Richter, Christoph Philipp: Spectaculum Historicum. Historisches Schauspiel. Jena, 1661.Sie waren alle bestürtzt über diesem Fall/ in Betrachtung/ daß man weder Thür noch Fenster offen fand/ da er hätte können hinaus kommen. Uber zwey Stunden höreten die betrübten Eltern ein groß Gerausche in einer Kammer über ihnen/ und den Knaben bitterlich weinen. Als sie hinauf giengen/ und die Kammer thür/ so wohl verwahret/ mit dem Schlüssel eröffneten/ funden sie den Knaben in so elendem zustande/ daß es sehr erbärmlich anzuschauen war. Denn über das/ daß seine Kleider gantz zerrissen/ war sein Gesichte/ die Hände / und fast der gantze Leib zerstochen und zerritzet/ als wie mit Dornen: Er war so verstellet und verwirret daß er dieselbe gantze Nacht nicht kunte zu sich selbst kommen. Die Eltern thäten alles/ was sie vermeinten dienlich zu seyn/ ihn zu erquicken: Als sie aber folgendes Tages sahen/ daß er etlicher Massen zu sich selber kommen/ fragten sie ihn/ was sich vergangene Nacht mit ihm begeben hätte. Er antwortete/ als er wäre im Hoffe gewesen/ da wären sehr grosse/ scheußliche / und erschreckliche Männer zu ihm kommen/ die hätten ihn ohne eintziges Wort genommen/ und in die Luft geführet/ mit einer ungläublichen Geschwindigkeit; Darnach hätten sie ihn gebracht auf Berge/ die voller Dornen gestanden/ durch dieselben hätten sie ihn geschleiffet/ und also zugericht/ wie sie ihn Sie waren alle bestürtzt über diesem Fall/ in Betrachtung/ daß man weder Thür noch Fenster offen fand/ da er hätte können hinaus kommen. Uber zwey Stunden höreten die betrübten Eltern ein groß Gerausche in einer Kammer über ihnen/ und den Knaben bitterlich weinen. Als sie hinauf giengen/ und die Kam̃er thür/ so wohl verwahret/ mit dem Schlüssel eröffneten/ funden sie den Knaben in so elendem zustande/ daß es sehr erbärmlich anzuschauen war. Denn über das/ daß seine Kleider gantz zerrissen/ war sein Gesichte/ die Hände / und fast der gantze Leib zerstochen und zerritzet/ als wie mit Dornen: Er war so verstellet und verwirret daß er dieselbe gantze Nacht nicht kunte zu sich selbst kommen. Die Eltern thäten alles/ was sie vermeinten dienlich zu seyn/ ihn zu erquicken: Als sie aber folgendes Tages sahen/ daß er etlicher Massen zu sich selber kommen/ fragten sie ihn/ was sich vergangene Nacht mit ihm begeben hätte. Er antwortete/ als er wäre im Hoffe gewesen/ da wären sehr grosse/ scheußliche / und erschreckliche Männer zu ihm kommen/ die hätten ihn ohne eintziges Wort genommen/ und in die Luft geführet/ mit einer ungläublichen Geschwindigkeit; Darnach hätten sie ihn gebracht auf Berge/ die voller Dornen gestanden/ durch dieselben hätten sie ihn geschleiffet/ und also zugericht/ wie sie ihn <TEI> <text> <body> <div> <pb facs="#f0102" n="82"/> <p>Sie waren alle bestürtzt über diesem Fall/ in Betrachtung/ daß man weder Thür noch Fenster offen fand/ da er hätte können hinaus kommen.</p> <p>Uber zwey Stunden höreten die betrübten Eltern ein groß Gerausche in einer Kammer über ihnen/ und den Knaben bitterlich weinen.</p> <p>Als sie hinauf giengen/ und die Kam̃er thür/ so wohl verwahret/ mit dem Schlüssel eröffneten/ funden sie den Knaben in so elendem zustande/ daß es sehr erbärmlich anzuschauen war.</p> <p>Denn über das/ daß seine Kleider gantz zerrissen/ war sein Gesichte/ die Hände / und fast der gantze Leib zerstochen und zerritzet/ als wie mit Dornen: Er war so verstellet und verwirret daß er dieselbe gantze Nacht nicht kunte zu sich selbst kommen.</p> <p>Die Eltern thäten alles/ was sie vermeinten dienlich zu seyn/ ihn zu erquicken: Als sie aber folgendes Tages sahen/ daß er etlicher Massen zu sich selber kommen/ fragten sie ihn/ was sich vergangene Nacht mit ihm begeben hätte.</p> <p>Er antwortete/ als er wäre im Hoffe gewesen/ da wären sehr grosse/ scheußliche / und erschreckliche Männer zu ihm kommen/ die hätten ihn ohne eintziges Wort genommen/ und in die Luft geführet/ mit einer ungläublichen Geschwindigkeit; Darnach hätten sie ihn gebracht auf Berge/ die voller Dornen gestanden/ durch dieselben hätten sie ihn geschleiffet/ und also zugericht/ wie sie ihn </p> </div> </body> </text> </TEI> [82/0102]
Sie waren alle bestürtzt über diesem Fall/ in Betrachtung/ daß man weder Thür noch Fenster offen fand/ da er hätte können hinaus kommen.
Uber zwey Stunden höreten die betrübten Eltern ein groß Gerausche in einer Kammer über ihnen/ und den Knaben bitterlich weinen.
Als sie hinauf giengen/ und die Kam̃er thür/ so wohl verwahret/ mit dem Schlüssel eröffneten/ funden sie den Knaben in so elendem zustande/ daß es sehr erbärmlich anzuschauen war.
Denn über das/ daß seine Kleider gantz zerrissen/ war sein Gesichte/ die Hände / und fast der gantze Leib zerstochen und zerritzet/ als wie mit Dornen: Er war so verstellet und verwirret daß er dieselbe gantze Nacht nicht kunte zu sich selbst kommen.
Die Eltern thäten alles/ was sie vermeinten dienlich zu seyn/ ihn zu erquicken: Als sie aber folgendes Tages sahen/ daß er etlicher Massen zu sich selber kommen/ fragten sie ihn/ was sich vergangene Nacht mit ihm begeben hätte.
Er antwortete/ als er wäre im Hoffe gewesen/ da wären sehr grosse/ scheußliche / und erschreckliche Männer zu ihm kommen/ die hätten ihn ohne eintziges Wort genommen/ und in die Luft geführet/ mit einer ungläublichen Geschwindigkeit; Darnach hätten sie ihn gebracht auf Berge/ die voller Dornen gestanden/ durch dieselben hätten sie ihn geschleiffet/ und also zugericht/ wie sie ihn
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| Zitationshilfe: | Richter, Christoph Philipp: Spectaculum Historicum. Historisches Schauspiel. Jena, 1661, S. 82. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/richter_spectaculum_1661/102>, abgerufen am 23.09.2024. |


