Röll, [Victor] von (Hrsg.): Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. 2. Aufl. Bd. 8. Berlin, Wien, 1917.die übrigen voraussichtlich versagen. Hervorragendes Beispiel: die Limberger R. bei Eggenburg auf der Kaiser-Franz-Josef-Bahn in Niederösterreich, wo Lehm, Letten, Ton und Schotter bis auf eine Tiefe von 35 m des Urgesteins (Granit) in einer Neigung von 1 : 6 überlagern. Die Lehne wurde durch eine talseitig ausgeführte Bahnverlegung mit einem 285 m langen Brückenzug mit Blechträgern von 20 m lichter Weite auf 11 bis auf den festen Grund in den rutschenden Massen niedergebrachten Pfeilern von einer größten Tiefe von 25 m überschritten (Ztschr. d. Österr. Ing.-V. 1912, Nr. 36, vgl. Abb. 154 a u. b). ![]() Abb. 154 a u. b. Limberger Rutschung an der Kaiser-Franz-Josef-Bahn. Lageplan. Querschnitt (Gleitfläche 1 : 12 geneigt). Die rutschenden Massen stauten sich an den festgegründeten Pfeilern und kamen zur Ruhe. Auch an der Moselbahn sind in ausgedehntem Maß Brückenzüge an Stelle von Dämmen gegen Rutschgefahr, z. B. an der Pündericher Bergwand zur Ausführung gekommen. 2. R. des Dammbodens infolge Verminderung des Zusammenhalts auf inneren Gleitflächen (Schalenrutschungen), verursacht durch schlechten Schüttboden, mangelhafte Schüttung und Bearbeitung der Erdmassen, durch Verwendung von nassem oder gefrorenem, namentlich undurchlässigem Boden, durch ungenügenden äußeren Schutz gegen Eindringen von Wasser. Gegenmaßnahmen: a) Beseitigung und Umbildung des schlechten Schüttbodens, Abflachung der Böschungen. b) Entwässerung des Schüttbodens unter Vorsichtsmaßregeln zum Schutz der Entwässerungsanlagen bei Setzen des Schüttbodens (z. B. Bohlenrinnen unter den Sickerkanälen); Anwendung von tiefliegenden netzförmigen Faschinenlagen nach Paech (s. A, 1, a, d), gleichzeitig zur Entwässerung und Lüftung (Austrocknung, vgl. Abb. 155). Wirksam sind Faschineneinbauten und Steinrippen in offenen, wieder zuzufüllenden Schlitzen (Abb. 156 a u. b und A, 1, c und B, 1, b, Abb. 152 a u. b sowie 153), die als Steinbauten gleichzeitig (Abb. 154 a u. b) stützen (Ann. d. ponts, 1875, S. 8; 1912, Bd. V, S. 339; Rev. gen. d. chem. 1901, Bd. V, S. 539; Ztschr. f. Bw. 1899, S. 584). Erforderlich ist die Entwässerung von Wassersäcken, die sich unter der Bettung durch fortwährendes Nachschütten von Bettungsstoff bilden (vgl. Abb. 157). c) Schutz der Bahnkrone und der Böschungen durch Verhinderung des Eindringens ![]() Abb. 155. Trockenlegung einer Dammrutschung nach Paech. die übrigen voraussichtlich versagen. Hervorragendes Beispiel: die Limberger R. bei Eggenburg auf der Kaiser-Franz-Josef-Bahn in Niederösterreich, wo Lehm, Letten, Ton und Schotter bis auf eine Tiefe von 35 m des Urgesteins (Granit) in einer Neigung von 1 : 6 überlagern. Die Lehne wurde durch eine talseitig ausgeführte Bahnverlegung mit einem 285 m langen Brückenzug mit Blechträgern von 20 m lichter Weite auf 11 bis auf den festen Grund in den rutschenden Massen niedergebrachten Pfeilern von einer größten Tiefe von 25 m überschritten (Ztschr. d. Österr. Ing.-V. 1912, Nr. 36, vgl. Abb. 154 a u. b). ![]() Abb. 154 a u. b. Limberger Rutschung an der Kaiser-Franz-Josef-Bahn. Lageplan. Querschnitt (Gleitfläche 1 : 12 geneigt). Die rutschenden Massen stauten sich an den festgegründeten Pfeilern und kamen zur Ruhe. Auch an der Moselbahn sind in ausgedehntem Maß Brückenzüge an Stelle von Dämmen gegen Rutschgefahr, z. B. an der Pündericher Bergwand zur Ausführung gekommen. 2. R. des Dammbodens infolge Verminderung des Zusammenhalts auf inneren Gleitflächen (Schalenrutschungen), verursacht durch schlechten Schüttboden, mangelhafte Schüttung und Bearbeitung der Erdmassen, durch Verwendung von nassem oder gefrorenem, namentlich undurchlässigem Boden, durch ungenügenden äußeren Schutz gegen Eindringen von Wasser. Gegenmaßnahmen: a) Beseitigung und Umbildung des schlechten Schüttbodens, Abflachung der Böschungen. b) Entwässerung des Schüttbodens unter Vorsichtsmaßregeln zum Schutz der Entwässerungsanlagen bei Setzen des Schüttbodens (z. B. Bohlenrinnen unter den Sickerkanälen); Anwendung von tiefliegenden netzförmigen Faschinenlagen nach Paech (s. A, 1, a, δ), gleichzeitig zur Entwässerung und Lüftung (Austrocknung, vgl. Abb. 155). Wirksam sind Faschineneinbauten und Steinrippen in offenen, wieder zuzufüllenden Schlitzen (Abb. 156 a u. b und A, 1, c und B, 1, b, Abb. 152 a u. b sowie 153), die als Steinbauten gleichzeitig (Abb. 154 a u. b) stützen (Ann. d. ponts, 1875, S. 8; 1912, Bd. V, S. 339; Rev. gén. d. chem. 1901, Bd. V, S. 539; Ztschr. f. Bw. 1899, S. 584). Erforderlich ist die Entwässerung von Wassersäcken, die sich unter der Bettung durch fortwährendes Nachschütten von Bettungsstoff bilden (vgl. Abb. 157). c) Schutz der Bahnkrone und der Böschungen durch Verhinderung des Eindringens ![]() Abb. 155. Trockenlegung einer Dammrutschung nach Paech. <TEI> <text> <body> <div n="1"> <div type="lexiconEntry" n="2"> <p><pb facs="#f0300" n="284"/> die übrigen voraussichtlich versagen. 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die übrigen voraussichtlich versagen. Hervorragendes Beispiel: die Limberger R. bei Eggenburg auf der Kaiser-Franz-Josef-Bahn in Niederösterreich, wo Lehm, Letten, Ton und Schotter bis auf eine Tiefe von 35 m des Urgesteins (Granit) in einer Neigung von 1 : 6 überlagern. Die Lehne wurde durch eine talseitig ausgeführte Bahnverlegung mit einem 285 m langen Brückenzug mit Blechträgern von 20 m lichter Weite auf 11 bis auf den festen Grund in den rutschenden Massen niedergebrachten Pfeilern von einer größten Tiefe von 25 m überschritten (Ztschr. d. Österr. Ing.-V. 1912, Nr. 36, vgl. Abb. 154 a u. b).
[Abbildung Abb. 154 a u. b. Limberger Rutschung an der Kaiser-Franz-Josef-Bahn.
Lageplan. Querschnitt (Gleitfläche 1 : 12 geneigt).
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Die rutschenden Massen stauten sich an den festgegründeten Pfeilern und kamen zur Ruhe. Auch an der Moselbahn sind in ausgedehntem Maß Brückenzüge an Stelle von Dämmen gegen Rutschgefahr, z. B. an der Pündericher Bergwand zur Ausführung gekommen.
2. R. des Dammbodens infolge Verminderung des Zusammenhalts auf inneren Gleitflächen (Schalenrutschungen), verursacht durch schlechten Schüttboden, mangelhafte Schüttung und Bearbeitung der Erdmassen, durch Verwendung von nassem oder gefrorenem, namentlich undurchlässigem Boden, durch ungenügenden äußeren Schutz gegen Eindringen von Wasser.
Gegenmaßnahmen: a) Beseitigung und Umbildung des schlechten Schüttbodens, Abflachung der Böschungen.
b) Entwässerung des Schüttbodens unter Vorsichtsmaßregeln zum Schutz der Entwässerungsanlagen bei Setzen des Schüttbodens (z. B. Bohlenrinnen unter den Sickerkanälen); Anwendung von tiefliegenden netzförmigen Faschinenlagen nach Paech (s. A, 1, a, δ), gleichzeitig zur Entwässerung und Lüftung (Austrocknung, vgl. Abb. 155). Wirksam sind Faschineneinbauten und Steinrippen in offenen, wieder zuzufüllenden Schlitzen (Abb. 156 a u. b und A, 1, c und B, 1, b, Abb. 152 a u. b sowie 153), die als Steinbauten gleichzeitig (Abb. 154 a u. b) stützen (Ann. d. ponts, 1875, S. 8; 1912, Bd. V, S. 339; Rev. gén. d. chem. 1901, Bd. V, S. 539; Ztschr. f. Bw. 1899, S. 584). Erforderlich ist die Entwässerung von Wassersäcken, die sich unter der Bettung durch fortwährendes Nachschütten von Bettungsstoff bilden (vgl. Abb. 157).
c) Schutz der Bahnkrone und der Böschungen durch Verhinderung des Eindringens
[Abbildung Abb. 155. Trockenlegung einer Dammrutschung nach Paech.
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des Tagwassers durch eine zweckmäßige Abwässerung der Krone und eine Schutzdecke an den Böschungen auch gegen den Angriff des fließenden oder stehenden bewegten Wassers. Wirksam sind netzförmige
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| Zitationshilfe: | Röll, [Victor] von (Hrsg.): Enzyklopädie des Eisenbahnwesens. 2. Aufl. Bd. 8. Berlin, Wien, 1917, S. 284. In: Deutsches Textarchiv <https://www.deutschestextarchiv.de/roell_eisenbahnwesen08_1917/300>, abgerufen am 11.09.2024. |




