, 1753, S. 141. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richardson_clarissa08_1753/149>, abgerufen am 19.04.2021.